Was hilft wirklich bei Liebeskummer? Eure Antworten – Teil 2

17. Mai 2021 von in
Bild: @sosheslays

Liebeskummer ist ein Gefühl, das ganz schön Angst machen kann. Die Traurigkeit und Verzweiflung legt sich wie ein Schleier über uns, sie ist beim Aufwachen da, beim Einschlafen und immer dazwischen. Manchmal gibt es diese kurzen Momente der Leichtigkeit, in denen man abgelenkt ist und seinen Kummer kurz vergisst – doch dann bricht er umso grausamer wieder über einen herein. In einer akuten Liebeskummerphase befinden wir uns in einem psychischen Zustand, der wirklich ernstzunehmend ist – ähnlich wie bei einem Trauerfall ist das Ende einer Beziehung sowohl ein schlimmer Verlust, als auch eine, oftmals unfreiwillige, Neuorientierung des Lebens, die wahnsinnig viel Stress und Angst in uns auslösen kann. Aus dem Gewohnten gerissen zu werden, eine enge Bezugsperson zu verlieren, nicht aufhören zu können, an diesen einen Menschen zu denken und Angst vor dem Alleinsein zu haben – all das sind schreckliche Gefühle, die alle auf einmal eine ziemlich grausame Mixtur ergeben.

Doch es gibt eine gute Sache am Liebeskummer: Man kann sich zu 100% sicher sein, dass er temporär sein wird. Dass es irgendwann wieder aufwärts geht. Und dass die Erfahrung unzähliger Menschen dazu geführt hat, dass es tatsächlich einen Katalog an Dingen gibt, die den Liebeskummer lindern können. Diese sind natürlich bei jeder und jedem unterschiedlich. Einen Schritt-für-Schritt-Plan für 99 Tage hat übrigens Michèle Loetzner in einem ganzen Buch zusammengeschrieben zu unserem Interview mit ihr geht es hier. Heute haben wir euch gefragt: Was hat euch wirklich bei Liebeskummer geholfen? Hier geht es zu Teil 1, heute folgt Teil 2!

Jana, 29

Liebeskummer ist dann am schlimmsten, wenn es für einen selbst kein erklärbares Ende gegeben hat, wenn niemand Schluss gemacht hat, sondern eine Person einfach verschwindet und keine passende Erklärung da lässt, obwohl man sich zuvor das Leben geteilt hat. Man stellt dann schnell fest, dass die üblichen Methoden zur Liebeskummerbewältigung nicht mehr helfen.

Es ist nicht nur Liebeskummer mit dem man zurückgelassen wird, sondern fast schon ein gebrochenes Urvertrauen und ein zerstörtes Selbstvertrauen.

So dankbar ich meinem Umfeld, meinen Freunden und meiner Familie bin, wie sie mich in dieser Zeit versucht haben aufzufangen – das Einzige was mir letztendlich wirklich geholfen hat, war der erneute Aufbau von Vertrauen, in erster Linie zu mir selbst und darauf folgend auch zu einem neuen Menschen, der mir zeigt, dass ich mich erneut einlassen kann und darf. Das alles braucht Zeit und die Muße sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und sich wieder aufzubauen, in meinem Fall eineinhalb Jahre. Aber es hat das Potential, dass man stark daran wächst, auch wenn es sich absurd anhört, wenn man gerade noch mitten drin steckt.

So abgedroschen das also klingt: man muss sich in erster Linie selbst lieben, um eine andere Person zu lieben.

Amira, 28

So banal es klingt: Such dir ein Hobby! Oder am besten gleich mehrere. Wir tendieren dazu, uns bei Liebeskummer in einem Strudel aus negativen Gefühlen, Angst und Selbstmitleid zu verlieren. Und durch die innere Instabilität den Blick für all die schönen Dinge zu verlieren, die uns eigentlich das Leben schön machen, die uns glücklich machen und die uns auch ausmachen.

Nach meiner letzten Trennung habe ich einen Töpferkurs gemacht, und während sich die Scheibe vor mir drehte auch irgendwie selbst zu mehr innerer Ruhe gefunden. Und war so fokussiert auf die Tätigkeit, dass meine Traurigkeit wirklich eine Weile pausierte.

In der Zeit danach habe ich ganz bewusst nach Dingen gesucht, die mir wirklich Spaß machen. Die etwas in mir auslösen, meine Aufmerksamkeit ganz auf sich ziehen und meine Zeit mit Positivem füllen. Kochen, Wandern, aber auch spirituelle Themen wie Meditation oder Ätherische Öle, neue Dinge wie Fermentieren lernen oder Hula Hoop. Seit ich gemerkt habe, wie gut es mir damals tat, schöne Beschäftigungen zu finden, suche ich immer bewusster danach.

Und wenn wir schon bei wholesome Beschäftigungen sind: Sport hilft gleich doppelt und dreifach gut gegen Liebeskummer.

Zum einen lenkt er uns perfekt ab – beim Sport kann man gar nicht anders, als sich auf die Tätigkeit zu fokussieren. Gleichzeitig werden durch Bewegung wahnsinnig viele Glückshormone im Körper ausgeschüttet, was automatisch die Stimmung hebt. Und das positive Körpergefühl bringt nach und nach zusätzlich eine positive Veränderung der Gesamtstimmung.

Milena, 22

In erster Linie tut Liebeskummer unheimlich weh und man möchte diesen Schmerz einfach nur vergessen, egal wie. Hauptsache, es lenkt ab. Ich sage, es ist wichtig, seine Gefühle nicht einfach nur zu verdrängen oder in sich hinein zu fressen, sondern sie zu umarmen, um sie gehen lassen zu können. Was ich damit sagen will:

Man sollte sich zunächst mit seinen Gedanken und Gefühlen auseinandersetzen, gerne auch drei Wochen durchheulen, alles rausschreien, rausschreiben und darüber reden.

Sei so laut du kannst, denn irgendwann wirst du das Gefühl haben, dass du nicht mehr weinen kannst, dass alles von deinem Herzen geschrieben ist und wenn du etwas über Liebeskummer liest oder dich mit anderen darüber austauschst, wirst du schnell merken, dass du nicht allein bist und alles nur noch halb so schlimm ist.

Wenn du dich ausführlich mit deinem Schmerz befasst hast und du dich nur noch leer fühlst, ist es gut, diese Leere mit schönen Dingen zu füllen.

Dinge, die dich glücklich machen und dir das Gefühl von Freiheit geben, wie zum Beispiel Spazieren gehen oder Tanzen. Mach genau das, was dein Ex-Partner nicht mochte oder an dir kritisiert hat, fang wieder an, die Dinge, die dich ausmachen, zu lieben. Trag kurze Haare und das ausgefallene Kleid, gönn dir deine Lieblingssüßigkeit, sei peinlich, sei laut, sei du.

Ich merke immer dann, dass mein Liebeskummer vorbei ist, wenn aus Hass und Trauer Gleichgültigkeit wird, wenn es mich einfach nicht mehr interessiert, was die Person gerade macht und ich wieder die Lieder hören kann, die ich zuvor mit meinem Ex-Partner verbunden habe. Ich weiß, der Verflossene spielt keine Rolle mehr, wenn ich meinen eigenen Wert wieder spüre und ich mich traue, mich auf etwas Neues einzulassen ohne jemanden ständig mit ihm zu vergleichen.

Am Ende bin ich einfach nur dankbar für die Erfahrung von Liebeskummer, und dass sie mich stärker gemacht hat.

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