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Interview: Ein paar Fragen an Marie Honda von COS

26. September 2014 von in

Müssten wir alle drei eine Highstreetkette nennen, in der wir ab sofort nur noch einkaufen dürfen, wäre das wohl COS. Der minimalistische Stil aus Skandinavien ist seit Langem unser Favorit. Jedes Mal, wenn wir den Münchner Laden betreten, könnten wir uns totkaufen. Seit knapp sieben Jahren gibt es COS in Europa, jetzt eröffnete in Berlin die 100. Filiale. Grund genug, ein paar Fragen an Marie Honda zu richten. Als Brand Overall Responsible ist sie für die Marke COS zuständig – und das ziemlich erfolgreich.

Marie, erzähl uns kurz, wie du zu einem Job in der Modebranche und dann letztlich zu COS gekommen bist.
Marie Honda: Meine Karriere in der Modeindustrie hat im Jahr 2000 begonnen, als ich bei H&M als Einkaufsassistentin anfing. Kurz darauf beschloss ich, am Fashion College London Einkauf und Handel zu studieren. Nach meinem Studium ging’s für mich wieder zu H&M, 2008 war ich hier Einkäufer für Männermode, 2009 wurde ich Sektionsleiter für Männer – und Kindermode. Brand Overall Responsible wurde ich dann im Jahr 2011. Ich bin total glücklich, bis jetzt meine Karriere bei H&M gemacht zu haben – und ich freue mich schon auf alles, was noch kommen mag.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Brand Overall Responsible bei COS aus? Was sind deine Aufgaben?
Honda: Ehrlich, einen richtig typischen Arbeitstag bei COS gibt es nicht. Ich liebe es, dass es jeden Tag andere Aufgaben gibt und man nie weiß, was die Woche oder der Tag bringt. Das gesamte COS Head Office – unser Design Team, die Architekten sowie das gesamte Marketing – sitzt  in London. So ist es mir – und uns – möglich, alle kreativen Prozesse an einem Ort mitzuverfolgen. Außerdem reise ich ziemlich viel in meinem Job, so dass ich auch jede Menge Inspiration in den verschiedenen Städten, die ich besuche, sammle.

Wir persönlich können uns mittlerweile gar kein (Mode-)Leben mehr ohne COS vorstellen. Seit wann gibt es COS?
Honda: Den ersten COS-Store haben wir 2007 in der Regent Street in London eröffnet. In den letzten sieben Jahren sind wir zu einer internationalen Marke gewachsen mit über 100 Läden in 21 Ländern.

Was genau ist die Idee von COS?
Honda: Die Idee hinter der Marke COS ist es, eine Kollektion mit einem hohen Qualitätsanspruch zu liefern – vom Design über die Materialien sowie die Verarbeitung. Und das alles zu einem verhältnismäßig niedrigen Preis. Außerdem wollen wir mit unseren Kollektionen inspirieren und unseren Kunden ein besonderes Shopping-Erlebnis bieten, wo alles einer Linie folgt – vom Aufbau des Ladens, der Kleiderstanden sowie der schönen Verpackung, den modernen Möbeln und der Musik im Hintergrund.

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Die 100. Filiale eröffnete am Donnerstag in Berlin am Leipziger Platz

Warum wurde COS gegründet – und was war das Unternehmensziel? Wie konnte sich COS so schnell auf dem Markt etablieren?
Honda: COS war eine Businessidee der H&M-Unternehmensgruppe, als es darum ging, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wir hatten Glück, dass die Idee von COS in der Unternehmensgruppe Anklang fand. Der Tenor war, dass für COS auf dem hart umkämpften Markt Platz wäre. Tatsächlich: Wir haben mit COS eine Marktlücke gefüllt. Kurz nach der Eröffnung in London folgte schon der zweite Laden in Berlin.

In wie vielen Ländern gibt es mittlerweile COS? Wo sind die nächsten Läden geplant?
Honda: Im Moment haben wir in 21 Ländern COS-Shops und erst am Donnerstag wurde in Berlin der 100. Laden eröffnet. Wir gucken ständnig nach Locations, in die ein COS-Shop passen könnte. Unser Design Ethos ist hierbei, dass unser Laden gut erreichbar ist und auch zu unseren anderen Locations passt. Ende des Jahres eröffnen wir noch Läden in Japan, Australien und den USA.

Soll COS als eigene Marke gesehen werden – oder gehört das Label doch noch immer irgendwie zu H&M?
Honda: H&M ist unser Mutter-Unternehmen, dennoch läuft die Marke COS komplett unabhängig. Natürlich profitieren wir davon, dass wir zur H&M-Unternehmensgruppe gehören, schließlich können wir so Transport, Logistik und IT über ein großes Unternehmen abwickeln. Nur so können wir uns komplett auf Design, Kreativität und Kundenservice konzentrieren.

Und wie würde sich COS zwischen H&M und & other stories einordnen?
Honda: Alle H&M Marken sind verschieden, aber wurden aus dem selben Grund gegründet: Mode und Qualität zu einem guten Preis anzubieten. COS sollte immer die natürliche Fortsetzung der H&M-Familie sein, quasi das Unternehmen eher ergänzen, statt in Wettbewerb zu stehen. Alle Marken bieten einen Mix aus verschiedenen Kollektion. Seht euch nur & other stories an: Hier gibt es Mode für Frauen genauso wie Kosmetik. COS bietet Mode für Männer, Frauen und Kinder. Jedes Label, sei es H&M, & other stories oder COS, bietet seinem Kunden eine Bandbreite an Produkten, Materialien sowie einem ganz eigenen Shop-Erlebnis.

Und die letzte Frage: Hat sich eigentlich etwas verändert – seit dem COS-Launch 2007?
Honda: Nein. Einzig zu Beginn hatten wir ein paar Sorgen, schließlich kreiierten wir eine Kollektion, die eher Understatement propagiert als die große Show, die eher funktional ist, als frivol und zeitlos als saisonaler Trend. Wir wollten einen Stil präsentieren, der von Architektur, Design, Grafik und Kunst inspiriert ist, und mit Volumen sowie Proportionen spielt, statt einfach Modetrends zu folgen. Aber bis heute folgen wir dieser Philosophie, und wir hoffen, dass es weiterhin so guten Anklang bei unseren Kunden findet.

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7 Antworten zu “Interview: Ein paar Fragen an Marie Honda von COS”

  1. Ein sehr interessantes Interview, bin jede Woche in dem Store aber habe nie so richtig hinter die Fassade geblickt. Besonders schön find ich den Ansatz, dass sich die Marken gegenseitig ergänzen und nicht in Konkurrenz zueinander stehen.

  2. Ich bin eigentlich großer COS-Fan und kaufe schon seit Jahren dort. Leider ist aber auch hier ein Trend auszumachen: Die Qualität lässt nach! Statt Seide, wie sie noch vor einigen Jahren vertreten war, immer mehr Polyester bzw. andere Kunstfasern zu, wie ich finde, überzogenen Preisen! Diese Entwicklung greift ja leider schon seit geraumer Zeit um sich. Ich finde es mittlerweile wirklich schwer, gute Qualität zu einem rellen Preis finden. Obwohl ich gerne bereit bin, für meine Kleidung etwas mehr auszugeben sind mir dann aber zum Beispiel an die 80 Euro für eine „Plastik“bluse einfach zu viel!

    • Du sprichst mir aus der Seele. Ich schaue mir bei jedem Kleidungsstück die Materialzusammensetzung an, denn daraus kann man die Haltbarkeit des Stoffes sehr gut einschätzen. Leider wird Baumwolle durch schlechte Viskose ersetzt oder der Polyesteranteil steigt. Ich konnte letzte Woche nur mit zwei Teilen in die Umkleidekabine gehen, da das Design bei vielen Stücken zwar stimmte, aber die Materialzusammensetzung ein Graus war. Preiserhöhung durch Materialersetzung und keiner merkt es.

  3. Ich mag COS auch sehr gern und ich finde die Qualität passt im Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich sehr gut. Erfahrungsgemäß auch bei Teilen aus Viskose. Was die Materialien angeht, ist mir aber auch aufgefallen, dass vermehrt Kunstfasern auftauchen. Zum einen liegt das jedoch am Trend von neuen „Hightech-Materialien“. Die lassen sich oft nicht aus den herkömmlichen Naturfasern herstellen und sind aber nicht zwangsläufig schlecht. Es gibt viele „neue“ Materialien wie Cupro (=Kunstseide), Viskose, Lyocell, Modal usw. die eine gute Qualität sowie neue Designmöglichkeiten bieten und nebenbei auch noch positive Eigenschaften wie bessere Tragfähigkeit, Haltbarkeit, Pflege usw. mit sich bringen. Für Polyester würde ich allerdings auch nicht so viel ausgeben.

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