Island-Diary: Von Vulkanen und schwarzem Sand

20. März 2017 von in

Island, du hinterlässt uns immer noch paralysiert von deiner Schönheit, deiner gewaltigen Natur, deiner Kraft. Auch nach vier Tagen steckt uns die Faszination noch in den Knochen, und wir sind immer noch am Verarbeiten der unglaublichen Eindrücke. Nachdem wir bei Eiseskälte in der badewannenwarmen Blauen Lagune gebadet und nachts tatsächlich Nordlichter gesehen hatten, wartete am nächsten Tag ein mindestens genauso umwerfendes Programm auf uns.

Ganz früh ging es los, und wir stiegen in zwei riesige, umgebaute Jeeps, die uns raus aus der Stadt und rein in Islands Natur bringen sollten. Ziel: der Vulkan Eyjafjallajükull, der 2010 ausbrach und den gesamten europäischen Flugverkehr fünf Tage lang lahm legte. So ist die Natur in Island eben: Sie zeigt uns, wie allmächtig sie und wie unbedeutend die kleinen Menschen eigentlich sind. Aber eins nach dem anderen – unser erster Stopp hieß Iceland, denn über Nacht hatte es geschneit, und die Mondlandschaft war von Schnee bedeckt, so weit das Auge reichen konnte.

Plötzlich, wir hatten einen Moment nicht aus dem Fenster geschaut, sah die Welt draußen schon wieder völlig anders aus. Grasige Landschaften weit und breit, wieder nicht mehr als drei Häuser bis zum Horizont, dazwischen aber etwas anderes: Islandpferde! Keine Ponies!

Wenige Minuten später weder Eis noch Gras, sondern schwarze Hügel unter uns. Matsch und Sand, durch den wir nicht mal zu Fuß waten hätten können – mit den Jeeps allerdings kein Problem, wie wir völlig baff feststellten. Flüsse durchzogen die schwarzen Hügel, auch das für einen Jeep kein Problem, und plötzlich am Horizont: das Meer. Vor einem völlig schwarzen Strand, der sich links und rechts bis zum Horizont erstreckte. Der Black Beach von Vík mit den vorgelagerten Heimaey-Inseln war so surreal, dass ich nicht dachte, es könne noch beeindruckender werden.

Kurz hinter der Küste bäumten sich schon wieder Berge auf, und aus 60 Metern Höhe rauschte der Skógafoss-Wasserfall in die Tiefe. Wir stiegen die Treppen hoch und sahen plötzlich das Meer, den schwarzen Strand, die flache Landschaft, den in die Tiefe stürzenden Wasserfall und die schneebedeckten Berge auf einmal.

Und dann ging es wieder weiter, es wurde wieder verschneiter und wir waren mittlerweile im Game-of-Thrones-Norden gelandet, denn wie nichts geringeres als die große Mauer sah das Gebirge zu unserer Linken aus, was sich hinter einer flachen Landschaft steil in die Höhe zog. Auf der rechten Seite ebenfalls Berge, die zu etwas Größerem anwuchsen: Und plötzlich standen wir vor ihm. Dem Eyjafjallajölkull, genau dort, wo einmal ein großer See gewesen war, bevor die Ausbrüche der letzten Jahrhunderte daraus einen Gesteinskessel geformt hatten. Da, wo 2010 eine gigantische Flutwelle aus geschmolzenem Gletschereis heruntergekommen war. Dort, wo Lava geflossen war.

Den Vulkan mit dem Gletscher, unter dem das Wasser durch das große, schwarze Loch abfließt, auf ein einziges Bild einfangen zu wollen, kann gar nicht gelingen. Vor diesem Panorama zu stehen, war wirklich nur unbeschreiblich. Und brachte uns dazu, uns künftig noch mehr dazu aufzuraffen, noch öfter zu Potte zu kommen und noch öfter den Schreibtisch und das Sofa hinter uns zu lassen, und raus zu gehen. In die Natur, egal ob die Alpen vor der Haustür, der See am Stadtrand, die Nordseeküste oder weiter weg. Das Gefühl, das uns die Natur geben kann, wenn man sich die Wanderschuhe anschnallt und es zulässt, ist durch nichts zu ersetzen. Und hinterlässt einen sprachlos, nachdenklich und inspiriert.

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