Kolumne: Eine Woche für die Mode

18. Januar 2014 von in

Die Fashion Week Berlin gilt immer noch als die nicht wahre Modewoche. Im Vergleich zu New York, Paris oder Mailand sei sie klein, deutsche Designer nicht wirklich hochwertig und das beste an der ganzen Woche seien die Partys. Dass eine Modewoche wachsen muss, dass Designer sich ausprobieren müssen und es eben doch Juwelen gibt (beispielsweise Kaviar Gauche oder die Newcomer Achtland) wird schnell vergessen. Genauso wie, dass die tollen Partys nur aus einem Grund statt finden: wegen der Mode, der Kollektionen und Designer.

Natürlich hat Paris Chanel, London Burberry und New York die Stars. Und natürlich tauchen zwischen Kaviar Gauche, Lala Berlin und Achtland hin und wieder auch vermeintlich unhippe Designer wie Guido Maria Kretschmar oder Anja Gockel auf. Aber wetten, dass die großen Fashion Weeks diese nicht auch haben? Nur motzt in den anderen Metropolen niemand drüber. Da wird Mode geguckt. Und sich gefreut, gelästert und gestaunt – über die neuen Kollektionen, den Streetstyle-Zirkus und Designer-Newcomer.

Schließlich ist die Modewoche in erster Linie eines: eine Woche, um sich die neuen Kollektionen der Designer anzusehen, um Netzwerke auszubauen und vor allem zu ordern – für Messen, Läden und Shootings. Die Partys drumherum sind eigentlich nur eine Begleiterscheinung – für das Networking, für das Get-together am Abend, um nicht allein im Hotelzimmer zu hocken. Die Fashion Week ist ein Branchentreffen.

Wer zum ersten Mal eine Modewoche besucht, mag enttäuscht sein: Von der großen weiten Glamourwelt ist nur wenig zu spüren – wer Mode liebt, wird es trotzdem genießen. Schließlich liegt ein gewisser Zauber auf den neuen Kollektionen, der Spannung, bevor die Show losgeht. Trotzdem ist es hier – wie bei der Arbeit am roten Teppich: mehr Schein als Sein. Nach der Show wird alles schnell umgebaut, die Volonteers, die hauptsächlich umsonst arbeiten (was in der Modebranche leider keine Seltenheit ist), helfen wo es geht, um Teil der Fashion Week zu sein, die Stars in der ersten Reihe sitzen da, um fotografiert zu werden (ja, viele lieben auch die Mode, mancher will aber auch nur Publicity) und die Modejournalisten hetzen weiter zu Interviews, zu den Modemessen Premium, Seek und Bread and Butter. Zeit für ein Glas Champagner vor den Fotografen haben nur die wenigsten. Die, deren Arbeit nicht Mode heißt, die, die das Rampenlicht suchen, und die, die Partys dem eigentlichen Grund einer Modewoche vorziehen. Aber auch hier soll gesagt sein: Das ist in Berlin so – und in Mailand, Paris, London und New York auch.

Die Fashion Week in Berlin ist vielleicht nicht groß, aber das ist die Modewoche in Stockholm oder Kopenhagen auch nicht. Noch haben wir vielleicht die hippen Designer wie Wood Wood und Stine Goya nicht, aber wir haben Modenachwuchs, der was kann. Die Süddeutsche Zeitung schrieb diese Woche: „Nach dem Absprung renommierter Marken wie Hugo Boss und Escada ist die Fashion Week in Berlin vor allem eine Plattform für den Nachwuchs.“ Berlin ist aufstrebend. Mode etabliert sich nicht von heute auf morgen. Labels, die heute hip sind, sind es übermorgen nicht mehr.

Jil Sander, Karl Lagerfeld für Chanel, Kaviar Gauche, Perret Schaad, Lala Berlin, Vladimir Karaleev, Hien Le und nicht zuletzt Achtland sind die Designer, die für deutsche Mode stehen. Sie stehen für das Mode-Deutschland, für neue, innovative Mode made in Germany. Die auch international was kann. Für die es sich lohnt, die ein oder andere Fashion Week Party früher zu verlassen, um am nächsten Morgen im Getümmel vor dem Zelt am Brandenburger Tor zu stehen. Zwischen Fotokameras, Redakteuren und Paradiesvögeln. Voller Spannung auf die nächste Show.

Photocredit: Journelles.de

Alle unsere Kolumnen findet ihr hier auf einen Blick.

Facebook // Bloglovin // Instagram // Twitter

Sharing is caring

4 Antworten zu “Kolumne: Eine Woche für die Mode”

  1. Leider ist es oft sehr einfach, etwas abzuurteilen, dabei bin ich mir sicher, dass die Designer, die noch nicht das Image und Ansehen der ganz großen Labels haben, mindestens genauso viel Arbeit und Herzblut in ihre Kollektionen stecken wie diejenigen, die auf den großen Fashion Weeks ausstellen. Und nicht nur das, sehr oft bin ich von den Resultaten der kleineren Designer regelrecht begeistert, wie beispielsweise die neue Kollektion von Lala Berlin.

    http://www.dressedwithsoul.blogspot.de

  2. Ein toller Text! Ich interessiere mich wahnsinnig für Mode und war fast schon ein bisschen traurig, dass auf so vielen Blogs negativ über die Berliner Modewoche gesprochen wurde. Ich finde gerade deutsche Blogger sollten sich nicht darüber beklagen, dass Berlin nicht so viel zu bieten hat wie New York/London/Mailand/Paris sondern sich dafür engagieren, dass aus der Berlin Fashionweek auch irgendwann mal etwas Großes wird – denn das Potential ist auf jeden Fall vorhanden!!!

    Liebste Grüße
    Anna

    P.S. Bei der Aufzählung hat mir persönlich MalaikaRaiss gefehlt. Ihre Herbst/Winter Kollektion hat mich umgehauen! ;)

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars bestätigst Du, dass Du unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen hast.