Fehler machen erlaubt! 5 Sätze, die du sagen kannst, statt dich zu rechtfertigen

5. November 2019 von in

To call someone out: To verbally hold someone accountable for their words or actions. Es ist hierzulande eine dieser schrecklichen Denglisch-Wortschöpfungen, aber es gibt wirklich keine passende deutsche Übersetzung. Jemanden outcallen bedeutet, ihn oder sie öffentlich auf diskriminierendes oder verletzendes Verhalten hinzuweisen. Outgecalled zu werden bedeutet, öffentlich dafür kritisiert zu werden, etwas Beleidigendes gesagt oder getan zu haben. Die meisten von uns waren vermutlich irgendwann schon mal in der Position: Wir schreiben, sagen oder posten etwas, denken uns nichts Böses dabei – und plötzlich ist jemand offended. Noch so ein schönes denglisches Wort.

Es macht keinen Spaß, als Arschloch hingestellt zu werden, obwohl man es doch gar nicht so gemeint hat. Besonders, wenn es von Menschen kommt, für die man doch eigentlich eine Verbündete sein möchte. Man fühlt sich vorschnell verurteilt und unfair behandelt. Deswegen ist der erste Impuls immer: Rechtfertigen! Und zwar sofort! Aber ich hab das doch ganz anders gemeint! Aber ich habe doch eine schwarze/queere/muslimische Freundin – und die findet das gar nicht schlimm! Aber, aber, aber.

In solchen Momenten ist – wie eigentlich immer – die Wut ein schlechter Berater. Denn was man dann als persönlichen Angriff empfindet, ist in vielen Fällen nichts weiteres als konstruktive Kritik – und eine Gelegenheit, etwas Neues zu lernen. Es ist nicht die eigene Intention, die zählt, sondern das, was bei der oder dem Anderen ankommt. Deswegen ist als erster Schritt erstmal tief Durchatmen angesagt. Der zweite Schritt ist das Zuhören. Könnte es sein, dass ich tatsächlich ungewollt etwas Beleidigendes gesagt oder getan habe? Kann ich in Zukunft mehr Rücksicht nehmen? Und, wow, ist das etwa die Art und Weise, wie man sich persönlich weiterentwickelt?

Die Antwort lautet meistens ja. Deswegen habe ich fünf Vorschläge für euch, wie ihr auf Hinweise wie diese reagieren könnt, statt euch zu rechtfertigen.

1. Ich werde über deinen Hinweis nachdenken.

Es ist total okay, nicht sofort einzulenken. Manchmal braucht man ein bisschen Zeit, um sich in die Positionen anderer hineinzuversetzen und zu verstehen, was genau die eigene Aussage mit bestimmten Menschen macht. Wichtig ist: Nachdenken, Mühe geben, Lernen. Und wirklich in Betracht ziehen, dass man trotz guter Intention einen Fehler gemacht haben könnte.

2. Du hast Recht. Ich glaube dir. Ich muss mich besser informieren.

 

Niemand erwartet von einem, alles zu wissen. Was man allerdings erwarten kann, ist die Bereitschaft, sich einfach mal einzugestehen, dass man wirklich noch nicht alles (besser) weiß. Trotzdem ist das für sehr viele Menschen schon zu viel verlangt – man wird es dir danken, wenn du dazu in der Lage bist.

3. Es tut mir Leid! In Zukunft werde ich den Fehler nicht mehr machen.

Wie funktioniert eine gute und ernstgemeinte Entschuldigung? Die goldene Regel lautet, dass das Wort „aber“ nicht in ihr vorkommen sollte. Was du außerdem außen vor lassen solltest, ist zu erwähnen, „wie du das eigentlich gemeint hast“. Denn das tut nichts zur Sache! Wichtig ist auch, dass du Bereitschaft zeigst, dein Verhalten in Zukunft zu ändern – damit die andere Person weiß, dass sie nicht gegen eine Wand redet.

4. Ich werde mich darüber informieren. Möchtest du mir einen Text oder ein Buch empfehlen, das sich mit diesem Problem befasst?

Mit diesem Satz muss man vorsichtig sein. Klar: Es ist löblich, sich informieren zu wollen. Aber du bist vermutlich nicht die erste Person, die dein Gegenüber auf diese Art von Fehlverhalten hinweist. Es kann sehr ermüdend sein, anderen immer und immer wieder ein Problem zu erklären, mit dem man sich selbst in vielen Stunden mühevoller Eigenarbeit auseinandergesetzt hat. Vermutlich kennen einige von euch diese Situation, wenn man versucht, einem Mann Feminismus zu erklären, der sich mit dem Thema noch überhaupt nicht befasst hat. Es ist so mühsam! Deswegen: Bittet die andere Person niemals darum, euch die Problematik selbst zu erklären! Dafür gibt es Google. Oder eben Texte oder Bücher, die das Problem für euch aufdröseln. Deshalb: Wenn ihr nach Quellen fragt, dann erwartet keine Antwort, sondern lasst dem Gegenüber die Option offen.

5. Danke für deinen Hinweis.

Die andere Person hat dich auf die Problematik deiner Aussage hingewiesen, weil sie Potenzial sieht, dass du etwas dazu lernst. Sie hätte das nicht machen müssen. Sie hätte auch mit den Augen rollen können und es sein lassen können. Aber ihr habt eine Sache gemeinsam: Ihr wollt, dass wir im Umgang miteinander respektvoll miteinander umgehen und voneinander lernen. Dafür kann man sich durchaus bedanken.

 

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Bildcredit: Unsplash

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