Was uns im Lockdown wirklich hilft: 7 Tipps von Annalena Thomas

21. Januar 2021 von in

Ein Ende des Lockdowns ist noch immer nicht in Sicht. Zwar verkündete diese Woche Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit den Ministerpräsidenten , den Lockdown vorerst nur bis zum 14. Februar zu verlängern. Doch wenn wir ehrlich sind: Ob wir dann alle zurück zur Normalität gehen, ist zum jetzigen Zeitpunkt mehr als unklar. Auch wenn die Zahlen sinken, sich der solidarische Verzicht und das Runterfahren bezahlt machen, nagt der momentane Zustand der Unsicherheit an uns allen.

Selbst ich, die sehr gut alleine klarkommt, für die Homeoffice schon vor der Pandemie ein Thema war, merkt langsam, es geht an die Substanz. Der Input von außen, sei es durch Treffen mit Freund*innen, der Restaurantbesuch oder einfach mal ins Theater, fehlt. Meine Tage verschwimmen ineinander, nichts Neues passiert und ich wünsche mir nur eines: Frühling und ein bisschen mehr Normalität zurück.

Doch wie kommt man durch diese schwierige Zeit, ohne komplett durchzudrehen? Denn schwer ist sie für jeden von uns. Für die, die um ihre Existenz bangen, für Eltern mit Kindern, für ältere Menschen, die allein zu Hause sind, genauso wie für Singles und Paare. Jeder muss lernen, mit dieser herausfordernden Situation umzugehen.

Also habe ich die approbierte Kinder-und Jugendpsychotherapeutin Annalena Thomas gefragt, was hilft einem wirklich in so einer Situation? „Loslassen und menschlich sein“, sagt die 33-Jährige, die auch gelernte Yogalehrerin ist. Doch was bedeutet das? Die Gründerin der Plattform @blossoomm_girls ist überzeugt davon, dass es wichtig ist, sich in dieser Lockdown-Situation einzugestehen, dass wir nicht jeden Tag zu 100% performen können. Diese Pandemie fordert uns.

Wie wir besser und vor allem gut als Menschen diese Situation meistern können, verrät uns Annalena. Hier kommen ihre 7 Tipps für den Lockdown:

1. Erwarte nicht, alles alleine schaffen zu müssen!

Wir sind als Menschen nicht als „Mensch allein“ gedacht oder gemacht, sondern eben als Gemeinschaft. Viele von uns kennen den Gedanken, „das muss ich doch schaffen“ und entwickeln dabei die Idee, alles auch alleine zu schaffen. Die wenigsten fragen nach Unterstützung – und wenn oft nur mit Schamgefühlen. Momentan leben jedoch viele Menschen alleine und müssen dadurch auch viel zu viel im Alltag alleine bewältigen. Doch niemand muss das Leben alleine meistern. Greift zum Hörer, ruft Freund*innen und Familie an und gebt Bescheid, dass es euch gerade nicht gut geht. Lernt, offen und liebevoll zuzuhören und euch virtuell zu umarmen. Außerdem ist es völlig okay, sich auch professionelle Hilfe zu holen. All das ist wichtig und ur-menschlich und wirklich nichts, wofür wir uns schämen sollten.

Niemand muss das Leben alleine meistern. Greift zum Hörer, ruft Freund*innen und Familie an und gebt Bescheid, dass es euch gerade nicht gut geht.

2. Alle deine Bedürfnisse und Gefühle sind erlaubt und okay. Du darfst lernen, sie ohne Schuld- und Schamgefühle zu haben!

Wir alle kennen dieses Phänomen,  eigene Bedürfnisse und Gefühle schnell zu regulieren und manche sogar ziemlich lange unterdrücken zu können. Gerade in dieser schwierigen Zeit ist unsere Selbstregulationsfähigkeit überlebensnotwendig. Im Laufe unseres Lebens lernen viele Menschen, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu unterdrücken, anstatt sie wohltuend zu regulieren. Lieber einmal weniger fühlen, als schwach zu gelten. Die Folge: Wir „vergessen“, dass alle Gefühle und Bedürfnisse an sich immer erst einmal völlig okay und gleichwertig sind.
Wenn wir uns eingestehen, unsere Bedürfnisse haben zu dürfen, lernen wir ebenfalls, dass nicht alle unsere Bedürfnisse sofort befriedigt werden können oder müssen. Das Anerkennen allein reguliert schon unsere Bedürfnisse im positiven Sinne.  Ein Beispiel, wie ein solcher innerer Dialog aussehen kann: „Ich bin heute sehr erschöpft, ich brauche mehr Schlaf, ich bin ohne Motivation. Ich verspreche mir, dass ich heute weniger von mir auf der Arbeit erwarten werde. Es ist okay, dass ich bedürftig bin, ich bin ein Mensch.“ Das Bedürfnis, Schlaf zu bekommen, ist in diesem Beispiel gerade nicht möglich, aber in dem man liebevoll seine Bedürfnisse erkennt und gnädiger zu sich ist, vielleicht auch einen Gang herunterschaltet, ist schon viel gewonnen.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von blossoomm | inspiriert Girls (@blossoomm_girls)

3. Lerne deine Bedürfnisse und Skills kennen!

Brauchst du gerade mehr Struktur? Brauchst du Regelmäßigkeit im Alltag? Brauchst du gerade mehr Freiraum? Brauchst du mehr telefonische Kontakte oder mehr Zeit für dich? Brauchst du mehr Natur in deinem Alltag? Brauchst du weniger Sport?
Was brauchst du gerade, um dich wohler und sicherer zu fühlen?  Lerne regelmäßig am Tag bei dir kurz nachzufragen und kleine Alltagsdinge für deine Selbstregulation unkompliziert in deinen Alltag zu integrieren. Vieles wirst du unbewusst schon machen. Das Bewusstsein darüber kann dein Selbstwirksamkeitsgefühl und dadurch dein Gefühl von Sicherheit und Selbstvertrauen stärken.

4. Lege dir ab und an eine Hand auf deinen Körper, egal wohin, und atme tief durch!

Uns allen fehlt gerade Körperlichkeit. Viele von uns fühlen sich zunehmend einsamer und sind unsicher, was die kommenden Monate betrifft. Wann werde ich wieder meine Liebsten umarmen? Du selbst kannst dir auch ab und an Nähe schenken und so eine Verbundenheit mit dir selbst herstellen. Wie das funktioniert? Zum Beispiel beruhigt uns das Geräusch unseres Atems. Mit dem Atemgeräusch und deiner bewussten Ausatmung aktivierst du deinen Parasympathikus, der für Entspannung und Erholung im Nervensystem zuständig ist und dich damit auch seelisch und mental beruhigt. Atme einfach öfter tief ein und aus. Für Körperkontakt gilt selbiges – also auch deine Hände können Abhilfe bei Einsamkeit schaffen. Berühre dich, spüre dich. Übrigens: Auch Masturbation kann helfen.

Berühre dich, spüre dich.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von blossoomm | inspiriert Girls (@blossoomm_girls)

5. Gib deinen Ängsten Raum und begrenze sie dadurch!

Meistens lernen wir nicht nur unzählige Bedürfnisse am Tag zu unterdrücken, sondern auch Ängste und Sorgen. Eine dauerhafte Unterdrückung von Ängsten und Sorgen führt seelisch jedoch dazu, dass sie stärker und irgendwann „lauter“ werden können. Stell dir einfach vor, wie du versuchst, einen Wasserball mit Anstrengung dauerhaft unter der Wasseroberfläche zu halten . Das ist erschöpfend, und der Widerstand wird größer. Ein für dich sicheres und zeitlich begrenztes Ritual, um deine Ängste und Sorgen „anzuschauen“, kann dir dabei helfen, dass diese nicht größer werden. Setzt dich an an einem festen Tag 15 Minuten lang an einen Lieblingsplatz mit Tee und Musik und widme dich deinen Ängste. So kannst du sie aktiv zur Seite legen. Feste Rituale und das Loslassen von Ängsten zu üben, kann helfen,  dass sich Ängste und Sorgen nicht ständig in Gedanken oder im Körper zu Wort melden.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von blossoomm | inspiriert Girls (@blossoomm_girls)

6. Sei stolz auf dich und sage dir und anderen das immer wieder!

Du schaffst gerade Unglaubliches. Diese Pandemie ist ätzend, anstrengend, verunsichernd, alles in Frage stellend, lang, unsicher und triggert permanent unsere Ur-Ängste in uns. Zeitgleich arbeitest, lernst und gestaltest du noch und bist Freund*in, Familienmitglied, Ansprechpartner*in für alle. Erlaube dir gerade viel medienfreie Zeit, viel Schönes, viel Liebevolles und mache dir außerdem immer wieder bewusst, was du die letzten Monate und unter Umständen auch schon viel länger aushältst. Was du jeden Tag aufs Neue bewältigst, gestaltest und löst! Das ist viel mehr, als dir bewusst ist. Erinnere dich und deine Lieben proaktiv daran.

Was du jeden Tag aufs Neue bewältigst, gestaltest und löst! Das ist viel mehr, als dir bewusst ist. Erinnere dich und deine Lieben proaktiv daran.

7. Und last but not least: mein Super-Boost, um kurz und effektiv loszulassen!

Mach dir deine liebste Musik an und schüttel einfach kurz und unkontrolliert ohne bewusste Bewegung deine Arme, die Beine, deinen Kopf und den ganzen Körper. Klopfe dann deinen Körper anschließend von Kopf bis Fuß, Vorder- und Rückseite ab und spüre im Anschluss einen Moment nach (manchmal bitzelt dann der Körper). Atme dann zwei- bis dreimal tief durch die Nase ein und durch geöffnete Lippen seufzend aus. Lege deine Handflächen anschließend aneinander und reibe sie, bis Wärme entsteht. Lege deine angewärmten Hände auf dein Gesicht und taste es liebevoll ab. Dann taste deinen Kiefer ab und löse ihn bewusst, weiter geht es zum Hals und Kehlkopf und streife dann über deine Schultern, Arme und Hände. Fertig – lasse los!

 

Sharing is caring

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars bestätigst Du, dass Du unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen hast.