#FOMO und Snapchat

3. Juni 2015 von in

Trends sind doch eigentlich nur ein riesiger Haufen Mitläufer, die alles machen, weil man es eben macht. Und plötzlich mögen wir Trends, weil wir uns aufgrund der Häufigkeit (die wiederum der Mitläufer zu verdanken ist, also uns selbst) an etwas gewöhnen und es deshalb als „gut“ betiteln. Wie heißt es noch? Wenn alle aus dem Fenster springen, würden wir auch aus dem Fenster springen und ja, da ist was dran.

Wir sind deshalb keine Generation #FOMO (Fear Of Missing Out), sondern die Menschheit leidet schon immer unter der Angst, etwas zu verpassen. Früher waren es Teeniepartys im Jugendzentrum, die wir besucht haben, obwohl wir todesmüde von der Schule im Bett lagen und uns widerwillig dennoch aus dem Bett schälten, es waren Pokémon Rot und Blau oder Tamagotchis. Heute sind es die Parties, aber auch die Apps, die Zeitungen, die Magazine, die News und die Musik. Wer keine Ahnung von Politik, Krisengebieten oder generell schlimmen Ereignissen hat, ist dumm und unreflektiert („Wie, du hast nicht mitbekommen, dass letztens ein Flugzeug abgestürzt ist?!“), wer sich nicht auf jedem Event oder jeder Party blicken lässt, wird von allen Seiten mehrmals darauf hingewiesen (was nervt) und wenn man nicht mehr darauf hingewiesen wird, ist es auch ein Problem (Stichwort unrelevant). Und das Thema Relevanz ist genau der Schlüssel, wieso wir überhaupt unter #FOMO leiden.

Wir möchten immer auf dem neuesten Stand sein, es entwickelt sich alles schnell, was bedeutet, dass du am einen Tag relevant sein kannst und am nächsten schon wieder weg vom Fenster. Damit zu leben ist schwer, möglich, aber schwer. Jeder, der mal Gossip Girl geschaut hat, weiß ganz genau, warum es ein Problem ist, mal relevant zu sein und anschließend nicht mehr. Wenn es für uns kein Problem wäre, unsere Wichtigkeit aufzugeben, wäre Jenny niemals verrückt geworden. Hach.

Ich habe mir lange Gedanken zum Thema Relevanz gemacht, vor allem im Bezug auf Snapchat und für mich ist Snapchat ein Paradebeispiel der Bewegung #FOMO. Ihr erinnert euch? Plötzlich hatte jeder diese App, auf der Videos nur 24 Stunden gespeichert werden und auf der es erwünscht ist, durchgehend sich und sein Leben zu filmen, auch wenn es noch so banal ist. Um seine Reichweite zu pushen und mit noch mehreren Menschen in Kontakt zu treten. Viele lieben die App, viele hassen die App, aber was die Liebenden und Hassenden gemeinsam haben, ist die App ansich. Denn, was wäre, wenn Instagram plötzlich unwichtig werden würde und die ganze Welt auf Snapchat ist? Was wäre, wenn einem das erst dann auffällt, wenn es zu spät ist, aka wenn alle Tausende über Tausende Follower haben und man selbst Null? Eine schwer verkraftbare Vorstellung. Alles zu verlieren in so kurzer Zeit. Also lieber mal mitmachen und die App ab und an befüllen, sonst steht man am Ende ganz alleine da als der Idiot, der keine Ahnung hat, wie man Snapchat bedient (was, meiner Meinung nach wirklich eine Herausforderung ist!).

Wir holten uns also letzte Woche Snapchat aus genau zwei Gründen. 1. Neugierde, 2. FOMO. Denn Snapchat wird vorerst bleiben – vor allem bei Youtubern und Menschen, die sich gerne bei alltäglichen Dingen filmen – siehe Follow me arounds – und die Spaß daran haben, Menschen zuzusehen, wie sie sich bei alltäglichen Dingen filmen. Nach kurzer Zeit durften wir allerdings feststellen: Es macht keinen Spaß. Wirklich nicht. Ich habe selten so ein Unverständnis für irgendeine App gehabt und frage mich, ob die Angst, Snapchat auszulassen, gerechtfertigt ist, oder nicht.

Ihr könnt meine Meinung noch ändern, indem ihr mir Snapchatter vorstellt, die tatsächlich unterhalten und die mir mehr geben können, als „Hey Leute, heute habe ich Nudeln mit Soße gegessen!“. Wenn ich eine Person finde, die mich zum Lachen oder zum Nachdenken bringt, dann bleibe ich. Wenn nicht, wird die App wieder gelöscht – FOMO hin oder her.

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7 Antworten zu “#FOMO und Snapchat”

  1. Ich hab mir von ner Freundin erstmal Snapchat erklären lassen müssen und nach einer dreitägigen Testphase wurde die App wieder gelöscht, weil ich komplett gar keinen Mehrwert darin sehe. Weder für mich als Konsument noch für mich als Content-Ersteller.
    Dann lieber Nudeln-mit-Sauce-Bilder bei Instagram!

  2. Hab’s auch einmal aus Neugier (und aus einem bestimmten aktuellem Anlass) installiert aber NICHTS kapiert. Dabei bin ich sonst recht fit mit Programmen etc…… na ja, finde es unnötig und hatte dann auch keine Lust mehr es zu verstehen. Also habe ich die App gelöscht

  3. Haha, ja bei Snapchat bin ich auch raus. Ich habs mir auch testweise vor zwei Wochen mal runtergeladen (auch #FOMO), aber habe auch einfach keinen Mehrwert gesehen und finde es für’s Bloggen auch eher sinnfrei. Trends kommen und gehen. Wer weiß wie lang es bleibt. Lieber gezielt auf ’ne handvoll von Social Media Kanälen setzen. Liebe Grüße, Fiona

  4. Kann ich so gut nachvollziehen! Man guckt es sich an und weiß in dem Moment schon wie schwachsinnig, sich mit sowas Zeit zu vertreiben! Aber, gut finde ich eigentlich „lifelovebeautyb“, Keegan Allen von Pretty Little Liars, nicht nur, weil er irgendwie echt cool ist :D sondern auch weils einen super Einblick in ein richtiges Film Set gibt, find ich total spannend :)

  5. Ich hoffe, Snapchat ist nur ein trend, der schnell wieder vergeht. Ich mag die App nicht, ich sehe keinen Sinn dahinter und ich hab sie wieder gelöscht.
    und sag mal, wäre es wirklich SO schlimm für dich „die Wichtigkeit zu verlieren“?
    Diese Wichtigkeit ist doch gar nicht so wichtig… Sondern eher, ob du deinen geliebten Menschen wichtig bist… Alles andere hat doch mit „wichtig“ nix zu tun!
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

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