Kolumne: Get out of your (fashion) comfortzone

24. November 2013 von in ,

Es ist Freitagabend, 21 Uhr. Ich stehe vor meinem Kleiderschrank und überlege, was ich gleich anziehen werde. Meine Wahl fällt auf meinen neuen schwarzen Rock. In der Umkleidekabine war es Liebe auf den ersten Blick. Beim Kauf dachte ich: „Perfekt für Abende zum Ausgehen.“ Also schlüpfe ich kurzerhand in Strumpfhose, Tshirt und Rock und ziehe dazu meine liebsten Pistol Boots an. So stehe ich vor dem Spiegel, finde mich toll. Drehe mich dreimal. Fühle mich komisch. Drehe mich nochmal dreimal – und denke: Nee, irgendwie doof. Minuten später stehe ich in Jeans vor dem Spiegel – und bin beruhigt. Ja, so kann ich raus. Wie immer halt.

Szenen wie diese gibt es oft. Und ich rede hier nicht von einem Rock in Regenbogenfarben, sondern einem schwarzen schlichten Rock, der sehr wohl in meine restliche Garderobe passt. Doch ich habe ein Problem: Neue Sachen – vor allem beim Thema Mode – auszuprobieren, sind nicht mein Ding. Ich setze immer wieder gerne auf altbewährtes oder neue Kleidung, die der altbewährten sehr ähnlich ist. Sachen, die mir stehen, die zu mir passen und in denen ich mich 100 Prozent Ich fühle. Das ist einerseits gut, manchmal aber auch langweilig.

Denn an fünf Abenden, die ich beispielsweise mit meiner guten Freundin O. verbringe, trage ich eine schwarze Röhrenjeans, ein schickes Shirt und einen Blazer oder eine Lederjacke. O. dagegen trägt zwar jedes Mal ein Kleid, immer wieder aber ein anderes. Ich setzte immer auf Nummer sicher – obwohl ich mich kurz davor noch mit der neuen Option vor dem Spiegel wohlgefühlt habe. Die Nummer sicher siegt immer. Und seien wir mal ehrlich: Richtig aufregend ist das nicht.

Wenn man weiß, was einem steht, wenn man seinen Stil gefunden hat und keine verrückten Farbexperimente mehr machen will, weil man sie eh nicht trägt, ist das einerseits sehr angenehm. Aber ein bisschen mehr Abenteuer – und sei es nur Freitagabends – in Sachen Mode könnte nicht schaden.

Und als wir an einem dieser Abende so an der Bar standen, meinte ich zu O.: „Stell dir mal vor, grad stand ich im Rock vor dem Spiegel – und bin am Ende doch wieder bei Jeans gelandet.“ Sie daraufhin: „Ja, das kenne ich, es gibt Abende, da setze ich auch immer auf das eine perfekte Outfit, in dem ich mich wohlfühle. Aber manchmal kann man ja auch was ausprobieren.“ Und sie hat Recht. Es ist gut, wenn man dieses On-The-Go-Outfit in petto hat. An Tagen, an denen die Haare nicht sitzen wollen, man die Welt eh doof findet und gar nicht in der Stimmung ist, ein allzugroßes Mode-Risiko (welch Sarkasmus – wie risikoreich ist es wohl für einen, einen Rock anzuziehen – sehr gering!) einzugehen. Aber es gibt auch Abende, an denen man sich wohl fühlt – und Lust auf Abenteuer verspürt.

Und so soll mein Motto künftig (erstmal beim Weggehen) sein: Get out of your (fashion) comfortzone. Nicht umsonst heißt es „Life begins at the end of your comfortzone“. Wie spannend (und minimal schrecklich) kann es sein, auch mal mit einem unsicheren Modegefühl loszuziehen. Gerade Freitagabends. Für ein Bewerbungsgespräch in dem ich 100 Prozent Ich sein will, würde ich das erstmal nicht machen. Aber abends in der Bar, da kann ich ein bisschen Modemut schon mal auf mich wirken lassen und hin und wieder meine sogenannte Wohlfühlzone verlassen. Mich an Rock oder Kleid gewöhnen. Mal die neuen High Heels tragen – ohne zu wissen, ob mir nicht vielleicht die Füße nach zwei Stunden weh tun. Und wenn sie es tun, weiß ich wenigstens Bescheid. Vom im Regalstehen werde ich es nie erfahren. Mal wieder mit Strumpfhosen losziehen – und eine Laufmasche riskieren. Die kältere Jacke nehmen, auch wenn ich vielleicht dann friere. Und vielleicht auch mal die unpraktische Clutch nehmen, weil sie einfach schöner aussieht.

Und wer weiß: Übung macht den Meister. Bestimmte Sachen sind sicherlich Gewöhnungssache. Schließlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Er richtet sich in seiner Wohlfühlzone ein, ist aber auf lange Sicht eben flexibel, diese umzustellen. Gleichzeitig kann so ein Abend mit etwas Unsicherheit ja auch ganz spannend sein, einem viel über sich selbst sagen. Und am Ende soll Mode ja auch Spaß machen, sie soll meinen Typ unterstreichen, soll aber auch spannend bleiben und mir immer wieder aufs Neue Freude bereiten. Das kann auch funktionieren – ohne, dass man gleich seinen Stil, sein Mode-Ich verrät. In diesem Sinne: Lasst uns wieder mehr ausprobieren!

Und jetzt ihr: Wem geht’s ähnlich? Wer zieht auch immer sein On-The-Go-Outfit an?

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25 Antworten zu “Kolumne: Get out of your (fashion) comfortzone”

  1. Mir geht es auch sehr oft so. Dabei hätte ich einen Haufen wunderbarer Kleider, die ich einfach nie trage, weil ich sie zu auffällig finde. Dabei fällt es wahrscheinlich genau mir auf und sonst niemandem.
    Vielen Dank für diesen Post – ich glaube, heute Abend trage ich mal wieder ein Kleid anstatt (wie immer) der schwarzen Röhrenjeans und Top!

    • Liebe Hanibla,
      ganz genauso gehts mir auch. Ich habe einige tolle Stücke im Kleiderschrank und lande dann auch bei meinen Lieblingsteilen. Aber künftig will ich mehr wieder wagen – und zwar mit Teilen, die ja zu mir passen – nur etwas von der Norm abweichen :)

  2. Oh Ich kenne das Gefühl – momentan ersetze Ich aber so gut wie meine ganze Garderobe, weil Ich gemerkt habe, dass sie mir gar nicht hundertprozentig entspricht und auch nur „safe bet“ war.
    Am besten finde Ich erst einmal die Basics zu ersetzen; die dürfen auch gerne, weil sie lange halten sollen, Highend sein und müssen meiner Figur gut entsprechen. Vorher habe Ich nicht genau darauf geachtet meine zierliche Person richtig zu verpacken.
    Ab da ist es viel einfacher auch neue Stücke auszuprobieren oder ein Modeteil auszuprobieren, was nicht sehr hochwertig sein muss, weil es nicht ewig währen wird.
    Der Versuch ausgefallene Stücke mit meiner alten Garderobe zu versöhnen war auf jeden Fall ein Fehlstart :“

    • Liebe June,
      Ja, gute Basics sind wichtig, da setze ich auch immer mehr auf gute Qualität. Und ich liebe auch meine Skinny-Tshirt-Blazer-Kombi, aber hier und da würde ich gerne ein wenig minimalistische Extravaganz in meinen Kleiderschrank bringen, die zu mir passt und trotzdem das ganze auffrischt :)
      Liebe Grüße!

  3. Ich glaube solche Moment kennt so ziemlich jede Frau :D Allerdings muss ich gestehen, dass mich meine beste Freundin darin etwas pusht. Neuerdings habe ich immer ihre Stimme im Kopf, dass ich auch ruhig dicker auftragen kann, statt immer nur auf die Kleinigkeiten zu setzen. Denn die Blicke zieht man so oder so an und dann fühlt man sich auch in einem neu versuchten Outfit (hoffentlich) wohl!

  4. Es tut mir leid, denn i.d.R. lese ich euch wirklich ganz gerne…
    Aber eine Kolumne über einen solchen, total uninteressanten Mumpitz zu machen, erinnert mich an Carrie B. und ihr Socken-Dilemma.
    Mein Gott! Zieh was Neues an, oder lass es halt bleiben.

    • Liebe Christina,
      natürlich ist das ein absolutes Luxusproblem – und relativ schnell lösbar :) Aber ich glaube, es geht vielen Mädchen/Frauen so ähnlich wie mir.
      Und warum nicht mal auch eine nette Kolumne über vermeintliche „Alltagsproblemchen“ schreiben? Dass ich damit nicht die Welt rette, ist klar, aber vielleicht hat es den ein oder anderen an sich erinnert oder eben erheitert. :) Kritische Kolumnen kommen auch wieder – aber wir wollen auch gerne mal so leichte Alltagskolumnen schreiben. Vielleicht gefällt dir ja die nächste besser :)
      Liebe Grüße!

  5. Hach, das kommt mir auch bekannt vor. Nicht nur Freitags Abends, auch ins Büro ziehe ich dann doch immer nur die gleichen Sachen an. Einerseits finde ich das ganz gut, da ich offensichtlich einen Stil gefunden habe der mir gefällt. Aber andererseits ist es schon manchmal ein bisschen langweilig (vor Allem da ich zu 90% komplett schwarze Klamotten trage). Ich bin also voll dabei auch mal was neues auszuprobieren und bin gespannt auf deine Erfahrungsberichte :-)

  6. Ich war ja schon immer ein Fan deiner Kolumnen – vielleicht gerade weil sie mal kritisch sind & in der nächsten es dann doch „nur“ um die typischen Alltagsprobleme einer Frau geht.

    Aber zum Thema: Ich kenne das Ganze so gut. Genau so ging es mir auch lange Zeit. In meinem Kleiderschrank gab es dann irgwann nur noch Schwarz/Grau/Weiß bzw. Basicshirts bzw. -pullis/Skinnyjeans/Lederjacken – passte einfach immer! Mittlerweile habe ich mir ein Schwarz-Verbot auferlegt & es dürfen nur noch Basics in diesen Farben nachgekauft werden. Es ist erstaunlich, aber seitdem werde ich so oft angesprochen & bekomme Komplimente, wenn ich mal ein bisschen in das Farbtöpfchen greife oder mal zu etwas Verspieltem greife. Außerdem fällt mir das Kombinieren jetzt viel leichter, da nicht immer der „Basic-Overkill“ zum Zugreifen verleitet!
    Wenn ich dann doch in alte Muster verfalle, dann muss wenigstens eine schlichte Statement-Kette (kleiner Widerspruch, ich weiß) das Ganze ein wenig auffrischen.

    • Liebes Terrorbambi,

      vielen Dank. So soll es sein, gerne mal (gesellschafts-)kritisch, aber dann auch einfach mal die typischen Alltagsproblemchen :) Auch das ist ja kein Widerspruch :)

      Ja, genau so gehts mir gerade, in meinem Kleiderschrank befindet sich nur Schwarz, Grau, Weiß und ich liebe alles. Nur manchmal fehlt mir mittlerweile der gewisse Modemut, doch mal was neues zu wagen. Und das nervt mich selber. Schmuck oder andere auffälligere Accessoires sind vielleicht ein erster Weg sich heranzuwagen, mal schauen, wie ich das ganze umsetze.
      Dein Weg klingt auf jeden Fall schon mal sehr gut :)
      Liebste Grüße!

  7. Mir geht es ähnlich! Mein Trick: neue Errungenschaften werden bei mir erstmal zum Besuch von Oma angezogen, oder wenn ich Besuch kriege, und wir bei mir bleiben. So habe ich oft schon etwas Selbstbewusstsein in dem Kleidungsstück und kann auf die Frage: ‚Wow, ist das neu?‘ Lässig mit: ‚Nee, trage ich öfter mal‘ antworten ;)

  8. Au ja … kenn ich. In meinem Schrank wartet ein wunderschöner, über knielanger (original 50s <3) Tellerrock aus schwarzem Taft … Blockstreifen in Tannengrün und vereinzelten Ringen in Senfgelb und Weinrot … der sowohl schick als auch mit cool mit Lederjacke und Sneakers kombiniert werden kann.
    Ich liebäugle täglich mit ihm, und gehe trotzdem auf Nummer Sicher in Highwaist Jeans und schwarzem Pulli. Komisch eigentlich, denn noch vor einem Jahr war ich viel experimentierfreudiger.

    Aber ich denke die Phase überwinden wir! ;)

  9. Ich finde es total beruhigend, dass es einem Modeprofi auch mal so gehen kann! Ich bin momentan eher in einer experimentierfreudigen Phase, hatte aber auch schon solche Zeiten, in denen ich mich gerne in meine Kleidchen+Lederjacke-Sicherheitsuniform zurückgezogen habe. Es scheint mir wichtig, eine Balance zwischen den persönlichen Klassikern für Stresssituationen und dem Spaß an neuer Mode zu finden…

  10. Hallo,
    ich bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen und muss dir ein Kompliment sagen. Wirklich toll geschrieben und vor allem sehr ausführlich. Es ist so, als ob man das hautnah miterleben würde.
    Ich persönlich, kenne nur die „Jogginghose“ als Komfortzone:D, die ich dann aber auch nur auf dem Sofa (wenn mal nichts ansteht) an habe. Da ich doch sehr kreativ bin,langweilen mich Dinge einfach auf Dauer. So ist es mit Orten, Kleidung und Kunst :). Daher denke ich schon dass ich immer noch gerne experimentiere, aber mich dennoch nicht selbst verkleidet fühle. Ich denke dass Wichtigste ist eh dass man sich in seiner Haut wohl fühlt.
    Grüße aus München
    Katharina

    http://www.katharinakirschner.blogspot.de

  11. Da ich Momentan wieder in der Kleinstadt gefangen bin greife ich oft, vielleicht auch zu oft in die Abteilung der „ich kenn dich. ich mag dich. dich zieh ich an“ Kleiderschrank Abteilung. Sobald mich das kribbeln aber packt, meist wenn ich in Berlin oder Hamburg zu besuch bin, werde ich mutiger. Mutig und Selbstbewusst. In der Kleinstadt mit Heels und einem ZEBRA-print-coat? Bitte nicht nochmal, diese Blicke – und dass obwohl ich mich in diesen Teilen Pudelwohl fühle.
    Ich bin für mehr Modemut, vielleicht gerade an grauen Tagen aber umso lieber an Tagen mit den liebsten Freunden.

    Liebe grüße
    Patricia

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