„Unsere Kollektion ist alles, aber nicht fitted“

25. Oktober 2013 von in

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„Ich möchte was mit Zeichnen machen“: Als Simona in München nach ihrem Abitur die Berufsberatung aufsuchte, war ihr das Wichtigste, zu skizzieren, zu zeichnen und zu malen. Nach längeren Überlegungen entschied sich die 23-Jährige für ein staatliches Modestudium an der HTW, was eine gute Entscheidung war, denn gemeinsam mit zwölf anderen Absolventen schuf sie eine Bachelor-Abschlussshow der Extraklasse. Koko (= Kombinat Kollektionen) heißt das Kollektiv der HTW Abgänger, das eine angemessene Abschlussshow wollte, denn ihre Schule sah keine vor.

Koko wollte eine richtige Show. Eine Show, die selbst geplant sein muss, selbst organisiert und auf die Beine gestellt. Nachdem der Entschluss gefasst war, ging es mit den ersten Vorbereitungen los. Jeder der 13 Absolventen zeigte seine eigene Bachelorarbeit im hO Berlin, welche aus drei bis fünf Outfits bestand. Doch auch diesem gängigen Prinzip wirkte Simona entgegen, indem sie mit ihrer Kollegin und Freudin Viktoria gemeinsam eine Kollektion, bestehend aus neun Outfits, entstehen ließ. „Als Designer muss man im Team arbeiten, deshalb war es für mich natürlich, auch die Abschlussprüfung im Team entstehen zu lassen.“

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Die Kollektion ist mutig, tragbar und verdammt Simona. Sie ist ein Kind der 90er-Jahre. Während wir auf der Couch saßen, Tee tranken und über Koko und vor allem über die Kollektion von ihr und Viktoria sprachen, leisteten uns Avril Lavigne, Backstreet Boys & Co. die musikalische Untermalung. Es gibt kein übergeordnetes Thema, doch verschiedene Einflüsse der beiden Mädchen machen die Kollektion zu der detailreichen und großartigen Kollektion, die sie ist. Viktoria kam frisch aus New York zurück und beschäftigte sich viel mit der Urban-Szene und vor allem mit Hip Hop.

Sweater mit Bauchtaschen gibt es in der Kollektion zu sehen, nach oben versetzt und abgeändert, sodass diese Einflüsse perfekt mit Simonas verrückten und liebevollen Charakter harmonieren. Den größten Einfluss macht die Pubertät. „Unsere Kollektion ist alles, aber nicht fitted“, denn in den Teenagerjahren passt irgendwie nichts. Die Füße sind zu groß, die Arme zu kurz und die Brüste nicht vorhanden. Man fühlt sich unwohl in seinem Körper, da er noch nicht fertig ausgewachsen ist. Deshalb sind die Kleidungsstücke der Kollektion alles andere als körperbetont. Die Mäntel sind irgendwie zu lang, eigentlich ist alles viel zu groß, die Hosen zu kurz – viel Weiblichkeit ist nicht zu sehen.

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Ein Stückchen vom Herzen hat Simona seit ihres Studiums an der HTW in der Mode gelassen. Ob es ihre Berufung ist, ist unklar, denn das Zeichnen ist und bleibt die große Liebe. Vielleicht ist es auch das, was die Kollektion so unbeschwert, einfach und humorvoll macht – sie selbst lässt sich mit der Zeit treiben, bleibt offen für Neues und versteift sich nicht auf eine Tätigkeit. Illustrieren, Tätowieren – das alles sind Dinge, die ihr Interesse wecken und in denen sie sich neu erfinden kann. Und mal ehrlich; wenn wir alle etwas mit der Zeit lernen, dann ist es, dass man vieles wissen kann – aber nicht, wo man landen wird.

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14 Antworten zu “„Unsere Kollektion ist alles, aber nicht fitted“”

  1. Mein erster Gedanke: boah, sieht die TOLL aus!!! Und dieses Bild, die Wohnung…Wahnsinn! So schön!

    Die Klamotten, naja…tragbar? Ich weiß nicht. Ich würds nicht tragen. Ihren Pulli dagegen schon.

  2. Ich muss sagen, dass ich einige Modedesigner einfach nicht ernst nehmen kann.. Sie wollen oft total innovativ, kreativ und anders sein, aber was dabei rauskommt ist totaler Mist. Sicherlich ist es Geschmackssache, aber wer läuft denn bitte mit den gezeigten Teilen rum? Absolut untragbar und unförmig. Auch wenn ich mir jetzt ein paar Feinde gemacht habe, aber das musste ich einfach mal schreiben.^^

  3. bzw. … es wirkt manchmal, als wäre das Arbeiten gegen die Körperform und die Kombination von Socken und/oder Seidenstrümpfen und Trekkingsandalen ewiges Mittel der Wahl junger Designer um ihren Willen zu Nonkonformismus und „Innovation“ zum Ausdruck zu bringen … [mein ganz subjektiver Eindruck:)].

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