Jahresrückblick 2023: Hanna

10. Januar 2024 von in

Schon wieder ein Jahr vorbei. Und auch unsere freie Autorin blickt zum Beginn des Jahres noch einmal zurück. Was war gut, was war schlecht? Und wenn 2023 vorwiegend schlecht war: Was war vielleicht TROTZDEM gut? Meistens doch mehr, als man denkt. Und das gibt Hoffnung.

Jahresrückblick 2023

2023 war scheiße. Dieses Jahr ist mir mit dem blanken Arsch ins Gesicht gesprungen. Please excuse my language, aber das hilft mir. Ich dachte bisher, 2020 war schlimm, mit Trennung und Corona-Ausbruch. Aber 2023 hat es ganz oben in meine Shitlist geschafft. Dieses Jahr hat mir die schwerste Zeit bisher in meinem Leben beschert. Mit einem brennenden Besen habe ich dieses furchtbare Jahr rausgekehrt. Next!

Das hat 2023 mit mir gemacht: „Loslassen“ war mein Vorsatz für 2023. Ich wollte Kontrolle abgeben, dem natürlichen Lauf der Dinge vertrauen, mich nicht mehr so anstrengen, im Vertrauen darauf, dass alles gut wird.
Und loslassen musste ich in diesem Jahr: Im Frühjahr hatte meine an Demenz erkrankte Mutter einen Schlaganfall. Danach haben wir uns fünf Monate lang von Notlösung zu Notlösung gehangelt: Intensivstation, Notbetreuung Zuhause, Reha, 24-Stunden-Pflege Zuhause, Klinik. Wo wir vorher als Familie der Meinung waren, dass die Demenz ja noch nicht so fortgeschritten ist, da hat der Schlaganfall neue Verhältnisse geschaffen. Und neue Extremsituationen.

Ich denke, jede und jeder wünscht sich, dass die Eltern so lange wie möglich in ihrem Zuhause bleiben können. Das war auch unser Wunsch und das Ziel all unserer Mühen. Aber Demenz ist eine so vertrackte und schwere Scheiß-Krankheit – am Ende wartete die Resignation auf uns. Und so mussten wir meine, unsere Mama im Spätsommer in eine Einrichtung umziehen – in der Hoffnung, dass sie da langfristig gut aufgehoben ist. Leider entpuppte sich auch das nur als Übergangslösung und so warten wir aktuell auf einen Platz in einer passenderen Einrichtung.

Demnach hat mich dieses Jahr unheimlich traurig und schwer gemacht. Vor allem die Zeit rund um Weihnachten brachte diese Schwere auch wieder mehr zu Tage – wenn andere, vermeintlich heile Familien Weihnachten feiern und die Dinge mit meinen Eltern inzwischen so ganz anders sind.
Dieser Jahresrückblick soll aber nicht nur schwer sein. Mein Bruder Jan sagte über das Jahr: „Aber es gab auch viele schöne Momente“. Und das stimmt auch – wir haben trotz allem viel gelacht. Zum Beispiel als mein Bruder Ben in der neuen Unterkunft meiner Mutter die Klobrille ausgetauscht hat. Wie er da so unter der Latrine hing und laute Würgegeräusche von sich gab – vollkommen übertrieben und gerade deswegen so komisch. Ich glaube, das ist eine Stärke, die wir als Familie haben.

Manchmal habe ich in 2023 auch andere Dinge getan, als mich um meine Mutter zu sorgen. Zum Beispiel eine zehnwöchige Sommer-Auszeit von meiner Arbeit genommen, mein so-called Creabbatical (creative + sabbatical), um mich meiner Kreativität zu widmen und Neues zu lernen.
Ich habe außerdem meine zweijährige nebenberufliche Weiterbildung zur systemischen Beraterin abgeschlossen. Dinge, die mir diese Weiterbildung gebracht hat: einen KOMPLETT VERÄNDERTEN Blick auf zwischenmenschliche Kommunikation, zwei Jahre begleitete Selbstreflexion und das Gefühl, persönlich so aufgeräumt zu sein wie wohl noch nie. Neue Freundinnen, eine wohlwollende Gruppe, die sich wie eine warme Kuscheldecke angefühlt hat, praktisches Wissen über Trauer, Partnerschaft, Sexualität, Konflikte, Patchworkfamilien, Gesprächsführung, Fragetechniken und und und… Diese Weiterbildung hat meine Haltung, mein Denken und meine Sprache verändert. Wer mit dem Gedanken spielt, sich im Bereich systemische Beratung weiterzubilden: DO IT! Volle Empfehlung von mir!

In diesem Jahr habe ich erkannt, dass sich manche Dinge unweigerlich ändern und man die Zeit nicht aufhalten, geschweige denn zurückdrehen kann. Dass es den Moment gibt, in dem spürbar wird, dass die Eltern älter werden. Und irgendwann auch der Tag kommt, an dem sie sterben werden. Dass ich jetzt auf die sorglosen Jahre zurückblicke, zum Beispiel im Studium, als noch alles gut war. Dass ich denke: „Wie unbeschwert das alles war. Das wird es nie wieder geben. Ab jetzt ist es nur noch schwer.“

Ich habe aber auch erkannt, dass im Leben so viel gleichzeitig passiert – wie Antonia hier auch beschrieben hat. An einem Tag feiere ich den Junggesellinnenabschied meiner besten Freundin und fühle mich voller Leben (und voller Prosecco). Am nächsten Tag besuche ich meine Mutter in der Reha und die ganze Ausweglosigkeit bricht über mich herein. Und als ich mit dieser Ausweglosigkeit, mit Krankheit, Trauer und Abschied konfrontiert war, wurden manche Dinge total egal. Das x-te Meeting zur Vorbereitung von einem Event – ein Klick und: abgesagt. In diesem Jahr musste ich – und habe ich – öfter Grenzen gesetzt als bisher. Habe öfter „nein“ gesagt und dann erklärt, warum ich für manche Sachen nicht zur Verfügung stehe. Habe Menschen, die mich verärgert haben, geschrieben, dass ich verärgert bin und warum. Und zwar ohne den Ärger zuerst wochenlang beleidigt mit mir rumzutragen. Und habe erkannt, wie gut das tut und dass es dazu führt, dass sich Menschen bei mir ENTSCHULDIGEN und sich danach etwas mehr anstrengen. Was für eine wohltuende Erfahrung!

Damit hatte ich 2023 besonders zu kämpfen: Mit der Trauer um meine Mama. Ich musste mich ein weiteres großes Stück von ihr verabschieden und bin unheimlich traurig darüber. Seit diesem Jahr können wir kaum noch telefonieren, um zumindest so die 600 Kilometer Entfernung zu überbrücken. Zu kämpfen hatte ich außerdem mit der Sorge um meinen Vater, der seit dem Schlaganfall rund um die Uhr im Einsatz war und ist. Der zusehen muss, wie es seiner Frau schlechter geht. Der plötzlich alleine im Familienhaus wohnt.

Ich hatte zu kämpfen mit dem Abschied von dem Zuhause meiner Kindheit. Mein Elternhaus, das schneller als gedacht die Wärme und Behaglichkeit meiner Mutter verloren hat. Das mich mit gähnend leerem Kühlschrank anstarrt und sagt: „Du willst was essen? Kauf dir was! Das warme Wasser ist übrigens auch kaputt, heute duschst du kalt.“

Und zwischen all dem habe ich auch um mich und mein Leben getrauert. Mit 34 Jahren bin ich jetzt pflegende Angehörige, sorge mich um Medikamentengabe und Pflegeanträge, während andere in meinem Alter mit ihren Eltern Skifahren gehen, Shoppingausflüge machen oder Enkelkinder bei ihnen abgeben. Manchmal denke ich tagelang nicht an die Situation zu Hause. Dann meldet sich das schlechte Gewissen: „Jetzt warst du schon so lange nicht da, du solltest mal wieder fahren.“ Und dann kommt die Wut: „Ich habe auch ein Recht auf Glücklichsein. Was ist mit meinem Leben?“

So habe ich meine Zeit am liebsten zu Hause verbracht: Meine Wohnung in München ist mein safe space, hier tanke ich Energie. Bei passendem Wetter ruft mein Outdoor-Wohnzimmer: mein heißgeliebter Balkon. Jetzt zum Winter packt mich die Lust auf Veränderungen im Interieur. Mein aktuelles Projekt: die Umgestaltung des Flurs.

Und so unterwegs: Dieses Jahr war ich zu viel im Auto unterwegs, vor allem auf der A9 hoch und runter, Radio hörend, weil ich mein Handy immer noch nicht mit dem Autoradio verbinden kann. Falls also jemand den aktuellen Verhörhammer wissen will, ich bin informiert.
Ansonsten habe ich viel vom Münchner Kulturleben mitgenommen: den Riesenflohmarkt auf der Theresienwiese, die Lange Nacht der Musik, Tollwood, Sommernachtstraum, Münchner Kulturstrand, ein grandioser Tanzabend auf der Oiden Wiesn im Herzkasperlzelt zu Elektro, der live von Alphorn und Posaune begleitet wurde. Mein wohl schönstes Konzert bisher von Danger Dan in der Isarphilharmonie. Zwei Berlin-Besuche, weil eine liebe Freundin nun dort wohnt. Und immer wieder das Münchner Umland mit seinen Seen und Bergen.

Das hat mir 2023 besonders geholfen: Meine Familie inklusive Schwägerin und Nichten. Meine Freunde. Kleine Zeichen der Unterstützung: eine Nachricht, dass wer an mich denkt, ein Kuchen, der vor die Tür gestellt wurde, das Angebot, zu telefonieren oder zum Essen vorbeizukommen („Haben eh schon Brötchen für dich mit gekauft“). Ich weiß, dass solche Schicksalsschläge auch für das Umfeld schwer sind, dass man verunsichert ist, wie man am besten helfen oder beistehen kann. Ich freue mich, wenn mich jemand fragt, wie es mir oder uns geht.

Mir hat außerdem mein Job bei Audi geholfen, den ich so sehr mag. Der eine so wohltuende Konstante in meinem Leben ist. Der mir so viel Flexibilität bietet, dass ich diesen Sommer zehn Wochen frei nehmen konnte. Der mir so viele Möglichkeiten bietet, mich einzubringen. So durfte ich in diesem Jahr eine Art Bühnenshow erarbeiten und moderieren, bei der Mitarbeitende emotionale Geschichten aus ihrem Berufsleben erzählen. Oder auch: ein Musikvideo mit Mitarbeitenden drehen, in dem Kolleg_innen gemeinsam einen Song kreieren, singend und musizierend. Gleichzeitig weiß ich, wie fragil ein Konzernumfeld sein kann. Es braucht nur einen Chef_innen-Wechsel und die Dinge können ganz anders aussehen. Umso mehr versuche ich zu genießen, dass ich beruflich im Moment glücklich bin und in einem wunderbaren Team arbeite.
Was mir außerdem hilft: Dinge aufzuschreiben oder sie in quatschige oder idealerweise ästhetische Insta-Posts umzuwandeln. Und auch: schöne Dinge zu kaufen.

Liebstes Instagramfoto

Ich mag das Bild, weil es so echt ist. Es ist auf der standesamtlichen Trauung meiner Freundin entstanden. Das Brautpaar schritt gerade auf den Altar zu und ich wusste „Hier geht jetzt ein ganz großer Traum in Erfüllung“. Das hat mich so ergriffen, dass die Tränen kamen. In diesem Jahr waren meine Schleusen sowieso weit geöffnet: Ich habe unendlich viel geweint. Alleine, mit meiner Familie, mit meiner Mama, mit meinen Freunden, vor meinen Arbeitskollegen, in meiner Weiterbildungs-Gruppe. Und ich habe entschieden, mich nicht dafür zu schämen. Weil die Dinge auch einfach nur zum Heulen sind. Und wie hat meine Dozentin gesagt: „Dass du deine Tränen zulassen kannst, das gibt dir so eine Weichheit.“ Die Dinge können noch so schrecklich sein. Das Letzte was ich will ist, dass sie mich hart und zynisch machen.

Der schönste Trip: In diesem Jahr habe ich nach 15 Jahren in München meinen ersten Hüttenurlaub gemacht – und war begeistert. Abgeschottet vom Weltgeschehen auf den Bergen zu sein, den Blick in die Weite schweifen zu lassen, Kaiserschmarrn zu essen, Karten zu spielen, Kuhglocken zum Einschlafen und Aufwachen zu hören. Das hat mich total runtergeholt. Dazu beigetragen hat auch, dass es dort oben – anders als befürchtet – warmes Wasser und funktionierende Sanitäranlagen gab👌Auf instagram habe ich näher beschrieben, wo wir waren und welche Touren wir gemacht haben. Ich denke aber auch gerne an meine Urlaube in der Provence, Andalusien oder auf Gran Canaria zurück. Oder an den Junggesellinnenabschied in Holland am Strand und in Antwerpen, wo wirklich alles geklappt hat, was ich für die Braut geplant hatte.

Das Lied, das ich 2023 am meisten gehört habe:
Close to the edge – Fulton Lee. Hab ich durch ein Insta-Reel entdeckt: In einer belebten Stadt steht ein Hocker mit einem selbstgemalten Schild. „Sit here if you feel like giving up”, steht drauf. Man sieht, wie sich ein Mann zögerlich hinsetzt, unsicher, was zu erwarten. Wie aus dem Nichts taucht Fulton Lee mit Gitarre auf und singt ihm ein Ständchen. Das besagte Lied, das daran appelliert, an seine Träume zu glauben und weiterzumachen. Der Mann auf dem Hocker, ich nenn ihn mal einen ganzen Kerl, ist zu Tränen gerührt. Sowas kriegt mich.

 

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Meine liebsten Bücher:
Ich liebe es, Bücher zu kaufen, zu leihen oder aus dem Büchertausch-Schrank zu fischen. So bin ich in diesem Jahr auf einige Bücher gekommen. Empfehlen kann ich zum Beispiel Irvin D. Yaloms „Die Liebe und ihr Henker“. Yalom ist Psychotherapeut und Autor zahlreicher Bücher und Romane über Psychotherapie. In diesem Buch schildert er unterschiedliche Fälle aus seiner Praxis. Aus diesem Buch habe ich mitgenommen, wie therapeutisch es wirkt, einfach mal die Handtasche auszukippen und zu erzählen, welche Gegenstände man mit sich rumträgt und warum. Oder die Aufforderung: Erzähl mir jedes Detail!

Philosophische Gedanken über das Konzept Zeit hat mir Rüdiger Safranski in seinem Buch „Zeit“ mitgegeben. Ich fühle mich wie besessen von Zeit: Sie sitzt mir im Nacken, sie diktiert unseren Alltag, ich hab immer zu wenig davon, ich lese sie sogar („Die Zeit“, hehe). Dieses Buch hat mich bereichert, zum Beispiel mit diesem Sinnspruch:
Meist sieht man
des Lebens Frist
vor lauter Alltagsfristen
nicht.

Zur Inspiration teile ich einfach mal die Bücher, die ich darüber hinaus gelesen oder zum Teil angelesen habe, nach Themen sortiert.

Topic: Liebe

Ali Hazelwood – Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe;
Sally Rooney – Gespräche mit Freunden;
Daniela Krien – Die Liebe im Ernstfall;
Bernhard Schlink – Liebesfluchten;
Daniel Glattauer – Die Wunderfrage;
Bas Kast – Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt;
Robert Seethaler – Ein ganzes Leben

Topic: Feminismus & Frauen
Emilie Pine – Notes to Self;
Margarete Stokowski – Untenrum frei;
Cho Nam-Joo – Kim Jiyoung, geboren 1982;
Bernadine Evaristo – Mädchen, Frau, etc.;
Benjamin von Stuckrad-Barre – Noch wach? (Naja, passt entfernt in das Topic rein… )

Topic: Familie (Romane & Sachbücher)

Jonathan Franzen – Crossroads;
Ursula Lott – Das Haus meiner Eltern hat viele Räume;
Susann Sitzler – Geschwister

Topic: Kreativität

Julia Cameron – Der Weg des Künstlers;
Mick Mahony & Kevin Chester – The creative nudge, simple steps to help you think differently;
David Bayles & Ted Orlando – Art & Fear;
Mihaly Csikszentmihalyi – Flow und Kreativität

Topic: Persönlichkeitsentwicklung
Bronnie Ware – Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen;
Brené Brown – Verletzlichkeit macht stark

Meine liebsten Outfits:
Kann ich drei Lieblingsoutfits küren? Diese hier mag ich alle und sie machen mir gute Laune.
1. Casual in Sevilla: Printhose von Idano, weiße Leinenbluse von Esprit, Oversized Cargo-Jacke von Mango, Tasche von Cos
2. Business für eine Moderation: Nadelstreifenhose aus Wolle von Max Mara, graue Seidenbluse von Boss, Secondhand bei Fräulein Spitzbarth in München gekauft, was man da nicht sieht: dazu weiße Sneakers
3. Casual im Möbelladen: Die Leinen-Latzhose, die ich in einem Shop in der Provence gekauft habe, darüber eine Vintage Adidas-Jacke, Tasche von Cos, Sneakers von Reebok

Der liebste meiner Artikel auf amazed: Ich mag alle, weil in allen Herzblut steckt, und ich mich mit jedem Artikel auf eine Art rausgewagt habe. In „Abschied vom Elternhaus“ habe ich exploriert, warum der antizipierte Abschied vom Familienhaus eigentlich so traurig macht und wofür dieses Haus alles steht. In „10 Wochen für meine Kreativität“ habe ich das Experiment beschrieben, mal „Nein“ zur Arbeit und „Ja“ zu neuen Erfahrungen zu sagen. In „Vom Dating, der Hoffnung und Enttäuschung“ beschreibe ich meine Gefühlsachterbahn, in die ich steige, sobald ich einen neuen Boi kennenlerne.

Das habe ich 2023 zum ersten Mal gemacht:
Eine längere Sommer-Auszeit vom Job genommen. Einen Clown-Kurs besucht. Einen Junggesellinnenabschied organisiert und eine Hochzeitsrede gehalten. Bei Speed-Dating mitgemacht (omg, schon fast wieder vergessen). Meine Mutter umgesiedelt. Auf einer Demo mitgelaufen. Einen Biber in freier Wildbahn gesehen, richtig nah. Einen Spaziergang mit einem Lama gemacht. Als Alleinreisende eine kreative Gruppenreise angetreten: Improtheater-Urlaub auf Korfu (große Empfehlung). Ein Huhn gestreichelt (keine Empfehlung). What a year!


Hier gehe ich 2024 wieder essen: In der „Orange Box“ in der Türkenstraße. Hierhin gehe ich seit Jahren gerne, ist nix für einen romantischen Abend, aber was für ein schnelles und immer gutes Mittagessen. Ich liebe die Mat-Rolle mit Halloumi oder den Glasnudelsalat mit gebratenen Austernpilzen, dazu einen frisch gepressten Saft. Außerdem ein guter Lunch-Spot: das „Butter“ in Neuhausen. Im Sommer sitze ich dort gern draußen und lausche den Gesprächen der Verlagsleute, die da irgendwie immer sind. Zu essen gibt es Nudeln mit Salat, täglich wechselnd. Das Besondere: Sie servieren es in einem großen Teller, 50% Nudeln, 50% Salat. I love it!

Ein Kauf, an dem ich noch lange Freude haben werde: Der große, knorrige Weinstock für meinen Balkon. Ursprünglich war die Idee, ihn als Lichterketten-Halterung zu verwenden. Dann hat er ausgeschlagen, ist gewachsen, hat meinen Balkon umrankt und sogar Trauben bekommen. Er hat mir so unerwartete Freude bereitet, dass ich hoffe, dass er den Winter auf dem zugigen Balkon übersteht

Was ich viel zu lange nicht gemacht habe und unbedingt mal wieder machen will:
Ich hätte mal wieder Lust auf eine Fernreise. Südafrika, Kanada, Australien, Bali, Mexiko, Brasilien, Japan, Südkorea, klingt alles toll. Aber als Single ist es gar nicht so einfach, sowas zu realisieren. Meine Freundinnen haben unterschiedliche eigene Pläne und Budgets. Und ich bin nicht unbedingt der Typ für Abenteuer-Alleinreisen.

Was ich sonst viel zu lange nicht gemacht habe und worauf ich mal wieder Lust hätte: mich Hals über Kopf zu verlieben.

3 Dinge, für die ich dankbar bin:
Ich bin unendlich dankbar für meine Freundschaften: neue, die sich gefestigt haben und alte, die wiederbelebt wurden. Ich bin außerdem dankbar für die Möglichkeit, seit diesem Jahr für amazed schreiben zu dürfen und meinen Gedanken hier Form, Farbe und idealerweise geneigtes Publikum geben zu können. Ich habe es oben schon erwähnt: Ich bin außerdem dankbar für meinen Job, der mir finanzielle Sicherheit und alle Möglichkeiten gibt, mein Leben so zu gestalten, wie ich es möchte. Ich erlebe oft, wie Menschen über Konzernjobs schimpfen. Ich empfinde es als Privileg, so einen Job zu haben.

Jahresausblick 2024

Ziele für 2024: Für 2024 will ich mal mit Offenheit und Neugierde erkunden, wie es sich anfühlt, kein Ziel zu haben. 2024 ist wirklich ein komplett unbeschriebenes Blatt für mich. Falls es ein Ziel braucht, dann hieße es: Klarkommen. 2024 soll mir Ruhe bringen.
Ein Gutes hatte das Scheißjahr 2023 doch: Jetzt kann es erstmal nur bergauf gehen. Ich mache mich derweil auch schonmal bereit für ein Wunder. Etwas, das mein Leben vollkommen zum Positiven verändern wird. Darauf will ich vorbereitet sein, könnte ja jeden Moment passieren.

Das nehme ich mir 2024 vor:
Einen Rhythmus zu finden als long-distance pflegende Angehörige. Weniger unterwegs zu sein, weniger Reise-Stress. Wobei ich mich frage, wie das gehen soll, wenn ich, sagen wir, alle 5-6 Wochen bei meiner Mutter bin. Ich will mich außerdem in Selbstmitgefühl üben. Kunst kaufen. Und mich bewegen, damit ich gesund bleibe.
Ab Januar habe ich meine Arbeitszeit wieder auf 30 Wochenstunden reduziert. In meinem letzten 30-Stunden-Versuch in der Vergangenheit hatte ich keinen festen freien Tag, habe Überstunden angehäuft und flexibel frei genommen. In 2024 möchte ich die Vier-Tage-Woche für mich ausprobieren. Ein freier Tag in der Woche für mich. Zum Lesen, Schreiben, Cafés entdecken. Ich möchte gerne mehr schreiben. Vielleicht werde ich den Tag auch für Kreativkurse nutzen, lerne endlich illustrieren, mache einen Tanzkurs (Hat jemand Lust auf West Coast Swing?) oder bilde mich im psychologischen Bereich weiter, starte zum Beispiel die Weiterbildung zur Familien- und Paartherapeutin. Alles, was mir guttut. Und oft genug werde ich an diesem Tag auch für andere da sein.

Woran will ich 2024 arbeiten: Ich finde, ich war in 2023 ziemlich stark. Hab mich durch alle schrecklichen Situationen durchgemeistert, meine Arbeit weggearbeitet, alle Deadlines eingehalten, eine Weiterbildung beendet, mich um andere gesorgt, eine Hochzeit als Trauzeugin begleitet, ein Sozialleben geführt und nebenbei noch gedatet. Für 2024 möchte ich dran arbeiten, nicht immer stark sein zu wollen. Was bedeutet Starksein eigentlich für mich? Und was passiert, wenn ich mal nicht stark bin? Ich möchte mich darin üben, nach Hilfe zu fragen und Hilfe anzunehmen.

Worauf ich 2024 verzichten kann: Hiobs-Botschaften, sowohl im Privaten als auch im Weltgeschehen. Knorpel im Hühnchenfleisch meiner Udon-Suppe.

Darauf freue ich mich in 2024: Dass auch in 2024 der Winter irgendwann in einen Frühling und Sommer übergeht. Ich habe außerdem die grobe Idee, ein paar Wochen Remote Work in Barcelona zu machen und dort einen Freund zu besuchen. Ich glaube, das würde mir gefallen.

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4 Antworten zu “Jahresrückblick 2023: Hanna”

  1. Liebe Hanna, dein Jahresrückblick hat mich zu Tränen gerührt und gleichzeitig auch wahnsinnig inspiriert und ermutigt. Danke für diesen sehr offenen Beitrag!

  2. Liebe Hanna, ich kann mich Lisbeth nur anschließen – vielen Dank für diesen offenen, ehrlichen Jahresrückblick – auf dass 2024 ein Wunderjahr wird! :)

  3. Was für ein schöner, warmer, inspirierender und berührender Jahresrückblick. Hat mich sehr überrascht, da ich nur noch ganz sporadisch bei amazed vorbeischaue. Und als Auch-Systemikerin fühle ich alles, was du zu deiner Weiterbildung schreibst. Ich wünsche dir Wunderbares für 2024 <3

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