The Talk: Das Peter-Pan-Syndrom

15. Juni 2016 von in

Peter Pan hat es gut. In einem Land, in dem man niemals älter oder gar erwachsen wird, hüpft er von Spaß zu Spaß, durchlebt Abenteuer und hat jede Menge Freunde um sich. Er kann essen was er will, er kann spielen, was er will, nur Verantwortung wie die Großen muss er nicht übernehmen. Alles ist leicht und frei.

Das klingt wundervoll. Aus der Sicht eines Kindes, genauso wie aus der Sicht eines von stressgeplagten, vom Job genervten und an Verpflichtungen erstickenden Menschen. Dann wünschen wir uns alle einmal Peter Pan herbei, der uns entführt ins Nimmerland der Freiheit.

Schwierig wird es, wenn man auf die Peter Pane der Gegenwart trifft. Oder das weibliche Pendant dazu. Die, die einfach beschlossen haben, Nimmerland in unsere Welt zu verlegen. Verpflichtung? Wozu? Macht doch ohne alles viel mehr Spaß.

Richtig, hin und wieder Kind sein, sich treiben lassen, verrückte Dinge tun, da bin ich mit dabei. Aber es gibt so ein paar Sachen im Leben, da will ich auf Erwachsene treffen. In der Liebe beispielsweise. Da will ich auf Menschen treffen, die wissen, was sie wollen. Und die vor allem mich wollen. Mit Haut und Haaren. Die nicht wie Peter Pan umherirren, auf der Suche nach dem besten Eis in Nimmerland. Natürlich wird jedes Eis mal gegessen, um am Ende nicht mehr zu wissen, welches Eis denn jetzt am besten war.

It is a risk to love. What if it doesn’t work out. But what if it does. – Peter McWilliams.

Viele Menschen wollen sich alle Optionen offen halten. „Wer weiß, ob das wirklich mein Traummann ist?“ „Er ist ganz cool, aber irgendwie – der andere war auch toll. Am liebsten hab ich von beiden etwas“ „Solange ich mich nicht binde, kann ich eben machen was ich will“. „Ich date zurzeit mehrere Mädels, so kann mich keine davon wirklich verletzen.“

Das stimmt. Und dabei liebt man eben auch nie ganz. Oder verpasst, denjenigen zu treffen, der so richtig gut passt, da da noch drei andere Aufmerksamkeit wollen. Denn wenn ich 20 Eis esse, ist mir auch irgendwann schlecht, und ich will gar keins mehr. Statt auf der Suche zu sein, reicht es manchmal vielleicht auch bei sich zu sein. Warten bis der Sommer kommt und dann das Lieblingseis essen, statt auch im Herbst, Winter und Frühling wie verrückt alle Eissorten auszuprobieren.

Sich wie Peter Pan nicht entscheiden zu müssen, sich nicht festlegen müssen auf eine Person für eine Zeit, sich nicht binden müssen, schützt einen. Vor Fehlentscheidungen, vor Verletzungen, vor weiteren schlechten Erfahrungen. Es bietet Sicherheit und vermeintliche Freiheit. Ich picke mir eben nur das Beste von allem heraus. Ohne Pflicht, Verantwortung oder zu viel Gefühl.

Das mag für bestimmte Lebensabschnitte sicherlich gelten. Manchmal muss man eben Peter Pan sein. Aber für immer?

Ich glaube nämlich ein bisschen, manchmal muss man was riskieren. Sich ins Abenteuer stürzen – wie Peter Pan, nur mit dem Unterschied, dass man Verantwortung übernimmt. Für sich und jemand anderen. Ja, ich will mich länger an dich binden. Ja, ich finde dich gut. Ja, ich weiß, es kann echt schlecht laufen, es kann böse enden, aber dann habe ich es versucht.

Großartiges passiert nicht, wenn man immer auf der sicheren Seite bleibt. Wenn man auf der Gefühlsachterbahn mit angezogener Handbremse fährt oder die Liebe auf verschiedene Menschen verteilt.
Großartiges passiert immer dann, wenn man was riskiert. Wenn man sagt: Mit diesem Menschen passt es gerade wirklich. Und das finde ich womöglich nicht an jeder Straßenecke, dieses Glück. Ja, vielleicht gibt es da draußen noch jemanden. Das wäre kein Wunder, denn es gibt 6,3 Milliarden Menschen auf dieser Welt. Aber immer auf der Suche zu sein, nach etwas Besserem, Tollerem, macht am Ende unglücklich und einsam.

Auch Peter Pan blieb am Ende allein im Nimmerland. Die Kinder wollten alle wieder heim zu ihren Eltern. Denn ein Zuhause haben, jemanden, der da ist, der sich kümmert und sorgt, der dir schon dein Lieblingseis heimlich gekauft hat, ist am Ende wertvoller, als die Freiheit, sich jedes Eis der Welt zu kaufen.

10 Antworten zu “The Talk: Das Peter-Pan-Syndrom”

  1. Ach Antonia,
    danke danke danke you made my day!
    Deine Feder ist der Wahnsinn, ich habe eine Gänsehaut und fühle mich so gut, dass jemand dieses Thema auch mal anspricht. Peter Pans ihr gehört nicht in die Real World, bleibt bei RTLs Bachelor. DANKE.

    Kussi, Ana || http://www.disasterdiary.de

  2. Ich stimme dir voll und ganz zu! Wobei man ja Kolumnen in diesem Tenor immer wieder mal liest, auch hier auf amazed. Und jedes mal fage ich mich, ob ich da einfach anders bin, denn – gerade in der Liebe – tu ich mir gar nicht schwer, mich festzulegen, nein, ich verliebe mich eher Hals über Kopf und kann mir keinen besseren vorstellen. Da hab ich dann aber auch oft das Gefühl, dass Freunde, das weniger gut finden und der Meinung sing, dass ich „zu viel“ für einen Mann aufgebe oder egoistischer sein sollte. Alles nicht so leicht. :D

    • Danke dir! Ja, ich kann deine Gedanken total verstehen, ich frage mich auch manchmal, ob ich total anders bin. Ich persönlich kann nur eine Person daten, mich auf sie konzentrieren und mein Herz entscheiden lassen. Ich finde das aber eigentlich sehr schön. Speak your heart, quasi.

  3. Kann dir nur zustimmen! Unsere „Entscheidungsschwierigkeiten“ beziehen sich ja nicht nur auf die Liebe, sondern auch auf den Job oder die Stadt und führen sogar soweit, dass sich niemanden mehr am Anfang der Woche fest für das Wochenende verabreden kann. Schade! Ich finde die wirklich Mutigen sind die, die auch mal bleiben und sich festlegen. Ich denke das schafft auch Zeit und Raum für so viele andere Dinge….

  4. Da hast du wohl recht. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich solche Menschen eh auf kurz oder lang nur etwas vormachen und alle sich mehr oder weniger insgeheim nach Liebe sehnen.

  5. Mich wundert, was für eine Auswahl alle immer zu haben scheinen. Ich wurde in den letzten 5 Jahren von jedem, den ich gedatet habe, zurückgewiesen. Drei von denen mochte ich richtig gerne. Der letzte hat mir damit übel das Herz gebrochen. In vielen Stunden, die sich wahrscheinlich mittlerweile zu Tagen und Wochen addieren, habe ich mit meinen Freunden versucht herauszufinden woran das wohl liegt. Pech vielleicht, aber leider sehr verletzend. Ich beneide jeden, der einfach mal so von jemandem gemocht, und dann vielleicht sogar noch geliebt wird.

  6. Ich finde schon, dass Peter Pan in die Wirklichkeit gehört.
    Manchmal ist das Leben als Erwachsene eine Mist. Die Verantwortung, der Stress, der Beruf, die Beziehungen, die Liebe, die Sache mit den Freundschaften, dann muss man sich selbst verwirklichen, wie zahlt man die Miete und ach ja wann kommen die Kinder?
    Also ich werde das Nimmerland immer wieder besuchen und diese Welt niemals ganz verlassen, denn :
    now you understand why peter pan didn’t want to grow up.
    &. Eis kann ich mir auch alleine kaufen.

    • Liebe Kolonialwaren,
      dann hast du mich falsch verstanden. Ich bin auch absolut der Meinung, dass man manchmal Peter Pan sein muss. Aber ich will nicht auf dauerhafte Peter Pane treffen – vor allem in der Liebe. Auf Menschen, die keine Verantwortung übernehmen wollen für sich und andere. Die lieber zwei-, drei-gleisig oder Achterbahn fahren, als einen festen Platz im Leben zu finden.
      Hin und wieder einen Ausflug ins Nimmerland finde ich aber auch super – schließlich ist das Leben oftmals viel zu ernst. Liebe Grüße!

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