Kolumne: Standesamt on a Monday Morning

14. November 2018 von in

Heiraten ist eine dieser Angelegenheiten, bei denen sich Erwartungen und Realität scherenförmig auseinander bewegen. Besonders, je näher der Termin rückt, und je mehr die romantisch-zarten Vorstellungen vom nüchternen Organisations- und Planungsalltag durchkreuzt werden. Dieser Montagmorgen war so ein Moment in der Laufbahn unserer Hochzeitsvorbereitungen, der mich mit seiner völlig unvorhandenen Romantik so fröhlich machte, wie kaum ein anderer Montagmorgen zuvor.

Unser Wecker klingelte an diesem Tag besonders früh. Denn jeder, den ich zu Rate gezogen hatte – und auch alle anderen – hatten mir im Vorfeld eines ans Herz gelegt: Wenn du dir einen Termin in den Kopf gesetzt hast, dann leg dich in’s Zeug. Andere werden diesen Termin auch wollen, mach dich auf was gefasst! Vor dem Standesamt sind glücklicherweise die Meisten doch erstaunlich gleich, und so gibt es keine Möglichkeit, sich den Wunschtermin anders zu sichern, als genau sechs Monate davor in der Früh um sieben auf der Matte zu stehen. Eine halbe Stunde, bevor das Amt aufmacht, wenn man es ganz ernst meint.

Die höfliche Standesamtschlange

So ganz hinterher waren wir dann doch nicht, als wir uns um Zwanzig nach Sieben in die höfliche Standesamtsschlange einreihten. Müde Pärchen standen vor, und schnell auch hinter uns, alle die bekannte Spannung ausströmend, die in der Luft liegt, wenn man gleich ganz schnell sein muss. Als dann ein müder Standesbeamter um Punkt halb acht die Türen aufschloss, ging es los: Die Pärchen spurteten los, ein kleiner Teil in den Aufzug, der Rest die Treppen hoch: 4. Stock, Heiratsbüro, nicht zu verwechseln mit dem 3. Stock, Urkundenbüro und Kirchenaustritte.

Mich nicht dieser unsympathischen Meute der Rennenden anschließen wollend, ging ich doch schnellen Schrittes die Treppe hoch, und wenn ich ganz ehrlich bin, überholte ich dabei sogar den ein oder anderen. Die Hektik legte sich mit dem Nummernautomat, der uns auf Platz Sechs verortete, und wir waren tatsächlich schon nach einer halben Stunde dran.

Gerne nicht hupen

Die Hochzeitsanmeldung an sich ist eine Angelegenheit, die nicht viel emotionaler abläuft als ein neuer Perso-Antrag, und doch gibt sich das Standesamt Mühe, eine Prise Romantik einzustreuen. Auf Standesamt-Art eben, und so wurde uns ein mit Microsoft-Word-Herzen versehener Hinweiszettel ausgehändigt, auf dem wir schon mit „Liebes Brautpaar“ angesprochen wurden. Nett wäre es, wenn wir weder hupen, noch Blumen, Reis oder Konfetti ausstreuen würden, sagte der Zettel. Und die Standesbeamtin gab schulterzuckend zu, daran halten würde sich eh niemand, versucht hätten sie es aber hiermit.

Nachdem wir angekreuzt hatten, keine Geschwister zu sein, kam die doch nicht unerhebliche Frage nach dem Nachnamen: Ein Meilenstein im Leben von so einigen, für uns aber mit einem „bleibt alles so wie es ist“ ähnlich unspektakulär wie der Rest. Dennoch eine spannende Vorstellung, dass mit einem einzigen Kreuzchen in einem öden Büro an einem Montagmorgen festgelegt werden kann, dass er oder ich ab sofort einen anderen Nachnamen tragen. Dass ich das Abgeben des Nachnamens aber ohnehin nicht verstehen kann, habe ich hier noch weiter ausgeführt. „Den Namen können’s noch jederzeit ändern, kostet 25 Euro, bei der Trauung wär’s umsonst. Übrigens ihr ganzes Leben lang, wer diese Fristen immer erfindet, des fragi mi“, erfuhren wir.

Sch-bum

Verhältnismäßig fröhlich wurde die Angelegenheit im Anschluss mit der Musikliste (15 Euro, und man darf drei Lieder beim Heiraten hören, 0 Euro, und es bleibt einfach still). „Alles, wo ‚mp3‘ dahinter steht, kommt ausm Kastl, der Rest wird auf dem Klavier gespielt“, teilte uns die Standesbeamtin mit, und wir bekamen die standesamtliche Musikauswahl serviert: Mit einer eigenen Kategorie für Bayerisches und Österreichisches wie „Sch-bum (S’Leben is wia a Traum)“ oder dem „Hochzeitsjodler“, dem Forrest Gump Main Theme, ein paar klassischen Klassikern und Perlen der Popmusik von Eros Ramazotti und Tarkan bis zu Silbermond und Ed Sheeran. „Können’s auch noch vor Ort entscheiden, oder den eigenen Mp3-Player mitbringen.“

Unseren Wunschtermin im schönen Wunschstandesamt Münchens in der Tasche, verließen wir ein paar Minuten später das KVR und stiegen in die volle Montagmorgen-U-Bahn. Noch ein bisschen verwundert, wie einfach dann doch alles ging. Und ganz schön gut drauf. Es kann also losgehen!

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5 Antworten zu “Kolumne: Standesamt on a Monday Morning”

  1. Na dann herzlichen Glückwunsch zum Ergattern des Wunschtermins! :D

    Bei mir war es damals so, dass ich mich lange gedrückt habe vor dem Hochzeitsanmeldungskram und mich dann irgendwann mal spontan auf zum Standesamt machte, eigentlich nur, um mich zu informieren, welche Unterlagen ich brauche. Der Standesbeamte fragte dann nach meinem Wunschtermin und ich hatte keinen und habe dann im Kalender geblättert auf der Suche nach einem Datum, das ich mir halbwegs merken kann. Alle Fragen des Standesbeamten habe ich verneint: Neuer Nachname? Nein. Gäste? Nein. Trauzeugen? Nein. Musik beim Reinkommen? Nein. Rede halten? Bitte nicht! Es war sehr amüsant und die Trauung zu zweit dann einige Monate später auch innerhalb von 5 Minuten durch.;)

  2. Danke dass du diesen Moment mit uns teilst! Ich freue mich sehr auf eure weiteren Steps in Richtung Brautpaar. Auch ich werde nächstes Jahr heiraten – einen Termin haben wir allerdings noch nicht;)

  3. Hallo Milena,

    eure Wander-Artikel lese ich ja sehr gerne, wie ich letztens schon kommentiert habe, aber diese widersprüchlichen Texte stoßen mir allmählich sauer auf. Ihr wollt politisch korrekt sein und verurteilt andere Menschen für ihr Handeln. Ist ein Mensch der die Treppen hinaufläuft wirklich unsympathisch weil er seinen Wunschtermin gerne haben möchte? Reisen werden in einem Artikel als schlecht und umweltschädigend abgestempelt und im nächsten Text seid ihr irgendwo am Strand und dann in Edinburgh und Manchester. Naja egal. Versucht nicht auf Teufel komm raus die besten menschen der welt zu sein und diesen Lifestyle nichtmal authentisch vorzuleben. Ich denke mit dieser meinung bin ich nicht alleine. Hört auf andere menschen zu verurteilen, ohne sie zu kennen, das ist nämlich das wahre Verbrechen. Ich könnte noch mehr schreiben, aber da rege ich mich nur noch mehr über euch auf. Bleibt bei Themen, die ihr versteht.

    • Hey Silvia,
      Ich finde es ganz natürlich, dass zwischen Theorie und Praxis oft eine Lücke ist. Es ist doch so, auf der einen Seite verstehen wir die politische Dimension vieler Dinge sehr gut, auf der anderen Seite ist Selbstkasteiung auch keine Lösung. Deine Suche nach Authentizität kann nur ins Leere laufen, denn selbst wenn man als Eremit auf eine weit entlegene Hütte zeiht, ist man Teil einer Gesellschaft, der man sich nicht entziehen kann.
      Ich finde es gut, wenn darauf hingewiesen wird, dass man selbst auch in Zwiespalt ist, auf Grund bestimmter Gedanken und Handlungen. Ich lese diesen von dir angesprochenen Satz eher so, dass Milena keine Lust auf Ellenbogen-Verhalten hatte, aber dann doch auch Menschen überholt hat, um eben doch ihren Wunschtermin zu bekommen. Also ist der Aufhänger für deine Aufregung eigentlich nicht ganz richtig.

      Please mind the gap.
      Liebe Grüße.

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