Coffee Break: Über Fallen und sich fallen lassen

20. Dezember 2015 von in

„Überall lauern Fallen, ich weiß, das macht dir das fallen lassen so schwer“. Diese Woche war ich auf dem wunderbaren Konzert eines guten Freundes und habe diese Zeile mitgenommen. Ich glaube, jeder kann diesen Satz etwas nachfühlen. Denn auch, wenn die „Fallen“ für jeden andere sind, schleppt jeder irgendein Thema mit sich herum. Manchmal ein Muster, das immer und immer wieder begegnet, oft reicht aber schon eine einzige, schlimme Erfahrung, um auf Habachtstellung zu sein.

Zu Hause dachte ich: Wenn man all die Katastrophen betrachtet, die in der Liebe passieren können, dann lehnt man sich wirklich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet: Wer sich verliebt, ist verdammt mutig. Denn es ist erstaunlich, was Menschen sich gegenseitig so antun können. Da wird betrogen und verletzt. Da wird bis zur Grenze gegangen und manchmal auch viel zu weit darüber hinaus. Da wird gelogen und verraten. Man sagt, im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt. Wenn das so ist, so ist es kein Wunder, dass wir uns wie verwundete Krieger von einer Beziehung in die nächste schleppen.

Deshalb war am Anfang alles noch so leicht. Weil wir noch unversehrt waren – und deshalb auch unbeschwert. Aber umso mehr Erfahrungen wir machen, desto verletzter und verwirrter sind wir. Und ja, all diese Erfahrungen sind natürlich wertvoll. Es ist wichtig zu wissen, dass da draußen nicht nur Menschen herumlaufen, die es gut mit dir meinen. Es ist wahrscheinlich auch wichtig herauszufinden, wie verschieden Menschen sein können – und deren Erfahrungen, Erwartungen und ihre Liebe. Aber man nimmt immer ein Stück davon mit. Wenn etwas zu Ende geht, ist man immer ein bisschen verwunderter als zuvor.

Da gibt es die Menschen, die total kaputt sind und dich mit kaputt machen. Es gibt die, die selbst arm sind und deshalb nehmen, bis du selber nichts mehr hast. Es gibt die, die einmal verletzt wurden und seitdem nur noch andere verletzen – so als würde das irgendetwas wieder gut machen können. Es gibt Menschen, die dich dazu bringen, an dir selbst zu zweifeln. Es gibt die, dir die wehtun. So oft, bis zu gehst.

Und dann gibt es aber auch die, die dich genauso nehmen, wie du bist. Die deine Selbstzweifel auffangen. Die dir helfen zu wachsen, die dich frei lassen und trotzdem immer da sind, wenn du sie brauchst. Kurzum: Die es restlos gut mit dir meinen. Und für diese Menschen lohnt es sich, sich fallen zu lassen. Scheiß auf die ganzen Fallen.

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6 Antworten zu “Coffee Break: Über Fallen und sich fallen lassen”

  1. Würde sehr gerne wissen was das für ein Konzert war bzw. wie die Band des Freundes heißt, um mehr solche Texte zu hören.
    Macht weiter so, die Coffe Break ist eine tolle Reihe, auf die ich mich jede Woche freue!

    • Liebe Lina,
      die Band heißt Timm Trauberts Blues. Leider gibt’s im Internet recht wenig zu hören – abgesehen von zwei Songs auf soundcloud. Sie nehmen aber gerade ein neues Album auf, das man dann nächstes Jahr hören kann!
      Und: Vielen Dank für dein liebes Kompliment! Freut mich sehr, dass du meine Kolumne gerne liest.

  2. An dieser Stelle mal danke für deine Texte, die mich immer zum Nachdenken anregen und inspirieren :) einige davon haben mich wirklich mitten ins Herz getroffen und sehr berührt. Danke dafür.
    Amazed ist durch dich um einiges vielseitiger geworden und du bist eine riesige Bereicherung für das Team und den Content meiner Meinung nach.

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