#LoveArmyForSomalia: Hunger in Afrika – was wir tun können

20. März 2017 von in

Foto: Diakonie Österreich

Ich war gerade im Supermarkt. Schließlich ist ja Montag – und wer in Bayern wohnt, musste ganze 36 Stunden ohne möglichen Einkauf aushalten – um Himmels willen (Ironie!). Spätis oder einkaufen bis 24 Uhr ist hier nicht. Also schnell morgens am Montag gleich wieder hin, frisches Brot kaufen, neues Obst und überlegen, was man heute Abend isst. Die Auswahl ist riesig. So groß, dass ich oftmals im Supermarkt erschlagen rumstehe und gar nicht so recht weiß, worauf ich Lust habe. Pasta? Vegane Bowl? Salat? Oder doch lieber Kuchen? Zwischendrin um mich herum Menschen, die ähnlich überfordert sind, Erdbeeren im Winter kaufen oder wutentbrannt sind, wenn die Radieschen aus sind.

Wir haben jeden Tag die Wahl. Lassen den zerdetschen Apfel liegen, genauso wie um einen Tag abgelaufene Joghurts. Wir sind es gewohnt, jeden Tag genug Essen zu haben. Und während ich diese Zeilen schreibe, kämpfen 10000 Kilometer weiter, Menschen um ihr Überleben. Weil sie nichts zu essen haben. Die Lage in Ost-Afrika ist so schlimm, dass die UN eine Welthungersnot ausgerufen hat. Das passiert erst, wenn etwa 30 Prozent der Kinder einer Region an akuter Unterernährung leiden oder täglich mindestens zwei von 10000 Erwachsenen oder vier von 10000 Kindern mangels Essen sterben. So schlimm war es zuletzt 2011 in Somalia der Fall.

Die Zahlen werden in Somalia, im Südsudan sowie Kenia und Äthiopien gerade weit überschritten. Täglich sterben Menschen an Hunger. Die Lage ist katastrophal. Die Trockenheit der Gebiete dauert nun schon seit Jahren an. Trinkwasser ist knapp, eine Landwirtschaft, ein eigener Anbau so gut wie gar nicht möglich. Auch die angekündigte Regenzeit im März blieb bisher aus. Hinzu kommen Regierungskrisen sowie politische Unruhen in den Regionen hinzu, die eine Hilfe erschweren und die Menschen sprichwörtlich „aushungern“ lassen.

Medial bekommt man in unseren Medien nur sehr wenig mit. Hunger und Afrika, irgendwie gabs das doch schon immer, oder? Das ist zumindest die weit verbreitete Meinung der Menschen in den Facebook-Kommentaren unter den wenigen Artikel. Man müsse doch erstmal so viel anderes ändern. Und überhaupt, da leben doch viel zu viele Menschen. Die Katastrophe in Afrika ist sicherlich weit verwurzelter und mitunter ein vom Westen hausgemachtes Problem. All dies ändert jedoch nichts daran, dass hier Menschen sind, die Hilfe brauchen.  Mit offenen Augen zusehen wie Menschen an Hunger sterben? Wir reden – wie auch in der Flüchtlingsproblematik – von Menschen wie wir. Jeder Mensch ist gleich, niemand ist mehr oder weniger wert. Wo ist die Empathie und die Menschlichkeit?

Was wir also tun können?
Ich kann nicht aufhören, immer wieder zu betonen, dass Ärzte ohne Grenzen in genau solchen Krisengebieten großartige Arbeit leisten. Aber auch die Kirche – so kritisch ich sie betrachtet – ist hier erste Anlaufstelle der Katastrophenhilfe. Ebenfalls vor Ort: die Welthungerhilfe oder Unicef.
International sind wir jetzt alle gefordert, im Zeitalter des Internets umso mehr. Hilfe ist heute – auch dank Social Media – so einfach wie nie.

Wie einfach es geht, zu helfen, bewies diese Woche eine Gruppe junger YouTuber rund um Jerome Jarre.
Sie forderte Turkish Airline via Twitter auf, ihnen einen Flug nach Somalia zur Verfügung zu stellen, um Lebensmittel nach Ostafrika zu transportieren. Unter dem Hashtag #TurkishAirlineHelpsSomalia twitterten sie das Unternehmen, das als einziges eine direkte Flugverbindung nach Somalia hat, an – und dieses reagierte innerhalb von zwei Stunden und schickt nun 60 Tonnen Nahrung nach Somalia. Und: Die Airline wird künftig auf ihren Flügen nach Somalia Nahrungs- und Wasser-Container mitnehmen. Die Truppe braucht also nur noch die finanziellen Mittel, um das Ganze zu realisieren und Reis, Kekse, Mehl, Speiseöl, Porridge sowie Zucker und Wasser einzukaufen. Für die Einordnung: Ein Wassercontainer mit 2000 Litern kostet 250 Dollar – und versorgt 100 Familien an einem Tag.

Seit zwei Tagen läuft die Crowdfounding-Kampage – und 1,7 Millionen vom 2-Millionen-Ziel sind schon geschafft!

Mit der bereits erreichten ersten Million Euro wird nun Nahrung gekauft, mit der zweiten Million Euro Wasser. Hier geht’s zur Aktion #LOVEARMYFORSOMALIA. Mittlerweile hat sich auch die Stiftung des Schauspielers Ben Stiller eingeschaltet, unterstützt die Jungs bei der Abwicklung, zahlreiche Promis twitterten über die Aktion.

Was diese wundervolle Aktion zeigt: Wir alle können etwas bewegen. Sei es über Spenden, auf den ersten Blick verrückte Ideen, mit einem kleinen Tweet, mit Gesprächen und unsere Nächstenliebe. Wer seine Reichweite – und sei es nur im Bekanntenkreis – einsetzt, kann so viel bewegen. Ich wünsche mir noch mehr Influencer, Blogger und Promis, die das erkennen. Lasst uns nicht wegschauen, sondern aktiv werden. Wer gibt, bekommt immer auch etwas zurück. Und heute im Supermarkt, beim Abendessen, in der Kantine: sagt Danke. Wir alle hatten einfach Glück.

6 Antworten zu “#LoveArmyForSomalia: Hunger in Afrika – was wir tun können”

  1. Danke für das Wachrütteln – es ist wirklich erschreckend wenig in den Medien – ich habe gleich was an die Love Army und ihre kreative Crowfunding Kampagne gespendet, lg

    • Danke liebe Sophia!
      Ja, wir vergessen, viel zu oft, dass unser Wohlstand keine Selbstverständlichkeit ist, sondern viel mehr mit Zufall und Glück zu tun hat. Davon abzugeben (und ich meine, ohne dass man selbst dann direkt sein Leben aufgibt) sollte uns nicht schwer fallen, und zur Selbstverständlichkeit gehören.

  2. Hey Ihr wundervollen amazed-Girls,
    Mal ganz generell danke für Eure gute Arbeit und den vielseitigen mit Herz befüllen Blog, der sich zu einer meiner ständigen Leseadressen entwickelt. Und im Spezielles danke für diesen Artikel samt konkreten Tipps, wie man sich engagieren kann. Hat geholfen bei mir und Zeit war’s.
    Weiter so mit dem Inspirieren!
    Liebe Grüße
    Katharina

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