Coffee Break: Wenn es gut ist, wird es schön sein

29. Mai 2016 von in

Es tut mir leid, wenn ich nun noch einmal Olli Schulz zitieren muss. Der ist aber auch ein verdammt schlauer Typ. Denn die Zeile „Wenn es gut ist, wird es schön sein und ein Leben lang passieren“, sagt alles, was man so wissen muss über die Liebe. So gesehen, hätte ich mir dieses ganze Jahr Kolumnen vielleicht sparen können. Nein, natürlich nicht – aber zumindest veranlasst einen dieser Satz dazu, Sachen weniger zu durchdenken und den Dingen auch nicht mehr Bedeutung beizumessen, als sie eigentlich haben. Man kann sowieso nichts erzwingen – wenn es also gut ist, wird es passieren und weitergehen. Alles, was „beißt“, wirst du dagegen schnell verlieren.

Das fängt schon ganz am Anfang an: Ich empfinde es mittlerweile als sehr ermüdend, einer Freundin Ratschläge zu geben, was sie nun wie und wann dem Typen schreiben könnte, der auf ihre letzten zwei Vorschläge, sich endlich  wiederzusehen nicht eingegangen ist. Zu interpretieren und zu überlegen, was er jetzt wohl meinen könnte, wenn es auf ihre Nachricht als Antwort nur einen Face-Swap von sich und seinem besten Freund gibt. Ich kann nicht mehr dabei zusehen, wie sich jemand, den ich gerne mag, unter Wert verkauft. So, und jetzt lasse ich mir wieder zwei Tage Zeit, dir zu antworten, obwohl ich es natürlich längst gelesen habe.

Da ist irgendwie keine Geduld mehr übrig – für Kommunikationsspielchen, für Halbschariges, für Ein-bisschen-Interesse. Keine Zeit mehr für Zeitverschwendung. Keine Lust mehr auf Varianten von sich selbst sein müssen – weniger fordernd, weniger online, weniger into. Früher hat das jemanden noch interessant gemacht, wenn er einen in einem „Jein“ gelassen hat. Heute denke ich mir: Wer nicht will, der hat eben schon – ganz ohne trotzig oder beleidigt zu sein. Und das hat auch überhaupt nichts mit mir zu tun. Man kennt das ja selbst: Kein Außenstehender weiß so wirklich, was in einem drin gerade abgeht. Manchmal weiß man es nicht einmal selbst. Wenn es also nicht reicht oder nicht passt, dann hat keiner Schuld und es gibt auch nichts zu durchdenken – hätte, wäre, könnte. Dann ist der eine eben Schokoladenkuchen und der andere Erdbeer.

Der tolle Olli-Schulz-Satz passt aber auch bei Geschichten, die schon länger laufen: Wenn man sich in einem Jahr zwei Mal trennt und die meiste Zeit mit streiten, Missverständnissen oder schlechter Stimmung verbringt, wie sollte man es dann ein Leben lang zusammen aushalten? Klar, diese Auf-und-Ab-Beziehungen sind aufregend und der Sex bleibt auch immer schön spannend, aber kann man das? Und will man das vor allem? Wer schafft denn 30 Jahre Beziehungsdrama und kann nebenbei noch Karriere machen und eventuell ein Kind großziehen? Wer übersteht Jahrzehnte voller Machtkämpfe und Trennungen, ohne danach nicht eingewiesen zu werden? Also ich jedenfalls nicht. Auch hier kann man sich also sehr entspannt zurücklehnen: Wenn es gut ist, wird es schön sein und ein Leben lang passieren. Und Beziehungen sind auch nicht weniger wertvoll, nur weil sie irgendwann enden, wenn ihre Zeit abgelaufen ist. Leider bedeutet es heute immer noch: Schluss machen ist gleich gescheitert sein. Dabei nimmt man doch immer eine Menge mit.

Es ist vielleicht eine magere Erkenntnis nach einem Jahr über die Liebe schreiben – aber ich weiß jetzt, dass ich Dinge in meinem Leben haben will, die einfach funktionieren. Die mir am Ende des Tages mehr Energie schenken, als sie mir rauben. Ich möchte, ich selbst sein dürfen. Ohne Unsicherheiten, ohne blöde Angst, ohne viele Überlegungen. Ohne schreiben, wieder löschen und dann doch nicht abschicken. Ich möchte Antworten, Aufrichtigkeit, ich möchte sagen können, dass man sich mag. Ich möchte mich nicht abmühen müssen, ich möchte nicht kämpfen und streiten und nicht schlafen können.

In diesem Sinne: Macht es euch schön! Es macht sonst keiner für euch.

7 Antworten zu “Coffee Break: Wenn es gut ist, wird es schön sein”

  1. Gestern habe ich einen ähnlichen Blogpost geschrieben, ich kann deinen Worten nur zustimmen. Ich finde nämlich, dass wir der „Kennenlerngeschichte“ zu viel Bedeutung zu messen ,teilweise auch, weil wir eben beeinflusst durch hunderte Liebesfilme davon ausgehen, dass alles immer erstmal kompliziert beginnen muss. Mir geht es so wie dir, ich habe gar keine Geduld mehr für die ewigen Spielchen und versuche diese auch sein lassen. Und ich muss sagen, seitdem läuft auch vieles sehr viel einfacher :) Liebe Grüße, Julia

  2. Wieso muss diese Reihe nur enden? :( Ich lese deine Coffee Breaks doch immer so gerne!
    Ich bin auch jemand der leider zu der Geschichte mit dem On-Off tendiert, leider aber unfreiwillig. Du hast Recht: Man muss es sich einfach schön machen und weglaufen, sobald sich da eine konkurrierende Stimmung breit macht.
    Mal wieder ein richtiger Augen-Öffner!

    xx Ana | http://www.disasterdiary.de

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