Kolumne: Friendzoned mehr!

2. August 2017 von in

Fotocredit: Bright/Kauffman/Crane Productions

Der Begriff „Friendzone“ hat ein schlechtes Image – und braucht dringend ein Make-Over. In einer Zeit, in der es darum geht, in dem Spiel Die Reise nach Jerusalem seine Beziehung fürs Leben zu finden, verliert der Fokus der Freundschaft seine Relevanz und wird zum Teil sogar negativ bewertet. Das muss sich dringend ändern. 

Die Definition von Friendzone: Das Desinteresse, mit jemandem zu schlafen. So habe ich mich mein bisheriges, mickriges Leben lang das verfluchte Wort gesehen, das damals vor vielen Jahren zu Beginn der krakeligen Memes sein erstes Gesicht gefunden hat. Forever Alone. Wenn ich länger darüber nachdenke, habe ich in der letzten Zeit verdammt oft gefriendzoned und das bedeutet dann wohl, dass ich herzlos bin, dass ich kein Interesse an Sex habe und mich frei mache von körperlichen Konventionen, die im Endeffekt auf das eine hinauslaufen: Sex. Ich habe gleichzeitig aber in der letzten Zeit neue Freunde gefunden und spätestens nach dieser Erkenntnis wird mir klar, dass der Begriff Friendzone in seiner Bedeutung ein Make-Over bekommen sollte.

Dass mich Sex in seiner Allgegenwärtigkeit nervt, habe ich bereits zum Besten gegeben, und das Dominospiel nimmt seinen Lauf. Ich habe ihn, diesen Sex, ich verliebe mich auch manchmal oder gehe Beziehungen ein. Seit ich diese neuen Freunde habe, die mein Leben bereichern, denen ich mich öffne, die meine WhatsApp-Verläufe dominieren und mit denen ich alles mache, außer Sex zu haben – männlich und weiblich – geht es mir nämlich verdammt gut.

Ich bin es Leid, dass Sexpartner und Beziehungen diejenigen sind, die in allen Filmen, Serien und Memes dieser Welt, die volle Aufmerksamkeit bekommen.


Denn eigentlich ist es doch so: Freunde können neben unserer großen Liebe (Beziehungen) eine ebenso große Liebe sein, doch neue Freunde zu finden – und ich spreche nicht von neuen Bekanntschaften, die mal da sind und mal nicht – ist eine Seltenheit. Die Zeiten, in der ein gemeinsames Alter („Ich bin auch 8!!!“), oder eine zufällige Nachbarschaft (praktisch), zur logischen Konsequenz einer besten Freundschaft geführt hat, sind vorbei (das habe ich spätestens dann gemerkt, als ich mit 15 nach einem euphorischen „Hey, diese Cowboystiefel aus Jeans habe ich auch!“, sozusagen gedefriendzoned wurde).

Diese alten Freundschaften bleiben bei regelmäßiger Pflege aktuell und sie sind bei vielen Menschen die einzigen, die bis ans Ende unserer Tage halten. Sie würden in der heutigen Zeit vielleicht gar nicht mehr entstehen, doch das sind die Freundschaften, über die man sagt, dass sie sich anfühlen, als würde keine Zeit vergehen – auch wenn das letzte Treffen eine unverschämte Ewigkeit her ist. Da wird sich nicht verstellt, selbst wenn man es wollte. Man ist so naiv ehrlich, wie damals mit 8 und fühlt sich auf Spitznamen angesprochen, die man früher gehasst hat und heute liebt, weil sie das Symbol einer Vertrautheit sind, die man vielleicht nie wieder finden wird.

Wer es also schafft, im höheren Alter zu friendzonen und das Thema Sex hinter sich zu lassen, der hat mit dem Menschen womöglich eine große Zukunft vor sich. Wir sollten mehr Freundschaften knüpfen. Der Vorteil heute: Die neuen Freunde erfüllen mehr Kriterien als nur das gleiche Alter. Man ist im Stande, sie sich auszusuchen und das in einem Radius, der über unsere Nachbarschaft und Schulklasse hinaus geht. Und wer sie hegt und pflegt wie auch eine Beziehung, der wird eine lange Zeit Freude mit ihnen haben.

Oft genug habe ich über Beziehungen und die Liebe sinniert, doch das Eine schließt das Andere nicht aus. Ich kann verliebt sein, eine glückliche Beziehung führen und dankbar für meine Freunde sein.

Dies ist eine Liebeserklärung an meine Freunde. Neu und alt. An Menschen, die sich zufällig in mein Leben verlaufen haben und an denen ich hängen geblieben bin. Menschen, mit denen ich Tränen lache, die an meiner Seite stehen und die mir das ständige Gefühl der unablässigen Unverwundbarkeit geben. Die Helden der Geschichte, die uns die andere Liebe, über die wir uns so viele Gedanken machen, von Herzen gönnen – und die mit dir saufen gehen, wenn sie mal nicht mehr sein sollte.

Das ist das wichtige in einer Freundschaft und das macht sie zu dem Netz, das nie einreißen wird: Sie lieben dich und du liebst sie – und das ohne Risiko.

3 Antworten zu “Kolumne: Friendzoned mehr!”

  1. Ein sehr schöner Text – für mich sind Freunde auch schon immer sehr wichtig – Freundschaften lange zu pflegen ist machmal auch anstrengend – aber es lohnt sich. Freunde sind die Familie, die man sich aussuchen kann – mein Lebensmotto :D lg *thea

  2. Warum ist es nur so verdammt schwer, sobald man über Schule und Uni hinaus ist, noch neue, tiefe Freundschaften zu entwickeln?

  3. Ja, ja, ja!!! Ein Hoch auf die Friendzone :D Und vor allem auf all die guten Freunde, die das Leben so viel schöner machen.
    Ein toller Artikel! :)

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