Bibi und die Aasgeier

12. Mai 2017 von in

Photocollage: Instagram Bibis Beauty Palace // Michael Baird/Unsplash

Es wäre einfach, jetzt zu sagen: Der erste Song von Bibi aka Bianca Heinicke aka YouTube-Star aka Schminkgirl aka Idol vieler 13-jähriger Mädchen ist vor allem eins, eine Katastrophe. Was ich subjektiv als wirkliche Höllenqual empfinde, sehen Tausende von Mädchen anders: How it is ist gerade der Lieblingssong. Trotzdem: eine Million Daumen nach unten bei YouTube, Hunderte von hämischer Artikel und Tausende von Hass-Kommentaren machen klar: Bibi, das war nix.

In einem (vermeintlichen) rosaroten Mädchentraum hüpft Bibi in dem Musikvideo umher – und singt dabei mit dünner Stimme Zeilen wie „It’s late at night, I go to bed. But I can’t get no rest
My boyfriend quit, I’m almost dead.“ Gekrönt von dem Refrain: „But that’s just how it is. I sing: Wap-bap, ba-da-di-da-da.“ Das Video: furchtbar zuckerhaltig bis hin zu billig produziert. Der Text: kein Werk für die Ewigkeit. Ohrwurm-Charakter? Darüber lässt sich streiten.

Trotzdem: Ich bin weniger genervt von Wap-bap, ba-da-di-da-da, sondern viel mehr von der Schadenfreude, die auf Bibi und ihren Song prasselt. Versteht mich nicht falsch, ich finde den Song auch ziemlich schlecht. Er ist nicht mein Geschmack. Ich dachte erst an einen Scherz, und realisierte dann: Das ist ihr Ernst. Die darauffolgenden Artikel und Häme jedoch, die gehen mir weitaus mehr gehörig gegen den Strich.

Denn: Bisher hat Bibi (fast) alles richtig gemacht. Sie hat mit YouTube-Videos angefangen und ist damit zu einer der größten YouTuberinnen Deutschlands aufgestiegen. Ihre Abonnentenzahl liegt bei über vier Millionen. Ihre Inhalte: Schminktutorials und witzige Videos. Sie hat jahrelang Videos gedreht, sich nach und nach eine hohe Abonnentenzahl erarbeitet und dabei offensichtlich immer den richtigen Riecher und die gewisse Portion Kalkül gehabt. Die Themenwahl: geschenkt. Wir alle wissen, dass Bianca Heinicke mit BibisBeautypalace nicht die Welt rettet. Dass sogenannte Challenges auf YouTube für alle über 18 Jahre mehr hohl als ernstzunehmend sind. Und sicherlich, Bibi muss man kritisch sehen – vor allen in Sachen Schleichwerbung und Kennzeichnung. Hier gibt es Nachholbedarf (wie bei vielen anderen Influencern auch). Trotzdem ist es Arbeit, jeden Tag alleine oder im Team zu zweit Videos solcher Art am laufenden Band zu produzieren. Die richtigen Themen zu haben und seine Fans immer wieder aufs Neue zu begeistern. Wo wir schon beim ersten Punkt sind. Hierzulande wird Erfolg erst wahrgenommen und geschätzt, wenn man das mit seriösen Themen hat. Wissenschaftler, oh yeah. Erfolgreiche YouTuberin – und das auch noch mit so lapidarem Inhalt wie mit Make Up oder der „ultrapeinlichen Telefonchallenge“? Das war doch sicher Glück! Nein! Eine Portion Glück gehört zwar immer zu jedem Erfolg, gleichwohl steckt dahinter immer auch harte Arbeit. Wir können sicher sein, dass Bibi 24/7 arbeitet, sich jahrelang umsonst den Arsch aufgerissen hat, um da zu stehen, wo sie heute ist. Dass sie sechsstellige Summen damit verdient, für viele Teenies das große Idol ist und noch so jede Marketing-Chance mitnimmt? Irgendwie verständlich.

Hierzulande gilt: Sei ruhig erfolgreich, aber bitte nicht zu sehr. Denn dann nervst du. Dann ist das, was du tust, irgendwie doof. Mein Lieblingsbeispiel ist Helene Fischer. Die Frau arbeitet höchstprofessionell, macht eine Mega-Show und ist immer on Point. Ich höre ihre Musik nicht, dafür aber jede Menge Stimmen, die Helene Fischer „nervig“ und „dauerpräsent“ finden. Ja, die Gute ist offenbar beliebt. Ihr Glück. Ich zolle dem Respekt, wenn gleich es nicht mein Weg oder Lebensziel ist. Ebenfalls in dieser Kategorie: Til Schweiger. Oder auch: Matthias Schweighöfer. Erfolgreiche Menschen, deren Filme ich nicht zwingend als mein Anspruch von Qualität sehe, die aber dennoch wahnsinnig viel Anklang innerhalb unserer Gesellschaft finden und Erfolg haben. Menschen, die sich den Erfolg selbst aufgebaut haben – weil sie das, was sie tun, mag es noch so weichgespült, belanglos oder auch thematisch nicht mein Ding sein, lieben.

Und auch uns begegnen immer wieder kritische Stimmen: Wie, du verdienst dein Geld mit Schreiben über Mode auf einem B l o g? Echt jetzt? Das kann ja jeder. Warum bekommst du so viele Sachen zugeschickt? Für das bisschen Arbeit? Was du darfst umsonst wohin reisen? „Nein“, sage ich dann immer. Wir verreisen nicht umsonst, das ist unser Job. Wir bekommen die Sachen nicht für lau, wir arbeiten damit. Und wir  haben uns das über Jahre erarbeitet (bald 10 Jahre!), haben jahrelang ohne Geld neben dem Job und Studium Zeit in unseren Blog gesteckt und arbeiten wahrscheinlich sehr viel, um als freiberufliche Journalisten und Blogger erfolgreich zu sein. Weil wir unseren Job lieben. Wer das alles auch will: bitte. Wenn du das willst, fang an. Mach dein Ding, werd erfolgreich, und freu dich über deinen eigenen Erfolg, statt meinen kleinzureden.

Denn das selbe passiert gerade bei Bibi. Wie die Aasgeier wird sich auf ihren nicht sehr geglückten Song gestürzt. Ja, Bibis Song ist kein guter Song aus der Sicht eines Qualitätsmusikers. Aber wir können sicher sein: D a s war auch nicht das Ziel. Und ich möchte erinnern, viele Songs, die bei uns im Radio rauf und runter laufen, sind das auch nicht. Denn: Auch Whams „Last Christmas“ oder Nummer 1-Hits wie Lemontree oder Blue (Da ba di da ba dei) sind keinerlei Qualitätsmusik oder zeugen von textlicher Tiefe – erfolgreich waren alle Songs. Das hat auch erst kürzlich Jan Böhmermann bewiesen. Bibis Song ist extrem weichgespülte Popmusik für 13-Jährige. Ziel war es, das zu verkaufen – und nur das. Bibi ist wahrlich nicht die erste, der es bei einem Song weniger um die Kunst, als möglicherweise um das Geld geht.
Bibi selbst war Profi genug und äußerte sich zur Kritik wie folgt: „Nur weil mir der Song gefällt, heißt es nicht, dass jedem anderen der Song auch gefallen muss. Und hey, jeder kann das Video bewerten oder den Song bewerten, wie er möchte.“

Die Schadenfreude über Bibis Fail: riesig. Die Anerkennung für ihre Arbeit: null. Es ist natürlich sehr viel einfacher, sich hämisch über Misserfolge anderer zu freuen, als an den eigenen Erfolgen zu arbeiten oder einmal Lob oder gar Respekt auszusprechen, dass es jemand schafft, mit solcher Belanglosigkeit Summen im Monat zu verdienen, die viele von uns nicht mal ansatzweise als Jahresgehalt haben. Aber ist es deswegen schlecht? Oder einfach nur nicht mein Bier?

Ist Bibi geldgeil? Vielleicht. Ist sie ein Marketing-Genie? Ziemlich sicher. Ist sie erfolgreich? Ohja! Ist das Ganze irgendwie auch ein wenig moralisch verwerflich? Sicherlich irgendwie. Wie gehen wir damit um?  Nicht mit Hass, sondern viel mehr mit der (kritischen) Auseinandersetzung des Phänomens.

Genauso würde ich mir wirklich von Herzen wünschen, dass Bibi (und viele viele andere Influencer) mit ihrer hohen Reichweite mehr Position beziehen. Sich zu politischen Themen und zeitgenössischen Problematiken äußern. Ihren Einfluss bei den Teenies verantwortungsvoll einsetzen, für eine bessere Welt. Aber ich schätze, auch hier gilt: That’s just how it is.

 

 

23 Antworten zu “Bibi und die Aasgeier”

  1. DANKE! HA, sauber. Denn genua so ist es leider wirklich. Ein ganz schönes Armutszeugnis wie ich finde. Ich freue mich auf jedenfall dass hier mal jemand objektiv geschaut hat! <3

  2. mich regen vielmehr die Leute auf, die sich Bibis Songvideo (ohne Adblocker) anschauen, um sich danach von oben herab darüber lustig zu machen und sich seines eigenen ach so tollen Musikgeschmacks zu beglückwünschen oder um einfach „mitreden zu können“ (mitgehört in einem Uniseminar), sie fallen genauso wie 13-jährige Fans auf Bibis Marketingmasche herein und verhelfen ihr zu solch hohen Clickzahlen (gleichbedeutend mit massig Kohle).

  3. Hasskommentare sind immer Mist. Respekt vor einer großen Arbeitsleistung finde ich selbstverständlich. Aber wenn jemand hirnerweichenden Musikmüll (oder Filmmpll oder Serienmüll) produziert, dann darf man das schon genauso sagen. Ganz besonders wenn da draußen zigtausend Teenies denken, das wäre eine coole Art, sich als Frau zu präsentieren. Nervt mich aber genauso bei perfekt produzierten Bootiewackelvideos von Us-Girlgroups.

    • Natürlich, dass das Video mehr als fragwürdig ist, steht außer Frage – und das man sich da ärgert, dass die Reichweite nicht für sinnvolleres eingesetzt wird, auch.
      Trotzdem hat sie genau damit eben Erfolg – und dann muss man im ersten Schritt versuchen, das Phänomen zu verstehen – und auch zu respektieren, dass es offensichtlich ne Menge Leute gibt, die auf so Mist abfahren.

      • Hmm ja, klar – das „Geschmäcker sind verschieden“-Motto inklusive Toleranz verfechte ich auch. Aber eine Rechtfertigung für schädlichen Mist ist das nicht. Sonst könnte ich ja auch – mal als ganz überspitztes Beispiel – sagen, dass ich Trump grundsätzlich respektieren und seine Arbeit wertschätzen muss, nur wei ihn viele gewählt haben und er wohl auch keine 40-Stunden-Woche hat. Aber vielleicht war bei Deinem Artikel auch der Knackpunkt vor allem der, dass die Arbeitsleistung von Bloggern, Youtubern und Co. leider oft unterschätzt wird. Und das ist wirklich nervig. Ganz besonders bei solchen Prachtexemplaren von Bloggerinnen, wie Ihr es seid. Eure Arbeit schätze ich sehr – danke für viele kluge, unterhaltsame und auch mal streitbare Artikel!

        • Liebe Katharina,

          genau, dass das was sie produziert, oftmals wirklich Mist ist, steht gar nicht zur Frage. Und der Grundtenor sollte eben sein, dass die Leute hierzulande gerne Freude am Scheitern anderer haben, gleichzeitig aber Erfolg und Arbeitsleistung nicht anerkennen.
          Das ist ganz losgelöst von der Tatsache, dass es eben auch wirklichen Mist gibt – aber auch beispielsweise Trump verurteile ich, versuche trotzdem das Phänomen zu verstehen, da er eben wahnsinnig viele Leute in der ersten Instanz erreicht (hat) und somit natürlich auch relevant für mich/uns alle wird. Versteht man das? Das heißt aber nicht, dass ich in irgendeiner Weise ihn wertschätze. Die Gefahr ist nur groß, wenn man nur hatet, sich abzukapseln und ein Phänomen sich selbstständig entwickelt – ohne, dass man jeglichen Einfluss mehr nehmen kann.

          Danke auch für das Lob! :)

          Liebe Grüße!

  4. Spannender Text. Ich habe da ein paar gegensätzliche Gedankengänge, mal schauen, ob ich das hier zusammenbekomme…
    Wenn wir mal das Helene Fischer-Beispiel nehmen, dann muss ich sagen, dass ich ihren Erfolg absolut verstehe – klar gehört dazu ein großes Stück Arbeit und Ehrgeiz, aber nicht ganz unwichtig in der Geschichte ist das multinationales Plattenlabel im Nacken, das dafür sorgt, dass Musik produziert wird, die maximal den Massengeschmack trifft.
    Obwohl ich diesen Erfolg verstehe, betone ich trotzdem gerne, dass das für mich seelenlose Plastikmusik ist. Deiner These lautet ja „Sie sind erfolgreich, weil sie viel arbeiten und für das brennen, was sie tun“. Fun Fact: Wenn ich mich recht an einen Artikel erinnere, den ich vor langer Zeit gelesen habe, dann wollte die Gute zu Beginn ihrer Karriere eigentlich Popmusik à la Britney machen, allerdings wurde ihr dann von der Plattenfirma Schlager aufgedrückt – das passe besser zu ihr.

    Und zum Abschluss noch mal: „Wir haben uns den Erfolg erarbeitet [….] und arbeiten wahrscheinlich mehr als jeder andere.“ Huiuiui. Na ja, ich kenne deine private Situation nicht, aber wenn ich höre, dass jemand „mehr arbeitet als jeder andere“, dann denke ich tatsächlich nicht an Blogger, sondern vor allem an Menschen aus Sphären, denen dieses ganz popkulturelle Blabla, mit dem wir uns hier beschäftigen, relativ egal ist. Ich denke da z.B. an alleinerziehende Eltern, die Haushalt, Kindeserziehung und schlechtbezahlte Jobs unter einem Hut kriegen müssen…die Leute, die tatsächlich 24/7 arbeiten – da klatscht allerdings niemand Applaus.
    Wenn du bezahlt wirst, um zu vereisen –sei dankbar dafür, denn du bist in der absolut privilegierten Position, dein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit und auch keine Realität, die für Jedermann zu erreichen ist.

    • Liebe Yasmin,

      sicherlich, auch für mich ist Helene Fischers Musik seelenlose Popmusik. Aber: Du kannst nicht auf so einen hohen Level Musik (wie auch immer sie ist) machen, ohne nicht doch dafür zu brennen. Und wenn es nur das Brennen für den Ruhm ist. Das will ich gar nicht werten. Aber du musst einfach krass viel Arbeit, Energie und Privatleben hineinstecken – vor allem, weil es funktioniert. Und ich möchte nicht urteilen – genausowenig über die Leute, die Helene Fischer super finden.

      Und zum Thema Arbeit. Ja, alleinerziehende Mütter arbeiten extrem viel und all jenen, die das wuppen, zolle ich meinen allerallerhöchsten Respekt. Genauso Ärzte bspw., die Nachtschicht für Nachtschicht arbeiten. Das steht für mich völlig außer Frage.
      Und ja, ich bin privilegiert und jeden Tag dankbar, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe (und ich bin nicht nur hauptberuflich Blogger). Aber ich habe jahrelang kein Wochenende gehabt, habe keine 20-30 Tage Urlaub, und selbst wenn ich verreise, bin ich trotzdem nie komplett draußen, habe keinen wirklichen Feierabend und bei Presse- oder Geschäftsreisen liegen wir auch nicht am Strand mit dem Cocktail. Klar, 1. liebe ich das alles sehr, deswegen macht mir das nichts aus, 2. ist es ein hohes Privileg so arbeiten zu dürfen, aber 3. ist mir das nicht in den Schoss gefallen. Und das meine ich: Nur weil meine Situation jetzt äußerst privilegiert ist, muss ich mich nicht dafür entschuldigen. Dahinter stecken nicht nur zwei Selfies am Strand, sondern wahnsinnig viel Input, Arbeit und Verzicht – und sei es letzteres nur von Zeit.

      Was mir wichtig ist: ich möchte gar keinen Applaus! Den haben Menschen, wie alleinerziehende Mütter und Feuerwehrmänner oder andere Lebensretter verdient! Aber ich erwarte Respekt vor der Leistung des einzelnen – und sei er noch so dämlich aus der eigenen Sicht wie beispielsweise BibisBeautyPalace oder Helene Fischer.

  5. Finde ich gut, dass du einen Artikel dieser Art schreibst, weil die ganzen Missbilligungen wirklich unnötig sind.
    Gleichzeitig bin ich aber auch ehrlich gesagt etwas froh, dass in Deutschland im vgl. zu z.B. USA nicht jeder auf die Knie fällt, wenn man mit dem was Bibi macht viel Geld verdient. Ich denke, dass das auch ein Stückweit unser Wertesystem widerspiegelt.
    Und den Respekt den du dir erhoffst wirst du doch meistens auch nur von denjenigen erfahren, die wissen wie viel Arbeit dahintersteckt. Auf der anderen Seite: jeder hat seinen Job zu erledigen, aber soll jeder dafür besonderen Respekt erwarten? Hat man sich Respekt nur dann verdient, wenn man besonders erfolgreich ist? Was ist mit Berufen, wie die von Bauarbeitern, Bäckern, Krankenschwestern oder Erziehern? Diese leisten auch einen wichtigen Teil, weil sie Häuser bauen, Brot backen, kranke Menschen versorgen oder Kinder erziehen. Solche Berufe werden bei uns als selbstverständlich angesehen. Warum soll ich jemandem der bloggt oder YouTube betreibt und dessen Erfolg an Leserzahlen oder Abonnentenzahlen offensichtlich erkenntlich wird, mehr Respekt zollen als beispielsweise einem Bauarbeiter?
    Und ist die berufliche Situation erst dann besonders zu respektieren, wenn man es ‚weit‘ geschafft hat? Nicht jeder kann sich in seinem Job hocharbeiten, da nicht jeder Job viele Perspektiven dieser Art bietet. Abgesehen davon kann auch nicht jeder in einer hohen Position sein, sonst würden die Menschen in der Basis fehlen, die den Grundstein darstellen. Und es gibt auch einfach Menschen, die das gar nicht wollen, sondern mit ihrer Arbeit ‚unten‘ zufrieden sind. Aber das kann dann doch nicht gleichzeitig mit wenig Arbeit gleichstellt werden.
    Bibi macht mit Belanglosem Geld, das soll sie so machen, wenn sie meint, aber deswegen muss ich mir nicht extra denken: ‚wow, Respekt für deine jahrelange Arbeit, dass du es so ‚weit‘ geschafft hast.‘. Da finde ich persönlich ganz anderes respekteinflößend.

    • Ich erwarte, dass man jedem Job Respekt zollt. Nicht nur mir oder einem YouTuber ;) Sondern eben wie du sagst, auch dem Bauarbeiter oder jemanden, der an der Kasse bei Aldi sitzt, oder eben auch der Hausfrau, der Job des Mutter-Daseins, welcher wahrscheinlich einer der härtesten ist. Wir sollten eben allen Jobs – seien sie so flach und dämlich(wie Bibi), anstrengend oder gesellschaftlich nicht so hoch angesehen, oder eben sehr erfolgreich, Respekt zollen.
      Ich weiß nicht, woher du rausliest, dass ich diesen Respekt nur jemandem zolle, der es weit geschafft hat. Oder es jeder nach oben schaffen soll. Das habe ich nie gesagt.
      Wie du sagst, es braucht auch den Grundstein, und gerade diese Jobs sind für unsere Gesellschaft enorm wichtig. Und ich habe auch nie behauptet, dass diese Menschen wenig arbeiten. Denn im Gegenteil: Auch Krankenschwestern, Putzfrauen, Pflegekräfte, Müllmänner, all jene Menschen, die vieles im Hintergrund im alltäglichen Leben leisten, werden oft vergessen. Sie haben gerade meinen größten Respekt.
      Aber es ist eben so, dass gerade Leuten, wie beispielsweise YouTubern gerne mal kein Respekt entgegengebracht wird, weil sie ja nur ein paar Videos drehen. Ich wollte nur betonen, dass auch das Anfertigen von dummen Videos, das permanente Online-Sein, eben Arbeit ist. Ich muss das nicht gut finden. Auch ist das bspw. nicht meine Vorstellung von Arbeit oder mein Wertesystem, aber ich erkenne eben jene Arbeit und Leistung an. Denn jeder Job hat Respekt verdient.

      • Danke für deine Antwort und entschuldige, falls ich zu sehr auf Konfrontation gegangen bin. Aber der Satz, dass ihr wahrscheinlich mehr arbeitet als viele andere hat mich echt schlucken lassen, denn Erfolg ist definitiv nicht immer die direkte Folge von harter Arbeit, was ich in meinem Kommentar verdeutlichen wollte.
        Vielleicht haben wir auch einfach eine unterschiedliche Vorstellung von Respekt, weil ich nicht denke, dass ich zB Bibi Respekt zollen muss. Ich darf natürlich nicht respektlos sein und muss mit jedem respektvoll umgehen, egal wie er sein Geld verdient, aber wen ich jetzt aufgrund seiner Arbeit besonders respektiere finde ich, ist mir freigestellt.

        • Kristina,
          Ich verstehe total, dass der Satz vielleicht unglücklich gewählt worden ist. (Ich ändere ihn mal ab) Ich meinte damit viel eher, dass viele denken, wir tippen so ein bisschen und das wars. Aber dem ist nicht so – und wir haben als selbstständige Journalisten bspw oft keinen wirklichen Feierabend. Aber mir macht das beispielsweise nichts aus, weil ich in der glücklichen Position bin, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Und dafür bin ich wirklich jeden Tag unendlich dankbar. Mich stört es nur, wenn ich quasi Spaß an der Arbeit habe, dies aber dann als „naja, du arbeitest ja auch nicht wirklich“ oder „du weißt gar nicht was Stress ist“ gesagt wird, denn doch, das weiß ich.
          Natürlich ist erster Erfolg nicht zwingend immer die Folge von harter Arbeit, aber im zweiten Schritt schon. Und auch Bibi arbeitet viel – so sehr man eben da auch Abstufungen machen kann, wem man eben wie viel Respekt entgegen bringt. Für mich ist es wichtig, zu reflektieren und eben auch jemanden wie Bibi zuzugestehen, dass er viel arbeitet, um diesen Job zu machen.
          Aber natürlich ist es jeden freigestellt, wem man besondere Hochachtung ausspricht – und die würde ich auch beispielsweise eher einem Feuerwehrmann, der Menschen bei Unfällen birgt, oder Notärzten aussprechen. Ich glaube, wir sind gar nicht so weit auseinander :)
          Wichtig ist nur, dass man vielleicht Arbeit anerkennt und respektiert. Abfeiern muss man sicherlich nicht alles :)
          Danke für deinen Kommentar, ich finde so Diskussionen sehr gut, weil man selbst auch nochmal reflektiert und im Schreibfluss manchmal ja auch Sachen raushaut, die missverständlich sind.
          Hab einen schönen Sonntag!

  6. Ihr wart bei Journelles verlinkt und deshalb habe ich gerade den Artikel gelesen. Er trifft den Nagel auf den Kopf. Sie macht halt Musik für 13-Jährige. Und wenn denen das gefällt und sie damit Erfolg hat, dann sind doch schon zwei Parteien glücklich. Und das sind die zwei Parteien, die es jucken sollte.

  7. Ich denke wir können uns alle darauf einigen, dass keiner fürs „Nichts Tun“ bezahlt wird.
    Das ist alles relativ, jeder hat gute Tage, an dem der Job richtig Spaß macht. Genau so oft gibt es wiederum Tage, die man lieber ganz schnell vergessen will.
    Das Selbständigen- oder Angestellten Dasein hat beides seine Vor- als auch Nachteile.

    Soweit so gut.
    Interessanter finde ich die Diskussion, wie weit Selbstvermarktung eigentlich gehen kann und darf. Ich würde meinen, dass dies bei ihr definitiv zu weit gegangen ist.
    Wie viel inhalts-/seelenlose (nicht gekennzeichnete) Promotion kann und darf man den Followern/Fans aufs Auge drücken?
    Irgendwann wird die ganze Geschichte unglaubwürdig …
    Und genau da sehe ich das Problem.
    Dann wird die ganze Schoße schnell zur Farce …

    • Liebe Natalie,

      absolut, das ist ein ganz anderer und sehr interessanter Punkt. Wie weit geht Glaubwürdigkeit und wann verspielt man diese?
      Steht schon auf meiner Artikelliste – weil ich das Thema auch sehr spannend finde und hier sicherlich auf Seiten von Bibi und ihrem Management ein Stück zu weit gegangen wurde.
      Liebe Grüße!

  8. Sehr erheiternd das ganze Szenario mal aus einem anderem Blickwinkel zu lesen. Danke dafür! …Und auch für den passenden Schlusssatz ;-) Grüße nach München!

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