Das Schweigen Dilemma // Was du verdienst

15. März 2017 von in ,

Hallo, da bims ich wieder. Ich habe eine kleine Schreibpause eingelegt, weil ich Erwachsenen-Style Geld verdienen musste, tut mir Leid. So zwei, drei tausend netto. Sonst komm ich nicht durch. Was muss, das muss, ne? Was verdient ihr eigentlich? Also, abgezogen mal das alljährliche Macbook, das euch eure Eltern so rüberschieben? Ich meine das Geld, das ihr wirklich… verdient. Hm?

Die Mädels haben gesagt, Nils, wir machen Amazed provokativer. Provokativer, haben sie gesagt. Mir. Ich hab wegen meiner Haterkommentare noch genug Depressionen für den Rest meines Lebens. Aber bitte, meinetwegen, machen wir halt provokativer.

Also, was verdient ihr denn jetzt? Wieso ziert ihr euch denn so, ist doch ganz normal die Frage. Wie, macht man nicht? Wir wissen alles über alles von jedem, aber wir dürfen nicht darüber sprechen, worüber wir am meisten nachdenken? Unser letztes großes Geheimnis. Macht man halt nicht.

Dabei verdienen wir doch alle was. Ihr verdient, dass ich schreibe. Ich verdiene euren Hass. Manche verdienen zu viel, viele viel zu wenig, und ein paar verdienen die Hölle. Habt ihr etwa Angst? Angst, weniger zu verdienen als ich? Ist es das? Weniger als die da drüben mit der teuren Jacke? Fallt ihr dann eine Kaste nach unten?

Ich habe immer schon gefragt, wie viel die Leute verdienen. Und seit mir jemand gesagt hat, dass man das nicht mache, mache ich es bei jeder Person, die ich treffe. Kommt schon, ist doch nichts dabei. Wie viel ist es? Ach wisst ihr was, vergesst es. Nüscht habt ihr. Nüscht. Ihr seid alle pleite und verzweifelt. Deswegen sagt ihr es auch nicht. Ihr dachtet immer, alles geht. Aber es geht eben nicht alles. Nur das, was nach Steuern, Miete, Versicherung, Essen, und Netflix noch übrig bleibt. Also Bier. Eigentlich geht nur Bier. Generation Bier. Das wäre doch mal ein adäquater Titel endlich.

Woher ich das weiß? Ich sag‘s euch. Ich sehe euch doch. Ich sehe euch, wie ihr mit mir im Café sitzt und den Espresso mit zwei Litern Leitungswasser bestellt. Ich sehe, wie ihr fragt, wie viel die Vorspeise kostet und ich sehe euren Schmerz beim Bezahlen. Ich sehe euch, wie ihr bei diesem Projekt rumkrebst – mit der goldenen Karotte vorgespannt. Ihr arbeitet in Jobs, die euch Erfahrung überweisen und dann drücken sie euch noch ein bisschen Geld dafür in die Hand, dass ihr das möglichst plausibel euren Eltern verkauft. Die übernehmen dann das mit dem Überweisen. Ist doch so, oder? Ich sehe euch auf Social Media, wie ihr jede Gelegenheit nutzt, euer Image wohlhabender zu gestalten als euer Konto. Ich seh‘ das doch.

Und ich weiß, ihr habt euch das anders vorgestellt. Ihr verdient lange nicht so viel, wie ihr dachtet, dass ihr einmal verdienen würdet. Ihr habt nämlich vergessen, dass man immer nur entweder Zeit haben kann – oder Geld. Die Leute, die viel Zeit haben, sind pleite. Die, die keine Zeit haben, haben genug Geld – oder ein paar fragwürdige Entscheidungen getroffen.

Aber nein, wir reden lieber nicht darüber. Wir könnten zwar. Wir könnten teilen. Wir könnten was ändern. Wir könnten die Angst loswerden. Die Imagesorgen. Aber nein, macht man ja nicht. So lange ihr das glaubt, habt ihr es auch verdient, pleite zu sein.

17 Antworten zu “Das Schweigen Dilemma // Was du verdienst”

  1. Und dann gibt es noch mich: Keine Zeit und kaum Geld. Der Grund: Ein Volontariat, ein Nebenjob und eine externe Weiterbildung + einen eigenen kleinen Blog.

    Aber ich verstehe dieses „Man spricht nicht über Geld“-Ding auch nicht.

    • Und da bist du nicht alleine, leider. Es gibt zu viele, in allen Berufszweigen, die viel, sehr viel arbeiten und kaum Zeit haben. Das alles zu einem sehr geringen Lohn. Nicht bezahlte Überstunden und allgemein ein schlechtes Gehalt, unmenschliche Schichten und Arbeitszeiten, die einfach viel zu lange sind (da sind wir wieder bei den Überstunden). Aber gut, darum ging es vermutlich nicht in erster Line bei dem Artikel.
      Wo kommt denn das Problem her, dass niemand darüber spricht? Wenn Frauen fast immer für die gleiche Arbeit ein geringeres Gehalt bekommen, wundert mich schon gar nichts mehr.
      Die Bezahlung ist einfach oft sehr ungerecht, nicht nur zwischen Mann und Frau.
      So lange man da nicht mal eine einheitliche Regelung findet, geht da eh gar nichts.

      Und außerdem, wieso sollte ich irgendwelchen Leuten sagen, wie viel ich verdiene? Mal davon abgesehen, möchte vielleicht auch nicht jeder, dass man diesen Menschen dann irgendwie einordnet. Man vergleicht ja sofort. „Ich verdiene mehr“ oder „weniger“ und beurteilt das. Familie und Freunde mal ausgenommen.
      Ich würde auch nicht jedem sagen wollen, wie viel ich für meinen Wocheneinkauf (Lebensmittel) ausgebe, wie viel ich so für meine Klamotten, Kosmetik, Freizeitaktivitäten ausgebe und so weiter. Auch hier, Freunden/Familie, klar. Da redet man wahrscheinlich sowieso drüber. Aber Leuten, die ich gerade kennenlerne, würde ich weder dies noch mein Gehalt nennen …

      • Ich glaube, dass man als Mann und als Frau oft Probleme mit unbezahlter Arbeit hat (Wochenendarbeit, Überstunden, etc.). In den meisten Arbeitsverträgen ist die Klausel drin, dass man nicht über sein Gehalt sprechen darf. Allerdings bin ich für mehr Transparenz vor allem im eigenen Unternehmen und der Branche. Wie soll man sonst wissen, was so der Durchschnitt ist und ob das gerecht ist was man bekommt. Und um allen bewusst zu machen, dass der Gender-Gap existiert.

        Aber natürlich muss ich nicht von jedem wissen was er verdient. Mir ist es einfach egal, wie viele meine Freunde oder mein Date verdienen, da es für mich zwischenmenschlich keine Rolle spielt.

  2. Ich frage das auch ab und zu. Und finde den Austausch wichtig. Ich verdiene etwa 900 bis 1000 € im Monat. Davon gehen natürlich noch meine Ausgaben ab. Miete und Nebenkosten übernimmt mein Mann. Aber gut, dafür habe ich viel Zeit. So wie du sagst. Naja, kommt Zeit, kommt Rat. Momentan gehts gut, optimal ist es nicht. Aber Offenheit würde uns allen weiterhelfen, auch in Freundschaften.:)

    lg,
    Sarah

  3. Da lobe ich mir den Öffentlichen Dienst. Da gibt es einen übersicht über jeden Angestellten und seine Tarifgruppe. So einfach kann es sein und sollte es sein. Diese Geheimniskrämerei. Ätzend. Ich frage auch. Immer. Guter Text, den könnte man getrost unter so manche Bolg-Posts all over the internet hängen. <3

    • Das mit den Tarifgruppen ist eine schöne Vorstellung. Wenn man im Kulturbetrieb arbeitet, der an den TV-L angebunden ist, kann das aber fiese ausgehen. Weil die Tätigkeiten meist in keine zu vergleichende BAK (Stellenbeschreibung des TV-L) passt, wird frei rumgruppiert. Und am Ende bin ich so eingestuft wie eine einfache Krankenschwester (dabei nichts gegen Krankenschwestern, ein schwerer Job, aber leider eben auch unterbezahlt), habe lange studiert, habe Budgetverantwortung im Job, Mitarbeiter unter mir. Die gleich bezahlt werden. Aber eine Neu-Eingruppierung nach meinen Tätigkeiten? Nicht möglich wegen des Stellenplans, der vom Land eben so vorgesehen ist. Punkt.
      Sorry, dass ich grade so abhate, aber mir brennt das ziemlich unter den Nägeln. Alle wissen zwar, was ich verdiene, weil alle dasselbe verdienen – aber wir verdienen alle zu wenig! Ah!

      Und zum Thema Geheimniskrämerei: Als ich in meinem ersten Assi-Job das Gehaltsgespräch hatte, und mir der Geschäftsführer damals sagte, er mache mir hier wirklich ein gutes Angebot (ich wusste, dass er mir weniger anbot als meiner Vorgängerin), das ich bloß annehmen, aber bitte nicht drüber reden solle, war ich so wütend, dass ich Tränen in die Augen bekommen habe (schlecht, um weiter zu verhandeln), einfach rausgerannt bin, und wirklich jedem da draußen erzählt habe, was er mir angeboten hat. Das Blöde: Ich musste den Job annehmen, es war der einzige weit und breit. Das Gute: Den Job konnte ich nach vier Monaten hinschmeißen, um einen neuen anzunehmen (den im öffentlichen Dienst, hach!)…tbc.

  4. Schöner Text. Ich verstehe auch nicht, warum man nicht übers Gehalt redet. Ich finde es super spannend zu wissen, was mein gegenüber in seinem Job verdient. Einfach nur, um bestimmte Branchen und ihre Gehälter einschätzen zu können.

    Ich gehöre leider auch zu den hier unerwähnten Leuten: keine Zeit, kein Geld. Als Redakteurin verdient man sich halt leider alles andere als ein goldenes Näschen… Da geht’s eher – überspitzt gesagt – mit dem Dispo in die Disco.

    Grüße, Malina

  5. Ich frage mich nur wieso du diesen Bericht schreibst und dann aber nicht sagst, was du verdienst. Was verdienst du denn jetzt so, lieber Nils?

  6. Verstehe den Post nicht so ganz. Das Schweigen kritisieren, aber selbst nicht den Anfang machen wollen? Oder was will uns der Autor sagen?;)

  7. 4300 brutto, 2500 netto.
    Werbeagentur.
    Wohne arbeite lebe in München.

    Gespart wird nichts.
    Habe das Gefühl am Hungertuch zu nagen.
    Führe kein Luxusleben sondern träume davon.

  8. Das Problem versteh ich irgendwie nicht. Ich glaube, das ist ne Frage des Umfelds. Meine Freunde und Bekannte haben zum Großteil ganz normale Jobs und jeder weiß, wie viel/wenig der Andere verdient. Meine eigene Brokeness ist auch kein Geheimnis. Vielleicht ist das ne Freelancerkrankheit, dass man sich aus bitterness nicht zugestehen will, wie wenig man eigentlich für seine Arbeit kriegt.

    • So geht es mir auch. Meiner Familie und meinen Freunden erzähle ich auch von meinem Gehalt, eben Leuten, die ich kenne, da habe ich gar kein Problem mit. Früher habe ich mit echt tollen Kollegen zusammengearbeitet, mit denen habe ich auch über unser Gehalt geredet. Als ehemalige Freelancerin weiß ich aber, dass man lieber nicht so viel über das Gesamtgehalt bzw den Gewinn erzählt, weil es viele Leute gibt, die einem dann die Freiberuflichkeit madig machen wollen (obwohl sie ja eigentlich oft recht haben.) … Eien Umfeldsache ist vielleicht auch der Absatz mit Social Media, Konsum und dem Sponsoring von Seiten der Eltern, das ist auch nicht der Normalfall.

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