Über Gleichberechtigung und Korinthenkackerei: Liebe Männer

23. Oktober 2017 von in

Liebe Männer,

ich verfasse heute diesen digitalen Brief an euch, um euch ein Problem zu erklären, das ich mit euch habe. Vorab sei gesagt, dass ihr euch bei jedem einzelnen Satz einen Hashtag vorstellen dürft, der da heißt: #notallmen. Ich möchte keinen von euch verurteilen. Auch wenn sich gewisse Personen unter euch nicht angesprochen fühlen, weil sie mein Problem absolut nachvollziehen können, würde ich mich sehr darüber freuen, wenn auch ihr den Brief lesen würdet.

Ich bin Feministin. Was bedeutet, dass ich mich für Menschenrechte einsetze und gleiches Recht für alle fordere. Ich wünsche mir sowohl, dass Männer jeder Herkunft so sein können, wie sie wollen, als auch Frauen. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch unabhängig unserer Kapitalismusgesellschaft erzogen wird und keinem Stereotypen gerecht werden muss. Das bedeutet heruntergebrochen, dass ich dafür stehe, dass Männer nicht einparken können müssen und Frauen nicht kochen. Sie dürfen, wenn sie wollen – aber sie müssen nicht, nur weil es ihrem Klischee ihres jeweiligen Geschlechts entspricht.

Ich schreibe schon seit vielen Jahren auf amazed Artikel über genau diese Problematik, die so unglaublich komplex und vielschichtig ist, dass sie nicht in einem einzelnen Beitrag herunterzubrechen ist. Auch nicht in diesem hier.

Die Beiträge behandeln unterschiedliche Probleme, die in einer ungleichen Gesellschaft zwischen Mann und Frau existieren. Die Beiträge werden meistens von Frauen gelesen, geshared und kommentiert, da sich die meisten von ihnen in den Artikeln wiedererkennen. Weil sie die Probleme meist selbst am eigenen Leib erfahren haben und wissen, wovon ich spreche. Diese Beiträge sind aber auch für euch verfasst, da sich das Wechselspiel zwischen Mann und Frau gegenseitig befruchtet (That’s what he said!).

Wenn dann ein Mann in irgendeiner Weise auf meine Beiträge reagiert, ist es meist aus zwei Gründen: Sie fühlen sich ungerecht behandelt oder sie machen sich über meine Aussage lustig. Zweiteres ist besonders einfach, da man sich immer leicht über etwas lustig machen kann, was jemandem ernsthaft am Herzen liegt. Ich mache mich mit meinen Artikeln über Gleichberechtigung jedes Mal aufs Neue angreifbar und das ist mir völlig bewusst, da mir das Thema schlichtweg am Herzen liegt.

Was ich mir von euch wünsche – sowohl von den Männern, die das Privileg haben, zur Ausnahme zu gehören, weil sie eine anständige Erziehung genossen haben oder sich ihren gesunden Menschenverstand selbst angeeignet haben, als auch von den Männern, die überhaupt nicht nachvollziehen können, wovon ich da immer spreche: Hört Frauen zu. Wenn wir uns über das System beschweren, bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass jeder Einzelne von euch daran schuld ist. Hört auf, euch von jedem kleinen Wort provozieren zu lassen. Bleibt ruhig und versteht, dass die Kritik an das System geht und nicht zwangsläufig an euch. Und seid Teil der Veränderung. Denn Teil der Veränderung zu sein, ist eigentlich ganz einfach.

Ihr seid Teil davon, wenn ihr das Problem der nicht vorhandenen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ernst nehmt. Wenn ihr Artikel und Beiträge in diesem Kontext unterstützt, shared, kommentiert, oder wenigstens einfach nur lest und versucht, zu verstehen und nachzuvollziehen.

Ihr seid Teil davon, wenn ihr mit Frauen und Männern darüber sprecht, dass gewisse Dinge schlichtweg unfair sind – für alle. Und hört auf, euch über jede einzelne Scheiße lustig zu machen, nur weil es einfacher ist, als darüber nachzudenken, was man selbst oder jemand im unmittelbaren Umfeld ändern könnte.

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