Der Preis der Modewelt

21. Januar 2014 von in


Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Talentierteste im ganzen Land? Man könnte ja meinen, dieser Spruch gilt, wenn es heißt, den perfekten Bewerber für einen Job in der Modebranche zu finden. Doch Halt, Stopp, alles auf Anfang. Vergesst Bewerbungsmappen, Studium, kreatives Wissen und Liebe zur Mode. Ihr wollt Teil der Modebranche sein? Dann spart mal schön. Denn was zählt, ist, wer zahlt.

Richtig gehört: Geht es nach Balenciaga, Oscar de la Renta, Missioni oder Valentino reicht ein großer Geldbeutel – und ihr seid Teil des großen ganzen Modebusiness. Zumindest ein kleiner Teil. Denn wer 10000 Euro bei einer Internetauktion hinblätterte, bekam laut einem Artikel der  Dailymail von 2012, der in diesen Tagen bei Facebook kursierte, ein Praktikum bei den Modehäusern. Unbezahlt natürlich.

Wie? Was? Das kann doch nicht wahr sein? Ja, so ähnlich geht’s uns auch. Da dachte man Der Teufel trägt Prada war eine etwas überzogene Karikatur von Anna Wintour. Aber schlimmer geht immer – oder so ähnlich. Der Weg ins Modebusiness ist hart. Wer in diesem Bereich arbeiten will – und sei es nur als Schreiberling – merkt schnell: Offene Türen – Fehlanzeige. Die Modebranche ist ein eigener Kosmos, ganz nach dem Motto „in ist wer drin ist“. Und das wissen scheinbar auch die Labels.

Der Zauber, den die Branche ausmacht, zieht magisch an. Ob Volonteer auf der Fashion Week oder Praktikant bei Alexander Wang: Wer den Job bekommt, arbeitet (erst einmal) freiwillig umsonst. Schließlich zählen ein Bein in der Tür und die Kontakte. Dafür schuften viele zwölf oder mehr Stunden am Tag, rennen hin und her und werden zu Personal Assistants von Designern wie Anne Hathaway im Hollywood-Film. Nur um dann zu merken: Es braucht verdammt viel Biss, in diesem Business bestehen zu bleiben. Und: Der Schein trügt. So magisch, wie es scheint, ist es nicht immer. Bis zu dieser Erkenntnis ist es ein langer Weg oder ein langes Praktikum. Nichtdestotrotz wünschen sich Tausende genau hier zu arbeiten, zwischen Stoffen, Mode, Models und Designern – und man kann’s ihnen nicht verübeln: Mode ist toll.

Doch genau mit diesem Traum spielen Oscar de la Renta und Co. Wer dachte, Anna Wintour sei die Spitze des Eisberges, hat sich getäuscht. Für ein unbezahltes Praktikum zu bezahlen, ist so ungefähr das absurdeste, was es gibt. Noch absurder ist wahrscheinlich nur die Tatsache, dass es Zahler gibt. Und ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Die Kreativsten werden es nicht sein. Viel mehr die Serena van Woodsens und Blair Waldorfs dieser Welt, die „irgendwas mit Mode“ machen wollen. Womöglich hat auch die ein oder andere Talent, ein Faibel und eine Leidenschaft dafür. Und natürlich wird das gezahlte Geld von den Modehäusern für einen guten Zweck gespendet – es ist ja schließlich eine Charity-Auktion (Chapeau dafür! Als könnten die Häuser nicht selbst spenden – sie lassen es die Praktikanten machen.) Nur Chancengleichheit und Talent werden hierbei völlig außer Acht gelassen.

Die Folge: So exklusiv wie die Mode der Labels wird auch der Kollegenkreis. Willst du bei Balenciaga arbeiten, brauchst du auch den richtigen Geldbeutel dafür. Traurig, aber wahr. Denn auch wenn der Artikel bereits zwei Jahre alt ist, trifft er eines auf den Punkt: Mode ist gerne elitär – nur wenige dürfen mitspielen im großen Modezirkus. Glücklicherweise öffnet sich der Kreis immer mehr, auch dank Modeblogs.
Und so wünsche ich mir, dass die Praktikanten, die Valentino, Missiono, Oscar de la Renta und Balenciaga 10000 Euro gezahlt haben, die Mitarbeiter so richtig in den Wahnsinn getrieben haben – dank Unwissen, Unvermögen, Arroganz und Schlaubi-Schlumpf-Dasein. Und dass dann die Modehäuser in kleiner Runde sagten: „Kommt, lasst uns selber Geld spenden und wieder Praktikanten nehmen, die eine gute Mappe haben.“ Ende gut, alles gut. Wie im Märchen halt.

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24 Antworten zu “Der Preis der Modewelt”

  1. Eine bodenlose Frechheit! Es ist schlimm genug, dass sich unsere Generation in so vielen Branchen ausbeuten und für lau mehrmonatige Praktika leisten muss. Aber das setzt dem Ganzen noch die Krone auf! Aber haltbar ist das Ganz so lange, wie diese Unternehmen „Dumme“ finden. Nicht nur in der Modebranche.

  2. ich habe ein praktikum bei der niederl. vogue und bin eigentlich noch glücklich darüber. auch wenn ich teilweise einfach mal zwei wochen ohne wochenende durcharbeite.
    klar könnte ich sagen, ich machs nicht, aber dann stehen die chancen bei null in der branche fuß zu fassen. es ist eigentlich traurig, weil sich so die liebemodewelt selbst ins fleisch schneidet.

    aber naja. finde es großart dass du darüber schreibst!

    • Liebe Leonie,
      natürlich ist ein solches Praktikum toll (und dass du es bekommen hast, ist wunderbar!) – nur leider sind die Praktika oft unbezahlt. Der Gipfel wäre in der Folge, wenn es Mode machen würde, dass man sich die Praktika für Geld ersteigert. Ich vermute ja doch, dass du das Praktikum bekommen hast, weil du talentiert bist :) Nur schade, dass es nicht auch noch zusätzlich honoriert wird. Und wie du sagst: Ohne bekommt man kaum einen Fuß hinein – insofern hätte ich es wohl auch gemacht (zumindest am Anfang meiner Laufbahn). Viel Erfolg und natürlich Spaß weiterhin! Liebe Grüße!

  3. Was unbezahlte Praktika in teuren Städten angeht, bin ich irgendwie abgehärtet, das ist in meiner Branche ganz genauso. Ich denke, da muss man, wenn man rein kommen will, einfach in den sauern Apfel beißen. Denn Kontakte, Beziehungen, etc sind bei uns leider auch unheimlich wichtig. Und unheimlich viele Leute wollen dort arbeiten, so dass die Arbeitgeber auch damit durchkommen. Ich find das System nicht gut, aber wenn man mitspielen will, muss man sich wohl oder über darauf einlassen… Das mit den verkauften Praktikumsplätzen ist natürlich sehr krass. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mit der daily mail auch ein bisschen vorsichtig wäre… Bin mal gespannt, wie sich das entwickelt, und ob es da noch Reaktionen gibt, wenn es jetzt erst durch die Öffentlichkeit geistert…. LG

    • Liebe Cato,
      haha, ja die Dailymail übertreibt gerne mal – nichtsdestotrotz scheint es nicht ganz aus der Luft gegriffen zu sein:) Der Artikel ist ja auch schon älter und diese Auktionsplattform gibt es – da kann man so tolle Sachen wie Promi-Meetings und eben auch Praktika ersteigern. Und: Es geht im Grunde ja darum, wie mit dem Traum vieler Modefans gespielt wird.
      Ich sehe es schon ähnlich wie du, zu Beginn einer Karriere kann man schon mal in den sauren Apfel beißen und auch ein unbezahltes Praktikum machen, um einen Fuß in die Tür reinzukriegen. Aber auch mir – mit mehrjähriger Berufserfahrung – wurden unbezahlte Praktika angeboten. Da musste ich schon schlucken – und habe es dann nicht gemacht. Unbezahlte Praktika und befristete Verträge ziehen sich ja mittlerweile durch viele Branchen. Für junge Leute in teuren Städten (aber auch nicht teuren Städten) ist das aber oft deprimierend. In welcher Branche arbeitest du denn?
      Liebe Grüße!

  4. Ich frag mich immer wieder, wovon andere Leute leben, wenn sie unbezahlte Praktika machen (müssen), die mind. 6 Monate lang sind. Zu den Eltern zurückziehen oder die bezahlen/bezuschussen den Lebensunterhalt? Würde bei mir beides leider nicht gehen. Und ich finde es auch eine Frechheit, sich begehrte Stellen erkaufen zu können, wie du oben so schön beschrieben hast. Ich hoffe, dass sich dieser Praktika-Wahnsinn in den Firmen wieder etwas legt (wahrscheinlich vergebens), denn das ist leider nicht nur in der Modebranche Realität.

    Wie immer ein sehr guter Artikel von dir :)

  5. Leider ist das doch viel zu oft so, dass nicht die Besten den Erfolg bekommen, sondern die, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren oder eben Kontakte/ das nötige Kleingeld haben!

    Das es in München ( und quasi deutschlandweit) nur möglich ist, etwas mit Mode zu studieren, wenn man die nötigen 700 Euro pro Semester hinlegt ist doch schon ein Wink mit dem Zaunpfahl wie das so läuft.

    Ich habe mich deshalb bewusst gegen an Studium an einer privaten Uni entschieden und hoffe meinen Weg in die Modebranche irgendwie anders zu finden!

    Liebst Julia
    http://bienvenudansmarealite.blogspot.de/

    • Meiner Meinung nach fehlen (zumindest, soweit ich ich weiß, in Deutschland) Stipendien für Studenten im Bereich der Mode. Denn genau wie Julia schon sagte, ist es bereits ein finanzieller Kraftakt, sich das fachliche Know-how an den Hochschulen aneignen zu können. Dass man im Nachhinein die Möglichkeit hat, mehr oder weniger hoch dotierte Nachwuchsawards und dergleichen zu gewinnen, hilft talentierten, jungen und nicht finanziell nicht so herausgestellten Modeinteressierten zu Beginn ja nichts.

      Versteigerte Praktika sind da wirklich nur die (unglaublich dreiste) Spitze des Eisberges.

    • Liebe Julia,
      Das stimmt – und ist leider wirklich oft so. Aber ähnlich wie du glaube ich daran, dass sich Können und Talent am Ende doch durchsetzen werden. Natürlich gehört dazu auch eine Portion Glück, aber ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen!
      Liebe Grüsse!

  6. Einer meiner traurigen Gründe warum ich auf ein kreatives Studium verzichten musste. Da kannst du noch so viele Ideen und noch so viel Motivation und Talent aufbringen. Leider ist das in den meisten Kreativbrache so. Design, Film und Videospiel.. das nimmt sich alles nicht viel. Im Grunde bleibt nichts im Leben von der Geldsumme verschont. Ich freue mich schon nach meinem BWL Studium für meinen neureichen, Hohlkopf Boss der auf einer Privat Uni , war arbeiten zu dürfen.

    Schöner Artikel !

  7. es ist in der hinsicht wirklich schockierend, weil es denke ich einige gibt, die dort einen job verdient haben, weil sie es wirklich drauf haben, weil sie talentiert sind. da ist es einfach nur schade und eigentlich ein armutszeugnis, dass manche modehäuser bzw. designer so handeln. ich hoffe sehr, dass sich das einmal ändern wird!

    http://gregoryxgregory.blogspot.de

  8. Antonia, danke für deinen Artikel. Praktika sind heutzutage eine finanzielle Investition, die eigentlich keine sein dürfte, ergo undemokratisch und antiegalitär. Schade, gell?

    Ich lebe in London und musste, bevor ich hier einen Job bei einer großen Modefirma landen konnte, ganz genau planen und kalkulieren wann, wo und wie ich mich als Praktikant hergeben kann. Das Perverse: in fast allen Fällen wird man dazu gezwungen, sich unter Wert verkaufen. Wichtig deswegen: publik gemachte Fälle wie diese hier (http://fashionista.com/2014/01/elite-models-to-fork-over-450000-to-unpaid-interns-in-class-action-settlement), die darauf hoffen lassen, dass sich – wenngleich zu langsam – in der Zukunft was ändern wird.

    –Geri
    http://www.gerigazette.com

  9. Sowas ist wirklich eine bodenlose Frechheit. Ich bezahle doch nicht für ein Praktikum ohne Garantie auf einen Job! Kranke Welt. Die heutige Genration lässt sich viel zu sehr ausbeuten. Sicherlich kann ein Praktikum Türen öffen, ich würde das vielleicht einmalig für einen kurzen Zeitraum in Erwägung ziehen, ohne Vergütung zu arbeiten, allerdings sicher nicht für einen längeren Zeitraum oder mehrmals. Da muss es einfach Grenzen geben sonst züchtet man sich eine Genration genügsamer Arbeitssklaven heran! Man muss auch mal Nein sagen können oder auch im Job eine gerechte Bezahlung einfordern.

  10. […] Der dritte Artikel kommt diese Woche von amazed. Auch schon in meiner Reihe Lieblingsblogs vorgestellt, ist es kein Geheimnis, wie sehr ich die Arbeit von Amelie, Antonia und Milena schätze. Diese Woche hat mich ein Artikel von Antonia mehr oder weniger geschockt. Wie viel bist du bereit zu zahlen, für dein unbezahltes Praktikum? Ja man fragt sich jetzt, wo ist der Fehler in diesem Satz? Traurigerweise gibt es keinen. Anscheinend legen Modehäuser heutzutage immer weniger wert auf Qualität, als viel mehr auf ihren glanzvollen Ruf. Aber Freunde der Mode wer zahlt nicht gerne 10.000 € für ein Praktikum, das – natürlich – unbezahlt ist? Vermutlich schnauben viele nun und schütteln entsetzt den Kopf. Doch meine Lieben, genau das ist modische Realität. Wer mehr zahlt, bekommt mehr (so als Modemädchen für alles). Ich war wirklich reichlich geschockt und rate jedem, der sich für Mode interessiert sich Antonias Artikel […]

  11. Naja das ganze ist einfach eine Folge davon, dass viel zu viele in diesem Business arbeiten wollen. Es ist natürlich schön, wenn man beruflich genau das machen kann, was einem Spaß macht, aber Nachfrage und Bedarf decken sich hier eben überhaupt nicht. Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass jeder Ingenieur, Naturwissenschaftler oder Informatiker seinem absoluten Traumjob nachgeht? Von daher hält sich mein Mitleid und meine Entrüstung an dieser Stelle in Grenzen.

    • Liebe Kathrin,
      natürlich wollen viele in diesem Business arbeiten, viel zu viele für viel zu wenige Stellen. Und natürlich bestimmen Nachfrage und Bedarf den Markt – aber ist es nicht schade, wenn jemand, der absolut talentiert ist, dann aus diesem Raster erstmal rausfällt, weil er nicht das nötige Kleingeld hat? Er quasi trotz seines Talents chancenlos ist. Das finde ich schon schade.
      Und natürlich arbeitet nicht jeder in seinem absoluten Traumjob – auch Ingenieure, Naturwissenschaftler und Informatiker wollen manchmal einfach nur einen „Job“. Aber das ist erstmal auch Typsache: Will ich auf Nummer sicher gehen, womöglich mehr Geld verdienen und einen fixen Job machen, dient die Arbeit nur zum Broterwerb – oder will ich vl. in Kauf nehmen, weniger Sicherheiten zu haben, vielleicht nicht die große Karriere und das große Geld machen und meinem Traum nachgehen? Letzteres trifft in der Kreativbranche einfach viel öfter zu – abgesehen davon, dass viele irgendwann doch in den sicheren Hafen steuern. Ich kenne auch viele Freunde, für die ein freiberufliches Leben mit Existenzängsten der wahre Albtraum wäre – und die dann lieber einen 9to5-Job machen. Natürlich spielt auch eine Menge Glück bei sowas mit – aber nichtsdestotrotz finde ich es schade, dass es eben soweit geht, dass ich mich wo einkaufen kann – und andere mit Talent eben nicht. Liebe Grüße!

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