Watchlist: 10 gute Dokus auf Netflix – Part 1

30. November 2017 von in

Filme und Serien gehören zu meiner wichtigsten Freizeitbeschäftigung. Klingt merkwürdig, aber nicht umsonst habe ich Filmwissenschaften studiert. Ich liebe gut gemachte Filme, durchdachte Serien und ein fantastisches Drehbuch. Meine heimliche Leidenschaft – und lange ein Berufswunsch – sind jedoch Dokumentarfilme. Das Aufbauen von Spannung basierend auf Fakten ist für mich die größte Kunst. Meinungen darlegen, Subjektivität und Fiktion in einen realen Kontext bringen und somit zwar die Wahrheit, aber eben ein konstruierte erzählen, ist für mich die größte Erzählkunst. Denn natürlich sind Dokumentation zwar nicht fiktiv, aber eben auch nicht chronologisch und neutral erzählt. Und so passiert es, dass ich sonntags gerne stundenlang Dokumentationen zu den verschiedensten Themen ansehe. Ein bisschen Bildung und Allgemeinwissen mitnehme und oftmals nachgehend über das Thema recherchiere. Meine liebsten Dokumentationen zum Thema Fair Living habe ich euch hier vorgestellt, deswegen fehlen diese in meiner neuen Aufstellung. Heute gibts Part 1 meiner liebsten Netflix-Dokumentationen!

 

The Story of Diana

Spätestens seit diese Woche Prinz Harry und Meghan Markle ihre Verlobung öffentlich gemacht haben, ist es an der Zeit, sich nochmal die britische Königsfamilie anzusehen. Zumindest für Royal-Fans wie mich. Aber auch für alle anderen ist die Dokumentation über Princess Diana sehenswert. Sie erzählt die Geschichte der Frau, die mit 19 in den Buckingham Palace zog, zwei Kinder mit einem Mann bekam, der sie nicht liebte, die eine Trennung unter den Augen der Öffentlichkeit durchlebte, sich für die Schwachen der Gesellschaft einsetzte und bei einem schrecklichen Unfall in Paris ums Leben kam. Weggefährten, Familie und Presse kommen zu Wort. Sie alle zeichnen ein spannendes, nicht zweifelsfreies Leben nach.

Sehenswert, weil: die Dokumentation auch das Verhältnis von Prominenten und Presse durchleuchtet. Sie aufzeigt, was ein Sellout des Lebens bedeuten kann und wie schnell die Grenzen für beide Seiten verschwimmen.

Blackfish

Jedes Jahr rennen Tausende von Menschen in die beliebten Aqua-Parks von Sea World und Co. Für mich war immer klar: Wenn ich Wale sehe, nur in der freien Natur. Also flog ich nach Island, zwang mich auf das stürmische Meer und erfüllte mir meinen Traum, Wale zu sehen. Nicht der Wal muss in mein Habitat, sondern andersrum. Welche Folgen es hat, wenn man diese allmächtigen Tiere in einen kleinen Pool einsperrt, was für ein Verbrechen man an jenen familienorientierten Tieren begeht, sollte man definitiv gesehen haben. Damit immer weniger Menschen diese Vorstellungen besuchen.

Sehenswert, weil: niemand von uns eingesperrt sein möchte – und wir es dennoch immer wieder mit Tieren tun. Blackfish hat mich zutiefst bewegt – vielleicht weil ich Wale immer mochte, vielleicht aber auch, weil die Doku aufzeigt, wie selbstsüchtig der Mensch sein kann.

Making a murderer

Die vielleicht bekannteste Doku aus dem Hause Netflix – und wahrlich eine anstrengende. Man muss die ersten Episoden überstehen, denn sie ist manchmal trocken, sehr gesetzeslastig und langwierig. Dennoch finde ich die Reportage um Steven Avery aus Wisconsin spannend. Der Schrotthändler saß 18 Jahre lang unschuldig im Gefängnis. 2003 wurde er aus der Haft entlassen und verklagte den Bundesstaat auf Schadensersatz. Kurz darauf wird er lebenslänglich für den Mord an einer 25-jährigen Reporterin verurteilt. Avery beteuert seine Unschuld. Ist er der Mörder? Oder wurde der unangenehme Kläger vom Staat aus dem Weg geräumt? Auch bleibt die Frage, wie Rechtsstaatlichkeit in den USA funktioniert, und inwiefern das Jury-System samt medialer Pressebegleitung für jene Prozesse fatal ist.

Sehenswert, weil: die über zehn Jahre laufende Dokumentation aufzeigt, wie schwierig es ist, Verbrechen eindeutig aufzuklären und was für fragwürdige Verhörmethoden die amerikanische Polizei benutzt.

The Confession Tapes

The Confession Tapes ist eine mehrteilige Dokumentation über Verbrechen, in denen die Verurteilten alle gestanden haben – und dennoch Restzweifel bleiben. Es ist bewiesen, dass basierend auf widrigen Verhörmethoden, merkwürdigen Zeugenaussagen und ständiger Ausfragerei immer wieder Menschen Dinge gestehen, die sie nicht getan haben. Wer ungelöste bzw. spannende Verbrechen mag, sich mit Rechtssystemen auseinandersetzt und die Wirkung und Ursache von Medien und Sympathie bei Prozessen näher kennenlernen will, ist hier genau richtig.

Sehenswert, weil: niemand von uns zu 100 Prozent schwören kann, dass man vielleicht nicht doch unter Stress und Panik irgendwann Dinge gestehen würde, die man vielleicht nicht getan hat. Oder vielleicht nicht? Diese spannende Frage ist Dreh- und Angelpunkt der Reihe.

Amanda Knox

Es tut mir leid, ich bin Kriminalfan – deswegen noch eine dritte Dokumentation um ein bekanntes Verbrechen, die ihr ansehen solltet: Amanda Knox. Die amerikanische Studentin wurde verdächtigt, ihre Mitbewohnerin aus England im italienischen Perugia bei einem Sexspiel mit zwei anderen Männern getötet zu haben. In erster Instanz wurde sie verurteilt, in der zweiten Instanz nach einem monatelangen Berufungsprozess freigesprochen. Amanda Knox reiste nach dem Freispruch sofort aus und lebt heute in Seattle. Auch ihr damaliger Freund wurde freigesprochen, nur der dritte Beteiligte wurde in einem losgelösten Verfahren zu 16 Jahren Haft verurteilt. Seine Schilderungen ließen jedoch Zweifel offen. Bis heute gibt es Zweifel am Mord von Meredith Kercher.

Sehenswert, weil: wenn Amanda Knox selbst in der Dokumentation sagt: Ich könnte unschuldig sein, oder aber eine Mörderin. Entweder ich bin das Opfer – oder eine verdammt gute Lügnerin. War sie? War sies nicht?

Hot girls wanted: Turned On

Die mehrteilige Dokumentation gibt einen Einblick in die Pornographie- und Liebeswelt im 21. Jahrhundert. Sie erzählt von dem Wandel der Pornographie, zur digitalen Vermarktung von Prostituierten, vom Tinder-Wahnsinn und was für ein Riesen-Geschäft diese noch immer unter Verschluss gehaltene Branche ist.

Sehenswert, weil: die Dokumentation einen Einblick in eine fremde Welt gibt, deren Ausläufer wir vielleicht nur im Dating mitbekommen. Und man Erika Lust auch nochmal in Action sieht.

I am Jane Doe

Wer Turned On gesehen hat, kann gleich noch die – zugegebenermaßen – etwas trockenere, aber dennoch wichtige Dokumentation Jane Doe ansehen. Sie erzählt, wie junge Mädchen von Zuhältern auf Internetseiten als Prostituierte angeboten werden. Wie ihr Leben zerstört wird, weil sie sich in sogenannte Loverboys verliebt haben – und wie die Webseiten an jenem Angebot mitverdienen. Dass der Mitverdienst wichtiger als der Schutz Minderjähriger ist.

Sehenswert, weil: die Dokumentation aufzeigt, dass Webseiten, auf denen Inhalte gepostet werden, gerne aus der Verantwortung ziehen. Auch soziale Medien wie Facebook und Instagram sprechen sich gerne davon frei – jedoch: Wenn ich eine Plattform für Illegalität anbiete, mache ich mich möglicherweise mitschuldig, oder?

Darknet

Wir alle sind ständig online, doch diese unbekannte Seite des Internets sehen wir nur selten: das Darknet. Netflix wirft in dieser mehrteiligen Dokumentation einen Blick in diese Welt, in der neben normalen Dingen auch Drogenhandel, Waffen und viele andere fürchterliche illegale Dinge stattfinden. Eine runde Serie um unsere Cyberwelt – und ihre Schattenseiten.

Sehenswert, weil: sie die Cyberwelt von allen Seiten beleuchtet und auch die Gefahren aufzeigt.

Gaga – Five Foot Two

Ich war nie Lady Gaga Fan, und dann sah ich die Dokumentation und hegte plötzlich wahnsinnige Sympathie für diese Frau. 30 Millionen verkaufte Platten, alles erreicht – und trotzdem unglücklich. Lady Gaga zeigt sich in dieser Dokumentation so nah wie. Sie weint viel. Sie hat Schmerzen. Sie ist traurig, berührt, melancholisch aber auch glücklich. Sie liebt Musik, aber noch mehr liebt sie Menschen. Ihre Sehnsucht nach Liebe ist fast durch den Bildschirm zu spüren. Mich hat diese Dokumentation tief berührt, und so dankbar zurückgelassen.

Sehenswert, weil: Geld und Ruhm nicht glücklich machen. Wer das glaubt, muss nur Gaga zuhören, wie sie sagt: „Als ich 30 Millionen Platten verkauft, verlor ich Matt. Alle fassen mich an, aber jede Nacht bin ich allein.“ Alles hat seinen Preis.


Audrie & Daisy

Manchmal bin ich froh, dass es zu meiner Schulzeit noch kein Internet und soziale Medien gab. Leicht war es auch damals für so manchen schon nicht. Heute erfolgt die Steigerung über Cybermobbing. Welche Folgen Mobbing und üble Nachrede unter Schülern haben kann, erzählt die Dokumentation „Audrie & Daisy“ sehr eindringlich. Während Daisy einen Weg aus dem Mobbing fand, sah Audrie nur einen Ausweg: Als Fotos von ihr auftauchten, nachdem sie von Jungs sexuell missbraucht worden war, brachte sie sich um.

Sehenswert, weil: die Dokumentation zehnmal besser ist als „13 Reasons why“.

Franca – Chaos and Creation

Und jetzt noch eine Dokumentation für alle Modefans: Der Sohn von Franca Sozzani erzählt die Lebensgeschichte seiner Mutter, der ehemaligen Chefredakteurin der italienischen Vogue und Modeprovakateurin. Ein spannendes Bild einer spannenden Frau, die vor einem Jahr ihrem Krebsleiden erlag.

Sehenswert, weil: es ein sehr persönliches Portrait eines Sohnes zu seiner Mutter ist.

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