Love Fool: Let’s get married!

31. März 2017 von in

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Im weißen Kleid durch einen Waldweg laufen, die Blumenkrone im Haar, Holzschilder, eine Scheune, der Blumenbogen am Ende des Naturweges mit dem Traummann auf einen wartend. Wer Pinterest durchscrollt, stößt auf den wahrgewordenen Mädchentraum im Jahr 2017: eine Hippie-Hochzeit in der Natur im teuer erstandenen Kaviar Gauche Kleid!

Während ich auch heimlich von einer Hochzeit zwischen Olivenbäumen auf einem Landgut in der Toskana mit der ganzen Familie träume (Träume sind ja erlaubt!), sieht die Realität meist anders aus – allein in München (und der Toskana) ist Heiraten vor allem eines: teuer. Wer sich einmal auf Locationsuche gemacht hat, verwirft schnell den Kleidertraum und scrollt bei Asos durch. Aber ist Heiraten wirklich so en vogue im Jahre 2017? Wie passt das zur Generation Beziehungsunfähig – ein Binden für immer, tatsächlich?

Sagen wir es so: T r o t z hoher Scheidungsraten, t r o t z Tinder und t r o t z  „immer auf der Suche sein“ wird geheiratet. Und das ziemlich oft. 4500 standesamtliche Hochzeiten gab es in München allein im vergangenen Jahr. „Die Zahl der Hochzeiten ist in den vergangenen zehn Jahren angestiegen“, sagte Elke König. Sie muss es wissen. Die 47-Jährige ist Standesbeamtin in München und traut die heiratswilligen Paare.

Ist der Glaube an die Liebe doch da? Anders als es uns Medien vermitteln? „Es gibt sehr viele Paare, die glauben an die große Liebe. Die sind zum Zeitpunkt der Hochzeit überzeugt, dass ihre Ehe bis zum Ende hält“, sagt König. Es wird also immer noch aus Liebe geheiratet. „Viele heiraten aber auch, weil sie glauben, dass es sich so gehört. Auch heute noch – beispielsweise bei einer Schwangerschaft.“  Ebenfalls spielen hin und wieder wirtschaftliche Gründe wie ein Steuervorteil mit rein. „Aber tatsächlich ist das maximal das Zünglein an der Waage, aber kein alleiniger Grund. Da steht schon die Liebe im Vordergrund.“

Irgendwie beruhigend.

Während die meisten der Heiratswilligen derzeit in unserem Alter sind, gibt es aber auch einige Paare, die nochmal heiraten oder nach 30 Jahren Beziehung das erste Mal vor den Traualtar treten. Und das sind nicht wenige: 58 Paare maximal werden an einem Tag in München getraut. An beliebten Sommertagen können es an einem Freitag beispielsweise schon mal 38 Hochzeiten sein. Für die Zeremonie im KVR,in der Mandlstraße oder in Pasing bleiben dann nur 15 Minuten Zeit. Große Reden sind Mangelware, große Gefühl hingegen nicht.

Denn während Elke König an einem solchen Tag von Hochzeit zu Hochzeit rennt, ist der Standesamttermin für die einzelnen Paare doch ein Schritt in eine neue Zukunft. „Viele Paare sind aufgeregt, freudig und haben natürlich große Erwartungen.“ Glückliche Paare, fröhliche Familien – wenn die Verliebten Elke König verlassen, schwebt immer der Glaube an die große Liebe im Raum. „Den Höhepunkt vieler Beziehung bildet die Eheschließung ab.“ Rückmeldungen, ob die Liebe hält, welche Schwierigkeiten eine Ehe meistern  muss, bekommt die 47-Jährige nicht. „Das ist auch ganz gut so“, lacht Elke König im Gespräch. Ein Auge für die Liebe hat sie über die Jahre dennoch entwickelt. „Man spürt es schon ein bisschen, ob Menschen wirklich zusammen passen oder das Ganze vielleicht eher schwierig werden könnte.“

Wer tagtäglich mit der Liebe zu tun hat, lernt viel über die Liebe. „Ich hinterfrage mich und meine Beziehung permanent. Wer so viele Paare gespiegelt bekommt, guckt auch bei seiner Beziehung eher hin: Wie siehts hier bei mir eigentlich aus?“ Dass, was Elke König den Paaren bei ihrer Trauung erzählt, will sie selbst auch leben. „Das große Problem unserer Zeit ist, dass wir viel zu schnell die Flinte ins Korn werfen. Früher wurde sich zusammengerauft, trotz schwerer Krisen.“ Beziehung ist Arbeit – und „manchmal muss man die Zähne zusammenbeißen“.

Bei Elke König hat es funktioniert: Seit 25 Jahren ist sie in einer glücklichen Beziehung. „Ich glaube an die dauerhafte Liebe.“ Ihr Rezept für eine funktionierende Beziehung: „Man muss Kompromisse eingehen und nicht immer an sich denken. Hin und wieder muss man sich auch zusammenraufen, an der Beziehung arbeiten, gemeinsam durch Krisen gehen. Sich bewusst machen, dass auch in Krisenzeiten nicht alles schlecht ist. Manchmal hilft es sich zu fragen: Was ist eigentlich gutes passiert? Wie haben wir das überwunden?“ So sehr es auch im Alltag mal krachen kann, äußere Umstände die Liebe belasten können,so sehr hält man vielleicht auch zusammen. Und das ist für Elke König Liebe.

In unserer Serie Love Fool beleuchten wir die heutige Sicht auf die Liebe – abseits von Generation Beziehungsunfähig. Wir glauben an die Liebe – und sprechen mit Menschen, die täglich Romanzen, frisch Verliebte oder die Liebe selbst erleben. Zur ersten Folge geht es nochmal hier.

 

3 Antworten zu “Love Fool: Let’s get married!”

  1. Oh, was für ein schönes Interview :) Ich bin beim Thema Heiraten sehr kritisch eingestellt, aber wenn die eigenen Eltern geschieden sind, ist man da vielleicht irgendwie misstrauisch. Vielleicht bin ich auch noch zu jung. Eine Freundin von mir heiratet nächstes Jahr und trotz allem finde ich es sehr bewundernswert, wenn sich jemand dazu entschließt, mit einer anderen Person das restliche Leben zu verbringen. Oder es zumindest zu wollen. Und Hochzeiten an sich sind schon auch tolle Veranstaltungen…
    Spannend, was sie über das Scheitern von Beziehungen sagt…könnte genau so von meiner Großmutter stammen, die sich darüber auch immer aufregt ^^

  2. Interessantes Interview, der Gedanke an den Glauben in die Liebe ist schön und positiv.

    Das Heiraten scheint in den letzten Jahren wieder richtig im Trend zu sein, Instagram ist voll von schönen Frauen im „Boho-Wedding“, professionell geschminkt und fotografiert und an hammer Locations. Ich weiß nicht, warum ich das so wahnsinnig bieder finde, sich und diesen einen Tag so furchtbar aufwendig zu inszenieren. Mit Verlobung (wie furchtbar altmodisch ist eigentlich eine Verlobung, das wartende Mädel, dass von ihrem Mann ENDLICH gefragt wird), der Junggesellenabschied, der impliziert, dass man nach der Hochzeit nicht mehr frei sei, die Zeremonie selber, in der Menschen tausende liegen lassen, die sie nicht haben, Flitterwochen auf den Malediven. Ich finde den Gedanken einer Ehe schon cool, aber mich nervt das ganze tam-tam darum. In der Generation unserer Eltern gab es ein kleines Fest mit Freunden, ein einfaches Kleid, ein gutes Essen und es war trotzdem ne gute Party. Dass man sich bei der Feier seiner Beziehung schon wieder so verausgaben muss, nervt.

    • Amen! Kann dieses übertriebene Tamtam auch nicht verstehen und kenne das auch aus meiner Familie und meinem Umfeld so nicht… für mich ist eine Hochzeit etwas intimes, das ich auch so handhaben will. Noch dazu verschulden sich vor allem in den USA viele junge Leute für ihre Hochzeit, wo es dann für mich völlig aufhört. Dann doch lieber ein Investment in die gemeinsame Zukunft oder sowas…

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