Kolumne: Heute will ich keine Rosen

8. März 2020 von in

Weltfrauentag. Das bedeutet heute vor allem, dass man vom Boss eine Rose bekommt, es Prosecco im Angebot gibt und dass Reiseunternehmen „Mädelswochenenden“ promoten. Er gesellt sich heute als Marketing-Event in eine Reihe mit Valentinstag und Black Friday – und steht rot im Kalender von Werbeunternehmen, die ihn als willkommene Gelegenheit nutzen, um unter dem Motto „Frauen feiern“ ein paar pink eingefärbte Sonderangebote „für Mädels“ springen zu lassen – und ihre weibliche Zielgruppe zu umschmeicheln.

Ein antisexistischer Kampftag

Unter dem Deckmantel der Wertschätzung werden so Geschlechterklischees vermarktet, somit erneuert und zementiert. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was sich die Frauen gedacht haben, die den Frauentag vor mehr als 100 Jahren initiiert haben. Denn der internationale Frauentag hatte eigentlich wenig damit zu tun, Frauen zu „feiern“ – erst Recht nicht in Form von Rosen und pinken Sonderangeboten. Er wurde als Kampf- und Streiktag von Frauen in der sozialistischen Bewegung konzipiert, die für Wahl- und Arbeiterinnenrechte einstanden – allen voran die deutsche Sozialistin Clara Zetkin. Er ist ein antisexistischer Kampftag.

 

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Heute sind wir sehr viel weiter als zu Clara Zetkins Zeiten – daran besteht kein Zweifel. Am Ziel sind wir deswegen noch lange nicht. Dass der Frauentag auch ganze 109 Jahre, nachdem er zum ersten Mal stattgefunden hat, nach wie vor beinahe weltweit begangen wird – in Berlin ist er seit letztem Jahr sogar ein gesetzlicher Feiertag – zeigt deutlich, dass es immer noch ausreichend Anlass zum Streiken gibt. Gleiche Rechte für alle Geschlechter – sei es in Bezug auf Gehalt, Chancen oder Repräsentation – sind trotz Fortschritten nach wie vor weltweit Utopie. Sexismus sitzt immer noch in nahezu jeder Chefetage, jedem Parlament, jedem Pressehaus, jeder Schule, jeder Uni. Wir sind weit entfernt von sexueller Selbstbestimmung, es finden nach wie vor täglich Femizide statt, misogyne Männer beherrschen einige der größten Industrienationen der Welt und auch in unserem eigenen Bundestag sitzt eine Partei, die uns gerne in Schürze vorm Herd sehen würde. Der Frauentag sollte der Tag sein, an dem wir alljährlich so laut und klar wie möglich daran erinnern: Wir sind noch lange nicht am Ziel!

Rosen als Ablenkungsmanöver

Macht man sich diese Realität bewusst, dann wirken die obligatorischen Rosen zum Frauentag wie ein ziemlich zynischer Trostpreis. Klar, Blumen sind nett. Nur Monster mögen keine Blumen – unabhängig von Geschlecht. Mit wahrer Wertschätzung haben sie trotzdem meist wenig zu tun – vor allem, wenn sie von Menschen kommen, denen die Belange von Frauen die restlichen 364 Tage egal sind. Rosen ohne echte Solidarität zementieren nicht nur ein ziemlich staubiges Klischee – alle Frauen lieben schließlich Blumen, Schmuck und Handtaschen –, sondern wirken auch wie ein Ablenkungsmanöver. Und das gilt auch für das ganze Marketingkonzept des Weltfrauentages, dessen kämpferische Essenz gerne in Sonderangeboten, witzigen Werbegags und klischeehaften PR-Moves erstickt wird.

Es ist also heute wichtiger denn je, an den Ursprung des Frauentages zu erinnern und dafür zu sorgen, dass er nicht zum reinen Shopping-Event verkommt. Denn so lange Sexismus noch existiert, zählen Rosen nicht als Zeichen der Wertschätzung von Frauen. Strukturelle Veränderungen, Gleichstellungsmaßnahmen, Repräsentation und echte Solidarität hingegen schon. Es gibt einiges zu tun! Lasst uns genau das gemeinsam einfordern! Am 8. März, in eurer Stadt, bei der großen Demo zum Frauenkampftag.

 

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Demos und Streiks zum Frauenkampftag 2020

BERLIN – 14h Leopoldplatz

BREMEN – 13h Goetheplatz

DORTMUND – 14h Friedensplatz

DRESDEN – 12h Altmarkt

ERFURT – 14h Hauptbahnhof

HALLE – 12.30h Universitätsring

HAMBURG – 15h Landungsbrücken

HANNOVER – 14h Hauptbahnhof

HEIDELBERG – 14.30h Bismarckplatz

KAISERSLAUTERN – 16h Markststraße

KOBLENZ – 14h Hauptbahnhof

KÖLN – 15h Roncalliplatz

LEIPZIG – 14h Karl-Liebknecht-Str./Kurt-Eisner-Str.

MANNHEIM – 11h Paradeplatz

MÜNCHEN – 13h Marienplatz

NÜRNBERG – 14h Lorenzkirche

REGENSBURG – 13h St. Kassians Platz

ROSTOCK – 14.30h Schillingallee

ROSTOCK – 14.30h Stadtmitte

STUTTGART – 11.30h Karlsplatz

WIESBADEN – 12.30h Hauptbahnhof

 

 

 

Bildcredits: Wikimedia / Unsplash

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