Coffee Break: Wie funktioniert verlieben?

4. Oktober 2015 von in

In den letzten Wochen habe ich sehr viel darüber nachgedacht, warum wir uns in manche Menschen verlieben und in andere nicht. Und in manche nur ein bisschen. Wenn das überhaupt geht. Vielleicht ist „ein bisschen verliebt“ auch Schwachsinn und gehört in die Kategorie „gar nicht verliebt“. Wenn man sich ein bisschen verliebt, ist dann ganz einfach das Timing falsch oder reicht es schlichtweg nicht und man redet sich nur ein, dass es am Timing liegt? Weil man sich theoretisch jederzeit immer verlieben könnte.

Ich hab mich gefragt, was verliebt sein überhaupt bedeutet. Bedeutet es, dass das Herz kurz stehen bleibt, wenn man einen Namen auf dem Handydisplay liest, dass alles kurz stehen bleibt, wenn man sich dann sieht, dass Hände und Stimmen zittern, dass man gerne etwas für den Anderen macht ohne darüber nachzudenken, gleichzeitig aber über alles, was man tut, zu viel nachdenkt. Dass man sich für immer ansehen könnte, dass man sich auffressen könnte. Oder bedeutet es, dass man sich mit dem Anderen besonders wohl fühlt, dass man zu hundertzwanzig Prozent man selbst sein kann, dass man statt Aufregung ein große Lächeln im Gesicht hat, wenn man sich sieht. Dass man sich wie zuhause fühlt.

Wahrscheinlich gibt es darauf keine Pauschalantwort und verlieben bedeutet für jeden etwas anderes. Die einen verlieben sich, weil sie sich gut aufgehoben fühlen, weil sie vertrauen können und der Andere ihnen Sicherheit vermittelt. Manche verlieben sich, weil sie wahnsinnig viel zusammen lachen, beste Freunde sind, ein tolles Team abgeben und alles zusammen schaffen. Andere wiederrum möchten zu ihrem Partner aufsehen, wollen jemanden bewundern und ganz viel Herzklopfen haben.

Aber zwei Dinge sind, glaube ich, beim Verlieben ganz wichtig – ganz egal, wie es dann abläuft: Verlieben hat sehr viel mit Sehnsüchten zu tun. Manche von diesen Sehnsüchten kennen wir ganz genau und andere schlummern in uns und bleiben versteckt. Sie formen sich aus Erfahrungen, aus unserer Erziehung, aus der Beziehung unserer Eltern. Wie wir diese erlebt und mitbekommen haben. Manche von uns machen es ihnen nach – gewollt oder ungewollt. Andere denken sich: Egal wie, Hauptsache anders machen.

Der zweite Punkt sind Wesenskerne: Wir haben zu jedem Menschen, den wir in unserem Leben haben und der uns wichtig ist, ein Gefühl. Wenn wir an ihn denken und daran, wie er so ist, dann seufzt unser Herz, wir freuen uns oder zucken kurz zusammen, weil wir ihn so gerne haben. Weil wir genau wissen, was ihn ausmacht. Wenn wir also jemandes Wesenskern sehr mögen und dieser auch noch unsere Sehnsüchte erfüllt – dann behaupte ich, verlieben wir uns mit ziemlicher Sicherheit. Ganz unabhängig von Haarfarben, Körpergrößen und Timing.

Alles von Anjas Serie Coffeebreak 

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3 Antworten zu “Coffee Break: Wie funktioniert verlieben?”

  1. Hallo Anja, da hast du schön sinniert :)
    Ich finde es vor allem so verrückt, dass es so viele Arten von Verliebtsein gibt. Die ersten Schmetterlinge im Bauch und ein leichtes Gefühl der Übelkeit, das jahrelange Vertrautsein und natürlich schmerzhaftes, schrecklich-schlimmes unglückliches Verliebtsein.

    Zum Glück ist bald Weihnachten und man kann sich in ‚Love, Actually‘ wieder die ganze Facette anschauen :)

  2. Sehr schöner Text mal wieder, Anja. Ich freu mich jeden Sonntag schon, wenn ich wie üblich gemütlich am Nachmittag Zeit zum bloggen und lesen habe und dann weiß, dass deine Kolumne auch online ist! :)
    Ich glaube, wir verlieben uns in jemanden, sobald er eine Seite in uns zum klingen bringt. Das kann ein besonderer Humor sein, ein Lieblingsbuch, eine Vorliebe für Star Wars oder für Songs der 80er oder für meinen Lieblingsautor. Whatever. Das hängt bei mir dann nicht vom Optischen ab und nicht von äußeren Umständen und auch nicht vom Timing. Und das kann toll sein – oder ganz und gar schrecklich, wenn das außen herum einfach gar nicht passt und auch nicht passend gemacht werden kann.
    Aber eins hab ich daraus gelernt: Man hat viele solcher Seite, und es gibt da draußen auch viele Menschen, die etwas in einem bewegen können. Und man wird wieder so jemanden treffen – und irgendwann passt dann vielleicht alles zusammen :)

  3. Liebe Anja,

    deinem Blog folge ich als Charity Heels und ich lese ihn, weil mich die Modethemen interessieren.
    Aber Bianka Bös ist nicht nur Inhaberin von Charity Heels, sondern auch Autorin. Mein Buch „Suchen macht mehr Spaß als Finden – meine heißen Abenteuer beim Online Dating“ erscheint am 12. Oktober. Als Kahlina habe ich mich oft verliebt und alle Seiten des Verliebstseins erfahren, genossen und erlitten.
    Vor drei Monaten habe ich geheiratet. In meinen Mann war ich nie verliebt. Es gab keine Sehnsucht, kein Schmachten, keine rosa Wolken. Kahlina hat das Verliebstsein gesucht, Bianka hat die Liebe gefunden. Wir sind jetzt 7 Jahre zusammen und ich möchte Kahlinas Erfahrungen nicht missen. Mit Liebe aber hatte das nichts zu tun.
    Ich habe Deinen Beitrag gern gelesen und finde es auch gut, dass Du nie von Liebe, sondern von Verlieben sprichst. Ver-lieben, ist das nicht ähnlich wie ver-laufen, ver-fahren, ver-rückt?

    In Liebe :-)
    Bianka

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