Buchtipp: Morgen ist es vorbei

29. Oktober 2015 von in

„Alles ist versaut von dir: Dieser Club, die Straße, in der er liegt, alle Menschen darin, die ganze Stadt, alles versaut von dir und den Erinnerungen an dich.“

Liebe ist schön, Liebe macht glücklich. Liebe kann aber auch hässlich sein. Sie lässt uns hochfliegen, und furchtbar hart auf den Beton knallen. Dann, wenn eine Liebe scheitert. Kaputt geht und nicht mehr zu reparieren ist – egal, wie sehr man es versucht. Kathrin Wessling hat ein Buch über die Liebe geschrieben. Über die kaputte, gescheiterte Liebe. Über die, die uns schwören lässt, dass wir uns „nie wieder, wirklich nie wieder verlieben werden“. Über die Hilflosigkeit in der Nacht, wenn der einst so wichtige Mensch fehlt und man die 345. SMS verfasst und doch nicht abschickt.

14 Kurzgeschichten sind für „Morgen ist es vorbei“ entstanden, und obwohl das Buch schon lange auf dem Markt ist und somit auf meiner Leseliste stand, habe ich es erst jetzt geschafft, es zu lesen. Jede Geschichte steht für sich. Erzählt aus Frauen-  wie Männersicht über das Leid nach der großen Liebe. Über Fragen, die man nie gestellt hat und doch im Kopf tausendmal durchgegangen bist.

„Hast du auch beim ersten Schnee an mich gedacht?“ „Hast du getrauert, damals, also wirklich getrauert?“ „Hast du gedacht, dass du mit mir alt wirst?“ „Hast du auch solche Angst gehabt, dass das alles nie wiederkommt?“

Über durchzechte Nächte, wilde Feiereien und den ersten Annäherungsversuchen nach dem langjährigen Partner. Wie fühlt sich das an? Anders, aber gut. Komisch. Aufregend. Neu. Richtig und doch irgendwie falsch. Und kaum glaubt man, der Kummer ist überwunden, trifft es einen doch. Es zwickt. Egal, wie sehr du dich dagegen wehrst. Im Herzen, im Bauch, überall. Am Anfang heftiger, später nur noch leicht. Und irgendwann nicht mehr.

„Liebeskummer ist ein Bumerang. Aus Stacheldraht. Am Anfang willst du es nicht glauben, dass du diesen furchtbar hässlichen Bumerang überhaupt in der Hand hälst. Du wirfst ihn fort, betrinkst dich ein paar Nächte lang, und dann gehst du drei Tage später nichtsahnend eine Straße entlang und zack, da fliegt er dir in die Brust. Mühsam ziehst du ihn dir aus dem Herzen und wirfst ihn wieder weg. Und dann kommt er wieder. Und irgendwann gibst du auf und läufst mit einem Stacheldraht im Herzen herum.“

Doch Kathrin Wesslings Buch ist nicht nur ein Buch über den Kummer. Es ist viel mehr ein Buch über die Facetten von Liebe, über die Facetten des Leidens und den Weg heraus. Der eine trinkt, bis es ihm egal ist, der andere konfrontiert sich so oft mit dem oder der Ex, bis er sich selbst nicht mehr erträgt, der andere schreibt wiederum Briefe, die er nie abschicken will und es dann doch tut, mit der Hoffnung auf eine Reaktion. Entstanden ist ein Buch über das Verarbeiten von Liebeskummer. Über das Hineinstürzen in ein neues, fremdes Leben, das man vielleicht so gar nicht will, das man aber doch plötzlich genießt. Über die unterschiedlichsten Wege aus der Liebeskrise, die mal schneller überwunden ist, mal länger dauert. Und eines Tages wacht man auf, und es ist nicht mehr so wichtig. Denn das Gute ist: Liebeskummer geht vorbei. Spätestens morgen. Und dann, ja dann kommt die neue Liebe. Sie ist anders. Nicht minderaufregend, nicht mindergefährlich, aber bestimmt wunderschön.

Morgen ist es vorbei“ ist ein leichtes Buch. Schnell zum Lesen, zwischendrin, in der U-Bahn, in der Mittagspause. Die Geschichten erinnern ein wenig an Neon-Texte, und trotzdem ist eine berührende Sammlung an Kurzgeschichten entstanden. Frei heraus geschrieben, ohne viel Pathos oder Schmalz, dafür umso offener, humorvoll und berührend. Ich kenne kaum ein Buch, das sprachlich so nah an das Gefühl einer Trennung herankommt. Mit jedem Satz spürt man den Schmerz, auch ohne selbst in Liebeskummer zu versinken.

„Es gibt keinen Abschied, denn du willst keinen. Du sagst nicht: Auf Wiedersehen, bis in einem Jahr. Du sagst: Schreib mir nicht, ruf mich nicht an, du kannst mich mal.“

Weil mich gerade die Leselust wieder gepackt hat: Wer von euch kennt noch mehr so Kurzgeschichten-Sammlungen? Let me know!

Alle Zitate stammen aus „Morgen ist es vorbei“. Das Buch ist hier für 14,99 Euro erhältlich.

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10 Antworten zu “Buchtipp: Morgen ist es vorbei”

  1. Liebe Antonia, danke dir für diesen scheinbar sehr tollen Lesetipp. Ich werde spätestens beim nächsten Gang in die Buchhandlung einmal reinblättern. Was ich jedem Kurzgeschichten-Fan nur wärmstens empfehlen kann ist der Band „Wir haben Raketen geangelt“ von Karen Köhler. Mal melancholisch, mal traurig, mal ein wenig abstrakt, immer aber total fesselnd und einfach nur sprachlich wunderschön. LG.

  2. Liebe Antonia,
    gleiches Thema, anderes Buch: „Er geht: Frauen erzählen“ von Anna Doubek.

    „Anna Doubek erzählt die Geschichten von Frauen, die von heute auf morgen verlassen wurden. Wie es ihnen erging, als der Traum vom gemeinsamen Glück zerbrach.“

    Lieben Gruß

  3. Eine tolle Kurzgeschichtenreihe ist von Amy Hempel, zB das Buch „Die Ernte“. Es geht um Beziehungen, aber auch viel um Einsamkeit, Lebensbrüche, von denen im Kleinen erzählt wird. Sprachlich brillant! (Und in der deutschen Ausgabe ist die Covergestaltung immer ganz toll, sollte man sich nicht nur als Ebook geben, finde ich).

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