Coffee Break: Hoffnung, du Arschloch!

26. Juli 2015 von in

Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es ja immer. Schade eigentlich. Ich bin mir sicher, man würde sich nicht nur eine Menge Liebeskummer ersparen, sondern auch Zeit, Kraft und schlaflose Nächte. Warum kann die Hoffnung nicht spätestens dann, wenn alles gesagt und getan ist, wenn es aus realistischem Blickwinkel wirklich aussichtlos ist, ihre Koffer packen, uns kurz auf die Schulter klopfen und sagen: „Bin dann mal weg. Jetzt kann ich leider auch nichts mehr tun!“

Aber nein! Sie bleibt einfach und wartet ganz geduldig. Auf was auch immer. Oft weiß man auch gar nicht, was man eigentlich hoffen soll, man hofft einfach. Hoffnung kann so wahnsinnig viel aushalten. Selbst, wenn immer unbequemere Wahrheiten ans Licht kommen und der Kopf längst verstanden hat, dass alles dagegen spricht, dass es auch nie wieder funktionieren würde, findet die Hoffnung immer noch eine kleine kuschelige Ecke, in der sie sich niederlässt und leise denkt: „Ja, aber…!“

Ein „Ja, aber…!“ hat noch niemanden weitergebracht. Besser wäre: Frei sein und sich in diese endlose Hoffnungslosigkeit fallen lassen. Traurig sein und sicher sein, dass der Andere nie wieder neben dir schlafen wird. Verarbeiten, bis es irgendwann gut ist. Verstehen, dass es niemals funktioniert hätte. Verinnerlichen, was alles falsch gelaufen ist. Wissen, dass es so viel besser laufen kann. Bis man irgendwann an den Punkt kommt, an dem man sich denkt: „Hui, ich bin echt froh, dass du nicht mehr da bist.“ Die Hoffnung ist auf dem Weg zu dieser Erkenntnis aber nur Hindernis. Man kann nicht vorwärts, aber auch nicht rückwärts.

Stattdessen dreht man sich mit dir im Kreis, liebe Hoffnung. Du lässt einen in einer seltsame Parallelwelt leben. In einer Welt, in der doch noch alles irgendwie in Ordnung ist, in der Negatives und Verletzendes wie vergessen scheint. In dieser Welt klingelt jemand nachts an deiner Tür und Menschen ändern sich von Grund auf. Menschen ändern sich aber nicht, das weiß doch jeder.

Eigentlich sollte Hoffnung Kraft schenken, stattdessen kostet sie ab einem gewissen Punkt nur noch Kraft. Sie geht davon aus, dass jeder restlos gut und die Welt hoffnungslos optimistisch ist und selbst wenn man weiß, dass dem nicht so ist, ist es manchmal ganz schön, so zu denken. Vielleicht ist es das, was uns immer wieder in die Hoffnung abtauchen lässt: Die Vorstellung von einer kuscheligen Welt.

Das Schlimmste an der Hoffnung ist allerdings, dass man sie überhaupt nicht beeinflussen kann. Manchmal weiß man schon nach einer Woche nicht mehr, wo man sie hingelegt hat, manchmal dauert es Jahre, bis sie geht. Alles, was man tun kann ist, nicht zu oft abzutauchen in die hoffende Parallelwelt, sich immer wieder vor Augen zu führen, warum es NICHT funktioniert hat. Und dann ist es manchmal nur eine Kleinigkeit: Ein Whats-App-Status, eine Nachricht, ein Treffen, eine Information über den Anderen, die dich endlich aufwachen lässt. Und eines Tages ist sie plötzlich weg, die Hoffnung. Hat die Türe still und heimlich zugemacht.

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14 Antworten zu “Coffee Break: Hoffnung, du Arschloch!”

  1. Also ich muss jetzt wirklich mal sagen: Du triffst die Wahrheiten und Gefühle irgendwo in und zwischen deinen Zeilen immer sowasvon auf den Punkt, ich empfinde deine Texte als absolute Bereicherung (für mich persönlich und für diesen Blog). Danke!

  2. Wie immer ein tolles Wort zum Sonntag. Empfinde deine Kolumne ebenfalls als absolute Bereicherung. Aber die Hoffnung so zu verurteilen oder an den Pranger zu stellen, finde ich auch nicht ganz richtig. Du hast neulich noch geschrieben, dass wir die Generation sind, die sich alles offen hält, schwierigen Situationen lieber aus dem Weg geht… Hoffnung ist es doch aber, die uns genau durch diese schweren Situationen hilft und uns die Kraft gibt, nicht gleich alles hinzuschmeissen. Klar ist Hoffnung irgendwo Selbstschutz und ab einem gewissen Grad mit Sicherheit contra produktiv, wenn es darum geht, etwas abzuschließen oder vergessen zu wollen. Aber vielleicht hilft sie auch ein bisschen, nicht gleich alles hinzuwerfen und ich setze mich vielleicht eher mit etwas auseinander, wenn ich noch hoffe, als wenn ich sage: „ok done, weiter geht’s“. Wie gesagt, Hoffen und Vergessen in nem gewissen Rahmen ist mit Sicherheit nie verkehr.

    • Liebe Franzi,
      Hoffnung ist etwas Tolles, wenn es denn noch Grund gibt, welche zu haben – da bin ich ganz bei dir und stehe auch zu meinem Wort. Ich bin für kämpfen und versuchen, bis es nichts mehr zu kämpfen und versuchen gibt. Ich meine auch eher die Hoffnung, die immer noch da ist, wenn es aussichtslos ist. Und da ist es oft schwer, wenn die nicht geht.
      Schönen Sonntag noch!

      • man weiß eben nicht, wann es aussichtslos ist. und wenn man denkt, der kopf hats gecheckt, tut das herz es noch lange nicht. und die hoffnung gibt nochmal mut. yeah. also ich bin auch die person für jahre ..

  3. Beeindruckend wie es der Autorin gelingt, völlig belanglose Hausfrauenphilosophie mit penetranter erste Welt-Sorglosigkeit zu mischen. Ganz nebenbei hat sie die Sache mit der Liebe und der Hoffnung ein für alle Mal auf den Punkt gebracht. Julia Engelmann hätte es nicht besser poetryslammen können. Kant und Nietzsche können einpacken. Ich bin wirklich amazed.

  4. Liebe Anja du bist wirklich der Wahnsinn !! Du schreibst jedes mal so unglaublich wahre und schöne Texte die mich echt berühren. Vielen Dank dafür !

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