Your Vote: Der Morgen danach

25. September 2017 von in

Der Schock sitzt tief, die Alternative für Deutschland ist in den Bundestag als drittstärkste Partei eingezogen. Was bedeutet das für uns?
Ein Kommentar zum Ergebnis der Bundestagswahl 2017

 

Angst ist kein guter Ratgeber.

Die AfD – die Alternative für Deutschland – ist eine Partei der Angst. Sie arbeitet nicht mit Argumenten, sondern mit Emotionen. Sie baut auf, auf Angst vor dem Fremden. Auf Angst vor dem Zurückgelassen werden. Auf Angst vor dem Verlust des eigenen Wohlstands, der eigenen Sicherheit und auf Angst vor Veränderung.

Die AfD spielt mit Ängsten, die mir ferner nicht sein könnten. Nennt es naiv, nennt es Gutmenschtum – ich bin immer noch der Meinung, wir leben in einem Land, in dem Angst das völlig falsche Wort ist. In dem wir uns alle so sicher und wohl fühlen können, wie kaum woanders.

Ziemlich oft war ich in den letzten Monaten beschämt über Internetkommentare, über Reden von AfD-Anhängern und deren Parteivorsitzenden und über den Jubel vieler. Manchmal las ich Kommentare und konnte das Gelesene gar nicht fassen, begreifen. Warum und das große Fragezeichen schwebte immer wieder über meinem Kopf.
Was für ein Rechtsruck war bereits durch ganz Europa gegangen. Wie viele Stimmen gab es immer wieder, die rechte Gesinnungen plötzlich wieder offen äußerten. Glücklicherweise niemals im engen Umfeld, und trotzdem auch in meinem Heimatort, einem Ort des Wohlstands mitten im beschaulichen Oberbayern. Immer schön unter dem Deckmantel „Das muss man doch mal sagen dürfen, Ihr Gutmenschen.“

Und trotzdem blinkte da in mir der kleine Hoffnungsschimmer durch. Mein Disney-Ich fühlte sich bestätigt, schließlich war mein Wunsch, „dass auch die Timeline zum Thema Bundestagswahl voll sein würde“, erhört worden. #Gehwählen bestimmte die Hashtags, die Bundestagswahl war so präsent wie nie – Danke Social Media. Keine Chance der AfD.  Und dann besuchte ich das Wahlbüro, sah so viele Menschen, ihrer Pflicht und auch ihrem Privileg nachgehen, ihre Stimme abzugeben, sodass ich kurz vor 18 Uhr tatsächlich die Hoffnung hatte, dass ein zweistelliger Einzug in den Bundestag doch eher unwahrscheinlich würde.

Das Leben ist nicht Disney – das Leben ist offenbar viel mehr geprägt von Egoismus und Angst, als ich es mir in meiner kleinen Blase vorstellen kann. Die AfD zieht in den Bundestag ein – als drittstärkste Partei überhaupt. Seit 1953 wird erstmals eine rechtsextreme Partei wieder im Bundestag sitzen. Nicht sonderlich überraschend, und trotzdem bitter.

„Wer sind diese Menschen, die aus Protest oder Überzeugung eine solche Partei wählen?“, frage ich mich – und bleibe sprachlos vor dem Fernseher zurück

„Rechtsextrem? Nein, nein, wir sagen doch nur was Sache ist.“ Wer das nach Alexander Gaulands Worten „Wir werden Frau Angela Merkel jagen und uns unser Land und unser Volk zurückholen“, noch glaubt, muss definitiv ein paar Nachholstunden in Geschichte machen. Eine Rhetorik im Jahr 2017, wie sie die Nationalsozialisten nicht besser hätten formulieren können. Eine Partei, die bewusst Hass auf Personen und Gruppierungen schürt. Eine Partei, in deren Mitte offensichtlich rechtsextrem gesinnte Menschen sitzen, die das Wort Toleranz aus ihrem Herz gestrichen haben. Die einen Wahlkampf mit verlogener Hetze und Fake-News geführt hat. Die das Land spalten will, und die trotz aller Aufklärung und in Zeiten, in denen der Zugang zu Wissen so einfach wie nie ist, in denen wirklich unsere Geschichte nicht in Vergessenheit geraten sollte, gewählt wird.

Denn: Auch eine solche extreme Partei ist nur so groß, wie ihre Wähler. „Wer sind diese Menschen, die aus Protest oder Überzeugung eine solche Partei wählen?“, frage ich mich – und bleibe sprachlos vor dem Fernseher zurück.

Angst war niemals ein guter Ratgeber, aber schon immer ein guter Motivator. 

Damit bin ich nicht die einzige. Meine Timeline war gestern Abend mehr als entsetzt. Bei einer Wahlbeteiligung von 80 Prozent in München hüpfte mein Herz, und sank genauso tief, wenn ich auf die Ergebnistafel blickte. „Feeling shocked“ war wohl der Emoticon der Stunde.
Andere Filterblasen werden das erschütternde Ergebnis wohl gefeiert haben – auch wenn es mir so fern erscheint.

Er ist also zurück, der Rechtsextremismus. Rechtsextremismus – egal, in welchem Ausmaß – darf niemals salonfähig werden – spätestens seit 1945 sollten wir das alle wissen.

SHOW YOU ARE NOT AFRAID! 

Was bleibt uns also als Fazit? Angst haben vor der AfD? Bitte nicht. Angst ist kein guter Ratgeber.

Laut sein. Position beziehen, einstehen für unsere Freiheit, für Toleranz und Empathie, für Gleichberechtigung, für gleiche Rechte für alle. Wir müssen weiterhin für Menschlichkeit werben, offen mit unseren Freunden und der Familie reden, Zusammenhalt demonstrieren und Rechtsextremismus sowie Rassismus keine Chance geben. Für unsere Demokratie eintreten. Das Gespräch suchen – auch mit AfDlern, Ansätze von Rassismus im Keim ersticken, diskutieren, bis uns die Ohren bluten. Nicht verurteilen, sondern reden. Keinesfalls zusehen und schweigen!

Und uns erinnern, dass 87 Prozent eben doch gegen die AfD gestimmt haben.

Photocredit:  #rfl Community – ein Transmedia Projekt 

 

 

12 Antworten zu “Your Vote: Der Morgen danach”

  1. Danke, liebe Antonia!!! du sprichst mir aus der Seele, ich bin schockiert aber die Angst darf nicht siegen.Wir müssen weiter unseren Mund aufmachen und hoffen, dass zumindest bei dem einen oder anderen ein licht aufgeht. Ich wohne zwischen Freiburg und Basel, uns geht es hier wirklich mehr als gut und trotzdem trifft man immer wieder auf Leute des rechten Lagers. Diskussionen sind leider oft zwecklos, da alles mit Stammtisch Argumenten platt getreten wird.
    Die timline war zwar gestern voll mit #gehtwählen und #gerwomany aufrufen aber von einigen großen influencern kam halt mal einfach NICHTS! Klar es gehört zum Business in der rosa, Glitzer Insta Welt aber es sind jetzt verdammte Rechte in unserem Bundestag, da muss man doch eine Meinung dazu haben…so jetzt brauche ich erstmal einen Kaffee oder einen Schnaps ;-)
    Liebe Grüße,
    Jenny

  2. Ganz kurze Anmerkung nur: diese Angst vor „dem Fremden“, oder grundsätzlich der Begriff des Fremden, der Fremden, der Fremdheit, ist mir im Wahlkampf besonders aufgefallen und hat mich unfassbar genervt.
    Nein verdammt, nichts ist fremd an Kulturen, die seit Jahren zu unserer Gesellschaft gehören.

    • Liebe Mella,

      unterschreibe ich sofort. Nichts ist fremd an Kulturen, die seit Jahren zu unserer Gesellschaft – und am Ende zu unserer Welt gehören. Ich bediene mich hier nur den Werbesprüchen der AfD – und auch der Argumentation ihrer Wähler.

  3. Man schreit nun überall nach Empathie und Menschlichkeit.
    Doch was ist mit denen, die sich abgehängt fühlen (warum auch immer)?
    Wo bleibt da die Empathie? Für die Gründe, weswegen sie sich genötigt fühlten, Protest zu wählen?

    Denn es ist nicht ausschliesslich Rechts, was gewählt wurde, sondern eben auch Protest gegen das, was diese Menschen fürchten.
    Warum hört man nicht hin – darauf, was sie bedrückt, statt sie jetzt nur Rechts und Nazis zu sehen?
    Ist das nicht viel zu einfach und viel zu einseitig?

    Wo bleibt das Mitgefühl für die, die Angst haben? Und aus Angst vielleicht AfD wählten.
    Wieso verteufelt man diese Angst vor der Existenz so sehr, während man andere Ängste versteht?

    Nein, ich habe nicht AfD gewählt, wie käme ich dazu. Nicht mein Laden, nicht meine Gedanken.

    Ich habe jedoch auch keine Angst und ich weiss, dass man ein Stückweit selbst etwas für seine Zukunft tun muss, um eine zu haben. Doch hatte ich auch ziemlich viel Glück.

    Nicht jeder ist halbwegs intelligent genug einen Job zu machen, der ihn durchweg gut ernährt.
    Ihr vergesst, dass nun mal nicht jeder Mensch zum Gleichen in der Lage ist, was für einen selbst selbstverständlich scheint.
    Früher suchte man Halt in Religionen und Glauben. Das ist ja lange schon History. Nun sucht man seinen Halt irgendwo anders. ETWAS, dass einen versteht (oder es vorgibt).

    Ihr solltet vielleicht statt die ewige Rechtsbarriere zu sehen, diese Menschen ebenso aufnehmen.
    Nicht jeder ist schlau genug, keine Angst zu haben – oder eben nicht doof genug.

    Das wär doch mal ein Anfang oder?

    LG Ava

    • Liebe Ava,
      Danke für deine Gedanken!
      Ich bin da genauso bei dir! Wir müssen uns auch auseinandersetzen, viel mehr als bisher, mit den Menschen, die sich aus welchen Gründen – und die müssen sich mir auf den ersten Blick nicht erschließen – abgehängt fühlen. Uns wieder mehr miteinander unterhalten, verstehen versuchen und aufklären.
      Angst ist bis zu gewissen Stücken ein Überlebensfaktor – und trotzdem darf man sich nicht von ihr bestimmen lassen. Ich bin der Meinung, hierzulande muss sich keiner fürchten. Ja, man darf sich abgehängt fühlen, ja, man darf sich Veränderung wünschen, und ja, man muss in die Kommunikation treten. Aber nicht über ein Konstrukt wie der AfD. Rassismus und Verachtung für andere Menschen dürfen wir keinen Boden geben. Aber es liegt an uns jetzt, die Menschen abzuholen. Und wenn es nur einer ist – dann hat sich die Aufwand schon irgendwie gelohnt.
      Liebe Grüße!

  4. Liebe Antonia, vielen Dank für eine differenzierte politische Äußerung! Wenn auch nur 50 Prozent der AFD-Wähler das respektive Parteiprogramm gelesen und verstanden hätte, wäre es zu solchen Ergebnissen wohl nicht gekommen. Das ist meine Meinung und dabei bleibe ich auch. Multikulti gehört zu Deutschland, nicht Fremdenhass. Frauen, die arbeiten gehen und Frauen, die freiwillig zu Hause bleiben, mit Kopftuch oder im Bikini – nicht das Einheitsbild der deutschen Frau, wie sie (und nur so!) zu sein hat. Inklusion, nicht Schubladendenken. Leere Wahlversprechen kennen wir von allen Parteien, aber wann hat Protestwählen schon mal was gebracht, zumindest in diese Richtung? Da müssen wir nicht mehr die Amerikaner belächeln ^^ Ich stehe auch nicht zur CDU, aber es geht den 13% nicht ausschließlich um Inhalte, sondern um ein Zeichen. Ein ziemlich kindisches Zeichen, wenn man nur wählen geht, weil man sich auf den Schlips getreten fühlt. Ich bin mir darüber bewusst, dass viele AFD wählten, weil sie sich von der aktuellen Politik missverstanden oder allein gelassen fühlten. Wer aber glaubt, dass die AFD durch ihre Stimmen im Bundestag irgendwas an dieser Situation verbessert, eine Partei, die Menschen aufgrund ihrer Religion diskriminiert, Gender für Ideologie hält und nicht will, dass Kinder mit und ohne Behinderung zusammen unterrichten werden können, wird dies auch nicht zum Positiven wenden.
    Zum Glück gibt es eine neue Chance, auch die Menschen zu erreichen, die unzufrieden sind und mit denen zu verbünden, denen Menschlichkeit und Inklusion aller wichtig sind.
    Liebe Grüße :)

  5. […] Wie Antonia sagt, dürfen wir uns nicht unterkriegen lassen, müssen jetzt stärker sein denn je und an das Positive glauben. Weitermachen und keine Angst haben. Gerade heißt das für mich, mich über die kleinen Dinge zu freuen, wie jeden warmen Septembersonnenstrahl, der scheint. […]

  6. “Angst ist kein guter Ratgeber.“ Kommt darauf an. Wenn dem so wäre, dann wäre Angst nutzlos und evolutionär ausselektioniert worden.

    “Die AfD – die Alternative für Deutschland – ist eine Partei der Angst. Sie arbeitet nicht mit Argumenten, sondern mit Emotionen. Sie baut auf, auf Angst vor dem Fremden. Auf Angst vor dem Zurückgelassen werden. Auf Angst vor dem Verlust des eigenen Wohlstands, der eigenen Sicherheit und auf Angst vor Veränderung.“

    Ja, die AfD ist modernisierungsfeindlich und emotionalisiert klug, aber der gegenteilige Schluss ist ebenfalls Schmarrn. Weißt du noch?

    “Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau“ (Union Wahlplakate 1953)

    “Kinder statt Inder!“ (Jürgen Rüttgers, 2000, CDU NRW)
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kinder-statt-inder-merkel-geht-vorsichtig-auf-distanz-a-71679.html

    „Die deutsche Sozialdemokratie hat 1945 als erster Faktor Deutschland und der Welt erklärt: Die Oder-Neiße-Linie ist unannehmbar als Grenze. Ich erkläre weiter: Keine deutsche Regierung und keine deutsche Partei kann bestehen, die die Oder-Neiße-Grenze anerkennt. Wir lehnen Landesverrat ab!“ – Kurt Schumacher, SPD-Bundesvorsitzender 17. Juni 1951

    „Wir sind kein Negervolk!“ an die britische Militärverwaltung, ebenfalls Schumacher

    “Multikulturalismus ist gescheitert“ Angela Merkel, 2010, CDU

    „Entschuldigen S‘ die Sprache, das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist – weil den wirst Du nie wieder abschieben. Aber für den ist das Asylrecht nicht gemacht, sondern der ist Wirtschaftsflüchtling.“ Andreas Scheuer, 2016, CSU

    “CSU-Politiker Horst Seehofer sagte 2015: „Wir sind nicht das Sozialamt für die ganze Welt.“ Die NPD wirbt mit „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt.“ Die AfD sagt: „Wir sind nicht das Weltsozialamt.“ “ Aus Bento

    „Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren – bis zur letzten Patrone.“
    Horst Seehofer, 2015, CSU

    “Es geht um Völkerwanderung, machen wir uns nichts vor. Wenn wir jedenfalls nicht bald reagieren, wird es uns am Ende allen auf die Füße fallen, egal welches Parteibuch wir haben“ Bodo Ramelow 2015, Die Linke
    usw. usf.

    “Die AfD spielt mit Ängsten, die mir ferner nicht sein könnten.“ Im Elfenbeinturm offensichtlich nicht, no shit. “Nennt es naiv“ Es ist naiv und/oder verlogen. Die AfD appelliert an Grundängste der Menschen. Wenn diese diese völlig abstreiten, dann lügen sie entweder oder sind naiv. Zwar heißt es nicht, dass sie Recht haben, aber die Nicht-Existenz derselben kann nur durch Ignoranz oder Arroganz erreicht werden.

    “Ich bin immer noch der Meinung, wir leben in einem Land, in dem Angst das völlig falsche Wort ist. In dem wir uns alle so sicher und wohl fühlen können, wie kaum woanders.“ Ja, aber die Deutschen jammern nun mal gerne rum. Und es kommt auch darauf an, wo. Nein, es gibt keine No-go Zonen wie die banlieues in Frankreich oder Compton und Long Beach in L.A.,auch wenn die Rechtspopulisten dies gerne so darstellen; aber es macht einen Unterschied, ob man die Grünwald bei München oder in Duisburg-Marxloh wohnt.

    “Ziemlich oft war ich in den letzten Monaten beschämt über Internetkommentare“
    Die waren schon immer scheiße.

    “Manchmal las ich Kommentare und konnte das Gelesene gar nicht fassen, begreifen. Warum und das große Fragezeichen schwebte immer wieder über meinem Kopf.“ Homo homini lupus. Sie waren schon immer so, du hast es nur nicht gesehen. In Frankreich kam schon der alte Le Pen in die Stichwahl, und der war offener Rassist, Faschist, Neonazist und Antisemit. Österreich hatte auch schon eine schwarz-blaue Koalition, vergessen? https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarz-blaue_Koalition Haider war schon beliebt, da hat Frohnmeier noch die Windeln gewechselt bekommen. Deutschland ist in dieser Hinsicht nie besser gewesen als andere Nationen, eher umgekehrt. Das wir vor 70 Jahren mal eins auf den Deckel bekommen haben, verblasst eben doch irgendwann mit dem Aussterben der letzten Zeitzeugen. Andererseits gibt es immer unbelehrbarer. So wie die Stimme für Dönitz für BuPrä oder die Sozialistische Reichspartei. https://de.wikipedia.org/wiki/Wahl_des_deutschen_Bundespr%C3%A4sidenten_1954

    “Was für ein Rechtsruck war bereits durch ganz Europa gegangen. Wie viele Stimmen gab es immer wieder, die rechte Gesinnungen plötzlich wieder offen äußerten.“ Tja, anscheinend haben die Rechten gerade ein Momentum, während die Sozialdemokratie den Bach runtergeht. Ungünstig.

    “Glücklicherweise niemals im engen Umfeld, und trotzdem auch in meinem Heimatort, einem Ort des Wohlstands mitten im beschaulichen Oberbayern.“ Zweitstärkste Kraft in Rosenheim wurde die AfD, ein deprimierendes Ergebnis. Allerdings sind die Zeiten von Eisner schon lange vorbei, und niemand kann sagen, dass die CSU besonders offen gegenüber linken Ideen ist, daher wohl doch gar nicht so verwunderlich.

    “Immer schön unter dem Deckmantel „Das muss man doch mal sagen dürfen, Ihr Gutmenschen.““
    Tja, aber halt nichts “grün-links versifftes“, denn das ist ja Regimepropaganda, genau.

    “ #Gehwählen bestimmte die Hashtags, die Bundestagswahl war so präsent wie nie – Danke Social Media. Keine Chance der AfD.“ Tja, und wie viele davon waren von der AfD? Social media hilft immer den Extremisten und Fundamentalisten oder dem Staat. In China werden Orwells apokalyptischste Visionen übertroffen, in der Türkei Regimekritiker im Internet aufgestöbert, in Syrien islamistischer Terror über Facebook organisiert und bei uns sind NPD, die Linke und die AfD in den sozialen Netzwerken am Besten vernetzt, werden am meisten gelikt, kommentiert und geshart.

    “Das Leben ist nicht Disney – das Leben ist offenbar viel mehr geprägt von Egoismus und Angst, als ich es mir in meiner kleinen Blase vorstellen kann.“ Denselben Egoismus lässt du doch walten, wenn du ebendiese vernachlässigst. Wir haben doch den Türkei-Deal, oder nicht? Und das Dublin-Abkommen gilt seit 1990, oder nicht? Wieso hat niemand die letzten 27 Jahre demonstriert? Das ist so scheinheilig!

    “Die AfD zieht in den Bundestag ein – als drittstärkste Partei überhaupt. Seit 1953 wird erstmals eine rechtsextreme Partei wieder im Bundestag sitzen. Nicht sonderlich überraschend, und trotzdem bitter.“ Naja, 1953 waren 127 MdBs eheamlige NSDAP Mitglieder, daher finde ich diesen Vergleich insensibel. Kann sein, dass in der AfD viele rechtsextreme und verkalkte Holzköpfe wie Gottberg sitzen, aber ich sehe keinen Hans Filbinger. Außerdem saß 1957 noch die DP im BT, deren Mitglieder später die NPD gründeten.

    “„Wer sind diese Menschen, die aus Protest oder Überzeugung eine solche Partei wählen?“, frage ich mich – und bleibe sprachlos vor dem Fernseher zurück“ Frag nach, dann weißt du es. Es gibt eh schon viel zu viele Studien darüber. Die gab es schon bei der NSDAP und KPD, aber die Erkenntnisse haben auch nichts gebracht.

    “Eine Rhetorik im Jahr 2017, wie sie die Nationalsozialisten nicht besser hätten formulieren können.“
    Die Rhetorik weißt gewisse Ähnlichkeiten auf, ja. Andererseits ist die AfD schlau und weiß meist, wie sehr sie provozieren dürfen.

    “Die einen Wahlkampf mit verlogener Hetze und Fake-News geführt hat.“
    Ok, das haben die anderen auch. http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/bilanz-wahlkampf-btw-101.html

    “Die das Land spalten will, und die trotz aller Aufklärung und in Zeiten, in denen der Zugang zu Wissen so einfach wie nie ist, in denen wirklich unsere Geschichte nicht in Vergessenheit geraten sollte, gewählt wird.“ Der Zugang zu Information wurde so einfach wie nie zuvor. Das ist nicht das Gleiche. Früher las halt auch keiner Infokrieg, PI News, Honigmann, WikiMANNia und den ganzen weiteren Schrott…

    “Denn: Auch eine solche extreme Partei ist nur so groß, wie ihre Wähler.“ Das kann aber reichen, um großen Schaden anzurichten. Ein Blick nach Polen reicht.

    “Meine Timeline war gestern Abend mehr als entsetzt.“
    Traumtänzer, was hätte denn von Samstag auf Sonntag passieren sollen?

    “Bei einer Wahlbeteiligung von 80 Prozent in München hüpfte mein Herz, und sank genauso tief, wenn ich auf die Ergebnistafel blickte.“ Ach, München war doch gar nichts. München ist multikulturell, offen und hier ist die AfD im Gegensatz zu Görlitz nicht mal stärkste Partei geworden.

    “Er ist also zurück, der Rechtsextremismus. Rechtsextremismus – egal, in welchem Ausmaß – darf niemals salonfähig werden – spätestens seit 1945 sollten wir das alle wissen.“ Er war nie weg.

    “Was bleibt uns also als Fazit? Angst haben vor der AfD? Bitte nicht. Angst ist kein guter Ratgeber.“
    Ich bin ziemlich überzeugt, dass ohne das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, den Maßnahmen gegen den Kapp-Putsch etc. die Weimarer Republik viel früher den Bach runtergegangen wäre.

    “Nicht verurteilen, sondern reden.“ Ja, dann haben wir “peace in our time“, oder?
    Wenn du schon Münchnerin bist, sagt die Münchner Abkommen doch sicher auch was, gell?
    Und was hat es in Syrien gebracht zu reden. Hunderttausende Tote. Nun ja, aber es gab Kaffee und Kuchen für die Delegierten. Kein Wunder, dass Del Ponte und andere schon längst keinen Bock mehr auf diese beschissene Ermittler und Vermittlerrollen haben.

    “Und uns erinnern, dass 87 Prozent eben doch gegen die AfD gestimmt haben.“
    Unsinn, wer für was anderes stimmt, stimmt nicht zwangsläufig gegen alle Prinzipien der AfD. Eine Mehrheit der Deutschen ist gegen Zuwanderung, was jetzt? Hier wird doch nur eingefügt, was ins Weltbild passt, der Rest wird passend gemacht. Zwischen Hofer und VdB war der Unterschied minimal. Der vermeintliche breite Konsens gegen Rechts existiert nicht, und ich bin mir auch nicht sicher, ob es ihn je gab.

    “Und uns erinnern, das 56% gegen die NSDAP gestimmt haben“
    Tja, half auch nichts.

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