Buchclub: Brennerova von Wolf Haas

31. Oktober 2014 von in

„Jetzt ist schon wieder was passiert“ – die Kriminalromane von Wolf Haas sind mittlerweile Kult und gehören zu meinen liebsten Buchreihen. Nach bekannten Büchern oder Verfilmungen wie „Silentium“, „Komm, süßer Tod“ oder „Knochenmann“, begibt sich der fiktive Ex-Polizist Simon Brenner wieder einmal ungewollt auf die Suche nach Lösungen.

Denn wenn eine wunderschöne Russin ihre Schwester sucht, die nach Wien verschleppt wurde und sich dann auch noch irgendwo im Rotlichmilieu herumtreibt, dann kann der Brenner halt nicht wegschauen. Wenn die Nadeshda ihn mit Tränen in den Augen anschaut. Und wenn im Anschluss auch noch zwei Leuten beide Hände abgehackt werden, dann wird es wirklich komisch. Wolf Haas erzählt die Geschichte mit solchen Feinheiten der österreichischen Sprache, dass man zunächst vielleicht über die eine oder andere Stelle stolpert (vor allem als Nicht-Österreicher oder -Bayer), wer sich aber auf den geschrieben Dialekt einlässt, möchte eigentlich nie wieder Hochdeutsch lesen.

Nach nunmehr acht Brenner-Romanen könnte man meinen, dass da nichts mehr Neues kommen könnte. Das stimmt auch irgendwie, Wolf Haas hat mit „Brennerova“ das Rad nicht neu erfunden, aber dieser Teil könnte unter die besten gehören, die er bisher geschrieben hat, vielleicht ist er sogar der beste. Ich konnte das Buch kaum in der Öffentlichkeit lesen, da ich bei fast jeder Seite laut auflachen musste, und jeder weiß, wie unangenehm das sein kann. Das Ende – gut, überraschend, trocken wie immer.

Lieblingscharakter: Eigentlich muss ich an dieser Stelle ganz langweilig den Brenner als Lieblingscharakter nennen. Die Hauptdarsteller zu nennen – irgendwie fad. Zweiter Liebling ist die Herta, die so großartige charakterliche Umschwünge macht. Die Beziehung zwischen dem Brenner und der Herta ist ebenso amüsierend, als auch zum Nachdenken anregend. Sie haben beide ein tiefes Vertrauen zueinander, das auch gegenseitiges „Betrügen“ in den Schatten stellt und die Beiden eigentlich nur zum Lachen bringt. Irgendwie schön. Irgendwie trocken und schwarz, sehr österreichisch eben.

Lieblingsstelle: Die Freundin vom Brenner wird in ihrem Wanderurlaub durch die Mongolei von Terroristen als Geisel genommen. Statt unter der Gefangenschaft zu leiden, freundet sich die Herta jedoch mit den Terroristen an. Als der Brenner endlich kommt, um seine Freundin zu retten, fragt er, wo ihre Kollegen sind, woraufhin ihm klar wird, dass die Frage falsch gestellt war, da Hertas Kollegen ja nun die Terroristen waren und nicht mehr die anderen Gefangenen. Diese Stelle hat mich so laut lachen lassen, da sie von Wolf Haas wieder einmal so herrlich nüchtern beschrieben wurde.

Lieblingszitat: Da gibt es ungelogen Tausende – eigentlich auf jeder Seite.  Aber hier der Auszug meiner oben genannten Lieblingsstelle:
„Und wo sind deine Kameraden?“
„Die sind nicht da.“
Aber das war ein fürchterliches Missverständnis. Weil der Brenner hat natürlich ihre Wanderkameraden gemeint! Und die Herta redet von den Terroristen! Die sind nicht da, sagt sie. Ihre Kameraden! Die Entführungskameraden! Weil natürlich haben die sich nicht gezeigt, und die Herta ist seine einzige Kontaktperson. (S. 224)

Kritikpunkt: Man muss die flapsige Schreibe von Wolf Haas einfach mögen. Zerrissene Sätze, Umgangssprache. Ich verstehe vollkommen, wenn das den einen oder anderen zu anstrengend zum Lesen ist – ich persönlich finde das Buch ganz wunderbar geschrieben; zumal es unmöglich ist, es zu übersetzen. Einzigartig.

Wer von euch hat das Buch ebenfalls gelesen? Wie hat es euch gefallen? Gerne füllt die Punkte ebenfalls aus! Und schlagt uns  neue Bücher vor!

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7 Antworten zu “Buchclub: Brennerova von Wolf Haas”

  1. Hab das Buch noch nicht gelesen und überhaupt noch nichts von Wolf Haas. Krimis sind nicht ganz mein Metier, mag nur wenige, wenn ich drüber nachdenke. Aber das Cover, hallooooo – das ist mal richtig gut!
    So – Buch ist doch mal auf der To-Read-Liste gelandet.

  2. Ich bin ja eher so der Sprachfetischist beim Lesen, die Sprache kommt zuerst, und dann lange nix – die Handlung….? Nicht so wichtig. Aber Krimis les ich nun am wenigsten gern, wär da nicht der Brenner, oder vielmehr der dings, der Autor halt, der Haas! Wie er so durch seine story schlurft und uns dabei an der Hand nimmt – also echt, Du darfst mit dem Brenner überall hin, auch nach Krasnidings oder wie das heißt, wo er hinfährt, um die wunderschöne Russin zu treffen, die man eigentlich ja nie-nie-niemals in so einem Dating-Portal, also wirklich, das ist doch absurd!
    Ganz toll finde ich auch den Infra, super Typ, ziemlich schräg, aber irgendwie doch….
    Wenns mehr solche gäb wie den Haas, dann würde ich wohl doch noch zum Krimileser mutieren, aber zum Glück ist er einmalig, sozusagen Weltsensation, Hilfsausdruck.

  3. Ich liebe die Brennergeschichten! Habs schon hier liegen und les es als nächstes.

    Und erst die Verfilmungen… ja der Hader hats halt einfach drauf :)

  4. Lustig. Ich hab’s gestern geschenkt bekommen. Heute schon angefangen und werde es wohl, nach diesem post, weiterlesen :)
    Ich bin im Übrigen ein großer Fan Eurer Buch, Serien und Film Tipps. Hat sich bisher immer bewährt!

  5. Ich halte diesen Brenner-Roman für einen der eher schwächeren dieser Reihe. Die Sprache ist zwar unterhaltsam und bringt Kurzweil wie eh und je (frage nicht), aber die Handlung ist diesmal zu dünn geraten und oft einfach nur unlogisch. Eigentlich handelt es sich hier auch gar nicht mehr um einen Krimi, was ich ebenfalls bekrittle, da ich ja doch mit der entsprechenden Erwartungshaltung zu lesen begonnen habe. Die Handlung, die anfangs noch zügig voranschreitet, verläuft mit Fortlauf des Buchs im Sand und wird schließlich schon nach etwa der Hälfte aufgelöst. Dann plätschert die Geschichte (wobei Geschichte fast Übertreibung) noch ca. 100 seiten vor sich dahin, ohne dass man noch wirklich gespannt ist, was da noch kommt. Zumindest ist es mir so gegangen.
    Wie schon bei seinem letzten Werk „Verteidigung der Missionarsstellung“ kommt es mir auch hier so vor, Wolf Haas wäre unter dem Schreiben die Idee ausgegangen, wie er das Buch zu einem guten Ende hätte bringen können.

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