Cherry Picks #39

22. Oktober 2017 von in

Wir müssen über sexuelle Belästigung sprechen. Das steht nicht erst seit dieser Woche fest, wurde aber dank der Skandale um Harvey Weinstein und der darauffolgenden #metoo-Kampagne endlich auch einmal medial und damit in den Fokus aller gerückt. Sexuelle Belästigung passiert – und fängt nicht erst damit an, dass man auf dem Heimweg nachts überfallen wird. Wir Frauen (und auch Männer) kennen alle sexuelle Belästigung – Amelie hat diese Woche hier darüber geschrieben. Das Problem ist: Viel zu oft fällt es – wie bei Weinstein – unter den Tisch. Jeder wusste von seinem Verhalten – und doch legte sich der Mantel des Schweigens um sein Tun.

Julia Korbik hat in diesem Zug einen ganz klaren und starken Artikel zum „Schweigen der Männer“ geschrieben. Pflichtlektüre diese Woche in der Wüste der vielen Artikel.

Einen anderen Gesichtspunkt lieferte der Artikel zum Thema „Literally, why I can’t say #metoo?“. Denn in jeder Bewegung heißt es schnell: Oh, du postest nicht, also ist dir sowas nie passiert. Dieser Umkehrschluss ist falsch, denn nicht jeder kann, will und möchte öffentlich posten. Vielleicht fühlt es sich falsch an, vielleicht ist der Zeitpunkt falsch, vielleicht ist man tatsächlich noch nie belästigt worden und vielleicht will man im Verborgenen diskutieren, aber nicht auf Social Media.

Die Wahrheit ist: Ich bin 33 Jahre alt und ich kann mich an kein einziges Gespräch mit anderen Männern erinnern, in dem wir über dieses Thema gesprochen haben: sexuelle Gewalt gegenüber Frauen. Wo fängt das an? 

Ebenfalls wichtig in der ganzen Diskussion: die Rolle des Mannes zu betrachten. Wann fängt sexuelle Belästigung an? Wie weit darf man gehen? Und wie schmal ist der Grad? All diese Fragen müssen geklärt, besprochen und diskutiert werden – nicht nur mit Frauen, sondern auch untereinander mit Männern. Christian Gesellmann schrieb für das Zeitmagazin über seine (persönliche) Rolle in der #metoo-Kampagne und ließ eigentlich keine Fragen offen. Einer der wenigen schlauen Artikel zum Thema – aus der Sicht eines Mannes.
Wer übrigens immer noch zweifelt, dass wir ein Problem haben: Bitte die Kommentarspalten auf Facebook lesen.

Hach, entlockte mir jener Man Repeller Artikel über Britney Spears. Ihr (inszeniertes) Video, wie die ehemalige Popprinzessin zu Klassikmusik in ihrem opulenten Garten kindliche Bilder malt und das ganze mit dem Satz „Sometime you just gotta play“ unterstrich, ging diese Woche viral. So viel Selbstironie in einer Zeit, in der immer noch jeder Schritt von ihr be- und verurteilt wird, tut gut. „Here she is, at ease, proving she’s mastered the highest art of all: self-aware irony. If Britney Spears can emancipate herself from the world’s judgment, can’t we all?“ Ohja, we can! Loslösen und einfach leben. Danke Britney, danke Man Repeller für diesen schönen Artikel!

Tatsächlich, ich bin ein Sportfreak geworden – und kann es manchmal selbst nicht glauben. Nichtsdestotrotz würde ich behaupten, ich mache es, weil es mir gut tut. Mein veränderter Körper, die positiven Aspekte, die automatisch einsetzen, sind nur Nebensache. In erster Linie will ich gesund und fit sein. Sprüche a la „Strong is the new skinny“ gehen mir immer noch gehörig auf den Keks. Dass wir aber in einer Selbstoptimierungswelt leben, in der Selbstkontrolle und Oberflächlichkeit eine große Rolle spielen, lässt sich nicht verleugnen. Dass das Gefahren birgt, ist klar und gefährlich. Frauen sollen nicht mehr nur schön, sondern auch stark sein – das erzeugt Druck! Warum das Sporty-Spice-Dasein nicht nur Vorteile für die Gesellschaft bringt, schreibt Mareike Nieberding im Zeitmagazin.

Hier habe ich euch meine liebsten Podcasts vorgestellt, Eve von Ditomag zog diese Woche nach und präsentierte ihre Lieblinge. Neben altbekannten gab es auch ein paar neue – und weil ich das Ditomag und ihre Macherinnen sowieso sehr mag, geht’s hier zum Artikel.

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