Das Spar-Experiment: Was brauche ich wirklich in einer Woche?

7. Februar 2018 von in

Wenn ein Umzug erstmal geschafft ist, kommen die kleinen Details: Hier noch eine Lampe, da ein Teppich, eine neue Pflanze, neues Geschirr, Kissen und Co. In der letzten Zeit habe ich mal hier, mal da etwas gekauft oder bestellt, ein bisschen neue Frühlingsgarderobe kam auch dazu, und dann noch das neue Handy, was schon ewig nötig war. Mein Konto ist zwar noch im Reinen mit sich und mir, aber trotzdem fühlt es sich so an, als hätte ich die letzten Wochen über viel zu viel gegessen. Ich habe das dringende Bedürfnis nach Reduzierung und Entschlackung und beschließe, eine Diät-Woche einzulegen.

Aber keine, die mit dem Essen zu tun hat, sondern eine finanzielle Diät-Woche: Ich möchte eine Woche lang versuchen, so wenig wie möglich auszugeben. Nicht wie sonst einfach alles zu kaufen und zu bestellen, was mir in den Sinn kommt oder mir über den Weg läuft, sondern vor jedem Kauf nachzudenken und so wenig wie möglich auszugeben. Ich möchte sehen, was während der totalen Reduktion meines Konsums passiert und wie es mir dabei geht, ich möchte die Leichtfertigkeit hinterfragen, mit der ich oft Geld ausgebe und denke, Bestimmtes zu brauchen. Was passiert, wenn ich eine Woche lang so gut wie nichts ausgebe? Wie fühle ich mich dabei, und wie viel oder wenig brauche ich eigentlich wirklich? Was macht es mit meinem Alltag, weniger zu kaufen und geht es mir schlechter oder besser als sonst dabei? Dieses Experiment habe ich vor zwei Wochen gemacht, und das habe ich erlebt:

Montag

Heute mache ich erst Homeoffice und gehe später in die Redaktion, in der ich frei arbeite. Das heißt, nichts auszugeben ist heute einfach: Der Kühlschrank ist noch voll vom letzten Großeinkauf, Kaffee und Hafermilch gibt es en masse, und ich mache mir erstmal Filterkaffee in der schwarzen neuen Kanne, die ich neulich bestellt habe. Ich liebe sie, der Kaffee tropft durch besonders kleine Löcher besonders langsam und schmeckt vorzüglich, sie war mit 50 Euro zwar nicht günstig, aber ich freue mich jeden Tag an ihr. Mittags mache ich mir eine große Tomatengemüse-Reispfanne, esse gleich etwas davon, nehme später etwas in die Arbeit mit und hebe sogar noch etwas für den nächsten Tag auf. In der Mittagspause beschließe ich, ins Fitnessstudio zu gehen, schließlich lohnt sich das Ganze umso mehr, je öfter man dort ist. Zwischendurch schaue ich auf meine zu langen Vorhänge, die ich schon seit Wochen kürzen lassen wollte. Bevor ich mich auf die Suche nach einem Schneider mache, beschließe ich, sie einfach erstmal so sein zu lassen, wie sie sind und bringe die Vorhangstange endlich richtig an. Fazit am Abend: Null Euro ausgegeben, völlig zufrieden.

Dienstag

Heute arbeite ich wieder von zu Hause aus, was mein Experiment bei einem vollen Kühlschrank und einer vorgekochten Mahlzeit wirklich einfach gestaltet. Als ich ein Video drehen will, fällt mir ein, dass mir noch ein längeres Kabel für das Mikrofon fehlt. Bei Amazon könnte ich es für 6,50 bestellen, ich gehe aber einfach runter in den Elektroladen in meinem Haus, den es schon seit 70 Jahren gibt und den ich bei jeder Gelegenheit unterstützen will. Hier zahle ich 8,50 für das Kabel und erfahre wieder mal die besten Geschichten über unser Haus, so wie es früher mal war. Für den Abend habe ich mich schon vor Ewigkeiten mit einem Freund zum Essen verabredet – ich könnte ihn auch nach Hause einladen, würde dafür aber normalerweise Einkaufen gehen, um etwas besonders Schönes zu kochen. Also läuft es finanziell ungefähr auf dasselbe hinaus, wenn ich Essen gehe. Ich beschränke mich auf einen großen Salat und zwei Bier, als ich beim zweiten bin, kommen allerdings zwei alte Kumpels ins Restaurant und setzen sich zu uns. Ich bestelle also noch ein kleines Bier und zahle am Ende 20 Euro.

Mittwoch

Nicht nur für das Fitnessstudio, auch für Yogastunden habe ich schon gezahlt, war von meinem 3-Stunden-Starterpack aber erst in einer einzigen. Also lege ich heute eine Morgenyogastunde ein, statt mich direkt an den Schreibtisch zu setzen. Zu Hause beäuge ich misstrauisch den Kaffee und die Hafermilch, die nicht mehr ganz so voll sind, wie noch am Montag. Normalerweise würde ich jetzt einkaufen gehen, und noch einen Haufen andere Dinge mitnehmen. Heute beschließe ich aber, den Einkauf so lange wie möglich hinauszuzögern, um wirklich mal das aufzubrauchen, was da ist. Und wenn Kaffee und Milch in den nächsten Tagen leergehen, nur diese beiden Dinge zu kaufen. Der Yoga-Heimweg war ziemlich verführerisch: Überall in Haidhausen locken Cafés und kleine Geschäfte, normalerweise hätte ich mir mindestens einen Kaffee, im Supermarkt ein paar Kleinigkeiten für ein schönes Abendessen und vielleicht auch Blumen mitgenommen. Es einfach nicht zu tun, ist aber halb so wild, denn der Kühlschrank ist noch gefüllt und alles andere brauche ich wirklich nicht, wenn ich ehrlich zu mir bin.

Donnerstag 

Heute bin ich auf mehreren Presseveranstaltungen eingeladen, zum Frühstück erstmal in einem Café bei mir ums Eck. Der Tisch ist voll von allem, was man sich zum Frühstück wünschen könnte und ich darf mir so viele Kaffees bestellen, wie ich möchte. Zum Dinner bin ich heute im Bayerischen Hof, zwischen glitzernden Beautyprodukten und einem 3-Gänge-Menü. Diese Woche fühlt sich das noch ein Stück außergewöhnlicher an, als es das ohnehin immer tut, und ich bin mal wieder fasziniert davon, was auf Presseveranstaltungen so geboten wird. Wenn mir eines wichtig ist, dann nie das Gefühl dafür zu verlieren, dass dieser Lebensstil nicht selbstverständlich ist. 

Freitag

Ich spaziere zur Akademie der Bayerischen Presse, wo ich heute arbeite, und kaufe mir nichts beim Bäcker wie sonst so oft, sondern habe auch heute wieder etwas zum Essen dabei. Am Abend wird es tricky: Freitagabend heißt normalerweise automatisch Geld ausgeben. Entweder beim Essengehen oder beim auswärts trinken. Heute bin ich bei einer Freundin eingeladen und bringe einen Wein und ein paar Snacks mit. Wenn ich Lust hätte, würde ich danach mit in die Bar gehen und mir dort auch nicht versagen, etwas zu trinken. Allerdings bin ich heute so müde, dass ich ohne Umweg in die Bar heim und ins Bett gehe.

Samstag

Nach dem Ausschlafen gehe ich mit meinem Freund einkaufen, heute Abend haben wir Freunde eingeladen und wollen kochen. Wir kaufen außerdem Getränke, Snacks und alles, worauf wir für die nächste Woche Lust haben und zahlen jeweils 30 Euro. Seltsamerweise bin ich diese Woche nicht nur bewusster, sondern auch produktiver als sonst, und wir schaffen es sogar nochmal gemeinsam ins Fitnessstudio.

Sonntag

Ausschlafen, Frühstück und Serien schauen im Bett, später kommen Freunde vorbei und wir kochen wieder zusammen. An diesem Sonntag fällt es mir wieder absolut nicht schwer, nichts auszugeben, denn der Kühlschrank ist voll, und ich gehe nicht vor die Tür.

Fazit

Das Sparen ist mir diese Woche absolut nicht schwer gefallen oder hat sich wie eine Einschränkung angefühlt, viel eher hat es mich in den produktiven Alltagsmodus einer ganz normalen Frühjahrswoche versetzt, der manchmal sogar ganz gut tut. Wenn ich nicht ständig Essen gehe, koche ich mir selbst viel mehr und schaffe es viel eher, nicht nur auf das Geld, sondern auch auf die gesunde Ernährung zu achten. Ich habe diese Woche nicht viel mehr als 60 Euro ausgegeben, und die Achtsamkeit, mit der ich an alles herangegangen bin, hat mich auch motiviert, öfter zum Sport zu gehen. Natürlich sieht nicht jede Woche so aus, und immer vernünftig zu sein, ist auf Dauer auch langweilig. Ich werde mir natürlich auch weiterhin immer mal wieder Klamotten oder andere Dinge kaufen, die mir Spaß machen.

Es tut trotzdem gut, sich bewusst zu machen, dass all das eigentlich nicht nötig ist, um glücklich zu sein. Ich hatte diese Woche nicht das verschwenderischste Leben, aber war trotzdem durchgehend zufrieden mit allem und gleichzeitig sehr bewusst bei mir. Was brauche ich also wirklich? Vor allem Achtsamkeit mir selbst und meinem Konsum gegenüber, nicht dieses oder jenes materielle Ding. Und mit weniger unsinnigen und unüberlegten Ausgaben freuen mich dann die, für die ich mich ganz bewusst entscheide, ganz besonders.

Wie ist es bei euch – was braucht ihr wirklich in einer Woche?

5 Antworten zu “Das Spar-Experiment: Was brauche ich wirklich in einer Woche?”

  1. Liebe Milena, deinen Beitrag finde ich wirklich total spannend und toll geschrieben, Kompliment!

    Eigentlich wissen wir ja alle, dass wir die Dinge, für die wir jeden Tag oder zumindest häufig unachtsam Geld ausgeben, im Grunde überhaupt nicht brauchen. Im Gegenteil muss ich dann häufig sogar unverbrauchte Dinge aus meinem Kühlschrank wegwerfen, weil sie nicht mehr gut sind und ich zwischendurch zu viel anderes Zeug gekauft hatte. Das ist immer unfassbar schade.

    Ich hatte mal eine Zeit, in der ich als Praktikantin in Berlin gearbeitet habe und wirklich super wenig Geld zur Verfügung hatte. Ich habe es dann so gehandhabt, dass ich das Geld immer am Monatsanfang von der Bank abgehoben und alles in bar bezahlt habe. Oft verliert man den Überblick, wenn man alles mit der EC- oder Kreditkarte zahlt. Wenn man sieht, dass wirklich nur noch 30€ im Portemonnaie sind und man davon noch eine Woche leben muss, dann ändert sich das Bewusstsein auch ganz schnell ;-) Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.

    • Ja, diesen Überblick hat man anders überhaupt nicht, und das ist grundsätzlich ja auch ein schöner Zustand: Nicht extrem auf sein Geld achten zu müssen und sich einfach unbeschwert das zu kaufen, auf was man Lust hat. Aber es ist eben wie bei der Ernährung: Manchmal schadet es nicht, sich mal ein bisschen zu zügeln, um das richtige Verhältnis wiederzubekommen. Mir hat diese Sparwoche wirklich ein neues Bewusstsein gegeben, ich kaufe mir jetzt natürlich schon wieder Dinge, heute zum Beispiel ein paar Hängepflanzen für die Wohnung. Aber ich überlege mehr und kaufe definitiv weniger. Und mir gefällt auch, wie wenig Geld auszugeben den allgemeinen Druck, alles zu erleben und mitzunehmen, mindert – wenn das Sparen keine absolute Notwendigkeit ist, sondern eine bewusste Reduzierung, dann kann es tatsächlich Spaß machen.

  2. Gutes Thema!
    Nachdem ich mir im vergangenen Jahr – im Zuge meines ersten Jobs nach der Uni- wahnsinnig viele Dinge angeschafft habe, sehr viel Geld ausgegeben habe und es irgendwann zur Gewohnheit wurde einfach alles einzukaufen & zu bestellen, was ich möchte, habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen nur ein Teil pro Monat zu „konsumieren“ also 12 Teile im Jahr. Inkludiert sind alle Kleidungsstücke und alles was in irgendeiner Art &Weise Platz in der Wohnung einnimmt (Küchenutensilien, Deko, Bücher, Blumen etc.). Erlaubt sind Lebensmittel und Tickets für Veranstaltungen.
    Es ist ja erst ein Monat rum, aber der hat funktioniert und es hat sich ganz wunderbar befreiend angefühlt! Von nun an gilt es genau zu überlegen, welches Teil es wirklich wert ist, das einzige im Monat zu sein. Ein Wochenende war ich in Kopenhagen und bin durch diese vielen tollen Lädchen geschlendert und habe nicht mehr gedacht „das muss ich aber wirklich UNBEDINGT haben“, sondern konnte das Flair und das danish design völlig neidlos genießen.
    Lieben gruß

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