Kolumne: Der Modeklon 2016

11. Februar 2016 von in ,

Früher war alles besser. Es gibt wenige Sprüche, die ich bescheuerter finde als diesen hier – weshalb ich versuche, der Gegenwart und auch der Zukunft positiv entgegen zu blicken und sie nicht mit der Vergangenheit zu vergleichen. Es stimmt auch nicht. Früher war nicht alles besser – aber anders. Auch in der Modewelt.

Die ist seit einigen Jahren von Instagram und Snapchat geprägt. Die großen Blogger sind keine Blogger mehr, sondern Influencer. Sie satteln ihre Blogs auf ihre Social Media Kanäle um, oder sehen ihre ursprüngliche Seite, ihren Blog, als Portfolio ihrer Arbeit. Wer nun aber – gekauft oder nicht gekauft – an die 100.000 Follower aufwärts kommt, der kann sich eigentlich mit Hilfe seiner Instagram- und Snapchat-Accounts finanzieren. Das ist alles nichts Neues. Wir wissen mittlerweile glaube ich alle, dass große Instagrammer ein kleines Vermögen für ein Sample Sponsoring verlangen.

Wir lassen uns dann von den Streetstylefotos (also Handyfotos) der Influencer inspirieren. Wobei Inspiration ein euphemistischer Begriff ist für das, was mittlerweile passiert. Dank der Influencer, dank Instagram und Snapchat, sehen alle gleich aus. Früher ging es in der Mode darum, sich abzuheben und anders zu sein, heute wollen wir alle zu der großen Masse gehören. Wie konnte das passieren?

Zwischen den Influencern herrscht ein riesiger Konkurrenzkampf. In dem Kampf geht es schon lange nicht mehr darum, wer die schönste Kleidung trägt, denn die trägt sowieso jeder. Der Kampf ist komplexer geworden. Chloé, Gucci, Céline und selbst Chanel sind Marken, die jedem Influencer zugänglich sind – die Zugänglichkeit selbst spielt seit langer Zeit keine Rolle mehr, dank der 3 S: Sale, Second Hand, Samples. Die Zeit ist entscheidend: Wer trägt die Teile zuerst? Wer hat „die Mode“ verstanden und weiß, was in einem Jahr jeder trägt? Das führt am Ende dazu, dass in meinem Instagram-Feed alle gleich aussehen und es sich im Prinzip nur noch um zu kleine Laufstegmodels handelt, die jetzt auch außerhalb der Fashion Weeks den neuesten Scheiß präsentieren. Mir war selten so langweilig in der Mode. Und dabei möchte ich mich nicht mal selbst ausnehmen.

Die Frage ist nur, wie ich die Mode für mich wieder interessanter machen kann. Das zu tragen, was sonst keiner trägt, ist nicht der richtige Schritt in die richtige Richtung (also in Richtung Pubertät). Es würde reichen, wenn wieder mehr Menschen anfangen, sich etwas zu kaufen, was sie tatsächlich schön finden – abseits der tausenden Trends und Hypes auf den Laufstegen unserer Wall. Wenn mehr Menschen darüber nachdenken, was sie tatsächlich ausmacht. Einerseits mal einen Trend mit machen, uns andererseits trauen aus dem Hype-Rad auszusteigen: Dabei darf es zweifellos Chanel oder Gucci sein – die produzieren ja mehr als nur zwei Produkte pro Saison.

Alle Kolumnen

Facebook // Bloglovin // Instagram // Twitter

 

Sharing is caring

28 Antworten zu “Kolumne: Der Modeklon 2016”

  1. Sehr toller Artikel!

    Ich kann mittlerweile tatsächlich einen Großteil der Fashionleute auf IG nicht mehr auseinanderhalten und schüttle regelmäßig den Kopf wenn die gleiche Tasche bei der X-ten Dame einzieht. Ich ertappe mich auch selbst dabei, darüber nachzudenken ob diese neue Gucci Tasche nicht doch voll geil ist, weil ich sie einfach 30 Mal am Tag an verschiedenen Leuten sehe – aber nein, ist sie echt nicht und sie wird auch nie zum Rest meiner Kleidung passen. Wenn mir mal was gefällt und ich aber feststelle, dass es auf IG irgendwie nicht so der Renner ist, zweifle ich regelmäßig an meinem Geschmack – komme dann aber zum Glück wieder zur Vernunft. Aber insgesamt: Ja, es ist in den letzten Monaten wirklich extrem eintönig geworden und ich finde auch durchschaubar. Ich habe Marketing studiert und auch eine Weile mit Influencern gearbeitet – man kann teilweise nur noch den Kopf schütteln und ich hoffe, dass der Trend eventuell doch nochmal in eine andere Richtung geht, aber fürchte dass das Ganze noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat (= der Moment wo Firmen mehr Schaden vom Hype tragen als Profit).

    Viele Grüße

      • Ich glaube ich weiß, was Nicole meint.
        Mittlerweile nervt es so sehr, immer die gleichen Produkte auf sämtlichen IG-Accounts zu sehen, dass einem die Teile total zum Hals raushängen, man sie deshalb ganz bewusst NICHT kauft! Ergo: (Finanzieller) Schaden für die Firma (ich sehe auch einen Imageschaden) und kein Profit.

    • Mir vergeht zum Glück absolut die Lust, eine Tasche zu kaufen, die ich omnipräsent wahrnehme. Bestes Beispiel ist die Dionysus – mir tut schon fast jeder Leid, der das Geld dafür hingeblättert hat, denn durch den digitalen Overkill ist die Tasche für mich in kürzester Zeit zum absoluten Trash-Mitläuferteil mutiert. Und so passiert es einfach ständig – denn so eine Mitläufertasche im Moment des Hypes zu kaufen ist für mich einfach nur ein trauriges Eingeständnis für fehlenden Individualismus und eigenen Charakter, und eben kein Beweis für Modekompetenz.

  2. Danke für diesen großartigen Artikel liebe Amelie. Du sprichst mir sowas von aus der Seele. <3
    Dem ist (von meiner Seite aus) nichts mehr hinzuzufügen, Amen!

    Alles Liebe aus Hamburg
    Nori

  3. Guten Morgen,
    ich frage mich anknüpfend an deine oben gestellten Fragen, ob es sich dabei nicht 1. um ein Modeblasen-Problem/Phänomen handelt und 2. ob dieses Problem nicht auch eine Frage des Alters ist. Kurz gesagt, wenn man sich nicht nur auf Mode-Kanälen bewegt (egal ob Blog, Instagram…) dann ist diese Uniformität nicht so stark ausgeprägt. Und oft sind es ja eher die jungen Menschen, die unreflektiert jedem Trend nachlaufen, obwohl es auch die Älteren trifft (siehe populäre Blogs wie This Is Jane Wayne, Journelles, …), aber die leben ja auch in einer Modeblase und sie leben ja auch davon, da ist der Druck jeden neuen Schei… zu promoten usw. auch für mich als Leser sehr greifbar. Von daher sind es doch vielmehr interessante Themen und Artikel, die einen Blog gut machen, die neusten Kollektionen, Anschaffungen, Outfitposts usw. sind doch nur Werbung.
    Sobald man andere Interessen hat und diese auch verfolgt und über ein gesundes Selbstbewußtsein verfügt (kommt ja manchmal erst mit dem Alter), ist es doch recht leicht dem Modediktat zu entkommen, sich davon frei zu machen.

    • Liebe Maja, klar handelt es sich um diejenigen, die sich in einer Modeblase aufhalten. Dabei spreche ich vor allem von internationalen Influencern – die Sache ist nur, dass diese (wie der Name schon sagt) die Menschen auch außerhalb dieser Blase inspirieren. Sie sind ja sozusagen die modischen Vorbilder, früher auch It Girls genannt.

      Das ist genau der Druck, dem auch unter Anderem wir unterlegen sind. Aufgrund unserer Reichweite (vielleicht auch unserer Reflexion ABER das bilde ich mir vielleicht auch nur hoffnungsvoll ein) aber sicherlich nicht so extrem wie andere. Das passiert ganz automatisch, wenn man in der Mode arbeitet und ist auch normal. Muss es aber überhaupt nicht, zumindest nicht in dem absurden Ausmaß – viele Blogger / Influencer haben in meinen Augen vollkommen ihr Gesicht, bzw. ihren Stil verloren und ich würde mir sehr wünschen, dass es da mal eine Gegenbewegung gäbe, in der wieder mehr Influencer herausfallen wollen. So schwer ist das nämlich eigentlich gar nicht!

      • Ich finde gar nicht so sehr, dass es hauptsächlich oder nur ein Problem der Menschen innerhalb der Modeblase ist. Ich meine es ist bestimmt kein Problem für besonders stark reflektierte und frei denkende und lebende Menschen, die sich gar nicht so sehr mit der Modeindustrie auseinander setzten (sind hier vielleicht die neuen Influencer? :D ) Menschen die so nicht sind, aber trotzdem Spaß und Intresse an Mode haben und die Möglichkeiten die damit verbunden sind, haben es momentan schwer. Man sieht überall dasselbe und jede Stilrichtung ist vorgemustert, mixen oder Trends auslassen, gilt schnell als überholt oder langweilig. Was mit unter abschreckend wirken kann, für ich sag mal „Normalos“, deren Schwerpunkt nicht in der Modebranche und der zugehörigen Szene liegt. Dabei wäre es doch schön wenn wieder mehr vielfätigere Leute das Modebild unserer Gesellschaft prägen würden.

        Und ich könnte mir vorstellen dass der Moment von dem Nicole gesprochen hat der ist, in dem ein Trendteil oder eine Trendmarke so ausgelutscht ist, dass es keiner mehr sehen mag und dann gleich alles schlecht davon ist. Siehe Michael Kors, erst gefeiert heute verpönnt. Und die Menschen die seine Taschen schön fanden, weil sie die nun mal schön fanden schämen sich heute für diese Modesünde oder setzen ein Statement wenn sie diese trotzdem tragen. Naja und der Marke hats zum Ende nicht gut getan. Das könnte Chanel z.B. so nicht passieren aber es ist in Ansätzen oder ähnlichen Punkten sicherlich denkbar.

        Zum Schluß, schöner Artikel Amelie und verzeiht den übermäßig langen Kommentar! :D
        Liebe Grüße

        • Ich liebe deinen Kommentar! Ja, ich hoffe, dass diese Menschen irgendwann die neuen Influencer werden. So wie früher die klassischen Streetstyles, bei denen „irgendwelche“ Menschen mit inspirierendem Stil fotografiert wurden. Wie sehr ich lachen müsste, wenn die Chanel Tasche irgendwann zu einem Trash-Teil mutieren würde. Hach. Das wär doch was.

    • This is Jane Wayne, Journelles: alt?? Oje, ICH werde alt!! :D (Ist nicht als Kritik an deinem Post gemeint, ich bin nur wirklich kurz erschrocken.)
      Was das Alter betrifft, finde ich es spannend, wie sich die Blogosphäre in dem von Amelie angesprochenen und hier diskutierten Aspekt im Laufe der Jahre, und mit zunehmendem Alter der Blogger, verändern wird. Ob die „alten“ und heute noch jungen Blogger dann allerdings noch bloggen, weiß man nicht.

      • äter ist ja nicht alt ;)

        Zu Amelie, natürlich hat Mode Einfluss auf den Einzelnen und die Gesellschaft, nur zählen die hier als Influencer betitelten Blogger in der Masse meiner Meinung nach nicht dazu. Das sind doch im Grunde nur Werbeflächen, die den Massengeschmack bedienen oder eben zum schnelllebigenTrend-Verhalten und vor allem zum Konsumieren animieren. Da wird ja nur nachgeplappert was das Label/ der Designer vorgeben oder eben die Bloggerkollegen vorleben. Ich denke Influencer sind doch eher Menschen, die diesen Trends voraus sind, Blogger erklären jede Woche neue Konsumartikel zum Must Have, da sie nun mal davon leben und an ihren Lesern verdienen (wollen). Das gefühlt alle dieselben Produkte haben wollen, gleich aussehen wollen und die selben Ansichten vertreten ist, denke ich, nicht vordergründig den Bloggern anzulasten, diese sind ja extrem ausgedrückt oft nur Opfer des eigenen Geltungsdrangs und der scheinbaren Macht.

  4. Danke für diesen Artikel!
    Heute morgen stolperte ich über einen einfachen Artikel über Steet Wear auf einem Flohmarkt in LA und war begeistert von den unterschiedlichen Stilen und tollen Inspirationen, die so gar nichts mit der „aktuellen Mode“ zu tun hatten. Mich nervt in letzter Zeit, genau wie dich, immer nur den gleichen Look von unrealistisch gut aussehenden Frauen (die Gene sind gemein..) präsentiert zu bekommen.
    Es gibt durchaus tolle Blogs und Seiten, die schöne, individuelle Looks präsentieren aber der Punkt, warum wir alle auf Insta den üblichen Verdächtigen folgen (so zumindest bei mir): Sie produzieren einfach mehr, täglich kommt ein neuer Look oder ein Produkt und unser Verlangen nach neuen Reizen wird befriedigt.
    Ihr habt da übrigens eine gute Lösung gefunden, indem ihr euch zusammengeschlossen habt, wodurch ihr täglich Beiträge schaffen könnt und oft inspirierende Looks zaubert, danke dafür!

  5. Das ist genau das, was ich auch denke, aber man darf sich selbst natürlich nicht ausnehmen. Und genau das tust du auch nicht und das finde ich so schön. Bei vielen anderen Bloggern wäre solch ein Text eher ein Finger zeigen auf andere gewesen, dabei sind sie selbst genauso. Nur wollen sich das vielleicht selbst nicht eingestehen. Deshalb, super Text. :) Und dafür lese ich euch auch so gern: Weil ihr so ehrlich mit euch selbst seid.

    Und natürlich hast du mit deinem Artikel völlig recht, alle sehen inzwischen gleich aus. Aber wenn ich mich mir mal anschaue: Ich bin ebenfalls nicht viel besser. Nur mit dem Unterschied, dass ich mir nicht einfach mal ’ne Drew-Bag leisten kann. Zum Glück, sonst sähe ich noch viel mehr aus wie der Modeklon …

  6. Super Artikel – nervt mich auch sehr, insbesondere wenn man merkt, dass man selbst (teilweise) ein Teil davon wird und die gleichen Sachen hypt/kauft.

    Aaaaber: ich glaube auch, dass es nur die nervt, die sich eben viel in dieser Welt aufhalten. Ich habe – weil ich so genervt war – mal fast alle Fashion-Blogger entfolgt. Klar bekomme ich das alles trotzdem noch mit, aber nicht mehr so stark. Und auf der Straße sieht man (obwohl ich in einer Großstadt wohne) nun auch nicht ständig Fashionistas und erkennt die einzelnen schon relativ fix an den weißen Sneakern mit grünen Details. Merkt dadurch aber doch, dass es eine kleine Minderheit ist im echten Leben – und man einfach nur seinen Feed etwas umstellen muss :)

  7. Hey :) Ein sehr interessanter Artikel und ich finde Deine Meinung dazu wirklich gut. Ich bin zwar z.B. selbst auch viel auf Instagram unterwegs, mir ist aber auch schon so oft aufgefallen, dass die Acoounts die ich neu abonniere sich im Stil teils kaum unterscheiden. Viel hell, viel weiß und so weiter… Wenn die Bilder an sich toll gemacht sind schaue ich mir die Feeds trotzdem immer gern an. Aber eigentlich ist es langweilig, da hast du total Recht.. Vor allem, weil ich persönlich mich nicht mal genauso kleide, wie die Mädels dessen Feeds ich am häufigsten sehe. Am liebsten lese ich sowieso immer noch die „richtigen“ Blogs :) Mit ein bisschen persönlichem Text, tollen Fotos und interessanten Themen auch mal ausserhalb der neuesten Trendteile :)

    Liebe Grüße, Laura
    diamondsandcandyfloss

  8. Super Kommentar und ich merke mal wieder, dass mein Follower-Verhalten recht widersprüchlich zu dem derer ist, die meine meist gelesenen Blogs schreiben.
    Ich folge z.B. auf insta fast keinem der großen Influencer… weil sie alle total langweilig und austauschbar sind. Überall die selben Farbkombis, die selben Designeraccessoires, viel weiß, viel nordisches Design.
    Nicht dass ich Teile davon nicht mögen würde, aber in dieser Flut der Menschen, die sich alle für besonders modisch oder individuell halten, gehen sie alle zusammen unter.
    Da lobe ich mir die kleinen, wirklich (im positiven Sinne) eigenartigen Profile (und ja, ich schaue auf die Followerzahl… alles ab den 10.000en schreckt mich ab), die mich immer wieder wirklich inspirieren, weil sie nicht nur kopieren oder Samples vorstellen.

    Ich kann dich also absolut verstehen und finde es super, dass du so offen schreibst und nicht nur mit dem Finger auf andere zeigst!

    Liebe Grüße
    Sabrina

  9. Ich frage mich tatsächlich das selbe wie Nicole, ist die Gucci Tasche jetzt wirklich so geil? Ohne penetrantes Gucci Logo finde ich sie tatsächlich sehr schön. Was Du aber ansprichst kann ich absolut verstehen. Lir geht es nicht anders. Ich habe mich vewusst einige Wochen von Instagram fern gehalten um wieder zu mir zu finden. Und soll ich Dir was sagen, mir war noch nie so sehr bewusst wie heute, dass ich meistens gezielt auf der Suche nach Stücken bin die noch nicht jeder hat. Oder mittlerweile doch immer mehr Leute haben. Ich mochte zum Beispiel Philosophy vom Design immer super gern, bis Chiara ausgestattet wurde. Irgendwie ist da der zauber verloren gegangen. Aber auch noch nicht so gehypte Marken wie Dita, Maison Michel, Krikor Jabotion, Serge Lutens Düfte oder Givenchy Make Up finde ich ganz wunderbar. Ich freue mich übrigens wahnsinnig darüber dass viele Marken beschlossen haben nur noch zwei Kollektionen zu präsentieren. Vielleicht komlt da wieder die eigene Persönlichkeit des einzelnen zur Geltung und nicht jeder versucht, die neusten Trends sofort in seine Garderobe zu integrieren.

    Ich würde ja von mir behaupten dass mein Stil etwas individueller ist. Mehr Lady like, oder tussig wie man will. Ich liebe einfache Midiröcke, dicke Kenneth Jay Lane Perlen und eben meine verrückten Kopfbedeckungen genauso sehe wie meine Jimmy Choos und Chucks und natürlich meine Chanel. :)

    Und wie gesagt vielleicht passiert bald ein wunder und super viele neue individuelle Styles schießen ais dem Boden.

    Bisous aus Berlin, Patricia
    THEVOGUEVOYAGE by Patricia Sophie

  10. Dein Post trifft den Nagel auf den Kopf – und ich meine auch, zumindest teilweise den Ursprung des Problems zu kennen: Echter Stil wird immer mehr durch hippe Fashion ersetzt. Es geht nur noch um Äußerlichkeiten, während zunehmend verkannt wird, dass ein perfekt kuratierter Instagram-Account und scheinbare Perfektion kein Ersatz für echte Ausstrahlung sind. Mode kann nur so interessant sein wie ihre Trägerin und spannende Persönlichkeiten sucht man in der Modewelt von Instagram meist vergeblich. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Internet schnell zur Oberflächlichkeit verleitet: Alles muss schnell gehen, interessante Artikel werden (wenn überhaupt) nur noch überflogen und das daraus entstandene Halbwissen macht echte intellektuelle Auseinandersetzung zur Rarität.
    Wenn man immer nur „How to be parisian“ liest, nie aber einen halbwegs guten Roman in die Hand nimmt; wenn man ständig „Inspiration“ im Insta-Feed sucht anstatt mal in eine Ausstellung zu gehen, wenn Bestätigung von außen wichtiger ist als die Suche nach intrinsischer Wahrheit – dann verkümmern Persönlichkeit und Ausstrahlung mit großer Sicherheit recht schnell.

    Solche Tendenzen sind meiner Meinung nach schon ein bisschen älter, haben wahrscheinlich mit der Ära des Reality-Fernsehens und der tatsächlich vollkommen uninspirierten It-Girls wie Paris Hilton und später dann auch Olivia Palermo ihren Anfang genommen. Klar mag man argumentieren, dass es It-Girls sogar schon vor dem Farbfernsehen gab – doch Frauen wie Edie Sedgwick oder Loulou de la Falaise müssen zwangsläufig auch spannende Persönlichkeiten gewesen sein – schließlich haben sie andere spannende Persönlichkeiten zu ihren besten Werken inspiriert. Mittlerweile besteht diese Voraussetzung nicht mehr, man muss nicht zur Muse taugen, um ein It-Girl zu sein: Der Massengeschmack sucht sich seine eigenen It-Girls, krönt ihr Haupt in Form von Doubletaps und liegt mit seiner Wahl leider viel zu oft daneben.

  11. Hallo :)
    Ich glaube ein wichtiger Bestandteil der Mode besteht darin, Bekleidungsstücke im Sinne von „Basics“ zu kaufen, die schlicht, hübsch und klassisch zugleich sind. Andererseits aber auch mal das ein oder andere auffälligere Teil zu besitzen. Diese können auch super über längeren Zeitraum miteinander kombiniert werden. Ich glaube die wahre Kunst liegt nicht darin jede Woche eine neue Errungenschaft bei sich einziehen zu lassen, sondern Bekleidungsstücke zu besitzen, mit denen man sich auch noch in einem halben Jahr oder einem ganzen Jahr identifizieren kann und gerne trägt. Klar, als Modebloggerin will man immer auf dem neuesten Stand sein, heißt ja aber nicht das man auch so aussehen muss. Schließlich besitzen wir meistens eh total viele Bekleidungsstücke und können damit auch viele Experimente wagen. Weniger ist manchmal mehr, sonst sieht man manchmal die Kombinationsmöglichkeiten vor lauter Shirts nicht mehr.
    Natürlich möchte ich das Einkaufen hier nicht schlecht reden, es macht unglaublich viel Spaß neue Sachen zu kaufen. Aber die Abwägung zwischen wirklicher Relevanz und bloßer Langeweile ist da auch ganz entscheidend.
    Und das, so schätze ich, ist eine Weg zu mehr Eigenkreation.

    Grüße, Susanna
    _________________________
    http://www.susannavonundzustil.de

  12. Danke für den tollen Artikel!
    Den Spruch „früher war alles besser“ mochte ich auch nie leiden, auf das Thema passt er für mich aber sehr gut! Ich denke der Begriff „Fast Fashion“ ist hier die Begründung für das sinkende Schiff der Individualität und Kreativität.
    Als man sich die Inspirationen noch von der Strasse, den Zeitungen oder aus dem TV geholt hat, gab es einfach viel mehr Raum für Entfaltungen und man hatte keine speziellen modischen Vorbilder, die man wie heute 1 zu 1 kopiert. Vielleicht sollte man wirklich mal etwas Abstand von Instagram und seinen Lieblingsmodebloggern nehmen.

  13. Ich sage euch, wie es ist: ich habe kein Geld für solch teure Designertaschen. Auch wenn ich sie schön finde oder fände, egal, ich kann sie mir nicht leisten. Und die meisten in meinem Umfeld auch nicht. Das macht aber nichts, ich bin deswegen nicht deprimiert ;-) ich frage mich nur, wer sich solch hochpreisigen Teile leisten kann? Wer in meiner Situation ist, geschieden, alleinerziehend, in Teilzeit angestellt, sicher nicht. Da legt man 2000 € anders an… LG Steffi / redseconals.com

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars bestätigst Du, dass Du unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen hast.