Cherry Picks #33

3. September 2017 von in

Dieses Jahr ist dieser Zustand auch in meinem Leben eingefahren, vor dem ich mich so lange gefürchtet habe: Das Sommergefühl blieb aus, und die Hitze war beim ganzen Arbeiten eher lästig als wonnig-weich. Genau, wirklich absolut genau meine Gefühle hat Ilona in diesem Text aufgeschrieben: „Denn dieser Sommer ist so unbemerkt vorbeigezogen, dass ich fast darüber erschrocken bin. Hinter Bürofenstern, Autofenstern, Zugfenstern, vor Bildschirmen und unter Buchrücken. Die Sonne nur als Spiegelung auf dem Display wahrgenommen, die Wärme nur als Last, unter der sich die schwere Tasche noch schwerer trägt. Die Sonne abgewehrt mit Hüten und zusammengekniffenen Augen, der Leichtigkeit getrotzt mit Arbeit und Pflichten und einem neuen Schutzschild, das Erwachsensein oder Ernst des Lebens oder Schluss mit lustig heißt.“

„Der Heiratsmarkt bezahlt Frauen nach wie vor besser als der Arbeitsmarkt. Wenn der Mann sterben würde, bekäme die Frau mehr Geld durch eine Witwenrente als durch die eigene Altersrente.“ Die Soziologin Jutta Almendinger spricht in diesem Zeit-Interview genau die Realitätsstrukturen an, die so oft am Ende doch dazu führen, dass sich auch karriereinteressierte Frauen dafür entscheiden, zurückzustecken – für die Familie und weil sich alles andere kaum lohnen würde. Welche Strukturen dafür verantwortlich sind, was sich ändern könnte und was zum Beispiel die gleiche Aufteilung von Elternzeit bewirken könnte, erklärt die Soziologin in dem sehr lesenswerten Interview.

Floskeln werden von jedem Journalismus-Dozenten zum Tode verurteilt. Statt „ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht“ ist ein „ich bin verwirrt“ viel klarer und aussagekräftiger, das lernt man in jedem Grundkurs. Und Texte, die vor lauter Floskeln strotzen, zeugen von unsinniger Kreativlosigkeit. Dass ein Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht, oder der Elefant im Porzellanladen aber auch ziemlich poetische und schöne Sinnbilder sein können, daran erinnert Madeleine Buck in diesem schönen Text: eine Liebeserklärung an die Floskeln.

Und zum Schluss noch ein ganz praktischer Artikel für zwischendurch: Wenn man mal länger darüber nachdenkt, schmeißt man das Geld an jeder Ecke ziemlich zum Fenster hinaus. Refinery29 hat 5 Tipps, im Alltag Geld zu sparen – es sind vielleicht nicht die weltbewegendsten, aber mit diesen kleinen Schritten fängt bekanntlich jede Veränderung an. Und mit dem neuen Grundbewusstsein für die Sache, die daraus entstehen kann – nicht nur beim Thema Sparen!

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