Rezept: Caponata

7. September 2016 von in

Die Caponata muss man eigentlich schon für ihren Namen mögen, der so schön nach Al Capone klingt, nach Pistolen und Pfeffer und großen Kantaten und Operetten – aber selbst wenn ich die einzige sein sollte, der solche Assoziationen dazu einfallen: Das für seine süß-sauren Geschmacksnoten stehende sizilianische Gericht Caponata ist so unwiderstehlich, dass ich beinahe traurig bin, es erst vor zwei Jahren zum ersten Mal gegessen zu haben. Und das bei meiner großen Leidenschaft für Auberginen!

Leider ist eine Caponata nicht besonders hübsch anzusehen, man sollte sich eigentlich hüten, sie zu fotografieren, denn sie sieht meist nicht nach einem appetitlichen Mahl, sondern eher wie ein überfahrenes Tier aus. Das zumindest hat Tim Raue einmal sehr treffend über die Caponata geschrieben. Er fügt seiner Variante übrigens, und das bringt uns direkt zum extrem flexiblen Wesen der Caponata, Koriander und Fischsauce bei.

Das ist klassisch für die Caponata: Jeder macht sie anders. Wer sich auf die Suche nach dem unverwechselbaren Originalrezept macht, wird wohl daran zugrunde gehen. Einzig ihr süß-saurer Charakter (das einige durch die Beigabe von Zucker, andere durch eingelegte Rosinen erzielen) und die Tatsache, dass mehrere Gemüsesorten (meist Auberginen und Tomaten) zu einer fast cremig anmutenden würzigen Masse gebraten werden, zeichnen sie aus.
Bei der Caponata gilt also einmal mehr, was im Prinzip ja für jedes Gericht gilt: man muss sie einfach immer mal wieder zubereiten und jedes Mal aufs Neue rumexperimentieren, bis man die Mischung gefunden hat, die einem gefällt. Oder man macht sie aus Prinzip jedes Mal ein wenig anders – viel schiefgehen kann sowieso nicht.
Ich habe sie in diesem Fall aus violetten, länglichen Auberginen gemacht, die ich in ihrer Zartheit weder schälen noch groß entwässern wollte und einfach in etwa eineinhalb Zentimeter dicke Scheibchen geschnitten und in Olivenöl in die Pfanne geworfen habe. Geht aber auch mit jeder anderen Aubergine.

Braten, bis sie ganz und gar weich ist (nichts ist schlimmer als zu kurz gegarte Auberginen), dann ebenfalls in etwa eineinhalb Zentimeter breite Stücke geschnittenen Stangensellerie dazu, allerdings nicht allzu viel, denn Sellerie wird mir immer schnell zu dominant im Essen.
Während die Auberginen braten, koche ich ein paar Rosinen in etwas Weißwein, Honig und süßem weißen Essig auf, bis sie ganz prall werden, aber noch nicht platzen. Dann gieße ich sie ab und hacke sie ein bisschen und gebe sie zu dem Gemüse in die Pfanne.

Außerdem kleingeschnittene Tomaten dazu, am besten frische und süße, zur Not gehen aber auch geschälte aus der Dose – und dann natürlich am liebsten San Marzano. Einen Hauch Orangenzesten hacken und dazugeben, ein paar Kapern hacken und dazu geben, braten und köcheln und zu einer schönen sämigen Masse werden lassen. Dann mit Salz, Pfeffer und mit einem guten weißem Balsamico-Essig abschmecken, wobei natürlich dunkler oder Rotweinessig ebenfalls herrlich funktionieren. Pinienkerne rösten und dazu geben, frisches Basilikum zerrupfen und dazu geben. Vom Feuer nehmen und ziehen lassen.
Ich mag diese relativ simple Variante am liebsten, aber alternativ kann man natürlich noch Fenchel, Paprika, Zucchini, Zwiebeln, Oliven oder eben Koriander und Fischsauce hinzugeben oder was auch immer einem sonst noch passend erscheint.

Außerdem schmeckt mir die Caponata am besten, wenn sie eine Nacht im Kühlschrank verbracht hat und dort ordentlich durchgezogen ist. Man kann sie kalt oder warm essen, als Hauptspeise oder Beilage. Ich mag sie am liebsten bei Zimmertemperatur. Kurz vor dem Servieren gebe ich noch einmal frisches Basilikum, gehackte geröstete Pinienkerne und einen extrem reifen Büffelmozzarella darüber, – wenn nicht gleich eine gute Portion Büffelstracciatella, dem sahnig-zerfließenden Inneren der Büffelburrata.

Dazu ein geröstetes Brot und ein kaltes Glas Weißwein und fertig ist das Abendessen, das aber natürlich genauso gut als Frühstück, Mittagessen oder Mitternachtssnack durchgeht und zu gedünstetem Fisch genauso so gut passt wie zum Salat oder zu Kartoffelchips und eigentlich sowieso IMMER im Kühlschrank stehen sollte

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