Ich habe Gilmore Girls 7-mal durchgesehen und werde es auch ein 8. Mal tun

8. Oktober 2020 von in

Coffee, Coffee, Coffee! Sie trinken Kaffee, viel Kaffee. Zu jeder Uhrzeit. Sie essen ungesund, lieben Filme und die schrulligen Einwohner des Ortes, in dem sie leben: Stars Hollow. Die Serie Gilmore Girls wurde diese Woche zwanzig Jahre. Ich selbst bin 28 Jahre und das bedeutet, dass mich Lorelai und Rory Gilmore fast mein ganzes Leben lang begleiten. Denn schon in der frühen Schulzeit war Gilmore Girls meine Lieblingsserie. Bis heute sehe ich sie immer dann, wenn ich schlechte Laune habe und mich von der Realität abkapseln möchte. Ich habe Gilmore Girls mindestens sieben Mal durchgesehen und werde es auch ein achtes Mal tun.

Die Serie ist nicht sonderlich gut gealtert. But then again: Welche ist das schon?

Schon klar. Die Serie ist nicht sonderlich gut gealtert. But then again: Welche ist das schon? Innerhalb von zwanzig Jahren verändert sich nämlich viel. Doch verglichen zu vielen anderen Serien (*schielt rüber zur Serie Friends*) ist Gilmore Girls verhältnismäßig gut gealtert. Zwar ist sie viel zu weiß, verherrlicht Amerika, und vermittelt falsche Körperbilder, doch zur damaligen Zeit war die Serie – verglichen zu ihrer Konkurrenz – fast schon feministisch. Auch wenn das heute nicht mehr zutrifft, erfüllt sie heute doch mindestens die Rolle der Klischee-Familie, bei der man manchmal die Augenrollen muss, aber die man trotzdem liebt. Ich sag’ euch auch, warum.

Lorelai und ihre Tochter Rory Gilmore haben ein Frauenbild geprägt, das sich nicht nur von Pizza und Burger ernährt (Rolleyes), sondern von Popkultur. Zweiteres nervt nicht, sondern ganz im Gegenteil lebt die Serie von den Film- und Musikreferenzen. Keine Folge vergeht, in der kein Film zitiert, Song gehört oder keine Band erwähnt wird. Es ist wahrscheinlich unmöglich, alle Referenzen zu verstehen, die jemals in Gilmore Girls gemacht werden. Ob The Shining, Westside Story, Flashdance, Deer Hunter, Freaky Friday, Willy Wonka, Sixteen Candles, The Outsiders, The Godfather, die Liste der Filme, auf die Mutter und Tochter in ihren Dialogen verweisen, ist endlos. Ob sie wohl ein Grund meiner Liebe zu Filmen sind? Womöglich. Die zwei Protagonistinnen teilen diese Liebe jedenfalls. Sie kennen alle Filmklassiker und haben dazu noch einen fantastischen Musikgeschmack.

Doch trotz ihrer Leidenschaft zu Fast Food, Filme oder Musik, zeigen sie sich von ihrer mädchenhaften Seite. Sie schminken sich gegenseitig, teilen sich Kleidungsstücke, stecken sich glitzernde Spangen in die Haare oder schwärmen für Lipgloss mit Geschmack. Es ist fast schon erfrischend. Denn die „coolen“ Frauen sind in Filmen normalerweise die, die sich nicht für Mode interessieren (und trotzdem gut gekleidet sind), die sich nicht schminken (und trotzdem geschminkt sind), und die ganz viel essen (und trotzdem dünn sind) – okay, Letzteres trifft auch auf die Gilmore Girls zu. Doch sie zeigen auf warmherzige Art und Weise, dass es Spaß macht, sich für klischeebehafteten „Mädchen-Kram“ zu interessieren. Dass man gleichzeitig trotzdem schlau sein kann, unabhängig, cool. Das sollte heute selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Und damals war es das erst recht nicht. Und sonst noch? Passiert ehrlich gesagt ziemlich wenig.

Die eigentliche Magie der Serie liegt darin, dass nichts passiert.

Denn die eigentliche Magie der Serie liegt darin, dass nichts passiert. Gerade die ersten Staffeln leben davon, dass sie fast keine Handlung haben. Denn wo wenig Handlung ist, ist Raum für Dialoge. Das ist der Grund, weshalb Gilmore Girls so liebenswert ist. Die langen Dialoge am Essenstisch der Gilmore-Eltern, die Gespräche zwischen Rory und Lorelai auf dem Sofa, die gehetzte Lane, die CDs unter ihren Holzdielen versteckt, die Kaffee-Rituale am Morgen bei Luke’s.  Der unaufgeregte Alltag zeigt einen tiefen Einblick in das Leben aller Charaktere. Man lernt sie unheimlich gut kennen und liebe. Vor allem doch lieben! Die Serie ist ungewöhnlich voll mit liebenswerten Charakteren. Paris, zu der man von Anfang bis Ende eine Hassliebe hegen muss, Emily, Richard, Luke, Michel, Paris, Sookie, Dean, Jess, und selbstverständlich Lane, die beste Freundin von Rory.

Das alles geht leider in den späteren Staffeln verloren. Wenn Rory aufs College geht, sich in Logan verliebt, sich mit ihrer Mutter streitet, entwickelt sich Gilmore Girls schleichend zu einer normaleren Serie. Die Dialoge werden durchschnittlicher, die Handlung vorhersehbarer, die Charaktere flacher.

Trotzdem werde ich Gilmore Girls auch nach 20 Jahren Jubiläum wieder sehen. Und wieder. Und wieder. Vor allem die ersten Staffeln laufen bei mir in der Dauerschleife. Damals auf Vox, heute auf Netflix. Denn der Wortabschlag, den sich die Charaktere bieten, gibt mir ein Gefühl von Wohlbefinden. Wie eine warme Decke lösen die schwerelosen Gespräche Wärme in mir aus. In der Serie ist nicht alles perfekt und würde sie heute erneut gedreht werden, wäre vieles anders. Doch die Dialoge wären genauso schlau, reibungslos, kreativ und spielerisch. Danke für die schöne Zeit, und auf kommende 20 Jahre mit euch. 

Sharing is caring

6 Antworten zu “Ich habe Gilmore Girls 7-mal durchgesehen und werde es auch ein 8. Mal tun”

  1. Liebe Ameli, vielen dank für diesen Pst. Ich liebe die Serie auch und werde ganz wehmütig, wenn ich daran denke, dass die Serie schon 20 Jahre alt wird. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht.

  2. Oh ja, ich bin gerade auch etwa das zehnte Mal durch… über manche Dinge stolpert man mittlerweile etwas, aber alles in allem bleibt es einfach eine absolute Wohlfühl-Serie für mich. Meine Mama und ich haben früher immer zusammengeguckt. Und während ich damals alles eher aus Rorys Perspektive gesehen habe, bin ich halt nun näher an Lorelai dran – auch irgendwie schön. Wahrscheinlich werde ich es noch gucken bis ich bei Emily angekommen bin. :D

    • Total! Ich finde es auch interessant, dass ich früher beispielsweise Dean total doof fand und Logan toll. Heute ist es genau umgekehrt. Finde es spannend, wie man durch solche Serien merkt, wie sich die Sicht auf die Dinge verändert.

  3. Ich oute mich hiermit als Freak – habe bis zum heutigen Tag noch keine einzige Folge dieser Serie gesehen.
    Und gedenke auch nicht, dies so rasch zu ändern. Spricht mich einfach überhaupt nicht an. Auch das soll es geben ;-)

    Viele Grüße

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars bestätigst Du, dass Du unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen hast.