Video: Take my Picture

11. März 2013 von in

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich vor 3 oder 4 Jahren mit einem guten Freund von mir über Szenen sprach. Schon damals sagte ich: Ich liebe Mode, aber ich hasse die Modeszene.

Und je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass nicht nur ich so denke. Besonders hervorgehoben wurde mein Gedanke von Suzy Menkes Kommentar „Circus of Fashion“, in welchem sie den Modezirkus auf den Fashion Weeks kritisiert und – wie sollte es auch anders sein – vor allem die Blogger als Negativbeispiel betitelt. Natürlich reagierten viele Blogger auf den Artikel. Überraschend viele stimmten Suzy Menkes in einigen Punkten mit ihrer enormen Kritik zu, was mich überraschte. Sind Blogger wirklich so verständnisvoll? Oder ist es einfach, der Modekritikerin in den Punkten zuzustimmen, in dem man sich selbst, auch wenn man vielleicht ebenso angesprochen wurde, raus nimmt? Oft habe ich Sätze gelesen wie: „Es stimmt, dass sich viele Blogger kaufen lassen und ihren eigenen Stil, also die ursprüngliche Individualität des Bloggers, verlieren.“ Also distanziert – es wurde in den seltensten Fällen die eigene Schuldzuweisung erkannt.

Zu diesem momentan sehr präsenten Thema in der Blogosphäre und Modewelt kam vor zwei Tagen eine weitere Antwort im Videoformat vom Garage Mag auf, in dem sich wieder ein mal zum Thema „bunter Modezirkus“ ausgelassen wird. Es werden wunderschöne Szenen aus den 80ern von Kate Moss gezeigt, wie sie im Backstagebereich gelangweilt an ihrer Zigarette zieht. Zeiten, die so manch Urgestein in der Modebranche wieder haben möchte. Ich frage mich nur, ob es darum geht, dass wieder „wahre Fachleute“ auf die Fashion Weeks sollen, oder ob sich die selbsternannten „Fachleute“ gerne wieder auf dem obersten Podest sehen möchten. Ohne dass ihnen dieser Platz von der bunten Bloggerszene streitig gemacht wird.

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Es sind jedoch nicht nur Blogger, die das „Be a Streetstyle Star“-Phänomen als rentablen Marketingcoup erkannt haben und sich bunt auf den Fashionweeks präsentieren. Auch Designerin Vika Gazinskaya gibt im Video zu, dass sie das Aufmotzen, um fotografiert zu werden, inzwischen als Marketingstrategie einsetzt. Selbst in der Grazia ist dieses Thema schon vor einigen Wochen angekommen – nur fünf einfache Steps sollen einen zum Streetstyle-Star machen, beispielsweise „Niemals die Kameras suchen, das wirkt uncool“ gibt die Zeitschrift als Tipp. Und: „Haben Sie Mut zur Farbe. Alles, was flasht, löst ratzfatz Blitzlichtgewitter aus“ – das stimmt allerdings, wenn man sich im Streetstylemob so umguckt, wo schlichtweg jeder, der auch nur irgendwie auffällt, seine Runde Fame bekommt. Je öfter man sich also auf Fashionweeks mit Musterwahn-Uniform-Outfits blicken lässt, desto schneller wird man zum vermeintlichen Star, so die Theorie – und scheinbar auch die Praxis.

Ich bin gespannt, wie sich das Thema entwickelt – denn da sich so viele über den pinkorangenen-neon-karo-jedesmuster-oversized Trend zu beschweren scheinen, würde mich ein Back-To-The-Roots für die nächste Saison im Stil von Balenciaga nicht wundern.

Was sagt ihr zu der ganzen Fashion Week Streetstyle-Kritik?

8 Antworten zu “Video: Take my Picture”

  1. Ein sehr guter Artikel, der auf jeden Fall nachdenklich macht. Ich kenne das Ganze nur auf Fotos und habe den ganzen Streetstyle-Wahnsinn noch nie live erlebt. Ich muss sagen das Video hat mich geschockt. Das ist ja echt der Hammer, was da los ist. Als Möglichkeit für junge Designer da Aufmerksamkeit zu bekommen, ist der ganze Zirkus o.k. Aber ich selbst könnte darin keinen Platz finden. Ich hadere wie Du mit der ganzen Szenerie der Eitelkeiten. Ich finde das alles oft sehr unnätürlich und aufgesetzt. Ich bin gespannt, wo das alles noch hinführt. Das wird man ja in der Grazia lesen können ;)

  2. Hmm, ich sehe bei dem Thema irgendwie beide Seiten. Irgendwie ist es auch so ein „jeder gegen jeden“, also Fashion Insider gegen Blogger, etablierte Blogger/Streetstyle Fotografen gegen neue Blogger/Fotografen, Blogger, die sich selbst für qualitativ hochwertig halten, gegen „all die anderen“. Ich muss sagen, ich war auf (vor den Toren der^^) der Fashion Week in Paris schon regelrecht geschockt, was da alles an Selbstdarstellung ablief. Nicht genug damit, dass die berühmten Blogger/Streetstyle Leute wirklich einen großen Teil ihrer Zeit damit verbracht haben, sich gegenseitig zu fotografieren (das wirkte anfangs auf naive Mädchen vom Lande, wie mich, leicht befremdlich, aber man gewöhnt sich dran…) es waren schon echt viele Leute da, die NICHTS gemacht haben, außer extrem auffällig (abgesehen von den Mustermix Leuten waren einige nicht schick, durchdacht, modisch, avantgarde, mutig, was auch immer – sondern in Hotpants und Minibadeanzug) angezogen zu sein, und herumzustehen. Für mich als (Amateur) Fotografin bieten diese Leute keine Inspiration, daher habe ich sie zunächst gar nicht, später zu Dokumentationszwecken fotografiert.

    Ich sehe schon, dass man sich als Blogger/Fotograf irgendwie gerne „dem Anlass angemessen“ anzieht, und da verschwimmen die Grenzen auch schon wieder. Nur da, wo die Leute eben weder eine Einladung haben, noch selbst fotografieren, wird das ganze extrem lächerlich. Ich erinnere mich zB an ein sehr junges Mädchen, aufgebrezelt bis zum geht nicht mehr, kam mit ihrem Fotografen, und ist bei Rochas einfach nur am Eingang auf und ab gestöckelt, mit fürchterlich arrognater B*tch Miene. Als ich später Bilder von ihr auf stockholm streetstyle gesehen hab, wurde mir auch erst klar, dass sie auf Fotos gar nicht mehr so prätentiös und übertrieben aussah, wie in Wirklichkeit. So wie Theaterschauspieler für die Bühne extrem stark geschminkt werden, aus dem Zuschauerraum aber natürlich aussehen. Anderen von diesen Selbstdarstellern muss man immerhin noch ein gewisses Maß an Selbstironie lassen.
    Andere Bloggerinnen werden offensichtlich zu Schauen eingeladen, aber alles, was ich dazu auf ihrem Blog lese, sind Outfit Postings, und Instagram Bilder vom Essen in der jeweiligen Metropole. Ich frag mich, was das für Blogger Selbstverständnis ist. Ein Minimum an journalistischem Informierungsbedürfnis sollte man in diesem Beruf (und für diese Leute ist es ja ein Beruf) doch wirklich haben.
    Ich hab mich da wirklich ein kleines bisschen in Frauen wie Franca Sozzani und Emmanuelle Alt verliebt, die unglaublich talentiert und erfolgreich sind, und hübsch und dezent gekleidet, fast schon schüchtern an den Fotografen vorbeihuschen, ggf sogar übersehen werden, man ist ja mit all den Exhibitionisten beschäftigt.

    Allerdings stellt sich die Frage, wie man da dann seine eigene Rolle bei der Fashion Week rechtfertigt. Ich war ja selbst ohne Einladung da, ich hab nur nen Miniblog, ich bin nicht berühmt. Ich hab zwar selbst fotografiert, aber nicht professionell, und zunächst auch nichtmal mit dem Plan, viele Bilder im Blog zu veröffentlichen, sondern eher für mich selbst. Da ist man letztlich auch nur einer von den vielen Idioten, die „kein Leben haben“, über die die Fashion Szene die Nase rümpft, die für Chaos vor der Show sorgen, und junge Models verschrecken, auch wenn man nicht wie ein Clown angezogen ist, und Privatsphäre etc achtet.

    Und schließlich muss man ja auch bedenken, dass auch viele Fashion Insider sehr von diesem ganzen Rummel profitieren. Dass sich zumindest ein paar von den Editors, Designern, Models, etc auch für die Street Style Fotografen anziehen (Hanneli, ja klaaar), stundenlang posen, die Aufmerksamkeit genießen, ist ja auch ziemlich offensichtlich und wird im video ja auch zugegeben.

    Ach, ich weiß auch nicht…. Möchte aber sehr gerne im Herbst wieder hinfahren, und professioneller fotografieren. auch ohne Einladungen. Die Atmosphäre ist so toll, man hat die Gelegenheit, wirklich ausgefallene Fotos zu machen, man lernt auch „draußen“ talentierte, kreative Leute kennen…. Ich hoffe, ich sprenge grad nicht total den Rahmen von so nem Kommentar, aber ich hatte auch schon mal darüber nachgedacht, über dieses Thema zu bloggen. Wollte aber weder als Hater, noch als Zwergenaufstand rüberkommen. Und wer im Glashaus und so….

    LG

  3. Ich finde Anna Dello Russo einfach nur peinlich, sie ist mir unglaublich unsympathisch.
    Das Video gibt so einen tollen Einblick, wirklich unglaublich was da außerhalb der Modenschauen geschieht. Hab mal bei afterDRK gelesen, dass manche Blogger so tun als ob sie telefonieren oder eine Taxi winken, weil das ‚cooler‘ auf Fotos wirkt, absoluter Wahnsinn :D
    Ich mag euren neuen Blog übrigens sehr!
    Liebe Grüße

  4. Ich war gerade eben auch ziemlich geschockt, wie übertrieben dieses ganze Street Style Gehabe abläuft. Ich dachte immer, das sind ein paar Fotografen und dann lächeln die Models nach den Shows halt nochmal kurz in die Kamera, aber dieses auf und ab-Gelaufe ist ja wirklich nur noch peinlich.
    Eigentlich hatte ich mir das irgendwie glamouröser vorgestellt – Ob das wirklich ein Traumleben ist?!

    Liebe Grüße auch aus München :)

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