12528664_10204786818501228_163644728_o

Kolumne: Zieh dir was an, Mädchen – über sexuelle Belästigung

10. Januar 2016 von in

Am 31. Dezember 2015 ist es passiert. Frauen wurden in Köln sexuell belästigt und missbraucht. Deutschland lehnt sich dagegen auf, Menschen werden überraschend mitfühlend und Frauen bekommen hilfreiche Verhaltenstipps. Wir sollen nicht mehr alleine auf die Straßen gehen, kurze Röcke und Wälder meiden. Vor allem im Kombination. Denn seit die Flüchtlinge, die Ausländer, unser Deutschland so durcheinander bringen, müssen wir Frauen uns vor ihnen verstecken.

Ich frage mich, ob Menschen wirklich so dumm sind, das Problem auf die Flüchtlingslage zu beziehen. Ich frage mich, ob Menschen wirklich so dumm sind, dass sie denken, am 31. Dezember 2015 wäre es zum ersten Mal passiert, dass Frauen vergewaltigt, bedrängt und angefasst wurden. Nur weil die Täter nicht allesamt Deutsche waren, ist das Problem nicht auf die Flüchtlingslage zu schieben. Frauen wurden schon immer sexuell belästigt und die Täter, die das tun, sind schon immer Arschlöcher. Das Problem gab es auch schon vor vielen Jahren, nur konnte man es damals in keinen rassistischen Kontext setzen. Das Thema wurde ignoriert.

Ich kenne in meinem Freundeskreis keine einzige Frau, die nicht schon mindestens einmal sexuell belästigt wurde – mich eingeschlossen. Eine Freundin von mir wurde in einem Club fast vergewaltigt, konnte aber entkommen und hat den Überfall nie zur Anzeige gebracht, da ja „nichts passiert“ war und man nicht im Entferntesten hätte herausfinden können, wer das war. Es handelte sich dabei übrigens um einen Deutschen. Ich erinnere mich daran, dass mir mit 14 das erste Mal von einem ungefähr 40-jährigen Mann auf den Hintern gehauen wurde und wie oft mir das seither passiert ist, kann ich gar nicht mehr zählen.

Meistens in Clubs und Bars – da sind wir besoffen, da ist das nicht so schlimm. Wenn wir auf dem Oktoberfest ein Dirndl tragen, wollen wir von fremden besoffenen Männern, von Männergruppen, die nicht im Entferntesten unserem Geschmack entsprechen, angefasst werden. Schließlich tragen wir ein Dirndl mit tiefem Dekolletee, was eine Einladung ist. Die einen nennen es flirten, die anderen sexuelle Belästigung. Zweiter Begriff steht in der Minderheit.

Frauen haben sich an den Zustand wie er ist gewöhnt. Denn Fakt ist: Sobald wir etwas sagen, sind wir prüde. Sobald wir uns beschweren, sind wir Alice Schwarzer. Sobald wir etwas Negatives sagen, sobald wir unsere Schwäche in dem Punkt hervorheben, sind wir langweilige Feministinnen, die keine Lust auf Sex haben. Ich habe Lust auf Sex und meine Freundinnen auch. Ich möchte nur selbst entscheiden, wann ich diesen Sex haben möchte. Vielleicht nicht am 31. Dezember 2015 in Köln, aber auch nicht all die Jahre zuvor auf dem Oktoberfest oder am Karneval.

Alle Kolumnen

Facebook // Bloglovin // Instagram // Twitter

 

35 Antworten zu “Kolumne: Zieh dir was an, Mädchen – über sexuelle Belästigung”

  1. Hallo Amelie.
    Danke, dass ihr das Thema aufgreift und Position bezieht. Ich kriege eigentlich regelmäßig das Kotzen, wenn ich auf Facebook und anderen einschlägigen Netzwerken Artikel und unqualifizierte Kommentare a la „das habt ihr jetzt davon, weil ihr kurze Röcke tragt/ nach 22 Uhr das Haus verlasst/ Flüchtlinge in euer Land lasst/ Frauen seid…“blablabla lese. Im Prinzip hast du ja alles richtig gesagt.
    Man könnte denken, dass es wunderbar ist, dass endlich über sexuelle Gewalt an Frauen gesprochen wird. Darüber, dass auch in unserer aufgeklärten Gesellschaft noch lange nicht jede Frau sicher ist. Stattdessen wird über Armlängen geredet und Rocklängen. Und über Flüchtlinge und Rassismus. Wer Frauen angrabscht, obwohl sie es nicht wollen, ohne zu Fragen oder sonst was, ist ein Schwein. Egal welche Erziehung/Kultur/Religion er genossen hat. Außerdem glaube ich persönlich ja auch, dass in manchen ländlichen Regionen ein ähnliches patriarchisches Weltbild herrscht, wie in Syrien + Co. Keiner spricht über sexuellen Missbrauch in Familien oder auf Dorffesten und Feiern. Wann folgt endlich eine Debatte über sexuelle Übergriffe die mitten in der Gesellschaft passieren? Und zwar auch bei menschen, die einen akademischen Hintergrund haben? Ich bin Juristin und weiß: Man straft in Deutschland individuell und kein kollektiv. Nicht alle Frauen sind Schlampen, nicht jeder Mann ein Arschloch, nicht jeder Flüchtling ein Verbrecher. Wenn alle Menschen, die sich an Frauen vergehen vor Gericht kommen, dann Hurra! Aber dann bitte egal welche Hautfarbe und ohne Zusatzdebatte. Denn vor allem bin ich es leid, dass jede öffentliche Diskussion über sexualisierte Gewalt so schnell vor den Karren unzähliger anderer politischen Agenden gespannt wird, dass es eigentlich schon keine Diskussion über sexualisierte Gewalt mehr gibt.
    Danke und mehr davon!
    Viele Grüße, Henrike

  2. Liebe Amelie,

    schön, dass ihr euch zu dem Thema äußert. Komischerweise hört man davon in der (Mode) Bloggerszene wenig, dabei müsste dieses Thema gerade Frauen doch stark beschäftigen.
    Ich finde allerdings, dass du es hier zu einfach runterbrichst. Glücklicherweise hat Deutschland die Kapazitäten und die Möglichkeiten Flüchtlinge aufzunehmen und in unsere Gesellschaft zu integrieren. Dass allerdings Menschen mit vielen verschiedenen kulturellen Hintergründen hier aufeinander treffen – das zu verneinen oder klein zu reden ist meiner Meinung nach nicht sinnvoll. Ich helfe ehrenamtlich in diesem Bereich und musste leider auch schon die unangenehme Erfahrung machen wie es ist Männern Deutsch beibringen zu wollen, deren Sozialisation ihnen beigebracht hat, dass (junge) Frauen nicht respektiert, als ebenbürtig wahrgenommen und auch so behandelt werden sollen. Ich kann mir vorstellen wie es ist in einer Gesellschaft aufzuwachsen, in der Sex/Flirten/Nacktheit komplett tabuisiert wird. Gerade deswegen dürfen wir uns von jungen Männern, die so denken, nicht abwenden und sie einfach nur als „Arschlöcher! abstempeln. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Flüchtlinge, die hier gerne leben möchten und sich integrieren und für alle Frauen, die sexuelle Übergriffe erleiden müssen. Wir müssen viel mehr in Aufklärung investieren.

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag dir!
    Anna

    • Liebe Anna, ich sehe es auch so, dass wir mehr Geld und Zeit in Aufklärung investieren müssen. Ich möchte mit Arschloch nicht die Flüchtlinge beleidigen – im Gegenteil. Genauso wenig die Opfer. Genau darum geht es doch ein meinem Text. Es geht darum, dass es Vergewaltiger unter Ausländern gibt und auch Vergewaltiger unter Deutschen und dass etwas gegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung getan werden muss und nicht etwas gegen verallgemeinerte Menschengruppen. Darunter fällt mehr Aufklärung, in Schulen und in der Politik, höhere Strafen (beziehungsweise überhaupt irgendwelche Strafen) und die Möglichkeit für Opfer, darüber zu sprechen. Es ist in meinen Augen zu einfach herunter gebrochen, wenn Menschen sagen, das Problem läge in der Flüchtlingskrise, weil es einen Vorfall gab, in denen hauptsächlich Ausländer verwickelt waren (damit möchte ich die Vorfälle in Köln nicht herunter spielen!). Was war mit den tausenden Vorfallen davor? Es braucht mehr Aufklärung. Für alle Menschen. Davor hat nur nie jemand darüber gesprochen.

  3. Hallo Amelie, ich kann meiner Vorrednerin nur zustimmen. Auch mich hat das Thema in der vergangenen Woche nicht losgelassen und mir geht jedes Mal wieder die Hutschnur hoch, wenn Leute – vor allem in den sozialen Netzwerken – so tun, als hätte es Sexismus und sexuelle Gewalt an Frauen vorher nicht in diesem Land gegeben. Das ist schlichtweg falsch. Auch, wie ein Großteil der Medien mit diesem Thema umgehen ist schlichtweg ein Trauerspiel. Umso wichtiger, ist es, dass wir Frauen uns endlich Gehör in dieser Sache verschaffen. Es kann nicht sein, dass ich wie laufendes Frischfleisch angesehen werde, nur weil ich einen Rock trage oder meine natürlichen Rundungen nicht unter einem Schlabberpulli verberge!

    Ich habe mir dazu auf unserer Seite heute einmal ausführlicher Gedanken gemacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ein großes Problem auch in der Tatsache liegt, dass wir Frauen oft kulturell immer noch dazu erzogen werden, uns wie ein Gegensatz auf zwei Beinen zu verhalten. Hier mal der Link dazu:

    http://habitsmag.com/think-aloud-keine-angst-vor-der-angst/

    • Noch ein Nachtrag: Ich sehe ein weiteres Problem auch in kulturellen Unterschieden, was jene Täter angeht, die eben tatsächlich aus arabischen Ländern stammen. Dort hat die Frau eine andere Wertigkeit, bzw. leider eine sehr geringe bis gar keine. Deshalb ist es umso wichtiger den Dialog zu suchen, um diesem falschen Denken konsequent entgegenzuwirken. Sollte sich herausstellen, dass einige, unsere westlichen Werte weder verstehen noch akzeptieren wollen, sondern sogar diese noch mit Füßen treten, haben sie hier nichts verloren. Das liegt in ihrer eigenen Verantwortung und in der unserer Regierung hier ein konsequentes zu Zeichen zu setzen, damit sich solche Gewaltexzesse in Zukunft zu vermeiden. Grundsätzlich ist es aber gerade jetzt auch umso wichtiger, dass wir die Themen Sexismus und sexuelle Gewalt gegen Frauen nicht zur Randnotiz anderer Debatten werden lassen. Dafür ist es auch bei uns in Deutschland noch immer zu präsent.

  4. Das ist zwar richtig, dass es Belästigung auch vorher gegeben hat, aber eben nicht in dieser Form. Ich wurde niemals von 20 Männern gejagt, wie einige der Frauen in Köln. Das ist ein Import arabischer Praktiken. Google einfach mal Lara Logan und Tahir Platz. Diesen Unterschied nicht zu sehen, finde ich ziemlich verharmlosend. Denn was die gemacht haben ist Ausdruck dessen, dass sie Frauen als den letzten Dreck ansehen. Natürlich nicht alle so,
    aber dass das kulturell bedingt ist kann man nicht leugnen und dieses Problem haben wir nun importiert und das liegt womöglich an der Naivität unserer Gesellschaft, was kulturelle Unterschiede und Sozialisierung betrifft. In dieses Land möchte ich eigentlich kein Kind mehr setzen, denn wie könnte ich das einer eventuellen Tochter zumuten.

    • Nina, dass Frauen womöglich in Köln auf andere Art und Weise bedroht und sexuell missbraucht wurden als normalerweise kann gut sein. Der Punkt ist aber, dass es eben anders ist, aber deshalb nicht besser oder schlechter. „In dieses Land möchte ich eigentlich kein Kind mehr setzen, denn wie könnte ich das einer eventuellen Tochter zumuten.“ ist ein wirklich harter Satz und ich hoffe, du denkst noch mal über ihn nach. Wenn es danach ginge, würde keiner mehr das Oktoberfest besuchen – denn die tausende Frauen, die in diesen zwei Wochen sexuell belästigt werden, fallen in dem Kontext völlig unter den Tisch. Es scheint für mich gerade so, als wäre es in Ordnung, wenn Frauen von Deutschen sexuell belästigt und missbraucht werden und es wäre nur plötzlich ein Problem, wenn es irgendwie „anders“ passiert als normalerweise. Damit möchte ich die Ereignisse in Köln nicht herunter spielen. Ich möchte sagen, dass es unendlich viele Ereignisse zuvor gab – vielleicht nicht genau in dem Stil – die schrecklich waren. Jetzt ist es plötzlich ein Problem? Es war schon immer ein Problem. Bitte überdenke deine Aussage noch mal und lass deine aufsteigende Angst nicht mit Ausländerhass kompensieren. So kommen wir absolut nicht weiter.

      • Dass kulturelle Unterschiede zu Konflikten führen können ist Fakt. Es hat nichts mit Hass und schon gar nicht auf alle Ausländer zu tun. Unsere Gesellschaft war früher auch aggressiv und patriarchalisch. Ich war daher immer froh, im Jetzt zu leben. Wenn wir Pech haben, dreht sich das Rad nun zurück. Ich neige zum Pessimismus, du zum Optimismus. Ich wünsche mir von Herzen, dass du Recht behältst. Daran glauben kann ich nicht, lasse mich aber in einigen Jahren gerne eines besseren belehren. Oder was meinst du, haben unsere Politiker gemeint als sie sagten D werde sich verändern und es werde zu einer Maskulinisierung des öffentlichen Raums kommen. Nach wie vor finde ich aber, dass der Oktoberfestvergleich hinkt. Zumal meines Wissens auch im Strafrecht ein Unterschied besteht zwischen sexueller Belästigung, Gewalt und kollektiver, vorsätzlicher sexueller Gewalt. Und dass das in mehreren Städten gleichzeitig war, war wohl kaum ein Zufall. Auch im Krieg ist sexuelle Gewalt ein Mittel der psychologischen Kriegsführung. Wenn das zur Gewohnheit wird, wer soll uns davor schützen? Soviel Polizei hat kein Staat der Welt. Aber hoffen wir mal das beste und dass du Recht hast.

        • Ich finde Nina hat absolut recht. An Silvester war das doch eine völlig andere Dimension des sexuellen Übergriffs – bandenmäßig organisiert. Dass es sexuelle Übergriffe auch auf dem Oktoberfest, beim Fasching, in der Disko etc gibt, soll doch überhaupt nicht verharmlost werden. Trotzdem war das, was in Köln passiert ist in meinen Augen neu. Natürlich ist es falsch, jetzt wieder alle Flüchtlinge zu verdammen oder anzugreifen, wie es in Köln ja passiert ist. Zu verschweigen oder zu verharmlosen, dass die Banden eben hauptsächlich aus Männern mit Migrationshintergrund bestehen, finde ich genauso falsch.
          Übrigens habe auch ich ein Kind, wenn auch einen Sohn. Und auch ich mache mir sehr viele Gedanken über seine Zukunft in diesem Land… Ich denke, es werden wirklich noch viele Probleme auf uns zukommen. Ich habe vor allem Angst vor steigender Gewaltbereitschaft, sei es von der einen oder anderen Seite. Mir ist es nämlich auch schon passiert von Rechten angepöbelt zu werden, als ich mit einer dunkelhäutigen Freundin in der Stadt unterwegs war. Ist das nicht einfach schlimm?
          Für mich bleibt einfach nur wichtig offen und ehrlich miteinander zu sprechen und die Probleme, die die Flüchtlinge nun mal mitbringen zu akzeptieren und versuchen zu lösen. Schön reden bringt wohl niemandem etwas…

          • Ich denke auch dass es wichtig ist, viel über die Veränderungen zu sprechen, Integrierung zu fördern und dem ganzen offen gegenüber zu stehen. Dass die Flüchtlingslage schon direkt als „Problem“ betitelt wird, ist in meinen Augen problematisch. Der schreckliche Vorfall in Köln sollte uns dazu anhalten, neue Regelungen und Strafen für sexuelle Gewalt zu finden, das Thema generell neu aufzurollen – und zwar für jeden.

            Allgemein sollten wir offen für neue Kulturen sein und nicht sobald etwas nicht so klappt wie erwartet und geplant, komplett zu machen.

        • Liebe Nina, ich hoffe, du schaffst es, aus deiner pessimistischen und abwehrenden Haltung heraus zu kommen. Ich denke es ist wichtig, sich gemeinsam für Frauenrechte und gegen sexuelle Gewalt einzusetzen – egal um welche Kulturgruppen es sich dabei handelt. Lies dir zu diesem Thema vielleicht mal diese Seite durch, die ist da in meinen Augen sehr aufklärend und hilfreich: http://ausnahmslos.org/

  5. Ich schließe mich hier vor allem meiner Vorrednerin Anna an. Natürlich finde ich die Forderungen und Anschuldigungen, die in den letzten Tagen in der Öffentlichkeit laut wurden, schockierend. Natürlich muss Deutschland weiter große Zahlen an Flüchtlingen aufnehmen, und es sind nicht „die Ausländer“ oder „die Flüchtlinge“, die Frauen belästigen. Aber wenn die Aufnahme der Flüchtlinge gelingen soll, muss man auch den kulturellen Schwierigkeiten, die sich stellen, ins Gesicht blicken, denn nur so kann man mit ihnen fertig werden. Deinen Beitrag finde ich extrem vereinfachend und beschönigend, gerade wenn du so was schreibst wie „Täter nicht allesamt Deutsche“ . Eine Situation wie in Köln hat wohl niemand aus unserer Generation, der hier in Deutschland aufgewachsen ist, jemals erlebt. Zu behaupten, dies sei alltäglich, ist den Opfern gegenüber mehr als respektlos. Ich denke auch, dass unsere Gesellschaft, gerade hier in München, aufgrund mangelnder Erfahrung extrem naiv in Sachen Aufeinandertreffen der Kulturen ist – was ja auch positive Aspekte mit sich bringt.
    Ich habe auch selbst Erfahrungen mit solchen „Unterschieden“ gemacht. Ich kenne auch Erfahrungsberichte von einem Mitarbeiter in Kölner Flüchtlingsheimen aus erster Hand, die leider sehr gut zu den Vorfällen passen.
    Wenn in der breiten (nicht rechten) Öffentlichkeit derartiges komplett ignoriert wird, spielt man ja letztlich auch wieder nur den Fanatikerin in die Hände, und besser wird nichts dadurch.

    • Liebe Astrid, wieso ist es den Opfern gegenüber respektlos, wenn ich sage, dass Täter nicht allesamt Deutsche oder allesamt Ausländer sind? Ich sage nicht, dass die Ereignisse in Köln ignoriert werden sollen – im Gegenteil! Ich wünsche mir, dass mehr gegen sexuelle Gewalt getan wird, da das Thema schon immer existiert und noch nie viel dagegen getan wurde. Ich sage aber, dass es der falsche Ansatz ist, zu sagen, dass alle Ausländer böse sind, wir Frauen unsere Miniröcke im Schrank lassen sollen und das Thema damit wieder gegessen ist. Es wäre gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, gegen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung aktiv etwas zu unternehmen! Es ist mir wiederum zu einfach, das Problem auf Flüchtlinge zu schieben. Das ist in meinen Augen naiv und respektlos gegenüber den tausenden und millionen Opfern, die neben den Opfern von Köln sexuell belästigt wurden.

      • LIebe Amelie, ich hab gerade was dazu geschrieben, das ist jetzt weg, aber ich möchte in sehr kurzer Form nochmal eben Stellung nehmen: MMn steht an erster Stelle im Zusammenhang mit Köln eine Diskussion über Integration (bin auch in der Flüchtlingshilfe tätig, btw, falls dies meinen Argumenten mehr kraft verleihen sollte ;) ). Deswegen finde ich es falsch, wenn sich so genannte Feministinnen das Thema nun vollständig zu eigen machen, und ihrerseits beklagen, man würde nicht auf sie eingehen. (Eine Diskussion die sich gegen Ausländer allgemein richtet, ist natürlich ebenso falsch, aber derartige Gedanken lasse ich mir auch nicht von dir in den Mund legen).
        Es muss ebenfalls eine Debatte über sexuelle Gewalt allgemein, und gerade im alltag her, aber diese allszu sehr mit Köln in Verbindung zu bringen, verharmlost mmn nur die Vorkommnisse dort. und schließlich das leidige Oktoberfest Argument: das Oktoberfest ist doch der beste beweis für das genaue Gegenteil: trotz diverser Risikofaktoren in geballtester form (Gruppendynamik, Alkoholisierung bei tätern wie opfern, unübersichtliche Situationen) passiert extremst wenig an Taten, die denen in köln gleichen. Ganz zu schweigen von organisiertheit.

        • Warst du schon mal auf dem Oktoberfest? Anscheinend nicht. Das dort extrem wenig passiert ist lächerlich. Es wird nur nicht angezeigt, wenn dir einer unter den Rock fasst, weil es ja „normal“ ist auf der Wiesn, und regst du dich darüber auf, sagt man dir als Frau, ja das musst du doch wissen, dass ist halt das Oktoberfest. Klar. Ich muss mich reglementieren, wo ich hingehe, damit ich nicht angefasst werde. Ich finde man kann schon einen Vergleich zu Köln ziehen.
          Ich verharmlose Köln damit nicht, genauso wenige wie Amelie das meiner Meinung nach tut, sie konzentriert sich aber als anscheinend eine der wenigen hier, auf das Wesentliche. Das sind nicht die Flüchtlinge, sondern der Umgang mit sexueller Gewalt.

    • Ich schliesse mich A und Anna voll und ganz an. Tut mir leid, ich mochte amazed wirklich, aber ich kann diesen blog nicht mehr lesen. (Ich weiss ihr könnt/werdet „gerne“ auf mich verzichten, unnötig dass zu betonen, aber ich war eine wirlich treue Leserein). Ich habe jüdische Vorfahren, die Geschichte meiner Urgrosseltern war voller Verfolgung und Flucht, ich bin in einer offenen, multikulturellen Umgebung aufgewachsen, aber diese neue Kultur kann ich nicht akzeptieren, da sie zunehmend meine Freiheiten und meine eigene Kultur beschneidet. Vom friedlichen nebeneinander wie ich es kenne, kann keine Rede mehr sein. Ich fühle mich unwohl in Deutschland, und ich finde es ganz schlimm dass ich auf ausländische Newsseiten zugreifen muss, um etwas über die Situation in Deustchland zu erfahren. (eg. the Guardian und der ist wirklich sehr liberal).

  6. Ich will gar nicht weiter in die Diskussion einsteigen, muss aber gestehen, dass mein erster Gedanke bei den Berichten über diese Vorfälle war, dass es sich um eine neue Form des Terrors handelt. Und ich will gar nicht die Sicherheits-, Überwachungs- und „Besorgte Bürger“-Fanatiker befeuern, aber es ist doch für jeden nachvollziehbar, dass das was sich in Köln ereignet hat keine spontane Aktion war, dafür waren zuviele Täter anwesend, die kontrolliert sexuelle Gewalt angewendet haben. Es war somit ein gezielter Anschlag auf die Freiheit jeder Frau. Vergleiche zu identischen Vorgängen in der Türkei und in Ägypten sind absolut angebracht und wichtig, denn auch dort waren Frauen Opfer.

  7. Auch ich als Frau habe in 26 Jahren in der Großstadt das volle Programm von der zupackenden Sportlehrerin (ja, auch Frauen können andere Frauen sexuell angreifen), über aggressives „Catcalling“, über einen Partner, der ein „Nein“ nicht ganz so eng versteht, bis hin zu Begrabschungen in öffentlichen Verkehrsmitteln alles schon mitgemacht. Leider scheint das bis jetzt zum Dasein einer Frau dazuzugehören. Aber zu leugnen, dass das, was in Köln passiert ist, einen kulturellen Hintergrund hat (google hilft, die Stichwörter wurden hier schon genannt), definitiv nicht nur anders, sondern auch schlimmer als ein Klaps auf den Po oder eine unangemessene Bemerkung zu meinem Dekolleté auf dem Oktober fest (da du die Parallele ja mehrfach gezogen hast) ist, klingt leider wie blanker Hohn.

    Es ist sehr mutig, dass du dich für den Blog bzw. für deine Mitbloggerinnen hierzu positioniert hast, leider ist dein Statement und auch deine Kommentare sehr vereinfachend und unkritisch. Da wäre es mir echt lieber gewesen, du wärst bei Mode geblieben. Weiß nicht, ob ich den Blog weiterhin ohne einen faden Beigeschmackt lesen können werde.

    (Meine ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen, die ich am Anfang mit großer Motivation und bester I<3RFGS-Stimmung begonnen hatte, habe ich übrigens inzwischen abgebrochen, weil ich es mir nicht mehr zumuten wollte. Ich bewundere Leute wie Anna, die trotz des "schwierigen" Umgangs mit Männern frisch aus diesem Kulturkreis dabei bleiben und letztendlich hoffentlich dafür Sorgen, dass ein besseres Verständnis der Frau sich durchsetzt. Was ich da teilweise erlebt habe, lässt sich mit einem Kneipenbesuch und "hauptsächlich deutschen" bzw. in Deutschland lange lebenden Männern nicht vergleichen.)

    • Liebe Marta,
      den Artikel hat Amelie geschrieben und er drückt ihre, aber nicht zwingend die Meinung von uns dreien aus – jede von uns hat das Recht hier ihre eigenen Gedanken zu Wort zu bringen. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass man den Kulturclash, der hinter den Ereignissen in Köln steht, nicht verharmlosen sollte und bin diesbezüglich weitaus pessimistischer als Amelie. Trotzdem stimme ich ihr zu, dass der Dialog bezüglich sexueller Gewalt im Allgemeinen verstärkt eröffnet werden sollte.
      Dass du und bestimmt viele andere gerade in ihrem Engagement für Flüchtlinge umschwingen, ist mit der schlimmste Part an den aktuellen Entwicklungen. Ich kann es in gewisser Weise verstehen und du wirst deine persönlichen Erfahrungen damit gemacht haben. Ich denke aber trotzdem, dass es der falsche Weg ist, in der Meinung über Flüchtlinge jetzt umzuschwenken und in die falsche Richtung zu verallgemeinern. Gerade jetzt ist es umso mehr wichtig, sich unserer aller Pflicht bewusst zu machen, Flüchtlingen Schutz und Asyl zu geben.

    • Liebe Marta, das hat dabei nichts mit unkritisch sein zu tun. Ich möchte dazu aufrufen, dass sich mehr Menschen für Frauenrechte und gegen sexuelle Gewalt einsetzen. Das ist weitaus produktiver, als sich gegen Ausländer einzusetzen. Mehr dazu kannst du u.A. hier lesen: http://ausnahmslos.org/.

  8. Unabhängig vom Inhalt des Artikels: Wie sinnvoll ist es, einen Artikel über sexuelle Übergriffe mit einem Bild zu versehen, was nackte Brüste zeigt? Die Objektivizierung des weiblichen Körpers ist doch des Pudels Kern. Sich über sexuelle Gewalt zu echauffieren und gleichzeitig sexistische Stereotypen zu reproduzieren finde ich schwierig.

      • Da sagst du es selbst: Was hat ein blanker Busen mit sexualisierter Gewalt zu tun? Warum bebildert er einen Artikel zu dem Thema? Mit nackten, weiblichen Körpern auf Aufmerksamkeit abzuzielen, ist die übliche anti-emanzipatorische Masche. Lektüre-Link: http://www.taz.de/!5267901/

  9. Schlicht danke für diesen Artikel. Spricht mir in vielem aus der Seele. Mein erster Impuls war Mitgefühl für die Frauen, die in Köln betroffen waren. Mein nächster Gedanke war, dass nun das eigentlich Empörende … Nämlich, dass wieder öffentliche und wie selbstverständlich angewandte ( also eigentlich geduldete) Gewalt gegen Frauen…vergessen, verkleinert und benutzt wird. Benutzt wird im Sinne, damit ein ganz anderes Thema zu befeuern. Ich erinnere mich auch an die Vorfälle in Indien. Der Tahirplatz . Und so weiter. Ganz wichtig finde ich deinen Ansatz Amelie, daran zu erinnern und zu verdeutlichen, dass generell Frauen und meiner Meinung nach Kinder extrem betroffen von sexueller Gewalt sind. Weltweit. Im privaten Raum genauso wie im öffentlichen Raum. Mir geht es eher auch so, dass ich generell viel alltägliche sexuelle Gewalt kennengelernt habe und die Ereignisse in Köln lassen mich erschrocken innehalten, diese Form der Gewalt nun auch noch. Es ist eine große Chance jetzt zu zeigen, dass die Rechte der Frauen wichtig sind. Auch gegenüber den Männern und Frauen der anderen Kulturen müssen wir klar Position beziehen und zeigen, dass in unserer Kultur Frauen respektiert und geschützt werden. Egal ob im Minirock oder im langen Rock. Deshalb danke, dass ihr von Amazed hier der Diskussion ein Forum gebt.

  10. Ganz ehrlich, ich bin schockiert über teilweise die Kommentare, die ich hier lesen darf.
    Ich bin absolut für freie Meinungsäußerung, aber dass so viele FRAUEN, um die es nunmal geht, hier gegen Ausländer und Diversität sind – das schockiert mich. Das man sich in Deutschland nicht mehr wohlfühlt, bis hin, dass man keine Kinder mehr kriegen möchte, wtf? Dann tut was dagegen, aber nicht indem ihr gegen Flüchtlinge seid, sondern gegen sexuelle Gewalt, egal ob auf der Wiesn, im Club, oder in Köln. Das geht alles gar nicht. Und ganz ehrlich zu verharmlosen, dass ein Klaps auf den Po, nicht so dramatisch ist, wie das was in Köln passiert ist, stimmt nicht. Das sind beides Dinge die eine Grenze überschreiten. Egal von welchem Arschloch ausgeführt.

    Ich kann nur sagen: WORD, Amelie! Ich unterschreibe deinen Artikel voll und ganz!
    Danke dafür!

  11. Sorry, aber bei diesem Bericht kommt mir wirklich das kotzen! Ich bin als 14-jährige von 2 Jungs pakistanischer Herkunft bei einem Schüleraustausch in England aufgrund meiner damaligen jugendlichen Naiiivität vergewaltigt worden und bin in den letzten fast 20 Jahren danach dann allmählich nicht wirklich darüber hinweggekommen, aber zumindest habe ich es geschafft, einigermassen Vertrauen zu Männern zurückzugewinnen, eine nun schon langjährige vertrauensvolle Beziehung zu meinem Freund (er ist einer der wenigen in meinem privaten Umfeld, der von der Vergewaltigung weiss) aufzubauen und das Leben wieder zu geniessen. Die aktuelle Flüchtlingssituation mit ca. 90 % Männern aus muslimischen Ländern, in denen eine Frau kaum etwas wert ist macht mir zunehmend Sorgen. Meine Arbeitsstellle liegt quasi unmittelbar neber einer Asylbewerbererstaufnahmestelle und ich werde beim Vorbeigehen ständig angequatscht und da einige Kolleginnen bereits begraptscht worden sind, gehe ich dort nun auch in der Dämmerung/Dunkelheit gar nicht mehr alleine vorbei. Die immer mehr publik werdenden Berichte in der Presse (mittlerweile wird ja doch eher wieder mal die Nationatlität genannt) über zahlreiche sexuelle Anmassungen bis hin zu Vergewaltigungen durch Flüchtlinge werden mehr und mehr und es werden wohl leider noch mehr werden. Mir ist es ein Rätsel, wie Deutschland hunderttausende alleinstehender Männer integrieren will, die relativ wenig bis zum Teil gar keinen Respekt vor Frauen haben und die keine Partnerin haben, um ihre sexuellen Bedürfnisse zu befiredigen. Die Vorkommnisse in zahlreichen Städten in der Silvesternacht werden sicherlich kein Einzelfall bleiben und ich glaube unserern Politikern schon lange nicht mehr, wenn sie nun schärfere Gesetze androhen. Wenn Deutschland sich an die bestehenden Gesetzte (Dublin-Abkommen etc.) halten würde, hätten wir diese Probleme gar nicht erst. Erst vor ein paar Tagen sind nahe meiner Heimatstadt zwei Joggerinnen im Wald von einem syrischen Flüchtling mit einem Messer bedroht worden. Er konnte zwar von der Polizei gefasst werden und zum Glück ist nichts schlimmeres passiert, aber er wird keine richtige, also abschreckende Strafe bekommen und das bekommen natürlich andere ähnlich gesinnte Flüchtlinge mit….Ich bin in den letzten Wochen mehrmals aus Alpträumen schreiend aufgewacht und mein Freund musste mich beruhigen. Dass sich manche Leute aufgrund der aktuellen Lage nun überlegen keine Kinder zu bekommen, wie eine andere Blogleserin oben schreibt kann ich absolut nachvollziehen. Ich möchte selbst Kinder, aber insgeheim frage ich mich immer öfter, wie ich mit einer Tochter im Teenager-Alter umgehen würde, die gerne abends ausgehen möchte…Ein Pfefferspray hilft bei mehreren Tätern doch leider gar nichts. Ich habe eine solch unglaubliche Wut auf unsere derzeitige Politik, dass ich nur noch schreien könnte. Immerhin ist es insbesondere seit Silvester so, dass die Presse Straftaten durch Flüchtlinge aufgrund falscher political correctness weniger vertuscht….Schöne Grüsse, Anonym

    • Hallo Anonym, erst einmal tut es mir sehr Leid, was dir damals passiert ist. Ich nehme mir nicht heraus, was zu dem Thema zu sagen, außer dass es schlimm ist. Aus heutiger Sicht ist es so, dass ich unbedingt will, dass etwas gegen sexuelle Belästigung getan werden muss. Vor allem nach den Ereignissen in Köln unbedingt! Dass es sich bei dir damals um Männer pakistanischer Herkunft handelte mag sein, ich kenne tatsächlich Menschen, die ebenso vergewaltigt wurden – und zwar von Deutschen. Schlimm. Alles schlimm.

      Dass sich durch den Kulturenclash viel verändern wird steht fest, dass es eine Herausforderung sein wird steht genauso fest. Wir dürfen uns in meinen Augen nicht herausnehmen, unsere Herkunft, unsere Kultur und Deutschland im Allgemeinen als unser Eigentum zu betiteln. Wir sind alle Menschen auf der Erde und wenn Menschen aus anderen Ländern zu uns fliehen müssen, weil in ihrer Herkunft schrecklicher Krieg herrscht, Familien abgeschlachtet werden und Menschen gefoltert, dann müssen wir uns um diese Menschen kümmern. Wir müssen uns dem widmen.

      Die einzige Möglichkeit ist in meinen Augen 1. etwas gegen seuxuelle Gewalt zu tun, unter Deutschen sowie unter Ausländern, 2. Integration zu fördern, indem wir auf die Menschen zu gehen und uns gegenseitig unsere Kulturen näher bringen. Etwas anderes können wir im Prinzip nicht tun – Abschiebung, Fremdenhass, Angst und die Menschen abzukapseln wäre in meinen Augen das falscheste, was jetzt passieren kann. Das führt zu nichts, außer zu Krieg – auch bei uns. Hier ein bisschen Lektüre zu dem Thema:

      http://ausnahmslos.org/
      http://www.amazedmag.de/kolumne-keine-angst/

  12. […] Kolumne: So kontrovers wurde ein Artikel wohl noch nie diskutiert: Amelie hat eine Kolumne zum Thema „Sexuelle Belästigung“ geschrieben! Ein wichtiger, wahrer Artikel. Fashion Week: Milena hat die zehn schönsten Looks der […]

Schreibe einen Kommentar