The Talk: Ein Jahr verlobt

12. Juni 2018 von in

In diesen Tagen jährt sich ein ganz besonderer Tag meines Lebens. Ein Jahr ist es nun her, dass mein Freund und ich beschlossen, nicht mehr ohne einander sein zu wollen. Nicht jetzt, und auch nicht später. Und so kam es also, dass wir uns vor genau einem Jahr gegenseitig fragten, ob wir uns heiraten möchten.

Dass ich es sehr schön finden würde, mal zu heiraten, wusste ich immer. Dass das Thema schon so plötzlich in mein Leben kam, war nicht geplant. Doch wenn es für mich den einen Grund zum Heiraten gibt, dann diesen: Das Gefühl, dass es einfach stimmt mit dem Anderen. Dass wir nicht mehr ohne uns sein wollen. Dass wir uns genau dieses Zugeständnis geben möchten. Und dass wir ab sofort gemeinsam hineinwachsen wollen in alles, was da so kommen mag. Das, was ich nämlich immer glaubte, ist in der Realität wie so oft ganz anders: zu Heiraten und sich erwachsen oder fertig mit irgendetwas zu fühlen, gehen absolut nicht Hand in Hand. Auch, wenn man sich das sein Leben lang so vorstellt.

In den ersten Tagen nach dem Antrag änderte sich für mich nicht viel, außer der Ring an meinem Finger, der mich heute noch zu Tränen rührt, und ein davor noch nicht gekanntes Gefühl von Liebe, das seitdem ständig noch stärker zu werden scheint. Genau so empfand ich dieses Zugeständnis: Als eine sehr schöne Sache zwischen uns, die uns noch ein Stück näher zusammenführt. Nun muss man sagen, dass wir nicht aus dem Druck heraus handelten, das mache man eben so, um genau zu sein habe ich nämlich bisher so gut wie gar keine Hochzeitserfahrung vorzuweisen und habe auch niemanden in meinem Freundeskreis, der heiratet oder gar schon geheiratet hat. Mit den Reaktionen anderer hatte ich also nicht gerechnet: „Wann ist das Datum?“, „Habt ihr über eine Hochzeit in Portugal/Italien/auf Mallorca nachgedacht? Frag mal xy, die kann dir mit der Planung helfen!“, „Ihr habt noch keine Location? Fangt ein Jahr davor an zu planen, besser eineinhalb, sonst ist alles ausgebucht!“ Oder auch: „Was, jetzt schon?“

Dass eine Hochzeit viel mehr ist, als das Zugeständnis, das sich zwei Menschen untereinander geben, sondern das Umfeld in nicht zu vernachlässigendem Ausmaß ebenfalls betrifft, wurde mir klarer und klarer, weshalb wir die Neuigkeit erst mal ziemlich entspannt für uns behielten. Uns freuten und uns langsam an die große Sache herantasteten, die schließlich gar nicht unbedingt eine große Sache werden muss. Die aber doch ziemlich viele Entscheidungen und Überlegungen mit sich bringt.

Die Nachnamensfrage zum Beispiel, die sich als ein mir bis dato unbekanntes Ungetüm antifeministischer Geschichte entpuppte und für Kopfzerbrechen sorgte, weil jede mögliche Lösung ihre Tücken hat: Seit 1994 erst ist es für beide Partner in Deutschland erlaubt, ihren Namen nach der Hochzeit zu behalten, was sich für mich als sehr natürliche Möglichkeit anfühlt. Dass diese Möglichkeit überhaupt erst so wenige Jahre besteht, war mir nicht klar – das Recht zu haben, den eigenen Namen zu behalten, so wie er ist, war für mich immer selbstverständlich. Eine andere gerechte Form wären zwei Doppelnamen, doch den darf nur einer der Partner annehmen, wodurch der gemeinsame Name automatisch zum Ehe- und damit auch zum Nachnamen eventueller Kinder wird – und die Entscheidung nicht gerade leichter macht.

Einen gemeinsamen Familiennamen zu haben, ist eine wunderschöne und verbindende Sache. Der eigene Nachname aber gleichzeitig eine Identität, die sowohl persönliche, familiäre als auch berufliche Bedeutung hat. Diese Identität aufzugeben, ist sowohl von einer Frau, wie auch von einem Mann, wahnsinnig viel verlangt und sollte meiner Meinung nach unbedingt überlegt und absolut freiwillig erfolgen. Sich gegen einen gemeinsamen Namen zu entscheiden, ist genau so in Ordnung wie einen gemeinsamen Namen anzunehmen.

Trotz des Gesetzes von 1994 und der Freiheit, sich ganz individuell für eine Möglichkeit zu entscheiden, sieht die Realität immer noch so aus, dass fast alle Frauen ihre Namen abgeben und den Namen des Mannes annehmen, was meist auch als völlig selbstverständlich angesehen wird. Wer es andersherum macht, muss mit Fragen und Beurteilungen rechnen. Und wer einfach seinen bisherigen Namen behält, muss sich für das Kind auf einen Namen einigen – der Andere darf sich dann schon darauf einstellen, am Flughafen oder beim Kinderarzt gefragt zu werden, ob er vielleicht ein Kindsentführer sei.

Bei all der Vorfreude ist die Namensfrage also das eine, die Frage nach der Hochzeitsfeier das andere Thema, das für Schweißausbrüche sorgen kann. Es mag Personen geben, die in der Hochzeitsplanung ihre Erfüllung sehen, von uns beiden gehört keiner wirklich dazu. Ein Jahr lang atmeten wir deshalb erstmal durch, genossen den eigentlich oft unterschätzten Zustand des Verlobtseins und schoben den komplizierten Part der Hochzeitsplanung auf. Mit ein bisschen Zeit zum Überlegen hinter uns, beschäftigten wir uns in einem ruhigen Moment schließlich aber doch mit Dingen wie dem Anmeldungs-Prozedere des Standesamtes und der konkreteren Locationfrage. Und auch, wenn ich damit gar nicht gerechnet hätte, fanden wir kurzerhand einen wunderbaren Ort, an dem im nächsten Frühjahr also tatsächlich unsere Hochzeit stattfinden wird. Womit die ganze Sache noch ein Stückchen realer, aufregender und schöner wurde.

Dieser Ort ist nicht in Portugal, die Location war auch kein Jahr zuvor ausgebucht. Aber seitdem wir zwischen den Rosen und Terrassentüren standen und einen Frühlingssamstag als Termin festlegten, kann ich mir das alles nun tatsächlich vorstellen: Unsere Freunde, unsere Familie und wir, wie wir ganz einfach unsere Hochzeit feiern. Und zwar ohne große Erwartungen, ohne Stress und ohne fremde Konventionen. Und auch nicht viel erwachsener als heute.

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4 Antworten zu “The Talk: Ein Jahr verlobt”

  1. Hallo Milena,
    ich freue mich schon auf Hochzeitsimpressionen von euch!
    Ich selbst werde im Juli heiraten und hab mir auch viel Gedanken dazu gemacht.
    Ist Heiraten an sich nicht schön eine solche Konvention und die Gedanken dazu (die für unsere Generation, die sich immer von diesen lossagen will, typisch sind) reiner Selbstbetrug? Wollen wir nicht eigtentlich doch deshalb heiraten, weil es eben die gesellschaftlich konforme, romantische Vorstellung einer Paarbeziehung ist?
    Wenn man sich dessen bewusst wird, fiel mir auch das mit der Namensenrscheidung gar nicht mehr so schwer (auch wenn man unter dem Druck ja eigentlich kaum vor sich selbst rechtfertigen kann, den Namen des Partners anzunehmen). Ein wenig Zugeständnis an Konventionen, deren man sich eben aber sehr bewusst annimmt, ist doch auch nicht verkehrt.

    Liebe Grüße und viel Spaß bei der Vorbereitung!

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