München: Espace Louis Vuitton zeigt Tacita Dean

13. Oktober 2016 von in

Zeit vergeht. Jede Sekunde, die wir leben, macht uns eine Sekunde älter. Sobald wir geboren sind, bewegen wir uns in einem Leben, das den Tod zum Ende hat. Was machen wir aus dieser Zeit? Wie nutzen wir sie? Welche Spuren hinterlässt das Leben und die Zeit bei uns? Fragen, die auch wir uns immer wieder stellen, allgemeingültige Antworten gibt es hier nicht. Jeder von uns nutzt diese Zeit im besten Fall so gut es geht für sich – sei es, um sein Leben zu gestalten, Dinge nachhaltig zu verändern und etwas zu schaffen, was bleibt. Auch nach uns.Dennoch: Das Bewusstsein über den Verlauf der Zeit geht im Alltag oftmals unter, erst Fotografien von uns machen den Verlauf der Zeit sichtbar.

Die Künstlerin Tacita Dean steht in der konstanten Auseinandersetzung mit dem unaufhaltsamen Verlauf der Zeit. Sie dokumentiert diese Spuren, die sie nicht nur in Fotografien von Menschen, sondern viel mehr überall findet. Sei es in der Natur, in kleinen Details oder dem menschlichen Wirken. Das Spannende in ihren Werken: Tacita Dean ist eine Künstlerin der Neuzeit, erst seit 1990 beschäftigt sie sich mit Film und Fotografie, viele ihre Werke jedoch sind im Kontrast zu ihrer Thematik geradezu zeitlos. So werden ihre Aufnahmen von Felsen und Bäumen im Werk „Fernweh“ zu einem Bildnis, welches auch der Epoche Caspar David Friedrichs zugeordnet werden könnte. Gleichwohl das Werk 2009 entstand. Zeitlosigkeit in einer schnellebigen Zeit – das ist Tacita Deans künstlerischer Auftrag. Die Zeit wird in ihren Werken oftmals außer Kraft gesetzt, lässt sich schwer verorten und doch findet der Betrachter sich selbst in diesen wieder.

Als leidenschaftliche Verfechterin des 16mm-Films und der Photgravüre findet Dean in diesen Techniken eine Metapher für das dem Digitalen entgegengesetzte Zeitverständnis – ebenfalls eine Konstante im künstlerischen Wirkens Dean. Nur das Rohe, das Unbearbeitete zeigt nach Dean auch das Wahre. Ihre Filme, Aufnahmen beispielsweise von älteren Künstlern, zeigt sie oftmals in Echtzeit. Ein Gefühl für Zeit und Langsamkeit zu bekommen, das genaue Hinsehen, soll dem Betrachter ein neues, vielleicht vergessenes Zeitgefühl entgegenbringen.

Im Betrachten ihrer Werke zeigt sich ein sehr empfindsames Gefühl für Ästhetik und Kunstverständnis. Tacita Deans Werke sind keine schnelle Konsum-Kunst, sondern viel mehr eine Einladung zum Betrachten. Wer sich die Zeit nimmt, verliert sich schnell in ihren Werken, erkennt kleine Details und kann seine ganz eigene Interpretation der Werke sowie von Raum und Zeit zulassen.

Wie spannend die Arbeit der 1965 in England geborenen Künstlerin ist, lässt sich ab heute im Espace Louis Vuitton in München erleben. Das Atelier der Modemarke präsentiert seit 2014 immer wieder Künstler – vorrangig spannende Frauen. Dieses Mal widmet sich die Ausstellung Tacita Dean, die heute in Berlin lebt und arbeitet. Mehrfach nahm Tacita Dean bereits an der Biennale in Venedig teil, zuletzt erhielt sie den Hugo-Boss- sowie Kurt-Schwitter-Preis. Im Espace Louis Vuitton werden bis zum 25. März 2017 sechs Werke von Tacita Dean aus der Fondation Louis Vuitton gezeigt.

Espace Louis Vuitton
TACITA DEAN
14. Oktober bis 25. März 2017
Maximilianstraße 2a
Montag-Freitag von 12 bis 19 Uhr geöffnet, Samstag von 10 bis 18 Uhr.
Der Eintritt ist frei

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