Netflix-Tipp: Hot Girls Wanted – Turned On

11. Mai 2017 von in

Jeder Mensch, der sich auf eine mindestens dreistündige Trailer-Suche nach dem perfekten Film für heute Abend begeben hat, teilt vermutlich meine Abneigung gegen Unentschlossenheit bezüglich der Filmauswahl. Als ich mich neulich jedoch erneut auf dem endlosen dunklen Pfad der Suche begab, wurde mir klar, dass es noch eine Sache gibt, die schlimmer ist, als die Filmsuche: die Dokumentationssuche. Ich mag Dokumentarfilme, bin in diesem Genre jedoch nicht so leicht zufrieden zu stellen, wie in anderen Bereichen (Teeniefilme zum Beispiel, da nehme ich alles). Tierdokumentationen sind nett, aber interessieren mich mäßig (mit Ausnahme der Wächter der Wüste). Ähnlich wie Koch-Dokus oder Dokumentationen über Unterwasserwelten. Dass ich mit dieser Meinung alleine da stehe, ist mir schon seit längerem bewusst.

Mich soll das Thema fesseln. Es braucht einen spannenden Aufhänger – gleichzeitig soll die Dokumentation aber auch nicht zu grausam und schwarz sein. Ihr seht, es nicht leicht. Die Dokumentarfilm-Suche ist die Hölle.

Da kann ich mich glücklich schätzen, dass mich Netflix mit der Dokumentarreihe Hot Girls Wanted – Turned On beschenkt hat. Nachdem ich den Vorgänger von „Hot Girls Wanted“ bereits als Einteiler gesehen und für gut befunden hatte, waren meine kommenden sechs Stunden mit der neuen Doku-Serie gerettet.

Wie sehr prägen uns die Medien in der Liebe, beim Sex und in Beziehungen? Dabei geht es schon lange nicht mehr nur um klassische Pornos, die im Internet abrufbar sind. Die sozialen Medien haben sich vor vielen Jahren eingeschaltet und dominieren mittlerweile unsere Leben. In sechs Teilen geben uns unterschiedliche Menschen Einblicke in ihre Leben. Begonnen mit Erika Lust, die feministische Pornos dreht, die sich sowohl mit der weiblichen als auch mit der männlichen Lust beschäftigen. Folge zwei beschäftigt sich, wie sollte es auch anders sein, mit Tinder. Ein ehemaliger Big Brother Kandidat erzählt seine Geschichte seit der Teilnahme in der berühmten Show. Eine Tinder-Sucht und emotionale Distanz zieht sich durch sein Leben. Eine Story, die viel zu viele mindestens aus Erzählungen kennen. Folge Drei portraitiert die Jungunternehmerin Bailey Rayne. Sie coatcht junge Pornodarstellerinnen und Youtuberinnen und erklärt ihnen, wie sie richtige Unternehmerinnen werden, die sich selbst, ihr Geschäft und ihren Körper unter Kontrolle haben. Man lernt eine selbstbewusste Frau kennen, die genau weiß, was zu tun ist. Ohne sie in ihrer Arbeit zu kritisieren oder in ein schlechtes Licht zu stellen, entlarvt sich die Protagonistin der Folge nach und nach selbst. Eine erstmals recht fröhliche Stimmung voller selbstbewusster Frauen, die ihr Leben in die eigene Hand nehmen wollten, kippt. Eine spannende Reise durch die Welt der Pornografie.

Auch das Arbeitsleben männlicher Pornodarsteller wird hier durchleuchtet: Der dunkelhäutige Protagonist ist schon seit vielen Jahren im Business und tut seinen Job zunächst lächelnd ab: Geld für Sex, das ist ein Traumjob! Über die Zeit der Folge hinweg enthüllen sich nach und nach die Schattenseite seines Jobs. Rassismus und Drogen sind Alltag.

Die berührendste Geschichte folgt daraufhin. Das Cam Girl Alice trifft nach einer fünfjährigen Online-„Beziehung“ über ein Wochenende ihren Fan, der seit vielen Jahren große Gefühle für sie hat und sie finanziell unterstützt. Die Beziehung und ihre Entwicklung sind spannend, dramatisch und extrem traurig.

Hot Girls Wanted ist eine bereichernde Dokumentations-Serie, die alle wichtigen Kriterien einer guten Dokumentation abdeckt. Sie ist unterhaltend, behandelt spannende Themen, informiert, ist nicht zu schwarz und gleichzeitig auch nicht zu flach. Sie bringt einem eine neue Welt nahe, eine Welt, mit der man nichts zu tun haben will. Und die einen doch maßgeblich beeinflusst.

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