Warum tragen wir Ugly & Dad Sneaker?

18. Oktober 2017 von in ,

New Balance // Asics // Sketchers

Ich habe einen neuen modischen Fetisch: hässliche Sneaker. Und während ich so da sitze und mir meine Fila Disruptors ansehe, die mich an Britney Spears aus schlechten Zeiten erinnern, und meine Asics, die eher nach Laufschuhe eines typischen Familienvaters vom Vorort aussehen, als nach Sneaker einer Modebloggerin, frage ich mich, wieso man diese ganz offensichtlich hässlichen Schuhe überhaupt trägt.

Wieso gibt es den Dad Sneaker & Ugly Sneaker Trend?

In der Mode geht es grundsätzlich darum, zu schockieren oder zu überraschen. Was kann also in der Mode mehr schockieren, als etwas, das nicht hübsch aussieht? Mode impliziert Schönheit und somit lädt Hässlichkeit zum Diskurs ein. Die Gegenbewegung der schmeichelnden, schönen, oder unauffälligen Kleidung, lehnt sich gegen das System auf und kritisiert die Mode und Gesellschaft darin, immer nur das Ziel zu haben, hübsch und schön zu sein. Der Träger des Ugly Trends lehnt sich unbewusst gegen das typische Schönheitsbild auf und vergisst dabei nicht das kecke Augenzwinkern. Sich selbst, Mode und Trendströmungen nicht so ernst zu nehmen und den Spaß dabei nicht zu verlieren.

Der Dad Trend geht noch ein bisschen tiefer als die klassische Rebellion. Dad Sneaker sind in erster Linie bequem, und sie sind das absolute Gegenteil von Mode. Sie sind nicht nur hässlich, sie sind unauffällig hässlich. Ihre einzige Aufgabe ist ihre Funktion: Den Fuß vor Schmutz und Kälte zu schützen und einen federleichten Schrittes von A nach B zu befördern. Der Dad Sneaker kommt aktuell besonders gerne im gesamten Dad Look daher. Das bedeutet: Caps mit spießigen Logos und Sprüchen, die meist Werbegeschenke sind oder mindestens danach aussehen, Brustbeutel und Polo Shirts. Wieso zum Teufel sollte man freiwillig einen Dad Sneaker tragen?

Neben der Bequemlichkeit gibt der Dad Sneaker ein Gefühl der Bodenständigkeit. Einen Überblick über das sonst so verwirrende und manchmal gar überfordernde Leben zu haben – in Form einfacher, praktischer Kleidung. Ich nenne es auch das „Phil Dunphy Syndrom“. Phil Dunhpy ist ein Charakter der Serie Modern Family und der Inbegriff des modernen Basic Dads, den so viele Menschen in der Mode zu imitieren scheinen. Phil hat sein Leben im Griff. Einen Job, eine Familie und vor allem eines: Ein ziemlich unkompliziertes und harmonisches Leben. Er macht sich keine Gedanken über negative Dinge, die sein Leben erschweren würden, er hat immer einen frechen Spruch parat, über den keiner lacht, der ihn aber liebenswürdig macht und seine Unbeschwertheit symbolisiert  – den sogenannten Dad Joke. Er hat schlicht und ergreifend ein einfaches Leben und der Träger spielt darauf – bewusst oder unbewusst – an.

Was den Ugly Sneaker und den Dad Sneaker vereint, ist die absolute Egalität in unserer konsumbescherten Zeit der Wohlstandsgesellschaft. Der Träger oder die Trägerin eines solchen Schuhs oder Looks macht sich über Marken und übermäßigen Konsum lustig und bringt damit die Skurrilität und zugleich Unwichtigkeit ihres Übermaßes auf den Punkt, in dem er oder sie in dem eigenen Outfit komplett übertreibt.

Das alles findet natürlich meist nicht bewusst statt, denn fest steht eines: Der Trend macht Spaß. Ugly und Dad Sneaker für alle!

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6 Antworten zu “Warum tragen wir Ugly & Dad Sneaker?”

  1. Sich über gedankenlosen Konsum mokieren und auf monetarisierte Links verweisen, wo man die ugly Schühchen gleich käuflich erwerben kann. Love it :))

    • Liebe Clara, wir veröffentlichen seit 4 Jahren täglich bis zu 3 Artikel am Tag, die sich zu einem großen Teil um Mode drehen. Wenn sich da ab und an ein Thema mit einem ähnlichen Medium überschneidet, ist das keine Überraschung. Das wäre ungefähr so, als würdest du zwei Modemagazine dafür kritisieren, dass sie beide über den Trend „Minimalismus“ schreiben. Ich habe den Artikel gelesen und es stimmt, Pandora hat wohl vor mir über diesen Trend geschrieben und versucht, herauszufinden, warum dieser absurde Trend so durch die Decke ging. Unsere Theorien sind dennoch unterschiedlich. Etwas weniger haten manchmal tut ehrlich der Seele gut – so ab und an :). Liebe Grüße!

  2. Interessante These. Finde den Gedanken dass es sich um eine Gegenbewegung „schmeichelnden, schönen, oder unauffälligen Kleidung“ handelt nachvollziehbar.
    Letztendlich ist es für mich aber auch einfach nur ein Trend, der sich selbst für sehr selbstironisch hält und einher geht mit einer großen Instagram-Affinität und einer ganz bestimmten (auch super ironischen) Ästhetik die dort zur Schau gestellt wird und, zumindest in Deutschland, ziemlich klar in einer Szene verortbar ist (Berliner „Graffiti“ Graphic Designer/ young creative professionals/ Künstler/ Drogen etc.). Aus meiner Erfahrung ist grade diesen Leute ihr Image überhaupt nicht egal und sie verkörpern alles andere als einen „einfachen, unkomplizierten und harmonischen“ Lifestyle. Zumindest ist mein Instagramfeed ständig zugeballert mit Fotos von Leuten mit Dad-Schuhen, die vielleicht nicht shiny Fotos aus ihrem letzten Malediven-Urlaub hochladen, aber dafür in ironischen Posen und mit Handyblitz die „banalen“ Momente des Lebens (Minigolf, auf dem Land, Sterni trinken etc.) dokumentieren und sich dabei ständig zur Schau stellen müssen. Das wirkt zwar auf den ersten Blick weniger oberflächlich als hochpolierte Influencer-Fotos aus Positano oder Santorini (Hab irgendwie den Eindruck da hängen die alle im Sommer ab haha), ist aber letztendlich genauso selbstdarstellerisch.

    • Heyhey, da hast du total recht. Die unperfekten, banalen Fotos, die eine völlig andere Ästhetik verkörpern als die klassische Influencer-Ästhetik ist genauso oberflächlich, kalkuliert und durchdacht und selbstdarstellerisch. Gerade der Dad Look und -Lifestyle (der sich ja doch nochmal etwas von der Ugly-Strömung absetzt) zelebriert eben genau diese banalen Momente, von denen du auch gesprochen hast. Minigolf ist da ein gutes Beispiel und daran hänge ich diese Phil Dunphy These auf. Eine ironische Anspielung auf den Spaß am „normalen“ Leben, der aber am Ende auch kein Stück besser oder schlechter ist als der „abgehobene“, perfekte Lifestyle.

      Fand deinen Kommentar jedenfalls sehr interessant und du hast absolut recht mit dem, was du sagst. Finde die ganze Entwicklung total spannend, auch wenn sie eigentlich sehr dumm ist, haha. Und widersprüchlich sowieso!

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