Kolumne: Der Frauenhass der Frauen

14. Juli 2015 von in

Ich bin eine Feministin. Wie hoffentlich jeder in meinem Umfeld. Ich bin für Gleichstellung, ich bin für Sneaker, ich bin für High Heels, ich bin für Sex und für Abstinenz. Ich bin für Transparenz und für Toleranz. Wie hoffentlich jeder in meinem Umfeld.

Wenn mir jemand erklären möchte, wie Frauen und Männer sich unterscheiden, schalte ich auf Durchzug oder löse eine nicht enden wollende Diskussion aus, auf die ich mittlerweile so wenig Lust habe, wie auf die Vergleiche selbst. Weshalb ich mittlerweile auf Option 1 zurück greife. Kürzlich durfte ich ein Gespräch mithören, in dem über die Hälfte der Gesprächsteilnehmer einstimmig erklärte, dass männliche Chefs weitaus angenehmer seien, als weibliche. Frauen können einem im Job das Leben zur Hölle machen – was ich leider mitunter bestätigen konnte. Viele Frauen im selben Job gleichen einer Schlangengrube. Große Worte und an dieser Stelle ist wichtig zu betonen, dass das Gespräch nahezu ausschließlich von Frauen geführt wurde. Was ist da los? Ist der größte Feind, den wir Frauen vor allem in Deutschland haben, wir selbst?

„Ich habe nur männliche Freunde, ich komme mit Frauen einfach nicht klar“, ist ein Satz, den ich im Laufe meines Lebens nicht selten gehört habe. Ein Satz, den ich vor einigen Jahren selbst regelmäßig zum Besten gab. Grund eins: Ich verstand mich tatsächlich besser mit Männern als mit den meisten Frauen, die mich zu der Zeit umgaben. Grund zwei: Ich fand es cool, Männern zu erzählen, dass ich mich besser mit Männern verstehe, á la „Ich bin nicht wie alle Klischeefrauen, ihr könnt Spaß mit mir haben“.  Bis ich mir über die Jahre hinweg ein Freundschaftsharem an wunderbaren Frauen aneignete.

Einen Kreis von starken, selbstbewussten, intelligenten, lustigen und erfolgreichen Frauen, die aufrichtig neidlos die Awesomeness ihres Gegenübers anerkennen können, ohne jeglichem Konkurrenzgedanken. Es werden zweifellos immer mehr und ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich sagen kann, dass ich Frauen liebe. Genauso wie ich Männer liebe.

Frauenhass_02
@gilda_grazia_it

Ich frage mich, wo das Selbstbewusstsein, die leichte Selbstüberschätzung (die wir von dem einen oder anderen Mann kennen) und besonders der Stolz, bei so vielen Frauen abgeblieben ist. Statt starke und tolle Frauen zu unterstützen, wenigstens zu akzeptieren oder sie als sportlichen Wettkampf zu sehen, besinnen wir uns zu selten auf unsere eigene Stärken, sondern konzentrieren uns darauf, die Schwächen des Gegenübers zu finden und darauf herumzutrampeln.

Es fällt mir schwer, diese Worte zu schreiben, da sie gegen meine Traumvorstellung einer perfekten Welt arbeiten. Eine Welt, in der man ein Arschloch sein kann oder nett, ohne dass das Verhalten auf die Geschlechtsteile geschoben wird. Eine Welt, in der eine gutaussehende Frau ein hautenges, kurzes Kleid tragen kann und High Heels – und wir uns denken „YOU GO GIRL!“, während wir im Imbissladen gegenüber einen Döner mit extra vielen Zwiebeln essen.

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27 Antworten zu “Kolumne: Der Frauenhass der Frauen”

  1. puuu, zum glück kann ich mich zu den guten, coolen frauen zählen. ich frage mich immer, warum macht sich jeder das leben so schwer mit hass, neid und co. die haben alle kein selbstwertgefühl und hoffen sich durch lästereien besser zu fühlen. weird!

  2. Hammer Text! Ich liebe vor allem den letzten Satz – und merke leider auch bei mir selbst, dass ich dieses Konkurrenzdenken auch noch nicht so ausgeschaltet habe, wie ich es mir wünsche. Wieso fällt es Mädchen immer einfacher, über andere Frauen zu lästern, statt sich einfach auf sich zu konzentrieren? Ich bin auch der traurigen Meinung, dass sich da noch wirklich viel tun muss in der Gesellschaft – auf Seite der Frauen.

    • Es ist schön, dass du so einsichtig bist. Wenn das doch mehrere Frauen wären! Ich selbst ertappe mich auch noch gelegentlich dabei, über Frauen zu urteilen – eben genau in solchen Situationen wie die, die ich im letzten Satz beschreibe.

  3. „Statt starke und tolle Frauen zu unterstützen, wenigstens zu akzeptieren oder sie als sportlichen Wettkampf zu sehen, besinnen wir uns zu selten auf unsere eigene Stärken, sondern konzentrieren uns darauf, die Schwächen des Gegenübers zu finden und darauf herumzutrampeln.“

    Teil der Antwort ist die verinnerlichte Frauenfeindlichkeit. Seit wenigstens Jahrzehnten, ich würd vielleicht sogar sagen Jahrhunderten. Frauen wurden und werden systematisch klein gehalten, mit großen und kleinen Gesten. Und wenn Frauen lange genug gesagt bekommen wie sie wären, dann glaubt man das irgendwann auch und fällt in solche Fallen wo man sagt ‚Ja Männer sind viel angenehmer zum rumhängen, andere Frauen sind so kratzbürstig‘ u.ä., obwohl das nicht stimmt, das sind Darstellungen von Frauen die von Männern gemacht wurden, damit Frauen sich gegenseitig runtermachen und sich nicht zusammentun. Mag jetzt nicht mehr so bewusst passieren bei beiden Parteien, aber es stimmt immer noch. Ich mein sobald man zwei Frauen irgendwo hat, sagen wir mal ein Film, werden sie sofort gegenübergestellt, egal ob sie in irgendeiner Weise vergleichbar sind oder nicht. Hier wird extra noch eine künstliche Konkurrenz geschürt.
    Deswegen find ich es so wichtig schon bei jungen Mädchen das Bewusstsein zu schaffen, dass sie nicht aus Prinzip Konkurrentinnen sind, auch wenn die Gesellschaft ihnen das weiß machen will.

  4. danke! endlich, so gut und so wahr! was „wir“ dabei alle nicht kapieren ist, wenn wir gegen andere Frauen angehen, schaden wir uns bloss uns selbst. Und manchmal denk ich fast, wir hassen uns selbst ein bisschen, wenn wir uns so verhalten. ich versuch’s mit aller gewalt nicht so zu werden, aber oft ist gerade die generation 35/40+ (ich will’s nicht verallgemeinern, aber das sind halt meine erfahrungen) besonders fies in der beziehung. bitte, bitte denk alle dran, ihr werdet dadurch nicht besser indem ihr andere frauen runtermacht.

    yes. go, girls!!!

    • ich wollt’s echt nicht verallgemeinern, ich wollte damit nur sagen, dass wir vielleicht die chance haben, das anders zumachen als die o.g. generation, damit die, die nach uns kommen, selbstverständlicher fairer miteienander umgehen!

  5. Ich bin so dankbar für die Mädels in meinem Freundeskreis: alles unabhängige, starke Frauen die sich für andere freuen können. Richtig schlimm sind Mütter oder andere Schwangere dagegen: was da gegiftet und gezickt wird… unfassbar!! Dabei sollten wir uns doch unterstützen, das würde vieles so viel einfacher und angenehmer machen.
    Franzi von http://www.beeminent.wordpress.com

  6. Absolut richtig und Franzi hat Recht, in manchen „Gruppierungen“ ist es noch viel schlimmer! Mütter gleichen einem Mienenfeld, vor allem die ganz ambitionierten! Auch ich schließe mich nicht völlig aus, ich beurteile auch ab und an. Bin aber auch in der Lage wildfremden Frauen auf der Straße einfach mal zu sagen, wie wunderschön ich sie finde. Und dass will ich noch viel mehr intensivieren. Lg Jenny

  7. Das ist ein Post den ich so gar nicht erwartet hätte. Im Mainstream des Makeup Universums ein von Herzen treffender Post, der ich glaube, sämtliche Altersklassen an Frauen betrifft.
    Auf den Punkt gebracht wollen wir doch alle die Guten Coolen sein und beschreiben uns auch so.
    Beim nächsten Meeting sitzen wir jedoch wd in unserer eigenen Falle …
    bed hair days und schlecht sitzender Blazer und zack, ist sie da.
    Erfolg wird missgőnnt und Scheitern bejubelt. Manchmal nur still und im Innern, aber anwesend…
    Ein langer Weg, der Rückfälle beinhaltet liegt ein ganzes Leben vor uns. Jahaa, ist so…
    Ein Hoch auf Frauen wie dich, die ab und zu erinnern!

  8. “A woman will always be my best friend. I’ll never have a best friend who is a man. It just doesn’t work that way. So many times young girls will be like, ‘I’m a guy’s girl.’ And I’m like, ‘No, you’re not. There’s no way a man can understand you like a woman, and you’re a guy’s girl because you’re threatened by other women.’ I was like that. I was only men. But that’s because I felt special around men, and with a woman I can really be put in my place, and I’m on the same level as them. That’s the way it’s changed, is that I love women now, and I didn’t before. Because I was scared of them, because they understood me.”
    sehr gut- erinnert mich, was Jemima Kirke 2012 in nem GQ (lol) interview gesagt hat, das ich jetzt nicht wieder finde. gerade Frauen sollten sich lieber gegenseitig unterstützen, als niedermachen.

  9. Ich denke es mir jeden Tag! Wieso feiern wir uns nicht gegenseitig für Erreichtes und unterstützen uns anstatt missgünstig auf andere zu schauen? Deine Worte sollte sich jeder, mal mehr mal weniger, zu Herzen nehmen :)

    Liebst x

  10. Toller Artikel!!! Mich beschäftigt dieses Thema sehr. In einem Nebenjob konnte ich feststellen, wie unterschiedlich Frauengruppen doch sein können. Während es in ‚meiner‘ einfach toll klappte und ich gleichzeitig neue Freundinnen unterschiedlichen Alters dazugewinnen konnte, könnte man merken, wie es in anderen Gruppen völlig schief lief und Mobbing etc an der Tagesordnung stand. Es kommt wohl auch auf den Typ Frau an. Manchmal auch mehr mal weniger.
    Im übrigens liebe ich die Vielfalt, die Frauen (wie auch Männer) haben! Die sich nicht ausschließenden Gegensätze, sei es bei Schuhen (High Heels und Sneaker). Schüchtern und laut. Man ist nie nur eines.

    Ob Mann oder Frau, alle sollten zusammenhalten und auf sich achtgeben, andere so behandeln, wie sie selbst behandelt werden wollen. Es hängt nicht vom Geschlecht ab, wie ein Mensch ist, und das ist ja gerade das tolle!

  11. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass man die vermeintlichen Schwächen bei anderen Frauen nur sucht, weil man sich selbst deren offensichtliche Stärken wünscht, die diese Frauen scheinbar mühelos zur Schau tragen können und man sich das selbst vielleicht einfach nicht traut, sondern (noch) meint sich verstecken und bescheiden geben zu müssen – weil man es eben so beigebracht bekommen hat.
    Kann man auch wieder verlernen, ich arbeite dran… ist schwer.

  12. Ich möchte gar nicht bestreiten, dass es dieses Frauen-gegen-Frauen Phänomen gibt und das wir uns dies öfter vor Augen halten müssen, um aktiv dagegen steuern zu können.

    ABER. ich finde es es ebenso hilfreich zu hinterfragen, warum wir explizit von Frauenhass sprechen und nicht auch von Männerhass bzw Menschenhass. den mM nach beneiden und bekriegen sich Männer doch genau so untereinander. doch entweder wird ihnen das als männlich-positives Verhalten ausgelegt („der ist halt ambitioniert/ durchsetzungsstark/ ein Alpha-Männchen etc.) oder solch ein Verhalten wird als typisch menschlich eingeordnet.

    Was ich damit sagen will, vielleicht würde es uns Frauen auch weiterhelfen, wenn wir dieses Problem nicht als typisches Frauenproblem darstellen, sondern uns klar machen, dass dies bei beiden Geschlechtern auftaucht und wir alle an unserem Verhalten arbeiten sollten ;)

    Ansonsten noch: ich habe mich sehr über diesen Text und den über die Acne-Pullover gefreut :)
    Tolle Arbeit von euch Amazed-Girls :)

  13. Also erstmal:
    ich finde auch, dass du toll schreibst und ich verstehe deinen Grundgedanken. Aber ich finde es schwierig, das ganze als feministisches Denken zu deklarieren. Feminismus ist ja nicht “anti-Mann“ es ist (und bitte korrigier mich, wenn ich da falsch liege) die Einsicht, dass wir genauso viel Wert sind und damit einhergehend: die selben Chancen verdienen, wie die Männer.
    Ich persönlich habe tatsächlich schon immer mehr mit Männer rumgehangen, was nicht daran liegt, dass ich Frauen nicht mag, aber die Grundzüge vieler Männer sind weiger hinterlistig, als die der Frauen ( was ich aber schon wieder nicht verallgemeinern will, da ich auch eine beste freundin habe, bei der das nicht so ist).
    Einerseits schreibst du in deinem Artikel, dass Frauen, sich hin und wieder wie in einer Schlangengrube verhalten. Andererseits sagst du aber auch, dass man nicht ein Guy’s Girl seien kann, ohne die Konkurrenz von anderen Frauen nicht ertragen zu können (etwas kompliziert formuliert, aber ich hoffe du verstehst, was ich meine :D ).
    Aber diese beiden Standpunkte schließen sich doch beinahe gegenseitig aus. Wenn frau mit jemanden befreundet sein will, der mit ihr auf einer Augenhöhe ist, dann kann das auch ein Mann sein. Wir Frauen maßen uns doch auch an, zu verstehn, wie Männer ticken, warum Können dann Männer nicht auch verstehen, wie wir ticken ?

    Ich bin ein wenig verwirrt :D
    LG

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