Er so Sie so: Amelie, du machst mich glücklich

21. Dezember 2016 von in

Foto: Kerstin Rothkopf

Amelie, du machst mich glücklich. Nicht nur, weil ich eher selten von schönen Frauen im Internet gefragt werde, ob ich Bock auf Sex habe, sondern auch, weil ich jetzt ein bisschen Jammern darf. Vorab: Ich bin ich mir ziemlich sicher, dass wir alles, was wir tun, wegen Sex tun. Das dauert eine Weile, bis man das versteht, aber es ist wahr. Ist eben dann doch ein großes Ding. Apropos: Fuck yeah, Sex war auch für mich lange Zeit wie Assessment Center. Was glaubtest du denn? Dass wir wirklich immer können? Nope. Immer wollen? Nö. Immer kommen? Ähm ne. Immer bekommen? Erst recht nicht. Die Erwartungshaltung war immer riesig groß. Es sei ja viel einfacher, jemandem was reinzustecken, als etwas reingesteckt zu bekommen. Bei uns wäre der Kopf nicht so involviert, weil eh alles Blut weiter unten weilt. Dann dieses Lied.

Ob der Schönste, der’s am längsten kann von allen

heute nacht auch wirklich hält, was er verspricht

Mir geht’s so gut, weil ichn Mädchen bin

Deswegen haben wir uns erstmal vorbereitet. Pornos geguckt ohne Ende, um auf alle (wirklich alle!) möglichen Fälle vorbereitet zu sein. Wir wussten nicht, dass das eine ganz andere Welt war, die wir da studiert hatten. Dass es „am längsten zu können” auch nicht so geil ist. Bis wir merkten, dass das alles nüscht mit dem echten Leben zu tun hat, vergingen schon einige Jahre nackter Awkwardness.

Das Problem mit deiner Größe kam automatisch. Tja. Da musstest du durch. Einfach akzeptieren, was da ist und das Beste draus machen. Ist ne gute Lektion fürs Leben. Die Horrorgeschichten von viel zu großen Dödeln halfen nur peripher, dafür hatten wir eure Brustsorgen nicht. Auch half es bedingt, dass wir nur „gut” im Bett oder „Katastrophe“ sein konnten. Oder, dass wir euch „zum Kommen bringen”. Sex ist ja immer noch was für zwei. Trotzdem: Wenn wir kamen und ihr nicht, dann fanden wir das unfair. Immer noch. Das ist in unseren Köpfen drin. Und dann ging es erst richtig los mit der Verkrampfung. Es war klar, dass wir immer zu wollen und zu können hatten. Das gab richtig Stress manchmal. Manche Frauen haben mich wütend rausgeworfen, wenn mal was nicht funktioniert hat. Dann gab es welche, die, nachdem sie mit mir im Bett waren, Hater-Artikel veröffentlicht haben, dass sie noch nie im Leben gekommen waren. Ich habe auch oft vorher Nein gesagt. Kann ich niemandem raten. Manche wurden richtig sauer, laut, aggressiv oder sprachen gar nicht mehr mit mir. Ganz andere Menschen plötzlich. Ganz komisch. Scheiße, wie oft mich Sex und alles was damit zusammen hing, genervt hat. Alles davor, alles danach. Ich fand mich selber eklig. Ich fand die Frauen eklig. Und dann liegst du einmal wieder mit einer schönen Frau, der Zeit und Kaffee und Schokocroissants morgens im Bett und alles ist wieder gut.

Aber mal ehrlich: Diese Erwartungshaltung macht doch auch nicht Halt vor Frauen. Sonst würdet ihr nicht vorher das Licht ausmachen, Push Ups tragen oder Orgasmen vortäuschen. Mir ist mal eine Frau auf den Knien zusammengebrochen und hat geweint, weil ich nicht gekommen bin von ihrem Blowjob. #nopressure, hey.

Es hat eine Zeit gedauert, bis ich mich all dem entledigen konnte. Aber das war dann zum Besten aller Beteiligten. Meine besten Sexe waren tatsächlich die, in denen sie überhaupt nichts erwartet hat – weder von mir, noch von sich selbst. Die schlechtesten waren genau das Gegenteil. ich finde auch nicht, dass da so viel dabei sein sollte. Wenn sich beide entspannen, war es immer am besten. Achja, zu deiner Frage, ob ich denn Bock habe auf Sex. Ich habe jetzt zwei Stunden auf diesen Boob aus dem Titelbild geguckt. Habe voll Bock. Ziemlich primitiv, huh? Genau das brauchen wir.

By the way: Können wir mal wieder über Tinder reden, jetzt wo das doch noch nicht tot ist?

2 Antworten zu “Er so Sie so: Amelie, du machst mich glücklich”

  1. Ich war viel zu lange nicht bei euch hier auf der Seite unterwegs und habe gerade wieder festgestellt, wie sehr ich die „Er so Sie so“ Artikel mag, danke!

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