1 Jahr #metoo: Über Kavanaugh, Weinstein & Cosby

9. Oktober 2018 von in

Foto + Artwork via @magdaloveart

Ein Jahr ist es nun her, als ein paar Frauen mit vergangenen Vorwürfen der sexuellen Belästigung von Harvey Weinstein an ihnen an die Öffentlichkeit gingen. Weinstein ist, beziehungsweise war, einer der erfolgreichsten Männer in der Filmindustrie. Er verkaufte gemeinsam seine Produktionsfirma Miramax an Disney und produzierte unter anderem Kassenschlager wie Shakespeare in Love, Scary Movie, Gangs of New York oder Chicago. Der mehrfache Millionär wurde gefeiert und erschien mit unterschiedlichen Berühmtheiten auf allen roten Teppichen, die man sich nur vorstellen kann. Bis dann vor einem Jahr seine sexuellen Belästigungen und auch Vergewaltigungen ans Licht kamen. Mit seinem sozialen Untergang brach die riesige feministische Welle #metoo los, die alles ändern sollte. Unter diesem Hashtag fingen Frauen und Männer an, über Vergewaltigungen und sexuellen Belästigungen zu sprechen, die ihnen im Laufe ihres Lebens widerfuhr. Die Debatte über sexuelle Nötigung an überwiegend Frauen war mehr als überfällig; schließlich wurde diese über Dekaden hinweg geheim gehalten.

Weitere Gewinne für die Frauen, die von berühmten und einflussreichen Männern vergewaltigt oder sexuell belästigt wurden, sind zu verbuchen. Beispielsweise wurde der einst beliebte Bill Cosby der damaligen Bill Cosby Show zu einer Gefängnisstrafe als Folge der #metoo Debatte verurteilt. Ein klares Zeichen für weitere Prozesse, die folgen werden, doch gleichzeitig auch zu wenig Reaktion.

Bereits 2005 hatte Andrea Constand Anzeige gegen Cosby erstattet und 13 weitere Zeuginnen mit ähnlichen Vorwürfen taten ihr gleich. Es geschah nichts.

Bis ein Mann, Hannibal Buress, Bill Cosby öffentlich als Vergewaltiger bezeichnete und dadurch Druck erzeugte. Dieser wurde im Rahmen der #metoo-Bewegung so groß, dass nach über zehn Jahren endlich etwas geschah. Wenn auch zu wenig: Ein Zufall, dass ausgerechnet eine Person of Color unter den Superstars verurteilt wurde? Cosby wurde zu Recht verurteilt. Doch Männer wie Kevin Spacey, Woody Allen, oder Donald Trump, die ebenso mehrfach der sexuellen Belästigung bis hin zur Vergewaltigung beschuldigt werden, kommen nicht nur glimpflich davon, sie suhlen sich weiterhin in ihrem Erfolg. Und das, obwohl sie nicht nur in einem einzelnen, womöglich fragwürdigen Fall, der sexuellen Belästigung beschuldigt wurden. Viele Frauen erhoben ihre Stimmen, die Beweislage sollte daher klar sein.

Donald Trump wird von weit über zehn Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt und jener „Pussy Grabber“ darf sich nach allen Vorwürfen weiterhin fröhlich den Präsidenten der Vereinigten Staaten nennen. Wie kann das sein?

Und mit ihm auch Brett Kavanaugh, der nach der Anschuldigung zur Vergewaltigung an nicht nur einer Frau und einer einwöchigen Verhandlung gegen die Professorin Christiane Blasey Ford doch tatsächlich gewann. Christiane Blasey Ford und mit ihr viele weitere Frauen, beschuldigte Kavanaugh einer sehr detailreich beschriebenen Vergewaltigung. Doch entgegen aller Beweise und Vorwürfe wurde Brett Kavanaugh nicht nur nicht verurteilt, er ist von nun an Richter des Supreme Courts, also dem Obersten Gerichtshofs Amerikas. Und auch hier: Wie kann das sein?

Disappointed but not surprised.

Dieser Spruch trifft die aktuelle Lage des nach wie vor herrschenden Patriarchats. Die oben aufgezählten Fälle sind nur ein winziger Tropfen auf dem heißen Stein. Nicht nur sind obige Namen ein Bruchteil vieler Promis (R. Kelly! Polanski! Christiano Ronaldo!) die bewiesenermaßen und mehrfach der sexuellen Belästigung beschuldigt wurden, Vergewaltigungen werden auf der ganzen Welt nicht nur viel zu wenig geahndet, sie werden in vielen Ländern sogar noch gebilligt. Eine Rechtssprechung scheint nahezu unmöglich, sobald ein Mensch seine Freiheit kaufen kann.

Ich wünschte, ich könnte sagen, wir hätten schon viel geschafft. Doch wir stehen am Anfang eines riesigen Berges und der Fall Weinstein und Bill Cosby sind nahezu Einzelfälle, die sich in Zukunft in guter Gesellschaft wiegen sollten. #metoo war ein wichtiger, erster Schritt, um viele weitere Fälle der Unterdrückung und sexuelle Gewalt in Zukunft aufzuklären. Um sexueller Gewalt endlich ein Gewicht zu geben. Was bislang unter den Teppich gekehrt wurde, kommt endlich ans Licht und das mag an einem reichen, weißen und männlichen Patriarchat rütteln, doch fruchtbare Ergebnisse für eine gerechtere Welt stehen bislang auf Warteschleife.

Doch während wir warten und uns mit einem Berg nicht enden wollender Enttäuschungen herumschlagen, dürfen wir nicht vergessen, dass jeder Fall der sexuellen Belästigung, der an die Öffentlichkeit geht, schon etwas gewonnen ist. Und jeder Prozess, auch sei er für das Opfer verloren, ein Schritt in die richtige Richtung ist. Wir stehen am Anfang, doch das einst starre System lässt bereits an sich rütteln. Also helft zusammen. Haltet zusammen. Kämpft zusammen und lasst den Hashtag #metoo weiterhin existieren. Damit die dahinter verborgenen Vorfälle irgendwann nicht mehr existieren müssen.

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9 Antworten zu “1 Jahr #metoo: Über Kavanaugh, Weinstein & Cosby”

    • Ich denke, die Me-too-Bewegung ist wichtig. Viel wichtiger finde ich es aber, dass Frauen nicht nur wütend aufschreien, sondern selbst dafür sorgen, dass sie nicht als schwaches, emotionales und daher nicht zurechnungsfähiges Geschlecht wahrgenommen werden. Indem wir politische Ämter besetzen, in männerdominierten Berufen tätig sind, lernen, uns gegenseitig zu unterstützen und aufhören, uns mit Nebensächlichkeiten/ Äußerlichkeiten aufzuhalten.
      Wie ernst man genommen wird, fängt schon bei solchen Artikeln an! Um etwas zu erreichen, sollte man sich sorgfältig informieren und recherchieren. In der Sache Kavanaugh handelte es sich um eine Anhörung, nicht um ein Strafverfahren und damit gab es auch kein rechtskräftiges Urteil und keinen Freispruch. Im übrigen auch keine Beweise.

      • Liebe Franzi, ich habe bereits Leona geantwortet, aber diese Antwort kann sich genau so an dich richten. Ich fände es wirklich schön, wenn du meine Antwort durchlesen könntest und noch einmal über deine Meinung nachdenken. Ich meine das auch nicht belehrend, ich verstehe nur nicht ganz, wieso so viele Frauen überhaupt kein Problem mit den jüngsten Vorkomnissen – nicht nur mit Kavanaugh – zu haben scheinen. Ansonsten sehe ich es wie du, dass es zusätzlich zum Aufschrei, der in meinen Augen ein super wichtiger Part in der ganzen Bewegung ist, dass Frauen politische Ämter besetzen und in männerdominierten Berufen vermehrt anfangen sollten, zu arbeiten. Liebe Grüße!

        • Liebe Amelie,

          da haben wir uns missverstanden, ich habe nie geschrieben, dass ich es toleriere, dass Kavanaugh weiterhin unbeschadet seine Karriere fortsetzen kann.
          Ich habe versucht, Dich darauf hinzuweisen, dass Deine Darstellung nicht korrekt war (es war nun mal kein Prozess usw.).
          Denn wer die Fakten nicht korrekt parat hat, dem wird dies von den vielzitierten weißen reichen Männern dankbar als Schwäche ausgelegt und zum Grund genommen, Dich nicht ernst zu nehmen!
          Leider passiert dies, wie unschwer an den Reaktionen dieser Männer zu erkennen, auch mit Frauen wie Frau Ford, ganz nach dem Motto, wenn sie sich nicht anders zu helfen wissen, beschuldigen sie ihn eben der Vergewaltigung.
          Daher habe ich angesprochen, dass meiner Meinung nach andere Strategien ergriffen werden müssen! Mehr Frauen in der Politik, der Wirtschaft und Wissenschaft um wirklich aktiv etwas zu verändern, um mit den Männern auf Augenhöhe zu sein und aus der Opferrolle herauszukommen.

  1. „Doch entgegen aller Beweise und Vorwürfe wurde Brett Kavanaugh nicht nur nicht verurteilt…“
    Beweise? Die Aussage stimmt einfach nicht, bewiesen werden konnte Kavanaugh nichts. Und so falsch und enttäuschend die Entscheidung der Richter damit schein mag: Im Zweifel für den Angeklagten gilt – zum Glück – immer noch, auch bei unangenehmen Arschlöchern.

    • Liebe Leona, ich finde es ehrlich schade, dass du so denkst. Neben Blasey Ford sind so viele weitere Frauen aufgestanden und haben ihre Geschichte zu dem Mann erzählt. In Deutschland hätte es ohne handfester Beweise nicht funktioniert, doch warum wurden keine „Beweise“ (mal unabhängig von den vielen Frauen, die Ford nachgetan haben und die völlig untergingen) gefunden? Hierzu gibt es einen guten Text: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-10/brett-kavanaugh-fbi-untersuchung. Die Geschehnisse hätten ausreichen müssen, um Kavanaugh wenigstens nicht die Stelle am Obersten Gerichtshof zu geben. Oder Trump, der auf laufender Kamera Frauen aufs Übelste beleidigt, sollte in der heutigen Zeit doch wenigstens kein Präsident mehr sein dürfen. Es geht hier nicht nur um Kavanaugh, es geht um unheimlich viele Fälle, die ähnlich ablaufen und bei denen absolut nichts passiert. Oder im Gegenteil – Sigi Maurer wurde sogar TROTZ Beweise wegen übler Nachrede verurteilt. Wie kann das sein? Das ist schlichtweg falsch und ich finde, das sollten mehr Menschen so sehen. Ich finde es ehrlich schockierend, dass so viele Menschen – insbesondere Frauen – scheinbar überhaupt kein Problem mit den ganzen Vorfällen (nicht nur mit Kavanaugh!) zu haben scheinen. Liebe Grüße!

      • Hallo Amelie, vielleicht hätte ich meine Antwort etwas ausführlicher erläutern sollen. Ich habe definitiv viele Probleme mit den Vorfällen der letzten Zeit, vor allem rund um Kavanaugh und finde es ziemlich furchterregend, dass jemand wie er in den Supreme Court aufsteigen wird. Genauso bewundere ich Frauen wie Blasey Ford, die sich trotz aller Gegenwehr und persönlicher Risiken dafür entschieden haben diesen Fall an die Öffentlichkeit zu bringen. Wahnsinnig mutig und wichtig, damit wir Frauen als Kollektiv an einer besseren Zukunft arbeiten können. Kavanaugh war mir zudem ziemlich sack unsympatisch und wirkt wie ein absoluter Widerling. Aber, und hier kommt der Teil, bei dem ich die aktuellen Geschehnisse nicht nachvollziehen kann: auch wenn mehr als eine Person gegen Kavanaugh ausgesagt hat, es ist Fakt, dass bei der Anhörung keine Beweise gefunden wurden. Das ist natürlich auch ziemlich schwierig bei einer Tat die Jahrzehnte zurück liegt, aber daran ist nunmal nichts zu rütteln. So sehr ich es mir gewünscht hätte, dass Kavanaugh verurteilt werden würde, In Dubio Pro Reo gilt auch bei Angeklagten, die ich persönlich zu kotzen finden und das ist gut so. Und ja, natürlich will ich Survivors glauben und sie bestärken, aber könnte es nicht auch sein, dass manche Survivors womöglich auch Dinge anders darstellen, als sie passiert sind? Ich unterstelle es niemandem, aber nur auf gutem Willen und einer neuen Welle des Feminismus sollte kein Gerichtsurteil basieren. Das ist mein Problem mit der Bewegung, das viele Fälle zu emotional und damit biased betrachtet werden. Rechtlich gesehen ist hier in meinen Augen richtig gehandel worden – auch wenn es natürlich leider Öl ins Feuer der Rechten und Konservativen geschüttet hat. Mein Kommentar hat sich nur auf das Zitat aus deinem Artikel bezogen, andere Fälle jüngster Zeit finde ich genauso problematisch wie du. Wobei ich hier auch eine Sache anmerken will: die abscheulich Trump auf uns wirkt, darf man eine Sache nicht vergessen: seine Wähler stehen zum Großteil noch hinter ihm und in den USA ist er bei den Massen gar nicht so unbeliebt, wie es in einer Feminism-Instagram Bubble mit europäischer Sicht vielleicht wirken mag. Und das ist gelebte Demokratie, ob es uns passt oder nicht. Ja, ich bin Feministin und finde mehr als genug Gründe, um mich aufzuregen. Aber manchmal die Perspektive zu wechseln und zu sehen, dass die „bösen“ Rechten auch nur Menschen sind, schadet wirklich nicht.

        • Liebe Leona, danke für deine ausführliche Antwort. Ich denke, wir sind uns in einigen Punkten einig. Jedoch bin ich nach wie vor der Meinung, dass man weiterhin kritisieren muss und ich bin außerdem der festen Überzeugung, dass verdammt viel schief läuft in der Politik. Und dass diese auch manipuliert wird von einflussreichen, reichen Menschen und das Patriarchat stark gehalten wird durch jene und ihre Anhänger. Und ich finde es wichtig, dagegen vorzugehen, zu hinterfragen und eben nicht alles hinzunehmen „weil es halt so ist“. Meiner Meinung nach hätte einiges anders laufen müssen und ich wünsche mir, dass sich das irgendwann noch einmal ändert. Bis dahin will ich weiter diskutieren, damit abscheuliche Menschen wie Trump & co eben keine Anhänger mehr haben!

  2. Das Schlimme ist, dass die Causa Kavanaugh den Republikanern noch Aufwind verschafft hat und damit zeigt, dass diese Politiker nicht trotz Rassismus, Frauenfeindlichkeit etc gewählt werden, sondern gerade deswegen.

    Da gibt es noch soviel zu tun – ich freue mich jedenfalls, dass ihr immer wieder über solche Themen schreibt.

    Liebe Grüße,
    Sabine

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