Be a woman, be a mom: das neue Label Womom

7. Juli 2017 von in ,

Nicht nur in den Onlineshops ist „Maternity“ Grundsätzlich von der Sparte „Women“ separiert – wird eine Frau zur Mama, wird ihr automatisch der Mutti-Stempel auf die Stirn gedrückt. Vielleicht nicht immer bewusst und laut, sondern auch unterbewusst und schleichend – „die ist ja jetzt Mama“ wird viel zu oft pauschalisiert und gleichgesetzt mit „die ist ja jetzt raus und interessiert sich sowieso nur noch für Muttikram“. Unsere liebe Freundin und begnadete Fotografin Kerstin ist vor einiger Zeit selbst Mama geworden, und weigert sich, nun automatisch den Stempel auf der Stirn zu tragen. Das Leben ändert sich, es stellt sich sogar auf den Kopf, aber man selbst bleibt auch als Mama viel mehr als das – man bleibt eine Frau, man bleibt man selbst, man bekommt wahnsinnig viel dazu und gleichzeitig ändert sich auch überhaupt nichts.

„We are strong, fierce, soft, feminine and sexy – ALWAYS“

Gleichzeitig ist das Muttithema für alle, die noch keine Kinder haben, ziemlich tabu – es herrscht eine Abgrenzung, mit Breastfeeding und Babybrei will man als Nicht-Mutti nichts zu tun haben, und in der eigenen Identität hat das Mamasein oft so lange nichts zu suchen, bis man eben doch plötzlich schwanger ist.

Dass Mutterschaft ein Thema ist, das auch für Nicht-Mamas ein Teil der weiblichen Identität ist, und umgekehrt das Frau-sein in all seinen Facetten auch für Mamas gilt, ist ein Thema, mit dem sich Kerstin seit ihrer Schwangerschaft viel beschäftigt – und dem sie jetzt mit dem Label WOMOM Gehör verschaffen will. Hier bringt sie zusammen mit der Grafikerin Anette Granados unter dem Motto „be a mom, be a woman“ eine eigene Linie heraus, die Mütter wie Nichtmütter gleichermaßen tragen können. Die Designs greifen „Muttithemen“ auf – tired eyes, Brüste oder Muttermilch – und setzen sie so wunderbar und lässig um, dass wir uns direkt selbst drei Shirts geordert haben.

Das Womon-Team besteht aus der Gründerin Kerstin Rothkopf, außerdem sind die Grafikerin Annette Granados von Studio Granada und unsere Freundin Tatiana Peco, die diese Woche erst ihr Outfit-Diary auf Journelles zeigte, mit im Boot. Zum bevorstehenden Launch des Shops nächste Woche haben wir uns mit Kerstin, Anette und Tati unterhalten – und sind nicht nur begeistert vom Konzept, sondern auch mitaufgeregt und wünschen zum Start alles Beste!

Ihr Lieben, herzlichen Glückwunsch zum Womom-Launch! Wir sind schon von den ersten Eindrücken ganz begeistert – Kerstin, kannst du uns noch mal kurz erzählen, wie die Idee zu Womom entstand?

Die Ursprungsidee entstand während meiner Schwangerschaft, als ich parallel dazu noch an meiner Abschlussarbeit in Kommunikationsdesign saß. Thematisch war mir meine Schwangerschaft zunächst zu naheliegend. Durch die klischeebeladene Mamischiene mit ihren harmonieüberladenen Blogs und happy Melonen-auf-T-Shirt Bäuchen, aber auch dem generellen Angebot an Schwangerschaftsmode, durch das Schwangere zwangsläufig in eine Schublade geschoben werden,  begann ich mit meinen persönlichen Schwangerschaftserfahrungen in Form von ersten Shirtentwüfen zu experimentieren. Die Idee des Labels hat sich dann nach der Schwangerschaft immer mehr herauskristallisiert, da das Thema abseits der vielen Klischees ja total viele Anknüpfungspunkte liefert. Allein die ständige Trennung zwischen Frauen- und Schwangerschaftsmode hat für mich von Beginn an keinen Sinn ergeben, ich selbst habe fast ausschließlich „normale“ Klamotten während meiner Schwangerschaft getragen. Ein Kind kriegen und Mama sein ist nicht nur heile Welt und Schweben auf Wolke 7, aber dass man trotzdem nicht den Humor verlieren muss und auch mal die negativen Seiten thematisieren darf, war ein zentraler Gedanke bei der Gründung des Labels. 

Was ist das Konzept des Shops und wen wollt ihr ansprechen?

Na, das hast du in deinem Introtext schon super auf den Punkt gebracht. Uniwomen ist das Stichwort. Wir finde einfach das gerade in der heutigen Zeit, das Thema Schwangerschaft und Mutterschaft ein neues Gesicht braucht. Es hat sich viel geändert und unsere Generation ist einfach eine andere. Wir sind viel offener. Warum also auch nicht gegenüber dem Mutterthema? Wir wollen die Gesellschaft für dieses Thema etwas sensibilisieren. Und auch Tabuthemen etwas näher bringen. Eine Frau ist eine Frau – egal ob man nun Mutter ist oder nicht, in einer Beziehung oder Single. Es gibt ja in der Mode auch keine extra Einteiling in „Singlewomen“. 

Ihr seid selbst Mutter geworden, das krempelt natürlich erst mal alles um. Wie hat sich dadurch euer Verhältnis zu euch selbst verändert? Seid ihr noch ganz die Alten, oder ist plötzlich nicht nur von der Lebenssituation her alles anders?

Kerstin: Natürlich ist man immer noch dieselbe Person wie damals, ein Kind verändert ja nicht grundlegend deine Persönlichkeit. Und vor allem bin ich immer noch eine Frau, mit den gleichen Bedürfnissen und Interessen wie früher. Aber natürlich ändert sich das Denken und auch die persönliche Lebenseinstellung. Man ist nun nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich und hat alle Freiheit der Welt. Ich hatte ehrlich gesagt anfangs ziemliche Schwierigkeiten mit dieser neuen Situation – nicht mehr „unabhängig und frei“ zu sein. Aber mittlerweile mag ich es „Mama“ zu sein – ein Kind zu haben bereichert das Leben tatsächlich. Man lernt auch, den Körper ganz anders wahrzunehmen. Und da spreche ich nicht nur von Äußerlichkeiten. 

„Diese 24/7 Nummer ist eigentlich das was einen am meisten umhaut“

Annette: Man ist genauso wie vorher und gleichzeitig auch nicht. Die Worte Mama kamen mir jedenfalls schneller als gedacht vollkommen selbstverständlich über die Lippen. Ganz die Alte ist man aber auch nicht mehr, denn diese 24/7 Nummer ist eigentlich das, was einen am meisten umhaut und einen am meisten in Beschlag nimmt: Kein „ich bin dann mal weg“ oder „ich hab jetzt keinen Bock“. Aber das ist immer alles eine Frage der inneren Einstellung.

Tati: Ja, es ist auf jeden Fall alles anders. Vieles besser, aber auch vieles einfach anstrengender… das muss man auch ehrlich zugeben können. Viele belügen sich da ja schon oft selbst…. ich kann mir zum Beispiel jetzt nicht einfach meine Nägel lackieren, dann wenn ich dazu Lust habe. Trotzdem ist irgendwie jetzt sehr vieles besser! Das ist wirklich so, wie alle sagen! Ich finde auch, Kinder zu haben verbindet einfach. Das sieht man auch bei uns! In dieser Konstellation wären wir wahrscheinlich sonst nie zusammen gekommen. Und das ist doch schön! Wenn man einfach irgendwie wieder zum Wesentlichen zurückkehrt. Liebe, Freundschaft, Verständnis…. ich finde das verliert man schon leicht in dieser schnellen Single-Welt. 

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„Irgendwie kriegt man alles auf die Reihe“

Ist die Vorstellung, sein Leben mit Kind ganz locker weiter handlen zu können, eine Illusion, oder kriegt man das alles dann doch irgendwie gewuppt?

Kerstin: Haha, ja es ist auf jeden Fall eine Illusion noch alles wie früher zu schaffen und einfach so weiter zu machen, wie bisher. Ein Kind ist nun mal auch „Arbeit“. Aber es funktioniert, wenn man sich auf die Veränderung einlässt. Man muss nur alles besser timen und sich und der ganzen Situation selbst auch mehr Zeit geben. Nicht zwanghaft versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber wie man an unserem Label sieht, ist alles machbar! 

Annette: Es kann funktionieren! Wie man an unserer Teamarbeit merken kann – wir kriegen etwas hin, obwohl wir ein Minimum der Zeit übrig haben, die wir mal hatten. Als Mutter wird man außerdem zum Effizienzmonster – schnelle Entscheidungen sind ständig gefragt und Zeit ist dein kostbarstes Gut. Das kann auch ein guter Motivator und Antrieb sein! Man darf nur nicht zu hohe Erwartungen an sich stellen, denn es kann immer etwas unvorhergesehenes dazwischen kommen und dann ist man frustriert. Aber da hilft nur eins: Locker bleiben…

Tati: Meine Mutter sagt immer: alles geht irgendwie, wenn du musst! Und das stimmt total. Irgendwie kriegt man alles auf die Reihe.

Wie steht ihr zur Präsenz von Kleinkindern auf Social Media, inwieweit zeigt ihr eure Kinder selbst?

Kerstin: Mein Freund und ich haben das anfangs nicht so eng gesehen. Ein Baby sieht aus wie ein Baby. Jetzt wo sich aber schon langsam deutliche Gesichtszüge erkennbar machen, zeigen wir sie auch nicht mehr. Aber ich finde es jetzt auch nicht furchtbar schlimm, wenn jemand mal ein Bild mit ihr drauf postet. 

Annette: Mein Mann und ich haben uns ohne große Worte entschlossen, kein einziges Foto zu posten. Irgendwie war uns das gleich klar. Aber ich finde es trotzdem auch schön, wenn jemand gerne fotografiert und sein Glück zeigen möchte, dann habe ich da überhaupt nichts dagegen und kann mich auch mit freuen.

Tati: Das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Ich zeige Lu nicht gern auf Instagram. Ab und an mal erscheint sie irgendwo… ich möchte sie ja auch nicht verheimlichen. Trotzdem habe ich dann immer ein komisches Gefühl. Ich weiß ja nicht, ob sie das überhaupt wollen würde…

Kerstin, wir verfolgen deine Arbeit als Fotografin schon seit Jahren – was inspiriert dich momentan und was dir beim visuellen Konzept von Womon wichtig?

Was mich schon immer inspiriert hat war das „echte“ Leben. Und deshalb finde ich es auch ganz spannend, welche Bewegung sich da gerade allgemein  auftut – in der Fotografie, wie auch in der Mode und auch in den Köpfen der Gesellschaft. Deshalb war mir und uns beim visuellen Konzept von Womom wichtig, dass wir keine Models für Fotos nehmen, sondern echte Frauen. Wie auch die Prints auf unseren Shirts soll auch das ganze Label einfach echt und ehrlich sein!

Vielen Dank für das Interview, ihr Lieben. Hier findet ihr Womom übrigens auf Instagram, und hier geht’s ab nächster Woche zum Shop!

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