Die schwärzeste, aber hoffnungsvollste Nacht Hollywoods

9. Januar 2018 von in

Hollywood trägt Trauer. Zumindest bei den Golden Globes. Wer am vergangenen Sonntag die erste große Preisverleihung des Jahres gesehen hat, staunte, fast alle Frauen kamen in Schwarz gekleidet, die Männer sowieso im Smoking, manch einer auch mit schwarzem Hemd. Trafen sich hier alle Filmgrößen zum großen Massenbegräbnis? Ja von wem oder was denn eigentlich? Die farbenfrohe Fröhlichkeit und modische Vielfalt war vom Roten Teppich verbannt worden.

Für ein grandioses Statement – und vielleicht den Beweis, dass sich Dinge doch ändern können, wenn man sie anspricht, darüber spricht und einzelne Personen sich zusammentun.
Beerdigt wurden an jenem Abend nicht nur die Lobeshymnen auf zahlreiche (oft talentierte) Männer, jene, die gleichzeitig jahrelang systematisch Frauen degradiert und sexuell belästigt hatten, sondern viel mehr eine ganze Ära in Hollywood. Die Ära, in der Männer das Sagen hatten, ihren Blickwinkel auf das Leben in den Filmen zeigen konnten, ihre Machtpositionen am und abseits des Sets ausnutzen konnten und auch noch die Preise bei den wichtigsten Preisverleihungen einheimsten.

2017 war ein wichtiges Jahr für die feministische Bewegung. Mit #metoo und der öffentlichen Aussprache sexueller Belästigung, mit dem Offenlegen dessen, was Frauen tagtäglich erleben, mit den ersten offenen Gesprächen zwischen Frauen und Männer, passierte erstmals eines: Männer konnten sich der Debatte nicht mehr entziehen.

Denn wir kennen es ja alle: Fordert Frau eine feministische Veränderung, zeigt sich emanzipiert in ihrem Leben und erwähnt Gleichberechtigung im selben Atemzug wie ihren Job, sind die Männer schnell weg. Raus aus der Dikussion, die sowieso nicht nötig sei. Diese Emanze, Feminismus nervt, das brauchen wir nicht, wir sind doch eh schon so weit.

Dank #metoo und einer neuen Gesprächskultur ist jedoch passiert, was jahrelang eher ein paralleles Gespräch nebeneinander her war: Es wird endlich miteinander gesprochen. Fehlverhalten wird erstmals leise auch von Männer erkannt und anerkannt. Und es ist nicht mehr uncool, sich auf Seite der Frau zu stellen, die Gleichberechtigung fordert.

Die größte Sorge war: Mit 2018 ist auch diese Bewegung wieder einmal vergessen, Vielfalt und Gleichberechtigung für alle Menschen bleibt auf dem Papier cool, doch die Masse widmet sich auf Twitter wieder dem Haar von Donald Trump, dem öffentlichen Nahverkehr und der neusten Fast Fashion.

Dass das anders sein könnte. Dass womöglich #metoo mehr war, wie eine kurzfristige Aufschrei-Bewegung, dass sich hier wirklich etwas verändert, was für uns alle verändert, haben die Golden Globes – nein viel mehr, die Frauen und Männer bei den Golden Globes bewiesen. Das Plus 1 der meisten Stars war nicht der neuste Promi-Freund, sondern Aktivisten für Feminismus, Gleichberechtigung und gegen sexuelle Belästigung. Auch fast jede Rede wurde dazu genutzt, ein Zeichen zu setzen, die Frauen zu ermuntern und die Männer zu ermahnen.

Hollywood will, dass sich etwas ändert. Dass Frauen nicht mehr nur schönes Beiwerk sind in Filmen. Dass sie gut behandelt werden, und dass auch ihre Arbeit ausgezeichnet wird. Und wird sie es nicht – noch nicht mal nominiert, weisen wir endlich öffentlich drauf hin. So wie Nathalie Portman bei der Verleihung des Awards für den besten Regisseur.

Auch die Auswahl der Preisträger an jenem Abend war weitaus gemischter, der Fokus lag auf Filmen, in denen Frauen wichtige tragende Rollen hatten, die Diversität war vielfältiger und ausgeglichener als je zuvor. Nicht, dass es solche Filme nicht auch in den Jahren zuvor gegeben hätte. Sie fielen schlichtweg hinten runter.

Barbara Streisand, die einzige Frau, die jemals einen Golden Globe als beste Regisseurin erhalten hat (1984 wohlgemerkt!), rief an jenem Abend: „Die Zeit ist um.“

So traurig es auch klingen mag: Besser spät als nie. Eine neue Zeit ist angebrochen – nicht nur in Hollywood, sondern weltweit. Oprah Winfrey, die einen Golden Globe für ihr Lebenswerk erhielt, sagte: „Hinter dem Horizont bricht eine neue Zeit für Mädchen und Frauen an.“ Wir Frauen müssten nur endlich offen sprechen, Stärke zeigen und die Kommunikation und Diskussion vorantreiben. Es liegt an uns, weiterhin darüber zu sprechen, Missstände aufzudecken, die Männer mitzunehmen und gemeinsam eine Veränderung voranzutreiben.

Und wer sich sicher ist, dass wir alle, ja auch Hollywood, in alte Muster verfallen werden, dem möchte ich Frances McDormands Worte mitgeben: „Es gibt keinen Weg zurück.“

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