Coffee Break: Über Entscheidungen

20. September 2015 von in

Die meisten Entscheidungen trifft man, ohne über sie nachzudenken, und bei manchen wenigen Entscheidungen weiß man vielleicht nie, ob man sie richtig getroffen hat. Bei diesen Entscheidungen hat man Angst, dass man später mal im Schaukelstuhl sitzt und sich denkt: „Hätte ich doch nur!“

Je älter wir werden, desto größer, wichtiger und schwerwiegender werden unsere Entscheidungen und ihre Folgen. Bis hin zu der größten Entscheidung überhaupt, der einzigen, die man nicht rückgängig machen kann: ein Baby. Aber auf dem Weg dahin gibt es schon auch ein paar andere sehr komplizierte Kreuzungen, an denen man sich aussuchen muss, wie das Leben gerade weitergehen soll: Was soll ich studieren? Wo möchte ich wohnen? Soll ich überhaupt wegziehen? Master machen oder gleich arbeiten? Soll ich ins Ausland gehen? Wenn ja, wohin und wie lange? Welches Jobangebot soll ich annehmen? Soll ich mich selbstständig machen? Mit wem möchte ich zusammen sein? Möchte ich im Moment überhaupt eine Beziehung? Wagen wir es zusammenzuziehen? Sollen wir heiraten?

Egal, ob es die Arbeit, die Stadt oder der Partner ist – es gibt tausend hübsche Varianten. Und die sind vor allem dann sehr reizvoll, wenn man sie noch nicht ausprobiert hat. Wenn man noch nicht weiß, wie sie sich anfühlen. Ja, für manche Menschen ist deshalb selbst die Entscheidung für ein Sofa alles andere als leicht. Ich kann das gut nachvollziehen – entscheidet man sich erst einmal für eines, sollte es das für die nächsten Jahre auch bleiben. Wenn man dann allerdings zwei Monate später ein anderes, wunderschönes Sofa entdeckt, ertappt man sich gerne mal beim Bereuen. Und das ist ein grässlicher Moment, den man unbedingt vermeiden möchte.

Im Idealfall nimmt man sich Zeit, wacht eines Morgens auf und weiß, dass es dieses Sofa sein wird. Aber was ist, wenn man das Gefühl hat, dass man sich nie ganz sicher sein wird? Ein kluger, junger Mann, den ich sehr schätze, sagt ganz richtig: Entscheidungen treffen macht erwachsen. Ich finde, das ist ein wahnsinnig ermutigender Satz. Ein Satz, der ein bisschen das Schwere aus dieser Sache nimmt, die sich eigentlich ja leicht anfühlen sollte. Denn Entscheidungen treffen können, bedeutet vor allem eines: frei zu sein. Und nichts fühlt sich so leicht an wie Freiheit.

Ich glaube, dass es helfen würde, Entscheidungen nicht mehr ganz so ernst zu nehmen. Und nicht alles bis ins hohe Schaukelstuhl-Alter zu durchdenken. (Abgesehen natürlich von der Baby-Entscheidung!) Aber ansonsten gibt es doch eigentlich keinen Grund, Angst zu haben. Alles ist umkehrbar – man kann aus Wien zurück nach München ziehen, man kann das Studium abbrechen, einen Job kündigen, seinen Partner verlassen, Wohnungen auflösen, sich scheiden lassen. Das alles ist schwer, tut weh und ist manchmal sehr teuer, aber man kann es machen.

Alles, was zählt ist, dass man die Entscheidung zu dem Zeitpunkt, als man sie getroffen hat, wirklich wollte. Wir können manchmal nicht mehr tun, als das, was sich in dem Moment, also gerade jetzt, richtig anfühlt. Und wenn es das tut, dann steht man hinter der Entscheidung – auch wenn man später feststellt, dass sie komplett falsch war. Wenn sich die Entscheidung richtig anfühlt, dann wird man sie gar nicht bereuen können, weil man weiß, dass es das war, was man in diesem Augenblick wirklich wollte. Und wenn der Augenblick auch noch so kurz war.

Alles von Anjas Serie Coffeebreak 

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4 Antworten zu “Coffee Break: Über Entscheidungen”

  1. Liebe Anja, danke für diesen Text, er kam für mich genau zur rechten Zeit – ich stehe genau vor einer diesen Entscheidungen, ich wollte sie treffen bis heute, Sonntag Abend – hab es weggeschoben bis genau jetzt, wo ich plötzlich weiß, was ich tun muss. Danke :)

  2. Ein sehr schoner Beitrag liebe Anja, der sehr zum nachdenken anregt.
    Ich schiebe schon seit Tagen eine wichtige Entscheidung vor mir her und denke immer ‚Morgen weißt du mehr’… was bis jetzt noch nicht der Fall ist. Wie du auch sagst, ist e soft die Angst, die einen zögern lässt. Die Angst, etwas falsch gemacht zu haben, sich für den falschen Weg entschieden zu haben oder auch weil man die Folgen nicht abschätzen kann.
    Du hast recht absolut recht – Alles ist umkehrbar! Auch wenn es oftmals viel Kraft und Nerven kostet.
    Ich werde versuchen, meine Entscheidung nicht all zu ernst zu nehmen, sondern mir immer vor Augen zu halten, dass sich alles ändern lässt, jederzeit :-)

    LG Manuela
    Blush & Sugar

  3. Wie wahr. Ich gehöre zu den chronischen Entscheidungslegasthenikern und bin schon mit der Wahl der geeigneten Zahnpasta überfordert ;-). Höchste Zeit etwas lockerer zu werden und Dinge als Chance zu betrachten. Wer weiß, vllt führt eine auf den ersten Blick falsche Entscheidung ja doch ans richtige Ziel. Sehr schöner und wertvoller Text! Danke dafür!
    LG

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