Coffee Break: Das Leben ist keine Kommode

17. Januar 2016 von in

Das Leben ist keine Kommode, leider. Zumindest nicht für mich. Dabei habe ich immer jene Menschen beneidet, die das können – immer noch mehr reinstecken und wenn eine Schublade voll ist, dann nimmt man eben die nächste. Ach, schon wieder eine Beziehung vorbei. Da hat mir jemand verdammt wehgetan und hier ist wieder etwas kaputt gegangen, von dem ich bis heute nicht verstehe, warum eigentlich. Aber egal, weg damit und Schublade zu. Einfach nicht weiter darüber nachdenken.

Das ist natürlich auch einfacher, als den Haufen, den man da gerade in die Schublade steckt, genauer anzusehen. Und sowieso viel einfacher, als mal all das anzusehen, was da in dieser Kommode schlummert. Das würde nur Kraft kosten und traurig machen. Und wütend vielleicht auch. Man würde sich schämen, man würde bereuen und im schlimmsten Fall ein schlechtes Gewissen haben. Was dagegen einfacher ist: arbeiten, bis man alles vergisst, mit anderen Menschen schlafen, trinken, bis man einschläft, endlich einschläft. Nicht so bequem: Alleine ins Bett gehen und nicht einschlafen können, weil die Gedanken sich drehen, bis man kurz davor ist wahnsinnig zu werden.

Wie machen das diese Menschen? Das habe ich mich immer gefragt. Wie kann man all das so leicht wegstecken? Und wo steckt man es hin? Die Nächte in Betten, in denen man geredet und gelacht hat, bis es viel zu spät war. Die kleinen Blicke zwischen Kopfkissen. Die Küsse, die Berührungen, den Sex. Die Momente, in denen man den Anderen angesehen hat und sich sicher war, dass man nie glücklicher war. Und vor allem die Träume, die man mit dem Anderen hatte. Das ist wahrscheinlich das Schwerste: Den ganzen, großen Plan vergessen. Die Illusionen verabschieden, die vielleicht gemeinsame Zukunft. Und ach, weißt du noch? Und ach, egal. Schublade zu.

Das Leben ist keine Kommode, zum Glück. Denn ich glaube, ich habe mittlerweile verstanden, was passiert, wenn man immer nur reinstopft: Man platzt irgendwann. Oder wird im schlimmeren Fall krank. Und deshalb ist es besser, zu weinen und zu trauern. Wütend zu sein, so unbequem es auch ist. Alleine einzuschlafen und alles aufzuschreiben. Was man vermisst, was man hasst, was man nicht mehr miteinander erleben wird. Es ist besser, Abschied zu nehmen – und sei es von den lächerlichsten Dingen.

Denn zumindest weiß man dann: Es war alles da. Es war alles echt. Und es geht irgendwann vorbei.

4 Antworten zu “Coffee Break: Das Leben ist keine Kommode”

  1. Ich werde mich jetzt hinsetzen. Und alles runter schreiben. Damit ich es nicht vergesse – denn vergessen möchte ich es nicht – und aber auch, damit ich es abhaken kann. Das war lange fällig. Danke für diesen Text, Anja! <3

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