Warum München die Lothringer13 braucht – ein Gespräch mit Dana Weschke

30. Oktober 2014 von in

München hat eine riesige Kulturlandschaft. Neben Blockbustern wie dem Haus der Kunst, der Pinakothek der Moderne oder dem Museum Brandhorst gibt es jede Menge kommerzieller Galerien. Aber Off-Spaces wie das Puerto Giesing oder temporäre Locations sind Mangelware. Das liegt mitunter an den hohen Mieten, an der Not an Wohnraum und den vielen Luxussanierungen. Ein Lichtblick in der Kunstszene ist hier die Lothringer13. Eine Location im Herzen Münchens, ein Anlaufpunkt für Künstler, eine Plattform für Kunst-, Medien- und Kulturinteressierte.

Seit diesem Sommer ist die 26-jährige Dana Weschke gemeinsam mit dem Fotografen Jörg Koopmann die leitende Hand in der Lothringer13. Gemeinsam mit dem 20 Jahre älteren Künstler hat sie das Konzept der Lothringer auf den Kopf gestellt. Herausgekommen ist eine moderne Kunsthalle für zeitgenössische Kunst sowie ein Anlaufpunkt für alle, die eine Plattform für zeitgenössische Kunst in München suchen. Seit den 90er-Jahren gibt es in der Lothringer13 ein kuratorisches Wechselsystem, alle drei bis fünf Jahre gibt es neuen Input. Jetzt sind Dana Weschke und Jörg Koopmann dran. Die Idee der beiden: „Wir wollten nicht unbedingt eine Rechtfertigung liefern, warum wir beide für die Lothringer13 in Frage kommen, sondern warum München die Lothringer13 braucht. Was sie sein kann, was sie berechtigt in der Kulturlandschaft zu positionieren.“ Dana wurde für das Projekt angefragt, mit Jörg Koopmann hatte sie zuvor nie gearbeit. „Wir konnten für die Bewerbung gar keine detaillierten Aussagen zum inhaltlichen Ausstellungsprogramm machen, schließlich mussten wir uns auch erstmal kennenlernen.“ .“ Also lieferten die beiden ein Konzept für die grundsätzliche Positionierung und Wiederbelebung der Lothringer  in München. “Ausstellungsräume zwischen großer Institution mit Sammlung und unabhängigem Off-Space mangelt es in München, ist aber für die Szene sehr wichtig“, so Dana. Der Stadt Münchens gefiels – und das Duo bekam den Zuschlag.

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Von heute auf morgen war Dana also Kuratorin der Lothringer. Ihr Kunstgeschichtsstudium legte sie dafür erstmal auf Eis. Doch die Münchnerin ist nicht zufällig in der Kunstszene gelandet. Bereits mit 16 Jahren besuchte sie regelmäßig ihre Schwester nach der Schule, die in einer Galerie arbeitete .Zeitgenössische Kunst wurde ihre Leidenschaft. „Relativ schnell war ich mit einer internationalen, großdimensionierten Kunstszene vertraut. Da habe ich gewusst, was ich später machen will“, erzählt Dana. Im Rückblick sagt sie: „Es war pures Glück, dass ich früh gefunden habe, was ich machen will.“ Mit dem Ziel, später mit und in der Kunst zu arbeiten, beginnt sie also das Kunstgeschichtsstudium.

„Was schade ist, dass dir im Studium so reingepresst wird, nach dem Motto: Denk gar nicht dran, selbstständig zu werden. Wenn du Glück hast, landest du in der Öffentlichkeits-Abteilung eines Museums oder als sogennante “Gallerina”. Und dann wird dir noch vorgelebt, dass alle Professoren Männer sind. Ganz abgesehen vom verschulten System. Natürlich hat mir das Studium eine Basis gegeben, trotzdem habe ich mir gedacht, ich muss selber sehen, was  ich mache – unabhängig vom Studium.“ Nach einem ersten Kellnerjob entschließt sie sich, nur noch Jobs zu machen, die sie inhaltlich weiterbringen. Zuerst geht sie in die journalistische Richtung, arbeitet bei Magazinen und Zeitungen. „Das hat mir auch viel Spaß gemacht, aber ich wollte doch auch ausführlicher und auf einem anderen Niveau über Kunst schreiben.“ Die Entscheidung zur Selbstständigkeit und dem Autorendasein fällt nicht bewusst. Nach und nach wird die 26-Jährige immer wieder für Texte von Künstlern und Institutionen angefragt. Bis sie davon leben kann – und das Angebot zur Lothringer13 kommt.

Heute ist Dana Autorin und Kuratorin, mit 26. Da stellt sich oft die Frage: eine so junge Kuratorin? Dana ärgert diese Frage. „Ich arbeite so viel. War mein Alter vorher kein Thema, ist es das seit der Lothringer13 immer wieder. Mir ist es im Grunde egal, wie alt ich bin, genauso wie es mir egal ist, wie alt die Leute sind, mit denen ich arbeite.“ Die Qualität der Arbeit stehe im Vordergrund – egal ob man 20, 30 oder 40 Jahre alt ist. „Es gibt einfach verschiedene Biographien“, sagt Dana. Mancher macht Abi, geht dann ins Ausland, weiß aber nicht, was er will. Studiert dann, bricht etwas ab und findet dann erst mit Mitte 30 seinen Traumjob. „Ich hatte einfach nur das Glück, dass ich mit 16 schon wusste, was mich am meisten interessiert.“

Ihren Abschluss will sie aber trotzdem noch nachholen. “Ich weiß einfach, dass wenn ich mich einmal in einer Institution bewerben will, ein Hochschulabschluss Mindestvoraussetzung ist. Da kann ich vorher gemacht und geleitet haben, was ich will.” Außerdem hätte sie totale Lust die Magisterarbeit und Doktorarbeit irgendwann zu schreiben. “Ich habe so kurz vor der Abgabe abgebrochen, dabei ist schreiben ja genau die Sache, die mir am meisten liegt.”

Genauso wie Dana Mode mag. „Mode verfolgt mich. Man sieht es mir auch an, denke ich, manchmal mehr, manchmal weniger.“ Mode kann ihrer Meinung nach auch Kunst sein, ist es im Normalfall aber nicht. „Auf dem Niveau, wo Mode Kunst sein kann, sie aber nicht mehr tragbar ist, ist es nicht mehr Mode, sondern Kunst.“ Hin und wieder schreibt Dana  auch über Mode – sowohl im Kunstbereich als auch für Magazine. Zwei ihrer engen Freundinnen sind erfolgreiche Designerinnen – die Münchnerin Ayzit Bostan und Alex Molto Ka, Gründerin von ECID. Privat achtet sie darauf, was sie trägt, aber nicht mehr, was andere womöglich darüber denken. „Früher war mir das sehr wichtig, weil ich ja in die journalistische Richtung gehen und ernstgenommen werden wollte. Ich wollte durch meine Outfitauswahl nicht von meiner Arbeit ablenken oder Klischees heraufbeschwören.“ Mittlerweile hat sie die Freiheit, anzuziehen, was sie will. „Irgendwie gehört die Mode auch zu mir. Dass ich aussehe, wie ich aussehe.“ Der pragmatische Blick auf die Mode bleibt aber: „Ich ziehe nur hohe Schuhe an, wenn ich mit denen auch alles machen kann – und wenn ich auf eine hohe Leiter steigen muss.“

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Ab Dezember zieht es die 26-Jährige für drei bis vier Monate nach Warschau – alle zwei Wochen will sie für die Lothringer13 nach München pendeln. Schließlich wartet eine neue Ausstellung auf das Kuratorenduo. Nach The Elephant Test, die erste Ausstellung der beiden in der Location, werden derzeit die Arbeiten der nominierten Künstler für den Förderpreis der Landeshauptstadt München ausgestellt, bevor neue Werke ab Mitte Dezember in die Halle einziehen. Neben der Ausstellungshalle gibt es zusätzlich den Rroom. Ein Raum zum Arbeiten, Reden, Kaffee trinken, Lesen. Ein Treffpunkt für Künstler, Besucher und alles und jeden. Auf Bücherwänden liegen die Buchempfehlungen der Künstler und Kuratoren aus. Persönliche Buchempfehlungen mal anders. „Die Verlage stellen uns die Bücher auf Kommission zur Verfügung – der Besucher kann quasi in die Bücher hineinschnuppern und sie gerne auch kaufen.“ Auch jede Menge Magazine liegen aus. Das gesamte Interieur wurde extra für die Lothringer13 von zwei jungen Designern entworfen.  Jeden zweiten Montag gibt es hier den Rroommonday. Künstler, Filmschaffende und Autoren  präsentieren Themen, sprechen über ihre Arbeiten und Werke. Wichtig sei es Dana Weschke und Jörg Koopmann gewesen, dass die Lothringer13 kein Hype-Ort werde. „Wir wollten nicht, dass jeder einmal zur Eröffnung kommt, um sagen zu können, wir waren auch da.“ Viel mehr soll die Halle ein Ort für Austausch werden, eine Plattform in München. Das scheint gelungen: Neben den Ausstellungen sind die Rroommondays jedes Mal voll. „Wir haben mittlerweile ein Stammpublikum, aber auch immer wieder neue Gäste. Das freut uns riesig.“

Die Lothringer13 ist von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Dann ist auch der rroom geöffnet, hier gibt es Kaffees, jede Menge Magazine und Bücher zum Lesen.  Jeden zweiten Montag gibt es den Rroommonday!  Mehr Infos zur Halle und Lage findet ihr hier!

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