München: Hermann Landshoff im Fotografiemuseum

28. Februar 2014 von in

Erst fotografierte er die Münchner Künstler- und Intellektuellenszene der 20er- und frühen 30er-Jahre, dann wurde er in Amerika zum Modefotografen für Harpers Bazaar, Junior Bazaar oder Mademoiselle. Hermann Landshoff ist eine Schlüsselfigur in der Fotografie des 20. Jahrhunderts, doch sein Name taucht nur selten auf. Das Münchner Fotografiemuseum im Stadtmuseum widmet ihm gerade eine Ausstellung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Große Namen wie Richard Avedon ließen sich von Landshoff sowohl inspirieren als auch fotografieren. „I owe everything to Landshoff“ ist ein Zitat von Avedon, der in mehreren Portraits auch in der Ausstellung zu sehen ist. Aber nicht nur er, die von Landshoff Fotografierten sind wie eine Aufzählung der intellektuellen High Society der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Da steht Einstein in seinem Arbeitszimmer, Charles und mit seiner Frau Ray Eames im Garten, Max Ernst im Wohnzimmer von Peggy Guggenheim oder André Breton neben Marcel Duchamp. In einer Reihe von 70 Portraits hatte Landshoff die wichtigsten Fotografen der Zeit vor seiner Linse, von Walker Evans, Alfred Stieglitz, Berenice Abbott, Irving Penn bis zu Richard Avedon.

Landshoff ist einer der vielen, der in den 30er-Jahren nach Amerika emigrierte. Dort angekommen dokumentierte er das Straßenleben in New York, erst in schwarzweiß, in den 60er-Jahren dann auch in Farbe. Aber besonders seine Modefotografien sind mein Highlight: Er stellt die Models in Alltagssituationen dar, in Bewegung auf dem Fahrrad oder mit Tennisbällen auf dem Sportplatz. Auch surrealistische Kunstszenen bringt er mit Editorialshootings unter einen Hut, fotografiert zum Beispiel ein Model beim Betrachten von Marcel Duchamps Installation „Großes Glas“.

Die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum zeigt alle Facetten Landshoffs, der einen genaueren Blick wert ist. Für mich verbindet er mehrere meiner liebsten Strömungen: frühe Modefotografie, Zeitgenossenportraits und Straßenfotografie. Bis 21. April ist die Ausstellung noch zu sehen.

Alle Bilder: Münchner Stadtmuseum

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