Cherry Picks #17

7. Mai 2017 von in ,

„Man findet sich nicht selbst, nur weil man woanders hinfährt. Es befindet sich dort nicht. Weder in Berlin, noch in Bali oder Wien. Da kann man unter jedem Stein und in jedem Hinterhof suchen, alles, was man dort finden wird, ist ein gestohlener, demolierter Roller. Das, was man so oft sucht, ist keinen Millimeter weiter entfernt, als das, was unter der eigenen Brust liegt.“ Die Flucht an einen anderen Ort, in der Hoffnung, die Dinge regeln sich, ändern meistens nichts. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, seinem Leben, ist ortsunabhängig, dafür umso wichtiger. Maddie von Daria Daria ist nach Berlin gefahren, und mit dieser Erkenntnis zurückgekommen. Ein ganz wichtiger, tiefer Text, den ich so unterschreiben würde. Sucht euch selbst – egal an welchem Ort.

Ebenfalls immer wieder inspirierend: Melodie Michelberger. In einem Interview mit Muxmäuschenwild sagt sie: „Hört auf, ständig in austauschbare Shopping Malls zu gehen und geht an den Wochenenden in den Wald. Hört auf, in Eurer Freizeit immer mehr zu konsumieren, Konsum ist kein Hobby. Stellt stattdessen mal etwas mit Euren eigenen Händen her oder setzt Euch einfach in den Park, sprecht mit Euren Nachbarn oder hört den Vögeln zu. Klappt den Computer zu, guckt Euch in die Augen und fasst Euch an den Händen.“ Mitten ins Schwarze getroffen, liebe Melodie! Das ganze Interview gibt’s hier.

Ein bisschen grantig war diese Woche der wunderbare Autor Max Scharnigg – und zwar über München. Sein sarkastisch, böser und auch irgendwie auch herrlicher Text über München trifft (leider?) in vielen Bereichen zu – aber ist das Gras nicht immer grüner auf der anderen Seite? Für alle Münchner ein Must-Read, gleichzeitig aber auch die Erinnerung, dass wir das alle irgendwie irgendwie doch lieben. Marc Baumann schrieb für das Süddeutsche Zeitung Magazin gleich einen Kontra-Artikel – und auch ich will sagen: Ja, München ist ein verdammtes Dorf, das vielleicht größte dieser Welt, und keine Großstadt. Aber trotzdem ist es hier ganz wundervoll.

Slow Fashion wird immer wichtiger – damit es uns allen leichter fällt, den Kleiderschrank langsam umzukrempeln, haben die Mädels vom Kunstkinder Mag und Amina von Stellamina eine Basic-Lektüre für alle erstellt, die sich für Fair Fashion interessieren. Ich bin über Viertel Vor auf den kostenlosen E-Guide aufmerksam geworden – und empfehle ihn hier gerne weiter!

3 Antworten zu “Cherry Picks #17”

  1. So langsam frage ich mich, ob einigen (auch in meinem Umfeld) die ständige Beschäftigung mit dem Thema Feminismus das Hirn (sofern vorhanden) vernebelt hat. Es werden teilweise so absurde Aussagen getätigt, dass ich mich fremdschämen muss. Gutes Beispiel auch in dem verlinkten Interview mit „Melodie“ Michelberger die Antwort auf die ohnehin schon behämmerte Frage, warum nur Frauen „die Welt vor dem Untergang retten“ können:
    „Weil die feminine Kraft friedlich, warmherzig und voller Güte ist.“ Dieser erste Satz ist schon sehr sehr schlimm und es wird nicht besser. Um es kurz klarzustellen: Gleichberechtigung sollte idealerweise eine Selbstverständlichkeit sein und niemand aufgrund irgendeines Merkmals benachteiligt werden. Daher würde ich es begrüßen, wenn eben auch nicht ständig hinausposaunt wird, wieviel besser, toller, netter denn Frauen sind als Männer- denn so ist es einfach nicht. Müsste ich alle bisherigen (beruflichen wie privaten) Kontakte meines Lebens bewerten: Es gibt Männer, die sind Arschlöcher. Und es gibt Frauen, die sind Arschlöcher und keineswegs friedlich, warmherzig und voller Güte. Genau so verhält es sich auch mit netten Männern und Frauen. Bei mir zumindest führt das Thema Feminismus mittlerweile nur noch zu genervtem Augenrollen ob all der Einseitigkeit und dem ewigen Frauen-praise und Männer-hate…
    Naja, aber wenn man sich dann „Melodies“ Antwort auf die Frage nach dem größten Problem ihrer Generation durchliest, muss einen gar nix mehr wundern: Extrem unsympathisch, verallgemeinernd und abwertend anderen Lebensentwürfen gegenüber. Naja, aber so unterschiedlich können die Wahrnehmungen sein. Für den einen ist sowas ein cherry pick, der andere möchte nach dem Lesen des Interviews die dafür verwendete Lebenszeit zurück. Daher beherzige ich jetzt mal den einzigen guten Tipp und klappe den Computer zu. Tschüssie!
    PS: Ja, ich hatte Langeweile und viel Zeit für einen zu langen Kommentar, nehmt es mir nicht übel.

    • Liebe Sina,
      du hast natürlich nicht ganz unrecht – gerade das hier: „Gleichberechtigung sollte idealerweise eine Selbstverständlichkeit sein und niemand aufgrund irgendeines Merkmals benachteiligt werden. Daher würde ich es begrüßen, wenn eben auch nicht ständig hinausposaunt wird, wieviel besser, toller, netter denn Frauen sind als Männer“, würde ich absolut unterschreiben. Feminismus ist momentan wirklich extrem in aller Munde, und ich glaube, es findet immer noch eine extreme Ausrichtung statt, in der es verschiedene Strömungen gibt. Ich bin auch nicht immer mit allen Aussagen konform, beziehungsweise auch manchmal sicherlich lockerer, als es andere Feminist*innen sehen würden. Ich fand vor allem die von mir zitierte Aussage des Interviews wichtig für unsere Generation -. Computer aus, Natur rein :)
      Trotzdem danke für deine Anregung – Diskussion ist wichtig! Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar